Lugeck

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Ansicht des Lugeck aus dem Jahre 1725.
Art des Objekts Verkehrsfläche
Jahr von 1338
Jahr bis
Name seit 1504
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Neue Fleischbänke, Niedere Fleischbänke
Benannt nach Hausbezeichnungen, "Auf dem Lug am Eck unter den Fleischbänken", „Auf dem Lueg", „Am Luegegk bei den Fleischbänken"
Bezirk 1
Lage
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildname Lugeck 1725.jpg
Bildunterschrift  Ansicht des Lugeck aus dem Jahre 1725.
Bildquelle Wilhelm Kisch: Wien. Wien: Gottlieb 1883
Bildrechte
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Lugeck (1). Die ältesten urkundlichen Nennungen des Platzes, an dem die beiden Bäckerstraßen (heute Bäckerstraße und Sonnenfelsgasse) gegen den Lichtensteg in die Bischofgasse (heute Rotenturmstraße) mündeten, fallen in die Jahre 1338 ("Unter den Fleischbänken bei St. Stephan"; sie hießen 1360 Neue beziehungsweise 1384 Niedere Fleischbänke [zum Unterschied von den Oberen am Lichtensteg]), 1368 und 1398 (Am Lichtensteg). 1379 findet sich für das Haus Lugeck 1, Rotenturmstraße 8 die Bezeichnung "Auf dem Lug am Eck unter den Fleischbänken", 1387 "Auf dem Lueg" und 1435 "Am Luegegk bei den Fleischbänken", woraus sich ab 1504 der Platzname Lugeck einbürgerte; auf dem Stich der Serie von Pfeffel-Kleiner (18. Jahrhundert) findet sich merkwürdigerweise die Bezeichnung "Lübeck". Das Lugeck war seit altersher Alarmplatz für die Bewohner des Stubenviertels (Feuerordnung 1458, Wolfgang Schmeltzl 1547). 1521/1522 wird der Platz als eine der vier Stätten bezeichnet, an denen öffentliche Maueranschläge vorgenommen wurden (die drei anderen waren die Stephanskirche, der Michaelerfreithof und das niederösterreichische Ständehaus). 1529 stand am Lugeck vorübergehend ein Galgen für hinzurichtende Plünderer. Die Fleischbänke verschwanden allmählich, die letzten werden jedoch noch 1701 erwähnt.

1., Lugeck, um 1940

Gebäude

Hervorlugende Figur am Lugeck.
  • Nummer 4 (Bäckerstraße 1, Sonnenfelsgasse 14): Hier stand seinerzeit der Regensburger Hof (dessen Parzelle bis dorthin reichte, wo heute das Gutenbergdenkmal steht); an seiner Stelle errichtete Franz von Neumann 1897 das Warenhaus Orendi, wobei er sich bemühte, sich an die charakteristischen Bauformen des alten Gebäudes anzupassen (Restaurierung 1992/1993); lebensgroße Statue Friedrichs III. von Theodor Friedl in einer Fassadennische in der Höhe des dritten Stockwerks (der Kaiser wurde 1470 in diesem Hof von Bürgermeister Niklas Teschler empfangen); Gedenktafel in der Bäckerstraße Am Seitenerker Konsolfiguren (Mann und Frau in altdeutscher Tracht, die hervor„lugen") von Friedl. Fälschlicher Hinweis auf das Versatzamt (Dorotheum).
  • Nummer 5 (Wollzeile 5): Wohnhaus (ursprünglich Hausname "Zum schmeckenden [das heißt riechenden] Wurm", der an die Sage erinnert, im Keller habe man ein lindwurmartiges Ungeheuer gefunden, das einen widerlichen Gestank verbreitete), erbaut Ende 18. Jahrhunderts von Josef Reymund dem Jüngeren (Neufassadierung erste Hälfte 19. Jahrhundert); Durchhaus zur Wollzeile.
  • Nummer 7 (Rotenturmstraße 6): ehemaliger Großer Federlhof, erbaut 1846/1847 von Leopold Mayer; in der Einfahrt Reste eines Renaissanceportals (1495-1497) und ein Relief „Krönung Maria" (17. Jahrhundert), an der Fassade Gedenktafel für Carl Ritter von Ghega, der 1860 hier gestorben ist. 1713/1714 wohnte hier Gottfried Wilhelm Leibniz (Leibnizgasse), angeblich auch Paracelsus; um 1780 befand sich im sechsten Stockwerk das Observatorium von J. J. Monsberger. Marcus-Curtius-Loch.

Literatur

  • Emmerich Siegris: Alte Wiener Hauszeichen und Ladenschilder. Wien: Burgverlag 1924, S. 79
  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 97 f.
  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien: Jugend und Volk, Ed. Wien, Dachs-Verlag 1993, S. 109 ff.
  • Ferdinand Lettmayer [Hg.]: Wien um die Mitte des XX. Jahrhunderts - ein Querschnitt durch Landschaft, Geschichte, soziale und technische Einrichtungen, wirtschaftliche und politische Stellung und durch das kulturelle Leben. Wien: 1958, S. 208 f.
  • Gustav Gugitz, Das Marcus-Curtius-Loch, in: WGB11. 5 (1950), S. 1 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 469
  • Hans Markl: Kennst du alle berühmten Gedenkstätten Wiens? Wien [u.a.]: Pechan 1959 (Perlenreihe, 1008), S. 52 f.
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 86
  • Richard Perger: Straßen, Türme und Basteien. Das Straßennetz der Wiener City in seiner Entwicklung und seinen Namen. Wien: Deuticke 1991 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 22)
  • Robert Mucnjak: Führer durch Alt-Wien. Innere Stadt. Wien: Der Museumsverein Innere Stadt 1980 (Schriftenreihe des Bezirksmuseums, 3), S. 68 f.
  • Unsere Heimat. Zeitschrift für Landeskunde von Niederösterreich. St. Pölten: Verein für Landeskunde von Niederösterreich 1929, S. 24 ff.
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 560 f.