Linienwall

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Das letzte Stück Linienwall an der St. Marxer-Linie (1903)
Art des Bauwerks Sonstiges
Jahr von 1704
Jahr bis 1894
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildname Linienwall.jpg
Bildunterschrift  Das letzte Stück Linienwall an der St. Marxer-Linie (1903)
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus, Druckschriftensammlung, d-172820/3
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
3Rundweg
3Landstraßer Gürtel

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Lerchenfelder Linie

Die Errichtung des Linienwalls wurde Leopold I. von einer (mit Hofdekret vom 17. Dezember 1703 eingesetzten) Hofkommission unter dem Vorsitz des Prinzen Eugen von Savoyen aus Verteidigungsgründen (gegen die bedrohliche Einfälle der Kuruzzen, die insbesondere am 13. März und am 11. Juni abgewehrt werden mussten) empfohlen. Nach der Genehmigung des Projekts durch den Kaiser und Einführung einer allgemeinen Schanzsteuer für die Befestigung von Stadt und Vorstädten (Patent vom 16. Jänner 1704, am 4. Juni 1704 [da man nicht das Auslangen fand] neuerlich beschlossen) entwarf der Hofmathematiker Johann Jakob Marinoni die Pläne, sodass (nach Aussteckung der Trasse) die Arbeiten am 26. März 1704 begonnen werden konnten. Alle Einwohner der Stadt zwischen 18 und 60 Jahren mussten Schanzarbeit leisten oder einen Vertreter stellen. Täglich waren etwa 1.000 Personen beschäftigt.

Linienwall bei der St. Marxer-Linie (1900)

Bereits am 11. Juli 1704 vollendet, wurde der Wall 1738 mit Ziegeln aufgemauert. Der Linienwall umgab die Stadt in einem unregelmäßigen Halbkreis vom Donaukanal bei St. Marx bis zur Vorstadt Lichtental. Er war zwölf Fuß hoch, ebenso breit, besaß einen anderthalb Klafter tiefen vorgelagerten Graben, verlief in Ecken und Winkeln und hatte eine Gesamtlänge von rund 13 Kilometer. An den wichtigsten Ausfallstraßen wurden Tore und ärarische Gebäude errichtet, in denen die Aufschlagämter untergebracht wurden (Einhebung von Mauten). 1705 hob man alle bisherigen alten Mauten Am Tabor, bei St. Marx, bei den Paulanern, auf der Laimgrube und in der Roßau auf und verlegte sie an die neue (äußere) Linie. Alle anderen Mauten kamen erst 1811 an den Lineinwall. Die ärarischen Gebäude wurden im Volksmund „Linien" genannt. Bei den über den Liniengraben führenden Brücken wurden Linienkapellen errichtet, die dem heiligen Johannes Nepomuk geweiht wurden. Nachdem an der Wende zum 19. Jahrhundert die Zugbrücken aufgelassen und der Graben vor dem Linienwall aufgefüllt worden war, wurden absperrbare Gittertore errichtet. Ab 1829 hoben die Linienämter von allen in die Stadt gebrachten Lebensmitteln (aber auch von anderen Verbrauchsgütern) die Verzehrungssteuer ein, die die bisherigen Abgaben ersetzte. Am 24. Oktober 1848 begann an den verbarrikadierten Linien der Kampf der Revolutionäre gegen die kaiserlichen Truppen. Die kaiserlichen Truppen konnten am 28. Oktober die Linientore überwinden und in die Vorstädte eindringen.

Obwohl der Linienwall seine fortifikatorische Bedeutung verloren hatte, blieb er wegen der Einhebung der Verzehrungssteuer weiter erhalten. Ungefähr dem Verlauf des Linienwalls folgend, wurde ab 1873 (noch außerhalb desselben) die Gürtelstraße errichtet. Da das Leben innerhalb der Linien infolge der Besteuerung der Lebensmittel teurer war als außerhalb, bildete der Linienwall zugleich eine soziale Grenze, da sich die minderbemittelten Bewohner außerhalb des Linienwalls ansiedelten (wo wegen der niedrigeren Grundstückspreise auch die Mieten billiger waren). Diese Entwicklung führte nicht nur zur Ansiedlung von Industriebetrieben in der Nähe der Arbeiterquartiere, sondern auch zum Entstehen von Rasterwohnvierteln mit Substandardwohnungen. Die niedrigeren Lebenshaltungskosten waren bei den Verhandlungen über die Eingemeindung der Vororte ein wesentliches Argument der Eingemeindungsgegner. Als die Eingemeindung schließlich 1890/1892 vollzogen wurde, wurde der Linienwall am 21. August 1893 der Gemeinde Wien übergeben und ab 5. März 1894 demoliert. Daraufhin wurde mit der Verbauung der eingeebneten Wallanlage begonnen. Die Verzehrungssteuergrenze rückte weiter an die Stadtgrenze hinaus, wo neue Linienämter errichtet wurden.

Reste des Linienwalls finden sich am Rundweg (3) und im Einschnitt der Verbindungsbahn bei deren Überquerung des Landstraßer Gürtels. Linienamt, Linienkapellen.

Literatur

  • Ferdinand Opll: Alte Grenzen im Wiener Raum. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1986 (Kommentare zum Historischen Atlas von Wien, 4), S. 83 ff.
  • Denkschrift über die Einbeziehung der Wiener Vororte in den Verzehrungssteuer-Rayon. 1881
  • Änderung der Wiener Linien-Verzehrungssteuer. 1891
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1895]). Cosenza: Brenner 1967, Band 3, S. 302 ff.
  • Ernest Blaschek [Hg.]: Mariahilf einst und jetzt. Wien [u.a.]: Gerlach & Wiedling 1926 (Wiener Heimatbücher)
  • Leopold Donatin: Der Alsergrund einst und jetzt. Für die Jugend und das Volk geschildert. Wien 1904, S. 7 ff.
  • Bauarbeiter stießen auf Linienwall. In: Das Heimatmuseum Alsergrund. Mitteilungsblatt des Museumsvereines Alsergrund. Blatt Nr. 177. Wien: Museumsverein Alsergrund 1988, S. 7
  • Kurier, 4.12.1986
  • Währing. Ein Heimatbuch des 18. Wiener Gemeindebezirks. Wien: Selbstverlag Währinger Heimatkunde 1923-1925, S. 113 f.
  • Wolfgang Mayer: Gebietsänderungen im Raume Wien 1850-1910 und die Debatten um die Entstehung des Generalregulierungsplanes von Wien. Diss. Univ. Wien. Wien 1972
  • Wolfgang Mayer: Der Linienwall. In: Katalog WStLA 13/1986;
  • Statuten des Linienwallbauvereines in Wien. 1891
  • Presse, Nr. 217/1891;
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 36 f., 122