Lili Hutterstrasser-Scheidl

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Personenname Hutterstrasser-Scheidl, Lili
Abweichende Namensform Hans, Lio, Scheidl-Hutterstrasser, Lili
Titel
Geschlecht weiblich
GND 136219802
Geburtsdatum 07.10.1882
Geburtsort Wien
Sterbedatum 22.04.1942
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum 27.04.1942
Friedhof Friedhof Hietzing
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Komponistin
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  10.01.2018 durch WIEN1\lanm09lue
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Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Wohnadresse7Neustiftgasse36
Wohnadresse18Cottagegasse21
NameVerwandtschaftsgrad
Hermine Kunz-HutterstrasserCousine
Eduard HutterstrasserVater
Charles VernayCousin

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Lili Hutterstrasser-Scheidl, * 7. Oktober 1882 Wien, † 22. April 1942 Wien, Komponistin.

Biographie

Lili Hutterstrasser-Scheidl, die als Komponistin das Pseudonym Lio Hans verwendete, war die Tochter des Blumen- und Schmuckfedernfabrikanten Eduard Hutterstrasser und seiner Frau Amélie, geborene Töpper. Ihre Mutter starb, als Lili Hutterstrasser noch keine drei Jahre alt war. Sie wuchs in einem großbürgerlichen, musisch-interessierten Umfeld auf. Johann Strauß Vater war ein Freund ihres Großvaters und mit ihrem Cousin, dem Eigentümer der Bösendorfer Klavierfabrik Carl Hutterstrasser, gab es noch einen weiteren Komponisten im Umkreis der Familie.

Ab Juli 1909 war sie mit dem späteren Generalstabsarzt Hans Scheidl verheiratet, mit dem sie zwei Töchter hatte. Die Familie bewohnte eine Villa im Cottageviertel, in der sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens trafen. Häufig war ihr Heim auch Veranstaltungsort für Feste und Feiern, sowohl privater Natur als auch für wohltätige Zwecke.

Lili Hutterstrasser-Scheidl war künstlerisch begabt und interessierte sich neben der Musik auch für die Malerei. Nachdem 1907 ihre ersten Lieder bei Doblinger veröffentlicht wurden, verfolgte sie ihre musikalische Ausbildung konsequent weiter. Sie nahm Klavier- und Violinunterricht, studierte Gesang sowie Komposition und Instrumentationslehre. Besonders die beiden letztgenannten Fächer betrieb sie mit großem Ehrgeiz und im Bewusstsein, in eine Männerdomäne einzudringen.

Spätestens ab 1905 wurden ihre Werke unter dem Pseudonym Lio Hans im Bösendorfersaal und im Ehrbarsaal regelmäßig aufgeführt. Darunter fanden sich viele Lieder, wie beispielsweise "Todeslust", "Der Zigeuner" oder "Helle Nächte". Ihr primär vokal ausgerichtetes Werk im spätromantischen Stil umfasste neben Liedern mit Klavier und Gesängen mit Orchester oder Instrumentalbegleitung auch sechs Opern, von denen heute fünf als verschollen gelten.

Ihre guten privaten Kontakte zu namhaften Persönlichkeiten der Musikwelt, wie beispielsweise Richard Strauss oder Felix Weingartner, waren der Aufführungspraxis ihrer Werke vermutlich nicht abträglich. Unter der Leitung von Werner Wolff wurde 1914 ihre symphonische Dichtung "Die Hexe" im Großen Musikvereinssaal aufgeführt, unter Felix Weingartner mit den Wiener Philharmonikern im Dezember 1919 die Uraufführung ihrer Oper "Maria von Magdala" an der Wiener Volksoper inszeniert. Publikum und Presse kommentierten ihre Kompositionen teils äußerst positiv, teils durchaus kritisch. Ein wiederkehrendes Thema in den zeitgenössischen Pressemeldungen war die von geschlechterstereotypen durchdrungene Diskussion darüber, inwiefern die Kompositionen einer Frau überhaupt an das Niveau von Männern heranreichen können.

Nach 1919 nahm die Häufigkeit ihrer Aufführungen ab; zu Beginn der 1930er Jahre wurden einige ihrer Werke via Rundfunk ausgestrahlt.

Zeitungsberichte legen nahe, dass das Ehepaar Hutterstrasser-Scheidl zu Beginn der 1930er Jahre mit schweren wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatte und möglicherweise sogar die Villa in Währing versteigern musste. Bekannt ist, dass Lili Hutterstrasser-Scheidl bereits im Jänner 1938 der NSDAP beitrat und durch antisemitische Äußerungen auffiel. So gab sie beispielsweise an, sie fühle sich aufgrund "jüdischen Einflusses" benachteiligt, da sie deshalb weniger Aufführungen habe. Dies sei mit ein Grund dafür, weshalb sie in Schulden geraten sei.

Lili Hutterstrasser-Scheidl verstarb im April 1942 in der "Wiener Privat-Klinik" im 9. Bezirk. Viele ihrer Musikdrucke und Musikhandschriften finden sich in der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus.

Literatur

  • Ilse Korotin [Hg.]: biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 1. Wien / Köln / Weimar: Böhlau Verlag 2016, S. 1186 f.
  • Elke Krasny: Stadt und Frauen. Eine andere Topographie von Wien. Wien: Metroverlag 2008, S. 55
  • Eva Marx / Gerlinde Haas: 210 österreichische Komponistinnen. Vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ein Lexikon. Wien: Residenz Verlag 2001, S. 323-329 (inkl. Werkverzeichnis)
  • Wienbibliothek im Rathaus/Tagblattarchiv: Scheidl-Hutterstrasser, Lili [Sign.: TP-047100]
  • Oesterreichisches Musiklexikon online: Hutterstrasser, Familie [Stand: 07.12.2017]

Links