Leopold I.

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Personenname Leopold I.
Abweichende Namensform
Titel Kaiser, König
Geschlecht männlich
GND
Geburtsdatum 09.06.1640
Geburtsort Wien
Sterbedatum 05.05.1705
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum
Friedhof Kapuzinergruft
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Regent
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
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Leopold I., * 9. Juni 1640 Wien, † 5. Mai 1705 Wien (Kapuzinergruft), römisch-deutscher Kaiser aus dem Haus Habsburg (1658-1705; Krönung 18. Juli 1658 Frankfurt/Main), König von Ungarn (Krönung 27. Juni 1655 Pressburg, St. Martin), König von Böhmen (Krönung 14. September 1656 Prag, Veitsdom), Sohn von Ferdinand III. und Maria Anna von Spanien, erste Gattin (12. Dezember 1666 Wien) Margarita Teresa (* 12. Juli 1651 Modena, † 22. März 1673 Wien; Tochter König Philipps IV. von Spanien), zweite Gattin (15. Oktober 1673 Graz) Claudia Felicitas (* 30. Mai 1653 Innsbruck, † 8. April 1676 Wien; Tochter Ferdinand Karls von Tirol), dritte Gattin (10. Dezember 1676 Wien) Eleonore Magdalena von Pfalz-Neuburg (*6. Jänner 1655 Düsseldorf, † 19. Jänner 1720 Wien; Schwester Johann Wilhelms von Pfalz-Neuburg).

Biographie

Leopold wurde durch die Jesuiten zunächst für den geistlichen Stand erzogen, bis ihm der frühe Tod seines Bruders Ferdinand (IV.) 1654 die Erbfolge in Österreich und Ungarn (1655) sowie in Böhmen (1656) und nach dem Tod seines Vaters (1657) trotz des Widerstands Ludwigs XIV. von Frankreich die Kaiserkrone einbrachte. Der umfassend gebildete, fest im katholischen Glauben verankerte, sprachgewandte, mehr musisch als militärisch begabte und seinen künstlerischen Neigungen persönlich aktiv nachgehende Herrscher war auch in seinem Privatleben untadelig von der Aufgabe seines Amts durchdrungen und ein entscheidender Wegbereiter der Großmachtwerdung Österreichs. 1662-1664 geriet er in Siebenbürgen in Auseinandersetzungen mit den Türken, die den mittleren Teil Ungarns beherrschten (ungünstiger Friedensschluss von Vasvár). Die antihabsburgische Opposition in Ungarn konnte durch die Niederwerfung der „Magnatenverschwörung" (1670) und die Überwindung des mit den Türken verbundenen Emmerich Thököly (1672-99) beseitigt werden. Das Ende des Kampfes um das Erbe der 1700 ausgestorbenen spanischen Linie der Habsburger (Spanischer Erbfolgekrieg) hat Leopold I. nicht mehr erlebt. Als die Türken 1683 gegen Wien vorrückten (zweite Türkenbelagerung), verließ er mit dem Hof die Stadt, ging nach Passau und überließ die Verteidigung Wiens Bürgermeister Liebenberg und Ernst Rüdiger von Starhemberg; die siegreiche Entsatzschlacht am Kahlenberg (12. September 1683) führte zur Aufhebung der türkischen Belagerung Wiens und leitete anschließend die Rückgewinnung ganz Ungarns sowie Siebenbürgens für das Haus Österreich ein (Friede von Karlowitz 1699). Die berühmtesten Feldherren, auf die sich Leopold I. in diesen jahrzehntelangen Kriegen stützen konnte, waren Raimund Graf Montecuccoli (Montecuccoli), Herzog Karl V. Leopold von Lothringen, die Markgrafen Hermann und Ludwig Wilhelm von Baden, Ernst Rüdiger Graf Starhemberg, Kurfürst Max Emanuel von Bayern (damals noch auf kaiserlicher Seite) und Prinz Eugen von Savoyen; zu den fähigsten Staatsmännern zählten die Hofkanzler Johann Paul Hocher und Theodor Strattmann. Als oberstes Gremium zur Lenkung der Außenpolitik schuf Leopold 1669 die Geheime Konferenz; der allzu umfangreich gewordene Geheime Rat war nur für Belange des Reichs zuständig. In Leopolds Regierungszeit fallen für Wien wichtige Ereignisse: 1662 die Vollendung der Kirche Am Hof, 1665 die Verfügung, dass die Bürgermeisterwahlen in Hinkunft geheim abzuhalten seien, 1670 (wohl unter dem Einfluss seiner Gattin Margarita Teresa) die Aufhebung des erst 1625 eingerichteten jüdischen Gettos im Unteren Werd, Judenstadt), die gewaltsame Vertreibung der Juden und die Grundsteinlegung der an der Stelle der Hauptsynagoge errichteten Leopoldskirche in der nunmehr Leopoldstadt benannt Vorstadt, 1679 eine katastrophale Pestepidemie, 1683 die zweite Türkenbelagerung, 1698 der Erlass des Burgfriedensprivilegs (Burgfried) und 1704 über Anraten des Prinzen Eugen der Bau des Linienwalls. Leopold I. erweiterte die Bestände der Hofbibliothek und der Hofsammlungen, beschäftigte zahlreiche Künstler, entwickelte eine besondere Vorliebe für das Theater (besonders die italienische Oper) und besaß eine ausgeprägte musikalische Begabung (bedeutende Eigenkompositionen). Er förderte die Geschichtswissenschaft und reorganisierte das Schulwesen (Gründung der Universitäten Innsbruck und Agram). Leopold I. war der erste „Barockkaiser" und machte Wien zu einem mit dem Hof Ludwigs XIV. in Paris konkurrierenden Mittelpunkt der europäischen Theater- und Musikwelt. Das Aussehen der Stadt wurde während seiner Regierungszeit durch eine rege barocke Bautätigkeit geprägt; die frühbarocke Bauperiode endete mit der Türkenbelagerung, danach kam es sehr rasch zu einer ausgedehnten hochbarocken Bauperiode, die vor allem die nunmehr von der latenten Bedrohung befreiten und ab 1704 durch den Linienwall geschützten Vorstädte erfasste, in denen sich zahlreiche adelige Geschlechter ihre Sommerpalais und Prinz Eugen das Belvedere errichten ließen, außerhalb des Linienwalls der Hof Schloß Schönbrunn. Der Vogelschauplan von Alten-Allen und die Ansichten von Daniel Suttinger (1686) vermitteln uns einen Eindruck vom Aussehen Wiens zu Leopolds Zeit. Leopold I. war der fruchtbarste und begabteste unter den „Kaiserkomponisten"; seine Lehrer waren Antonio Bertali, Wolfgang Ebner und Anastasius Kircher; er komponierte fast 200 weltliche und 79 geistliche Werke, 103 Ballette sowie Tänze, Arien, Opernszenen und szenische Oratorien. Eine Statue des Herrschers (von Paul Strudel) befindet sich an der 1680 von ihm gestifteten Pestsäule („Leopold I. im Gebet knieend"); Strudel schuf auch eine Statue für die Franzensburg in Laxenburg (Niederösterreich); im Kunsthistorischen Museum befinden sich eine Elfenbeinstatuette von Matthias Steinl, ein Elfenbeinmedaillon von J. Chevalier, eine Elfenbeingruppe (mit Joseph I.) von Chr. Maucher, eine Marmorbüste (um 1695), eine Bronzegruppe („Leopold I. zu Pferd", Modell für Reiterdenkmal) und ein Marmorrelief von G. Grupello; am Türkenbefreiungsdenkmal im Stephansdom (1945 zerstört) befand sich eine Figur von Edmund Hellmer Gemälde befinden sich in der Hofburg, in Laxenburg („Leopold I. überreicht Prinz Eugen das Goldene Vlies" von Joseph Klieber nach einem Entwurf von Peter Fendi), im Kunsthistorischen Museum und im Ausland (beispielsweise Frankfurt/Main, Römer: Porträt von Leopold Kupelwieser).

Literatur

  • Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. von der Historischen Commission bei der königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bände. Leipzig: Duncker & Humblot 1875-1912
  • Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte. Begründet von Hellmuth Rössler und Günther Franz, bearbeitet von Karl Bosl [u.a.]. München: A. Francke 1973-1975
  • Brigitte Hamann [Hg.]: Die Habsburger. Ein biographisches Lexikon. Wien: Ueberreuter 1988
  • Magdalena Hawlik-van de Water: Die Kapuzinergruft. Begräbnisstätte der Habsburger in Wien. Wien [u.a.]: Herder 1987
  • Hugo Riemann: Riemann Musiklexikon. In drei Bänden. Personenteil L-Z. Mainz: Schott 1961
  • Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich. Enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche 1750 bis 1850 im Kaiserstaate und in seinen Kronländern gelebt haben. 60 Bände. Wien: Verlag der typografisch-literarisch-artistischen Anstalt 1856-1891. Register 1923
  • Erich Zöllner: Geschichte Österreichs. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien / München: Österreichischer Bundesverlag [u.a.] 81990
  • Oswald Redlich: Österreichs Großmachtbildung in der Zeit Kaiser Leopolds I. Gotha 1921
  • Oswald Redlich: Weltmacht des Barock. Österreich in der Zeit Kaiser Leopolds I. Wien: Rohrer 1961
  • John P. Spielman: Leopold I. - Zur Macht nicht geboren. Graz / Wien [u.a.]: Styria 1981
  • Richard Reifenscheid: Die Habsburger in Lebensbildern. Von Rudolf I. bis Karl I. Graz [u.a.]: Styria 1982
  • Hugo Hantsch: Gestalter der Geschicke Österreichs. Innsbruck / Wien / München: Tyrolia 1962 (Studien der Wiener Katholischen Akademie, 2), S. 209 ff.
  • Erwin Heinzel: Lexikon historischer Ereignisse und Personen in Kunst, Literatur und Musik. Wien: Hollink 1956, S. 420 f.
  • Robert Eitner: Biographisch-bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten christlicher Zeitrechnung bis Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. 11 Bände. n Biographisch-bibliographisches Quellenlexikon der Musiker und Musikgelehrten. Graz: Akademische Druck- und Verlagsanstalt 1959, S. 142
  • Walther Pichler: Von der Synagoge zur Kirche. Zur Entstehungsgeschichte der Pfarre St. Leopold, Wien II. Wien: Wiener Dom-Verlag 1974 (Veröffentlichungen des Kirchenhistorischen Instituts der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, 15), S. 68 ff.