Ledererhof

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Am Hof 11 - mit Fiakern, nach 1883
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1341
Jahr bis
Andere Bezeichnung Zur goldenen Kugel
Frühere Bezeichnung Ledererhof an des Herzogen Hof, Am Hof bei den Sohlschneidern, Am Hof unter den Lederern, Im Ledererhof, Zu den sieben Häusern
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Ludwig Tischler, Emil Hoppe, Otto Schönthal
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser, Wolfgang Wirsig: Wiener Hofnamen
Letzte Änderung am  26.01.2017 durch WIEN1\lanm08mic
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Bildname HMW 078079 00534 00001.jpg
Bildunterschrift  Am Hof 11 - mit Fiakern, nach 1883
Bildquelle HMW 78079/534/1, Foto: M. Frankenstein & Comp.
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtFärbergasse2
Innere StadtAm Hof11
Innere StadtDrahtgasse1

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt30417701795
Stadt34018211862
Stadt30517701795
Stadt36517951821
Stadt36817951821
Stadt36917951821
Stadt33618211862
Stadt30217701795
Stadt33918211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Ledererhof (Zur goldenen Kugel; 1, Am Hof 11, Drahtgasse 1, Färbergasse 2; Konskriptionsnummer 336, 339 und 340).

"Der Ledererhof bis kurz vor seiner Demolirung."

Lederhof/Ledererhof

Die Bezeichnung Lederhof umfasste im späten Mittelalter mehrere Gebäude. Eines davon diente der Ledererzeche (communitas cerdonum) als Zunfthaus (Haus Stadt 340). Davon leitet sich der Name des Hofes ab. Der „Lederhof“ wird 1341, 1349 und 1353 genannt (ab 1366 mit dem Zusatz "an des Herzogen Hof"). 1326 war das Bürgerspital Grundherr über acht Häuschen sowie neun Lederer- oder Sohlschneidertische Am Hof. Erst ab dem 15. Jahrhundert ist es möglich, die verzeichneten Besitzer den einzelnen Gebäuden zuzuordnen. Das Gewerbe der Lederer und Färber war an das Wasser gebunden. Die Produktionsstätten befanden sich vor den Toren der Stadt (am Tiefen Graben und in der Vorstadt vor dem Werdertors). Das Zunfthaus und die Verkaufstische lagen jedoch innerhalb der Stadt am Platz Am Hof. Vom späten 14. bis zum frühen 16. Jahrhundert war der Hof von neun Häusern umgeben. Die Bezeichnungen wechselten (1457 und 1476 "Am Hof bei den Sohlschneidern", 1449 und 1463 "Am Hof unter den Lederern"), bis 1547 auf dem Plan von Augustin Hirschvogel die nördlich gelegene Gasse als „Am Leder Hof“ aufscheint. Die Zahl der Hausparzellen reduzierte sich im Lauf der Zeit, die Bezeichnung Ledererhof wird ab 1795 häufiger, obwohl weiterhin andere Bezeichnungen existierten (1658 "Zu den sieben Häusern"). Um 1770 standen hier nur noch fünf Häuser, die einen unregelmäßigen, hufeisenförmigen Baukomplex bildeten. Da die rückwärtigen Häuser Stadt 337 (Ledererhof 9) und 338 (Ledererhof 7) nicht in den Neubau von 1883 integriert wurden und eigenständige Objekte blieben, werden sie in diesem Artikel nicht berücksichtigt.

Haus Stadt 336 (1770: 302)

Dieses Haus lag im Bereich der heutigen Adresse Drahtgasse 1 und bestand ursprünglich aus zwei Gebäuden:

Haus A

Die erste urkundliche Erwähnung dieses Hauses stammt aus dem Jahr 1448. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts fiel es an die Stadt, da keine Erben vorhanden waren. Diese verkaufte es im Jahr 1534 um hundert Pfund Wiener Pfennig. 1764 kaufte es der Besitzer von Haus B.

Haus B

1536 lässt sich dieses Gebäude erstmals urkundlich fassen. Zwischen 1463 und 1490 muss es abgebrannt sein, da in diesem Jahr eine "pranntstat, darauf vormalen ein haus gepawt gewesen ist" verkauft wurde. Zwischen 1494 und 1507 wurde hier erneut ein Haus errichtet.

Nachdem sich ab 1764 beide Häuser in einer Hand befanden, wurden sie zu einem verbaut. Albert Camesina gibt an, dass dies vor 1771 geschah, und stimmt somit mit dem Nagel-Plan (1773) überein. Das Grundbuch verzeichnet jedoch noch 1788 zwei Häuser, was aber nur besitzrechtlich relevant gewesen sein dürfte. Im Jahr 1824 wurde das Haus neu erbaut und 1883 abgebrochen.

Haus Stadt 339 (1770: 304)

Im Jahr 1447 wurde dieses Haus vom Kloster Zur Himmelspforte für eine Schwester Agnes verkauft. 1659 erstritt sich die Gottsleichnamsbruderschaft die Besitzrechte am Haus, da Schulden nicht bezahlt worden waren. Am 31. August 1837 kaufte es der k. k. Hof-Piano- und Klaviermacher Konrad Graff. Im Jahr 1883 wurde es demoliert.

Haus Stadt 340 (1770: 303)

Hier standen ursprünglich zwei Häuser:

Haus A

Die erste Nennung dieses Gebäudes stammt aus dem Jahr 1454, als ein Kaplan ins Grundbuch (Grundbuchswesen) eingetragen wurde. In den folgenden (fast) hundert Jahren war es das Zunfthaus der Ledererzeche. Danach fiel es an die Stadt, die es 1552 um 370 Pfund Wiener Pfennig verkaufte. Der neue Besitzer vererbte einen Großteil seines Vermögens den Armen. Um dem zu entsprechen, wurde es von den Testamentsexekutoren 1565 um 700 Pfund Wiener Pfennig verkauft. 1686 erwarb sein Besitzer, der äußere Rat und Rumormeister (Kommandant der Rumorwache) Michael Motz, auch Haus B, mit dem es zwischen 1749 und 1771 verbaut wurde.

Haus B "Zur goldenen Kugel"

Dieses Haus wird 1447 zum ersten Mal urkundlich genannt. In der Folgezeit schwankte sein Verkaufswert stark: Zwischen 1454 und 1459 stieg er von 45 auf 200 Pfund Wiener Pfennig! 1504 wurde es um 154 Pfund Wiener Pfennig verkauft, doch der nächste Käufer zahlte bereits 380 Pfund Wiener Pfennig (dieser Verkauf fand zwischen 1527 und 1567 statt). 1686 wurde es von Michael Motz erworben. Er unterhielt hier die beliebte Gastwirtschaft "Zur goldenen Kugel". Deren Name, der auch für das Haus verwendet wurde, leitete sich angeblich von einer osmanischen Kanonenkugel ab, die im Zuge der Belagerung von 1683 (Zweite Türkenbelagerung) in das Haus einschlug. Diese wurde danach in die Hauswand eingemauert und später vergoldet.

Zwischen den Jahren 1749 und 1771 wurden die beiden Häuser baulich verbunden. Seit den 1870er Jahren befand sich das sehr beliebte Marktcafé Nikola in diesem Gebäude. Obwohl es 1883 niedergerissen wurde, ist es im Häuserkataster von 1885 noch verzeichnet.

siehe auch Zur goldenen Kugel (1, Am Hof 11).

Neubau 1883

Das heutige Gebäude wurde 1883 nach Plänen von Ludwig Tischler in reich gegliederten, neobarocken Formen errichtet. Als man zuvor die alten Gebäude abtrug, fand man römische Mauern und im Schutt zahlreiche römische Ziegel. Das neue Haus wies eine gewaltige Vorderfront zum Platz auf und besaß eine über zwei Geschosse reichende Sockelzone. Darüber lag eine ebenfalls über zwei Stockwerke erstreckende mittlere Fassadenzone. Über einem Kordongesims folgten ein weiteres Stockwerk und ein Attikageschoß. Am Neubau wurde oberhalb des Tors (wie am Vorgängerbau) eine Türkenkugel angebracht und auch der Name "Zur goldenen Kugel" auf diesen übertragen. Seine Architektur wurde nicht nur positiv aufgenommen. So wurde es zum Beispiel als entsetzlich protziges Haus, "das die Harmonie des Platzes schrill zerreißt" bezeichnet. Im Jahr 1929 wurde es von der Firma "Neumayer & Co." erworben.

1934 erfolgte durch Emil Hoppe und Otto Schönthal im Stil der „Neuen Sachlichkeit“ eine Umgestaltung. Am 10. September 1944 schlugen mindestens drei Bomben in das Haus ein. Zuerst brachte eine Bombe die linke Haushälfte zum Einsturz, wobei ein Rauchfangkehrer verschüttet wurde. Dann wurden der an der Färbergasse liegende Teil und das Dach getroffen. Durch die schweren Erschütterungen wurden außerdem Fenster- und Türstöcke herausgerissen, Zwischenwände stürzten zusammen und Zwischendecken wölbten sich. Dazu kamen Wetterschäden. Am 5. April 1945 explodierte eine Bombe unmittelbar vor dem im Haus untergebrachten Café, wobei die Druckwelle und Splitter einen weit entfernten Wasserspeicher durchlöcherten und in den umliegenden Räumen weitere Beschädigungen verursachten.

1948 wurde der Ledererhof (diesmal durch Emil Hoppe allein) mit stark vereinfachter Fassade, verkleinertem Attikageschoß und neuem schlichten Dach wiederhergestellt.

Wiederherstellung der historistischen Fassade

1990/91 wurde die historistische Fassade wiederhergestellt (Architekt Peter Podsedensek, Baumeister Richard Lugner). Das zweiflügelige Eingangstor wurde handgeschmiedet neu geschaffen. Dach und Attikageschoß wurden damals aber nicht neu errichtet.[1] Erst 2010 wurde das Dachgeschoss neu ausgebaut und beherbergt derzeit die Generali Versicherung.

Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Haus Stadt 340:

  • Zunfthaus der Lederer
  • Gastwirtschaft "Zur goldenen Kugel"
  • Marktcafé Nikola

Neubau 1883:

Einzelnachweise

  1. Schwarz / Wehdorn 2000

Literatur

  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien: Jugend und Volk, Ed. Wien, Dachs-Verlag 1993, S. 12
  • Dehio-Handbuch Wien. 1. Bezirk – Innere Stadt. Hg. von Bundesdenkmalamt. Horn-Wien: Berger 2003, S. 626
  • Margarete Girardi: Wiener Höfe einst und jetzt. Wien: Müller 1947 (Beiträge zur Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte der Stadt Wien, 4), S. 126 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 384
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 2. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 289-294 (Haus Stadt 336) und 298-304 (Häuser Stadt 339 und 340 sowie Neubau 1883)
  • Hugo Hassinger: Kunsthistorischer Atlas der k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien und Verzeichnis der erhaltenswerten historischen, Kunst- und Naturdenkmale des Wiener Stadtbildes. Wien: Schroll 1916 (Österreichische Kunsttopographie, 15), S. 68
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 21 f., S. 567 f.
  • Hans Markl: Die Gedenktafeln Wiens. Wien: ABZ-Verlag 1949, S. 6
  • Eugen Meßner: Die Innere Stadt Wien. Ein Beitrag zur Heimatkunde des I. Wiener Gemeindebezirkes. Wien: Österreichische Staatsdruckerei 1928, S. 126
  • Richard Perger: Straßen, Türme und Basteien. Das Straßennetz der Wiener City in seiner Entwicklung und seinen Namen. Wien: Deuticke 1991 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 22)
  • Mario Schwarz / Manfred Wehdorn: 101 Restaurierungen in Wien. Arbeiten des Wiener Altstadterhaltungsfonds 1990-1999. Wien: Phoibos 2000, S. 29-31
  • Emmerich Siegris: Alte Wiener Hauszeichen und Ladenschilder. Wien: Burgverlag 1924, S. 79
  • Renate Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien: Hollinek 1957 (Österreichische Heimat, 20), S. 65