Leander Anguissola

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Personenname Anguissola, Leander
Abweichende Namensform
Titel Oberstlieutenant, Conte
Geschlecht männlich
GND
Geburtsdatum 10.05.1653
Geburtsort Travo bei Piacenza
Sterbedatum 30.08.1720
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum
Friedhof
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Oberingenieur der Stadt Wien, Kartograph
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Anguissola Leander (seit 1715 [Parma] Conte), * 10. Mai 1653 Travo bei Piacenza, † 30. August 1720 Wien („in seinem Quartier auf der Wasserkunstbastei"), kaiserlicher Oberstlieutenant, Oberingenieur der Stadt Wien und Kartograph, Sohn des Cesare Anguissola und seiner Gattin (18. Jänner 1688) Maria Francesca Dundi, Tochter eines kaiserlichen Kammerkuriers. Anguissola studierte (nach eigenen Angaben) fünf Jahre am Collegio dei Nobili in Parma (an der Universität nicht nachweisbar), trat 1680 in die Dienste der Stände in Brünn und begleitete 1683 (während der Belagerung Wiens) den niederösterreichischen Landesverteidigungskommissar Otto Ehrenreich Graf Abensberg-Traun ins „Gebirge" (Alpenvorland, Krems und Umgebung), wo Verteidigungsvorbereitungen getroffen wurden. Unterstützt vom Festungsingenieur Bartolomeo Camuccio, dem Leiter des ersten Minengegenangriffs der Wiener am 18. Juli 1683, entwarf Anguissola einen Plan des belagerten Wien im Jahr 1683 und (ebenfalls gemeinsam mit Camuccio) einen Grundriß der Fortifikation (kolorierte Handzeichnung). 1684 wurde er (auf Empfehlung Trauns und des Feldmarschalls und Stadtobristen von Starhemberg) als Nachfolger J. Alexander Reiners Unteringenieur der Stadt Wien (jährliche Besoldung 800 Gulden), 1685 Hauptmann. 1688 zeichnete Anguissola den ersten Plan einer Donauregulierung von Höflein bis Wien (1712 neuerliche Vorlage, 1717 Kostenvoranschlag), konnte diesen aber nicht realisieren. 1689 wurde unter Anguissolas Leitung die Festung Ofen erneuert (1686 zurückerobert), 1690 jene von Stuhlweißenburg; es folgten Festungsarbeiten in Brünn (Spielberg), Olmütz, Preßburg und Raab (1697-1711). Nach seiner Heirat (1688) baute sich Anguissola 1689 ein Haus auf der Mölkerbastei. 1699 ist er als kaiserlicher Ingenieur nachweisbar. 1701 wurde ihm der Titel Oberstleutnant verliehen, im selben Jahr wurde er Oberingenieur und erhielt das Haus seines Amtsvorgängers Hohem auf der Wasserkunstbastei (in dem er auch starb). 1692-1718 war Anguissola auch an der Landschaftsakademie in der Alservorstadt tätig, zu deren Mitbegründer er zählte. 1706 schuf er gemeinsam mit Jakob Marinoni einen Plan der Stadt Wien mit Vorstädten (Anguissola-Marinoni-Plan). Seit 1710 beschäftigte er sich mit der Planung einer Militär-Ingenieur-Akademie, die er 1717 begründete (erste Kriegsbaukunst-Schule im Reich, vermutlich nach dem Vorbild der Brüsseler Akademie); Anguissola wurde deren Direktor, Marinoni sein Subdirektor (und nach seinem Tod Nachfolger). 1713 war von Anguissola nach seinen Plänen eine erste Regulierung des Wienflusses durchgeführt worden.

Literatur

  • Saur Allgemeines Künstler-Lexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Begründet von Günter Meißner, hg. von Andreas Beyer. Berlin: de Gruyter / München: Saur 1991 - lfd.
  • Ingeburg Pick: Daniel Suttinger und Leander Anguissola, in: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 39 (1983), S. 69 ff., besonders S. 94 ff.
  • Ingeburg Pick: Die Türkengefahr als Motiv für die Entstehung kartographischer Werke über Wien. Diss. Univ. Wien. Wien 1980, S. 61 ff.
  • Max Eisler [Hg.]: Historischer Atlas des Wiener Stadtbildes. Wien: Staatsdruckerei 1919 (Arbeiten des Kunsthistorischen Instituts der Universität Wien, 16), S. 25
  • Ferdinand Opll: Wien im Bild historischer Karten. Die Entwicklung der Stadt bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Wien / Graz [u.a.]: Böhlau 1983, S. 37 ff., Text zu Tafel 15
  • Friedrich Slezak: Die italienischen Begründer der Wiener Donaukartographie. In: Der Donauraum 22 (1977), S. 167 ff.
  • Franz Wawrik [u.a.] [Hg.]: Österreich auf alten Karten und Ansichten. Austria picta. Ausstellung der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, Prunksaal 11. Mai bis 8. Oktober 1989. Handbuch und Katalog. Graz: Akademische Druck- und Verlagsanstalt 1989, S. 343
  • Das barocke Wien. Stadtbild und Straßenleben. Sonderausstellung Juni - September 1966. Wien: Eigenverlag 1966 (Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 20), S. 21
  • Alphons Lhotsky: Die Baugeschichte der Museen und der neuen Burg. Band 2/1. Wien: F. Berger 1941 (Festschrift des Kunsthistorischen Museums zur Feier des fünfzigjährigen Bestandes, 1), S. 378, 404
  • Géza Hajós / Walther Brauneis: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirkes. Wien: Schroll 1980 (Österreichische Kunsttopographie, 44.2), S. 662
  • Das Wiener Heimatbuch – Mariahilf. Hg. von der Arbeitsgemeinschaft des Mariahilfer Heimatmuseums. Wien: Austria Press 1963, S. 64f.
  • Hans Rotter: Neubau. Ein Heimatbuch des 7. Wiener Gemeindebezirkes. Wien: Deutscher Verlag für Jugend und Volk 1925, S. 79 f.