Landstraße

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Bezirkswappen Landstraße
Art des Objekts Bezirk
Jahr von 1850
Jahr bis
Name seit
Andere Bezeichnung Botschaftsviertel
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Bezirk 3
Lage bis Vordere Zollamtsstraße; Am Heumarkt
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  18.04.2017 durch DYN\wolfgang j kraus
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Bildname Wappen03.jpg
Bildunterschrift  Bezirkswappen Landstraße
Bildquelle WSTLA
Bildrechte CC BY 4.0
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Landstraße (3. Bezirk). Im Zuge der ersten Stadterweiterung, 1850, wurden die Vorstädte Erdberg, Landstraße und Weißgerber zum dritten Bezirk zusammengefaßt; er erhielt den Namen der größten dieser drei Vorstädte. Der Bezirk grenzt (im Uhrzeigersinn) an den 1. Bezirk, die Innere Stadt, an den Donaukanal, auf dessen anderem Ufer sich seit 1850 der 2. Bezirk, die Leopoldstadt, erstreckt, seit 1892 an den 11. Bezirk, Simmering, seit 1874 an den 10. Bezirk, Favoriten, sowie seit 1850 an den 4. Bezirk, die Wieden.

Der dritte Bezirk weist von allen Wiener Bezirken die größte Zahl an ausländischen Niederlassungen ("Botschaftsviertel") sowie die größte Vielfalt an Gotteshäusern von in Österreich zugelassenen Religionsgemeinschaften auf (neben katholischen Kirchen [beispielsweise Elisabethinenkirche, Erdberger Kirche, Erlöserkirche, Gardekirche, Herz-Jesu-Kirche, Othmarkirche, Rochuskirche, Sacré Coeur, Salesianerinnenkirche, Waisenhauskirche ] und der evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche und Pauluskirche die Anglikanische Kirche, Armenische Kirche, Russisch-orthodoxe Kathedrale und Serbisch-orthodoxe Kirche); nach dem Zweiten Weltkrieg entstand 1958 die Neuerdberger Kirche.

Im dritten Bezirk liegen neben dem Belvedere ehemalige Adelspalais (beispielsweise Schwarzenbergpalais (1), Metternichpalais, Rasumofskypalais, Salmpalais, Seybelpalais, Sternbergpalais), deren Zahl sich allerdings gegenüber dem 18. Jahrhundert stark verringert hat, kulturelle Gebäude (Konzerthaus, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Akademietheater, früher auch das Theater auf der Landstraße und das Bürgertheater), Spitäler (beispielsweise Elisabethinenspital, Herz-Jesu-Krankenhaus, Krankenanstalt Rudolfstiftung, Mautner-Markhofsches Kinderspital), städtische Wohnhausbauten aus der Ersten und Zweiten Republik (beispielsweise Anton-Kohl-Hof, Erdberger Hof, Franz-Adelpoller-Hof, Franz-Schuster-Hof, Franz-Silberer-Hof, Hanuschhof, Karl-Waldbrunner-Hof, Landstraßer Hof, Leopold-Thaller-Hof, Rabenhof, Richard-Strauss-Hof, Roman-Felleis-Hof, Wildganshof) und eine Reihe öffentlicher Gebäude (Arsenal [mit Heeresgeschichtlichem Museum ], ehemaliger Aspangbahnhof, Finanzlandesdirektion, Geologische Bundesanstalt, Gewerbehaus, Hauptmünzamt, ehemaliges Hauptzollamt, Haus der Industrie, Museum des 20. Jahrhunderts, Österreichische Staatsdruckerei, Veterinärmedizinische Universität, ehem. Zentralsparkasse u. a.).

Zu nennen sind weiters der St. Marxer Friedhof, der Hochstrahlbrunnen, das Hundertwasserhaus, die Rettungsgesellschaft, der Sünnhof, der Botanische Garten und die Rennwegkaserne sowie verschiedene Parkanlagen (Belvedere, Schweizergarten, Schwarzenberggarten, Teil des Stadtparks mit Kinderpark). Im Wirtschaftsbereich entstanden unter anderem das Schlachthaus mit dem Zentralviehmarkt, die Großmarkthalle und die Heilmittelwerke (heute 10., Siccardsburggasse 83).

Auf dem Boden des dritten Bezirks befand sich (im Bereich des Aspangbahnhofs) die römische Zivilstadt. Die vielfachen Zerstörungen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit haben es mit sich gebracht, dass außer der Rochuskirche kein Bauwerk aus der Zeit vor 1683 erhalten geblieben ist. Die bürgerliche Bautätigkeit von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt Ansätze einer großstädtischen Bauentwicklung mit geradlinig gezogenen Aufschließungsstraßen und schmalen Baublöcken; insbesondere wurde die verbaute Vorstadtgrenze (ursprünglich Invalidenstraße und Beatrixgasse) ab dem Vormärz allmählich bis an den Wienfluß vorgezogen (Vordere Zollamtsstraße, Am Heumarkt). Der großstädtische Ausbau erfolgte (nach Eingemeindung der Vorstädte) in den 50er und 60er Jahren des 19. Jahrhunderts.

Die Regulierung des Wienflusses und der Bau der Stadtbahn am Ende des 19. Jahrhunderts führten zu starken Veränderungen an der nördlichen Bezirksgrenze. Nach 1938 benützten die Nationalsozialisten den Aspangbahnhof für die Abwicklung von Deportationen. Die Landstraßer Hauptstraße wurde nach dem Zweiten Weltkrieg baulich neu gestaltet (für den Verkehr wiedereröffnet am 12. Jänner 1955). Internationale Hotelketten wählten den dritten Bezirk als Standort (Inter-Continental Vienna, Hilton, Penta).

Seit den 1980er Jahren kam es zur Errichtung von Einkaufszentren und zum Bau öffentlicher Neubauten im Bereich des rechten Donaukanalufers (beispielsweise Bundesamtsgebäude, Rechnungshof, Post, Zollamt, Staatsarchiv). Die U-Bahn-Linie U3 nach Erdberg nahm im März 1991 den Betrieb auf; bei der Endstation wurde eine Park-and-Ride-Garage errichtet.

Bezirksplan von Landstraße mit Einzeichnung der Gasbeleuchtung (1865)
Gasbeleuchtung der des 3. Bezirks (1851)
Plan der Landstraße mit Einzeichnung der Gasleitungen (1865)

Häuser(Vorstädte [auf Bezirksboden] beziehungsweise Bezirk)

  • 1622/25: 251
  • 1777: 690
  • 1782: 714
  • 1783: 758 (Pfarren)
  • 1796: 926
  • 1827: 1.138
  • 1834: 1.167
  • 1843: 1.198
  • 1846: 1.273
  • 1851: 1.281
  • 1857: 1.308
  • 1864: 1.294
  • 1869: 1.435
  • 1880: 1.744
  • 1890: 2.011
  • 1900: 2.234
  • 1910: 2.526
  • 1923: 2.756
  • 1934: 2.827
  • 1951: 2.372
  • 1961: 2.498
  • 1971: 3.042
  • 1981: 3.728
  • 1991: 3.837
  • 2001: 3.952
  • 2011: 3.732


+ Bis 1869 Summe Landstraße, Erdberg, Weißgerber(soweit bereits existierend).

Einwohner(heutiges Gebiet)

  • 1650/60: 3.100
  • 1777: 16.290
  • 1783: 15.983
  • 1796: 20.225
  • 1830: 34.051
  • 1840: 40.634
  • 1851: 55.374
  • 1857: 61.210
  • 1864: 73.115
  • 1869 alt: 82.072 + (Landstraße, Erdberg, Weißgerber)
  • 1869: 88.678
  • 1880: 96.523
  • 1890: 117.869
  • 1900: 147.215
  • 1910: 166.981
  • 1923: 147.169
  • 1934: 145.963
  • 1939: 128.908
  • 1951: 117.948
  • 1961: 114.572
  • 1971: 102.025
  • 1981: 85.887
  • 1991: 84.336
  • 2001: 81.287
  • 2011: 84.527


+ Bis 1869 Summe Landstraße, Erdberg, Weißgerber (soweit bereits existierend).

Bezirksvorsteher

  • Matthäus Mayer (1862-1876; * 1807, † 1879, Besitzer des Karpfenbads; Matthäusgasse)
  • Karl Weissenberger (1876-1888)
  • Franz Schallaböck (1888-1891)
  • Johann Schober (1891-1897)
  • Paul Spitaler (Christlichsoziale Partei; 1897-1919)
  • Adolf Lahner (Sozialdemokratische Arbeiterpartei; 1919-1934)
  • Viktor Kainzmayer (1934-1938)
  • Dr. Ludwig Fischer (Österreichische Volkspartei; April 1945 - 16. April 1946; * 6. Juli 1888, † 17. April 1967)
  • Josef Pfeifer (Sozialdemokratische Partei Österreichs; 16. April 1946 - 17. Dezember 1959; * 3. Jänner 1887, † 6. Mai 1971)
  • Franz Seitler (Sozialdemokratische Partei Österreichs; 17. Dezember 1959 - 6. Dezember 1973; * 2. September 1909, † 3. Juli 1993)
  • Jakob Berger (Sozialdemokratische Partei Österreichs; 6. Dezember 1973 - 14. Juni 1982; * 22. August 1926)
  • Günther Reviczky (Sozialdemokratische Partei Österreichs; 14. Juni 1982 - 9. Juni 1983; * 22. August 1936)
  • Rudolf Bergen (Sozialdemokratische Partei Österreichs; 9. Juni 1983 - 14. Dezember 1989; * 16. März 1931)
  • Erich Hohenberger (Sozialdemokratische Partei Österreichs; 14. Dezember 1989 - 26. April 2001; * 24. Juni 1948)
  • Erich Hohenberger, (Sozialdemokratische Partei Österreichs; ab 26. April 2001)

Bezirkswappen

Heiliger Nikolaus (Landstraße), Erdbeere (Erdberg), zwei über einen Strauch gegeneinander springende Böcke (Weißgerber).

Siehe auch

Literatur

  • Die Landstraße in alter und neuer Zeit. Ein Handbuch. 1921
  • Helmut Kretscher: Landstraße. Geschichte des 3. Wiener Gemeindebezirks und seiner alten Orte. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1982 (Wiener Heimatkunde, 3)
  • Karl Ziak: Das neue Landtsraßer Handbuch. Geschichte eines Wiener Bezirks. 1975
  • Hans Pemmer / Franz Englisch: Häuserbuch der Landstraße (Manuskript im Wiener Stadt- und Landesarchiv [Handschrift B 452/1-11])
  • Das Landstraßer Heimatmuseum. Wien: Verein zur Erhaltung und Förderung des Landstraßer Heimatmuseums 1964 - lfd. (ab 1971 u.d.T.: "Mitteilungen des Bezirksmuseums Landstraße")
  • Hugo Hassinger: Kunsthistorischer Atlas der k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien und Verzeichnis der erhaltenswerten historischen, Kunst- und Naturdenkmale des Wiener Stadtbildes. Wien: Schroll 1916 (Österreichische Kunsttopographie, 15), S. 101 ff.
  • Géza Hajós: Die Kunstdenkmäler Wiens 1. Die Kirchen des III. Bezirks. Mit einer Einleitung über die topographische Entwicklung des Bezirks. Wien: Schroll 1974 (Österreichische Kunsttopographie 41) (Die Kirchen im 3. Bezirk)
  • Géza Hajós / Walther Brauneis: Die Profanbauten des III., IV. und V. Bezirkes. Wien: Schroll 1980 (Österreichische Kunsttopographie, 44.2), S. 1 ff.
  • Ricarda Oettinger: Österreichische Kunsttopographie. Hg. vom Bundesdenkmalamt. Horn: Berger 1889 - lfd. (archival.ische Vorarbeiten 3. Bezirk) 1971
  • Bundesdenkmalamt [Hg.]: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Wien. II. bis IX. und XX. Bezirk. Wien 1993, S. 44 ff.
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 101 ff.
  • Renate Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien: Hollinek 1957 (Österreichische Heimat, 20), S. 116 ff.
  • Wolfgang J. Bandion: Steinerne Zeugen des Glaubens. Die Heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien: Herold 1989 , 114ff;
  • Alfred Missong: Heiliges Wien. Ein Führer durch Wiens Kirchen und Kapellen. Wien: Wiener Dom-Verlag ³1970, S. 114 ff.
  • Leopold Hochberger / Joseph Noggler: Geschichte der Wiener Apotheken. Wien: Verlag des Wiener Apotheker-Hauptgremiums 1917-1919, S. 84 ff.
  • Kurt Stimmer [Hg.]: Die Arbeiter von Wien. Ein sozialdemokratischer Stadtführer. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1988, S. 87 ff
  • Andreas Lehne: Jugendstil in Wien. Architekturführer. Wien: J & V Ed. ²1990, S. 49 ff.
  • Hans Hautmann / Rudolf Hautmann: Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919-1934. Wien: Schönbrunn-Verlag 1980, S. 271 ff.
  • Helmut Weihsmann: Das Rote Wien. Sozialdemokratische Architektur und Kommunalpolitik 1919-1934. Wien: Promedia 1985, S: 227 ff. (Erdberg)
  • Christine Klusacek / Kurt Stimmer: Erdberg. Ein Dorf in der Stadt. Wien: Mohl 1992
  • Dietmar Steiner: Architektur in Wien. 300 sehenswerte Bauten. Wien: Magistrat 1984, S. 141 ff.
  • Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer. Band 3/1: Wien. 1.-12. Bezirk. Salzburg: Residenz-Verlag 1990, S. 113 ff.
  • Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 1: Wien. Wien: Hollinek 1955. Band l, S. 55 ff.
  • Hans Markl: Kennst du alle berühmten Gedenkstätten Wiens? Wien [u.a.]: Pechan 1959 (Perlenreihe, 1008), S. 122 ff.
  • Hans Markl: Die Gedenktafeln Wiens. Wien: ABZ-Verlag 1949, S. 76 ff.
  • Emmerich Siegris: Alte Wiener Hauszeichen und Ladenschilder. Wien: Burgverlag 1924, S. 86 ff.
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1888]). Cosenza: Brenner 1967, Band 2, S. 1 ff.
  • Aus der guten alten Zeit des Bezirks Landstraße. In: Emil Carl Blümml / Gustav Gugitz: Altwienerisches. Band l, 1921, S. 5 ff.
  • Adalbert Klaar: Die Siedlungsformen Wiens. Wien: Zsolnay 1971, S. 48 ff.
  • Hans Pemmer: Die Landstraßer Hauptstraße im Wandel der Zeiten. In: Mitteilungen Landstraße, Festwochensonderheft 1966
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 223 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 4: Profane Topographie nach den 21 Bezirken (2.-21. Bezirk). Wien: Jugend & Volk 1958, S. 56 ff.


Bevölkerungsgeschichte

  • Historisches Ortslexikon. Statistische Dokumentation zur Bevölkerungs- und Siedlungsgeschichte. Wien: http://www.oeaw.ac.at/fileadmin/subsites/Institute/VID/PDF/Publications/diverse_Publications/Historisches_Ortslexikon/Ortslexikon_Wien.pdf
  • Andreas Weigl: Eine Neuberechnung der Bevölkerungsentwicklung Wiens nach Bezirken 1777-1869. In: Wiener Geschichtsblätter 50 (1995), S. 219-238.
  • Statistik Austria, Volkszählung 2001. Wohnbevölkerung nach Gemeinden (mit der Bevölkerungsentwicklung seit 1869). Wien 2002, S. 98 f.
  • Statstik Austria: Census 2011 Wien. Ergebnisse zur Bevölkerung aus der Registerzählung. Wien 2013, S. 32.
  • Statstik Austria: Census 2011 Gebäude- und Wohnungszählung. Ergebnisse zu Gebäuden und Wohnungen aus der Registerzählung. Wien 2013, S. 152.
  • Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien 2004. Wien 2004, S. 178.