Koderie

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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Koderie (lat. coderia, codria, dt. codrei; Verballhornung von Kotter), im Mittelalter Typ eines Studentenheims. Während die Studenten in den Bursen bessere Verpflegung und Schlafstätten sowie täglichen Unterricht erhielten, eine Hausbibliothek benützen konnten und besser beaufsichtigt wurden (allerdings höhere Gebühren, zum Teil mit Hilfe von Stipendien, zahlen mussten), lebten in den Koderien nur mittellose Studenten unter primitiven Verhältnissen mit spärlicher Kost; sie mussten die (an sich geringen) Heimkosten durch Betteln, Straßengesang, Winkelschreiberei oder sonstige Hilfsdienste aufbringen.

Die Aufsicht war locker, Hausunterricht gab es kaum. "Manche Häuser für unbemittelte Scholaren — sie hiessen Coderiae — lieferten selbst für zehn Pfennige wöchentlich Kost und Wohnung. Die Vermiether oder Kostgeber (Hospites) solcher geringeren Studentenhäuser waren aber keine Baccalarien oder Magister, und es war daher für den Wiederholungsunterricht darin nicht gesorgt", schreibt Joseph Aschbach in seiner "Geschichte der Wiener Universität".

Aus dem 15./16. Jahrhundert sind die Koderien "Goldberg" (für 40 Studierende, "Goldener Löwe" (später zur Burse aufgewertet), "Pankota" (früher schlesische Burse) und "Poloni" sowie jene im Haus des Laurenz Haiden bekannt. Im Lauf des 17. Jahrhunderts verschwanden die Koderien; es wurde auch für mittellose Studenten besser gesorgt.

Literatur

  • Richard Perger: Universitätsgebäude und Bursen vor 1623. In: Günther Hamann / Kurt Mühlberger / Franz Skacel (Hgg.): Das alte Universitätsviertel in Wien 1385-1985. In: Schriftenreihe Universitätsarchiv 2. 1985, S. 75 ff.
  • Kurt Mühlberger: Wiener Studentenbursen und Kodreien im Wandel vom 15. zum 16. Jahrhundert. In: Kurt Mühlberger / Thomas Maisel (Hgg.): Aspekte der Bildungs- und Universitätsgeschichte 16.-19. Jahrhundert. 1993 (Schriftenreihe Universitätsarchiv 7), S. 129 ff.
  • Joseph von Aschbach: Geschichte der Wiener Universität. Band 1. Wien: Verlag der k.k. Universität 1865. URL: https://archive.org/details/geschichtederwi01aschgoog und https://books.google.at/books?id=1BxKAAAAcAAJ [Stand: 17.08.2016]