Kleinmariazeller Hof

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1843
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Kloster Kleinmariazell
Einlagezahl
Architekt Daniel Christoph Dietrich, Paul Sprenger
Prominente Bewohner Franz Grillparzer
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Wolfgang Wirsig: Wiener Hofnamen, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtJohannesgasse6
Innere StadtAnnagasse5

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt101217701795
Stadt98418211862
Stadt104317951821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Kleinmariazeller Hof (1, Johannesgasse 6, Annagasse [ursprünglich Pippingerstraße] 5; Konskriptionsnummer 984; Durchhaus).

Der Hof entstand aus zwei Häusern. Als Eigentümer des Hauses in der Johannesgasse scheint 1405 Georg von Tirna auf, später die Herren von Kuenring und dann der herzögliche Hofkanzler Stephan von Hohenberg. Das Haus in der Pippingerstraße gehörte bis 1453 Michael Derr, dann ebenfalls Hohenberg. Es vererbte sich in der Hohenbergschen Familie, bis beide Häuser an Stephan von Hohenberg den Jüngeren kamen, der sie 1482 dem Kloster Kleinmariazell im Triestingtal schenkte (Schenkungsurkunde von 19. Juli 1482; das Kloster musste sich aber verpflichten, ihr Haus in der Kärntner Straße innerhalb einer festgesetzten Frist zu verkaufen). Seither bürgerte sich die Bezeichnung Kleinmariazeller Hof ein. Der Hof ist berühmt wegen des Basreliefs "Die Muttergottes mit dem Kind unter altdeutschem Thronhimmel". In der Hauptfigur der Gruppe ist Hohenberg verewigt (1482).

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde der Hof leibgedingeweise unter der Auflage vergeben, dass der Abt des Kloster, wenn er nach Wien kam, hier wohnen durfte. 1615 wurde unter Prälat Vitus Perkhover das sogenannte "Neue Stöckel" dazugebaut und der Hof dadurch ertragfähiger gemacht. Als die Osmanen 1683 zum zweiten Mal Wien belagerten (sogenannte Zweite Türkenbelegaerung) erlitt das Kloster schweren Schaden. Aus Angst vor den osmanischen Brandpfeilen trug man den Dachstuhl des Hofes ab. Außerdem waren die Fenstergitter entfernt worden, um sie für den Barrikadenaufbau auf den halbzerstörten Bastionen verwenden zu können.

In der Zeit danach beschäftigte der damalige Prälat einen Hofmaler, Franz Daam, der im Kleinmariazeller Hof wohnte und viele Bilder für das Kloster schuf. Da nicht genug Licht in sein Atelier fiel, wurde mit Zustimmung des benachbarten Ursulinenkloster ein sogenanntes Gnadenfenster ausgebrochen, doch musste der Maler versprechen, nicht zu den Nonnen hinüberzublicken.

Als Maria Theresia den Wunsch äußerte, die Klöster und Adeligen sollten ihre Höfe in Wien umbauen, erklärte sich der Prälat von Kleinmariazell dazu bereit und reichte am 10. Oktober 1768 bei der Regierung die Pläne für den Neubau des Trakts an der Annagasse ein, wobei er auf die günstige finanzielle Lage seines Klosters hinwies (da das überschuldete Kloster eine Holzschwemme sowie Sägewerke an der Triesting anlegen ließ und somit ihren bisher ungenutzten Waldbesitz verwerten konnte, konnten die Schulden getilgt und die Kassen des Klosters gefüllt werden). Obwohl die Regierung den Neubau ablehnte, erteilte Maria Theresia am 24. Dezemeber 1768 die Bewilligung. Bauplan und Kostenvoranschlag (88.308 Gulden 13 Kreuzer) stammten von Daniel Christoph Dietrich. Tatsächlich betrugen die Kosten für den Neubau, der größer als der alte Hof war, 100.000 Gulden.

Etwa anderthalb Jahrzehnte später wurde das Kloster Kleinmariazell unter Joseph II. aufgehoben. Eine gewisse Mitschuld daran traf auch die Mönche selbst, da es zum Streit zwischen dem Abt und den Konventualen gekommen war, der schon seit dreißg Jahren schwelte: Ein Mönch hatte sich mit mehreren Beschwerden über seinen Prälaten an den Kaiser gewandt, wobei für ihn am schwersten wog, dass der Prälat den Mönchen zu wenig zu essen gäbe. Daraufhin hob Joseph II. das Kloster in kurzem Verfahren auf und begründete dies in seinem Dekret damit, "dass in diesem Stift das Missvergnügen, die Unzufriedenheit und die Uneinigkeit zu sehr überhandgenommen haben, somit dasselbe von einem ersten Institut ursprünglicher Verfassung tief herabgesunken ist."

Die Verwaltung des Grundbesitzes wurde dem Abt von Lilienfeld, die des Wiener Hauses dem Stift Kremsmünster übertragen. 1798 wurden die Besitzrechte dem niederösterreichischen Religionsfonds überschrieben, 1827 erwarb der Staat das Objekt. Der 1768 neu erbaute Trakt in der Annagasse wurde 1830 für die niederösterreichische Zivilbaudirektion umgestaltet, der Trakt in der Johannesgasse zwischen 1843 und 1846 durch Paul Sprenger umgebaut. Bei dieser Gelegenheit wurde das alte Steinbasrelief im Hofraum eingemauert und das "Stöckel" 1843 abgebrochen. Die Kellergewölbe gehen noch auf die Zeit um 1400 zurück. Im Haus wurde nun die Architekturschule der bildenden Künste untergebracht.

Später wurde das Gebäude, das eine Fläche von 1791 Quadratmetern einnimmt, zur Unterbringung des Obersten Rechnungshofs, des Archivs des Reichsfinanzministeriums und der Finanzministerialbibliothek verwendet, 1848 wurde es Sitz des Hofkammerarchivs, dessen Direktor 1832-1856 Franz Grillparzer war (sein Arbeitsraum ist museal erhalten).


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre


Literatur

  • Franz Stanglica: Aus der Geschichte des Kleinmariazeller HofkammerarchivHofs. In: Monatsblatt des Altertums-Vereines zu Wien. Wien: Alterthumsverein zu Wien 1884-1918. Band 18, 1936, S. 92 ff.
  • Lorenz Mikoletzky: Vom Kaiserspital zum Kleinmariazeller Hof. 125 Jahre Hofkammerarchivgebäude. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs. Innsbruck [u.a]: Studienverlag / Wien: Österreichische Staatsdruckerei / Bozen: Studienverlag 1948 - lfd. Band 26, 1973, S. 427 ff.
  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 81
  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien: Jugend und Volk, Ed. Wien, Dachs-Verlag 1993, S. 95 f.
  • Margarete Girardi: Wiener Höfe einst und jetzt. Wien: Müller 1947 (Beiträge zur Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte der Stadt Wien, 4), S. 134 f.
  • Emmerich Siegris: Alte Wiener Hauszeichen und Ladenschilder. Wien: Burgverlag 1924, S. 34, 74
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 371
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 5, 2. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 286-289
  • Kurier, 15.01.2015, S. 23
  • Die Presse, 15.01.2015, S. 10