Kirchmeister

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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Kirchmeister, Amtsträger der Wiener Stadtverwaltung, denen die Aufsicht über das Baubudget bestimmter Kirchen oblag und denen ein Kirchschreiber als Kanzleileiter zur Seite stand. - 1) St. Stephan: Bei der Wiener Hauptpfarrkirche St. Stephan sind Kirchmeister ab 1334 nachweisbar; sie waren sowohl dem Wiener Rat wie der Pfarrgemeinde verantwortlich und amtierten in einem Gebäude auf dem Areal des heutigen Churhauses (1, Stephansplatz 3). Ihre Rechnungsbücher sind im Wiener Stadt- und Landesarchiv erhalten (1404-1821, jedoch mit großen Lücken). Ab 1813 führten sie den Titel Kirchenpropst, 1828 wurden sie der Aufsicht der niederösterreichischen Regierung unterstellt, 1855 (Konkordat) ging das Kirchmeisteramt zu St. Stephan an die Dompfarre über. - 2) St. Michael: Bei der Stadtpfarrkirche St. Michael sind Kirchmeister ab 1325 belegt. Ihre Rechnungsbücher (1443-1626, jedoch mit großen Lücken) verwahrt das Archiv der Salvatorianer. Die Funktion der Kirchmeister erlosch mit der Übergabe von St. Michael an die Barnabiten (1626). - 3) Maria am Gestade: Hier gab es nachweislich ab 1424 städtische Kirchmeister, obwohl diese Kirche keinen Pfarrsprengel hatte, sondern bis 1302 dem Schottenstift, 1302-1357 der Familie Greif, 1357-1391 dem Bischof von Passau, 1391-1395 der Familie Liechtenstein, 1395-1409 den österreichischen Landesfürsten und 1409-1805 wieder dem Bischof von Passau gehörte. Die Stadt Wien berief sich 1677 darauf, dass ihr das „Vogteirecht" von den Liechtenstein übertragen worden sei; es erlosch spätestens 1783. Rechnungsbücher haben sich nicht erhalten.

Literatur

  • Viktor Flieder: Stephansdom und Wiener Bistumsgründung. Wien: Wiener Dom-Verl. 1968, S. 831 f.
  • Franz Klein-Bruckschwaiger: Das Kirchmeisteramt zu St. Stephan in der Wiener Stadtverfassung. In: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1969 Band 24, S. 502 ff.
  • Richard Perger: Die Baumeister des Wiener Stephansdomes im Spätmittelalter. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte. Band 23, 1970, S. 66 ff.
  • Karl Albrecht-Weinberger: St. Michael. Stadtpfarrkirche und Künstlerpfarre von Wien, 1288 - 1988 ; Historisches Museum der Stadt Wien, 26. Mai - 2. Oktober 1988. Wien: Eigenverl. d. Museen d. Stadt Wien 1988, S. 25 ff., S. 74 (Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 113) S. 25 ff., 74
  • Carl Dilgskron: Geschichte der Kirche Unserer lieben Frau am Gestade zu Wien. Wien: Mayer 1882, S. 47 f., 83, 95, 116, 121