Wir sind vor 3 Jahren online gegangen! Erfahren Sie mehr über das Projekt und helfen Sie mit.

Karoline Pichler

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Karoline Pichler
Personenname Pichler, Karoline
Abweichende Namensform Greiner, Karoline, Pichler, Caroline
Titel
Geschlecht weiblich
GND 118742361
Geburtsdatum 07.09.1769
Geburtsort Wien
Sterbedatum 09.07.1843
Sterbeort Alsergrund
Begräbnisdatum 06.09.1901
Friedhof Wiener Zentralfriedhof
Grabstelle Gruppe 0, Reihe 1, Nr. 27
Ehrengrab ja
Beruf Schriftstellerin, Salonnière
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass Wienbibliothek im Rathaus / Handschriftensammlung
Verkehrsfläche Pichlergasse
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage, Gedenktage-GW
Letzte Änderung am  20.09.2017 durch DYN\krabina
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname karolinepichler.jpg
Bildunterschrift  Karoline Pichler
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus, Handschriftensammlung, H.I.N.-238180
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

Es wurden noch keine Funktionen zu dieser Person erfasst!

Es wurden noch keine Auszeichnungen zu dieser Person erfasst!

Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Wohnadresse7Burggasse27
Wohnadresse8Laudongasse18
Wohnadresse1Tiefer Graben10
Wohnadresse1Graben14-15
Sterbeadresse8Alser Straße25
Wohnadresse1Neuer Markt5
Wohnadresse1Graben29-29a

Karoline Pichler, geborene Greiner, * 7. September 1769 Wien, Tiefer Graben, † 9. Juli 1843 Alsergrund 109 (8, Alser Straße 25; Allgemeiner Währinger Friedhof, seit 1901 Zentralfriedhof, Ehrengrab mit ihrem Ehemann, Gruppe 0, Friedhofsmauer links vom Haupttor, Nummer 27 [Marmorrelief von Alois Franz Xaver Düll]), Schriftstellerin

Biographie

Karoline Pichler wurde 1769 in ein bürgerliches Wiener Elternhaus geboren. Ihr Vater Franz Sales von Greiner war Hofrat, die Mutter Charlotte Hieronymus Kammerzofe Maria Theresias. Sie wohnte eine Zeitlang im Haffnerschen Haus "Zum goldenen Kopf" (1, Graben 14-15, Teil), 1781-1783 (mit ihrem Vater) in der Mehlgrube (1, Neuer Markt 5) und 1784 im Trattnerhof (1, Graben 29-29a). Der Salon der Eltern avancierte während der Josephinischen Zeit zu einem Zentrum des geistigen Lebens der Stadt. Hier erfolgte auch Karolines ästethische Bildung: Sie lernte mehrere Sprachen und erhielt Klavier- und Gesangsunterricht; literarisch beeinflußten besonders die Werke Miltons, Geßners, Klopstocks, aber auch jene der Wiener Autoren Johann Baptist Alxinger, Lorenz Leopold Haschka und Gottlieb Léon das junge Mädchen. Schon früh begann sie auch selbst zu dichten: ihr erstes Gedicht erschien 1782 im "Wiener Musenalmanach". Ihre erste größere Veröffentlichung ("Gleichnisse", 1800) erschien auf Anraten ihres Ehemannes, des Regierungsrats Andreas Pichler, den sie 1796 geheiratet hatte, im Verlag ihres Schwagers, des Wiener Buchdruckers Anton Pichler, bei dem auch zahlreiche weitere Werke Karoline Pichlers gedruckt wurden.

In dieser Zeit (1799) besaß sie das Haus "Zum Schwarzwälder Bauern" (7, Burggasse 27, Sigmundsgasse 16). 1804 übersiedelte Pichler mit ihrer Familie - die gemeinsame Tochter Karoline, das einzige Kind des Paares, war 1797 geboren worden - wieder in das Elternhaus, wo sie in der Tradition ihrer Eltern einen Kreis Gleichgesinnter um sich versammelte, der die geistige Elite des Bürgertums der damaligen Zeit repräsentierte: Zu den Gästen zählten Nikolaus Lenau, Dorothea und Friedrich Schlegel, Joseph von Hammer-Purgstall, Friedrich Nicolai, Franz Grillparzer oder Joseph von Hormayr, dem auch Pichlers Interesse an historischen Stoffen letztlich zu verdanken ist. Ihr Salon war so berühmt und für die Stadt so charakteristisch, dass Pichler weit über Österreichs Grenzen hinaus bekannt wurde. Oft war sie aber auch selbst zu Gast im Salon Sonnleithner, der Familie von Grillparzers Mutter, im ehemaligen Gundelhof, wo neben Franz Grillparzer auch Nestroy verkehrte. 1816 erbte sie von Ihrer Mutter das Haus 8, Alser Straße 25, das 1856 Johann Oppolzer besitzen sollte, sowie die Häuser 8, Laudongasse 18 (Pichlergasse), und 1, Tiefer Graben 10. Sie widmete sich nun immer eifriger dem literarischen Schaffen, sodass ihre noch zu Lebzeiten erschienenen "Sämtlichen Werke" (1820-1844 im Verlag Anton Pichlers) nicht weniger als sechzig Bände umfassten. Zu nennen wären etwa der romantisch-religiöse, von Goethe geschätzte Briefroman "Agathokles" (1808), der bereits in die Richtung des historischen Romans weist, eines Genres, das in der letzten Schaffensperiode Pichlers bestimmend werden sollte. Weiters schuf Pichler Dramen ("Heinrich von Hohenstaufen", 1813) sowie Balladen im Stil Bürgers, Herders und Schillers. Viele ihrer Werke erschienen in Almanachen und Taschenbüchern, für die Biedermeierzeit charakteristische Publikationsformen. Nach dem Tode ihres Mannes 1837 zog sich Karoline Pichler mehr und mehr aus dem öffentlichen Leben zurück und widmete sich ihren Enkelkindern. Sie starb 1843. In ihrem vielleicht bekanntesten Werk, der vierbändigen, posthum erschienenen Autobiographie mit dem Titel "Denkwürdigkeiten aus meinem Leben" (1844, vier Bände; Neuausgabe 1914 in zwei Bänden), entwarf sie ein lebendiges Bild des Wiener Kulturlebens ihrer Zeit.

Literatur

  • Beatrix Schiferer: Vorbilder. Kreative Frauen in Wien 1750-1950. Wien: Verb. Wiener Voksbildung 1994, S. 25ff.
  • Gerhard Renner: Die Nachlässe in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Wien 1993, S. 137
  • Salzburger Nachrichten, Österreich Ausgabe, 03.07.1993, S. III
  • Murray G. Hall / Gerhard Renner: Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Autoren. Wien [ u.a.]: Böhlau 1992 (Literatur in der Geschichte, Geschichte in der Literatur, 23)
  • Peter Ernst: Wiener Literaturgedenkstätten. Hg. von Felix Czeike. Wien: J & V-Edition Wien-Verlag 1990, S. 99 f.
  • Hans Havelka: Der Wiener Zentralfriedhof. Wien: Jugend und Volk 1989
  • Volksblatt-Magazin, 06.03.1987, S. 2 f.
  • Peter Csendes [Hg.]: Österreich 1790-1848. Kriege gegen Frankreich, Wiener Kongreß, Ära Metternich, Zeit des Biedermeier, Revolution von 1848. Das Tagebuch einer Epoche. Wien: Brandstätter 1987, S. 269
  • Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950. Band 8. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1983.
  • Walter Pollak [Hg.]: Tausend Jahre Österreich. Eine biographische Chronik. Band 2. Wien / München: Jugend & Volk 1973-1974, S. 66 ff.
  • Wiener Schriften. Hg. vom Amt für Kultur, Schulverwaltung der Stadt Wien. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 29 (1969), S. 69
  • Hans Giebisch / Gustav Gugitz: Bio-Bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien: Hollinek 1963
  • Ernst Joseph Görlich (Hg.): Karoline Pichler. Madame Biedermeier. In: Das österreichische Wort 130 (1963)
  • Hans Markl: Kennst du die berühmten letzten Ruhestätten auf den Wiener Friedhöfen? Band 1: Zentralfriedhof und Krematorium (Urnenhain). Wien: Pechan 1961, S. 11
  • Renate Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien: Hollinek 1957 (Österreichische Heimat, 20), S. 223 und S. 268
  • Josef Bergauer: Auf den Spuren berühmter Menschen in Wien. Wien: Österreichischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst 1949. Register
  • G. Prohaska: Der literarische Salon der Karoline Pichler. Diss. Univ. Wien. Wien 1947
  • Lena Jansen: Karoline Pichlers Schaffen und Weltanschauung im Rahmen ihrer Zeit. Graz: Wächter-Verl. 1936 (Deutsche Quellen und Studien, 13)
  • Hans Rotter: Neubau. Ein Heimatbuch des 7. Wiener Gemeindebezirkes. Wien: Deutscher Verlag für Jugend und Volk 1925, S. 194
  • Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich. Enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche 1750 bis 1850 im Kaiserstaate und in seinen Kronländern gelebt haben. 60 Bände. Wien: Verlag der typografisch-literarisch-artistischen Anstalt 1856-1891. Register 1923
  • Hans Rotter: Die Josefstadt. Geschichte des 8. Wiener Gemeindebezirkes. Wien: Selbstverlag 1918, S. 113 und S. 298
  • Franz Gräffer: Kleine Wiener Memoiren und Wiener Dosenstücke. In Auswahl hg. von Anton Schlossar unter Mitwirkung von Gustav Gugitz. München: G. Müller 1918-1922. Band 1, S. 338 und S. 437