Karl Seitz

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Karl Seitz (1946)
Personenname Seitz, Karl
Abweichende Namensform
Titel
Geschlecht männlich
GND 119184745
Geburtsdatum 04.09.1869
Geburtsort Wien
Sterbedatum 03.02.1950
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum 12.11.1950
Friedhof Zentralfriedhof
Grabstelle Gruppe 24, Reihe 5, Nummer 2
Ehrengrab ja
Beruf Lehrer, Politiker
Parteizugehörigkeit Sozialdemokratische Partei
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass Wiener Stadt- und Landesarchiv, VGA
Verkehrsfläche Karl-Seitz-Platz
Denkmal Seitzdenkmal (1, Innere Stadt)
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  8.06.2018 durch DYN\rabus
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Bildname Karlseitz.jpg
Bildunterschrift  Karl Seitz (1946)
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus, Tagblattarchiv: Fotosammlung, TF-009609
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
FunktionFunktion vonFunktion bis
Reichsratsabgeordneter19011918
Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei1945
Präsident des Staatsrates5 März 19199 November 1920
Abgeordneter zum Nationalrat10 November 192017 Februar 1934
2. Präsident des Nationalrates15 Dezember 192020 November 1923
Obmann der Sozialdemokratischen Partei19201934
Präsident der Provisorischen Nationalversammlung21 Oktober 191816 Februar 1919
Bürgermeister30 November 192312 Februar 1934
Abgeordneter zum Nationalrat19 Dezember 19452 Februar 1950
AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Ehrenbürger der Stadt Wien6 September 1929
Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Sterbeadresse19Himmelstraße43
Wohnadresse16Thaliastraße4
Wohnadresse7Burggasse117
Wohnadresse5Schönbrunner Straße119
Wohnadresse1Rathausstraße13
Geburtsadresse9Nußdorfer Straße18
Wohnadresse19Himmelstraße43
NameVerwandtschaftsgrad
Emma Seitz, geb. Seidel2. Gattin
Emilie Seitz, geb. Heindl1.Gattin

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Karl Seitz, * 4. September 1869 Wien, † 3. Februar 1950 Wien, Lehrer, Politiker, Bürgermeister der Stadt Wien.

Biografie

Karl Seitz war eines von sieben Kindern des Holzhändlers Karl Borromäus Seitz (1826−1875) und seiner Frau, der Gastwirtstochter Barbara (Betty), geborene Kaiser. Nach dem Tod des Vaters 1876 versuchte die Mutter, das Einkommen der Familie als Näherin zu sichern, musste die beiden jüngsten Kinder Karl und Josef jedoch schließlich im städtischen Waisenhaus in Wien-Alsergrund, Galileigasse 8, unterbringen. Der liberale Gemeinderat Wilhelm Bächer verschaffte Karl einen Freiplatz im Lehrerseminar in St. Pölten, wo er seine Ausbildung 1888 abschloss. Bereits als Sprecher des Absolventenjahrgangs 1888 setzte sich Seitz in Gegensatz zur konservativen Schulbehörde und wurde auch während seiner Tätigkeit an verschiedenen Wiener Volksschulen mehrmals mit Verweisen bedacht.

1895/1896 fungierte Seitz als Herausgeber der "Freien Lehrerstimme"; 1896 initiierte er die Gründung des sozialdemokratischen Zentralvereins der Wiener Lehrerschaft, zu dessen Obmann er 1897 gewählt wurde. Im selben Jahr wurde er Vertreter der Lehrerschaft im Bezirksschulrat; in den "Elementarkursen der Arbeiterschaft" sprach er über zentrale Probleme von Staat, Arbeiterschaft und Schule, was seinen Ruf als hervorragender Redner begründete. Er schloss sich der radikaldemokratischen Lehrervereinigung "Die Jungen" an und arbeitete am ersten sozialdemokratischen Bildungsprogramm mit.

1901 wurde der Lehrer in den Reichsrat gewählt; ein Jahr später zog er auch in den Niederösterreichischen Landtag ein. 1907 wurde er Führer der sozialdemokratischen Fraktion im Reichsrat und engster parlamentarischer Mitarbeiter Victor Adlers. Im Privatleben heirate er am 12. November 1900 die Lehrerin Emilie Heindl (* 19. November 1868 Wien, † 21. Juni 1943 Wien).

1918 war Karl Seitz als Nachfolger von Engelbert Pernerstorfer zunächst Vizepräsident des Abgeordnetenhauses im Reichsrat. Am 30. Oktober 1918 wurde er einer der drei Präsidenten der Provisorischen Nationalversammlung und 1919 bis 1920 Präsident der Konstituierenden Nationalversammlung. Als solcher fungierte er, ohne eine darauf Bezug nehmende Funktionsbezeichnung zu führen, gleichzeitig als Staatsoberhaupt, bis im November 1920 auf Grund der am 1. Oktober 1920 beschlossenen Bundesverfassung der erste Bundespräsident gewählt wurde. Von 1920 bis 1934 war Karl Seitz Abgeordneter zum Nationalrat (bis 1923 als Zweiter Präsident).

Nach dem Tod von Victor Adler im November 1918 avancierte Karl Seitz zum Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und Leiter des Parlamentsklubs. Im November 1923 wurde er als Nachfolger von Jakob Reumann zum Bürgermeister von Wien gewählt. In dieser Funktion war Seitz federführend für das kommunale Modernisierungsprojekt des "Roten Wien", das weltweite Anerkennung finden sollte, verantwortlich. Gestützt auf die Finanzpolitik von Stadtrat Hugo Breitner, waren die wesentlichen Elemente dieses Reformprogramms der soziale Wohnbau, die Gesundheits- und Fürsorgepolitik unter Julius Tandler und die Schulreform Otto Glöckels. 1927 kam es nach der Eröffnung des Schneepalasts zu einem Attentat auf den Bürgermeister, das dieser und seine Begleiter unbeschadet überstanden.

Am 12. Februar 1934 wurde Karl Seitz in seinen Amtsräumen verhaftet. Er blieb bis Dezember in Haft; der Vorwurf des Hochverrats wurde jedoch schließlich fallengelassen. Nach dem "Anschluss" 1938 wurde er durch die Nationalsozialisten kurzfristig inhaftiert. 1944 erfolgte eine erneute Verhaftung wegen angeblicher Mitarbeit in der Widerstandsbewegung um Stauffenberg, gefolgt von der Internierung im Konzentrationslager Ravensbrück. Im März 1945 wurde Seitz nach Plaue (Thüringen) verbannt, von wo er im Juni 1945 nach Wien zurückkehren konnte. Danach übernahm Seitz für kurze Zeit den Vorsitz der neugegründeten Sozialistischen Partei (SPÖ) und fungierte ab 1945 wieder als Abgeordneter zum Nationalrat. In dieser Funktion appellierte er im März 1946 in einer aufsehenerregenden Rede im Parlament an die Besatzungsmächte, die Demokratie auf dem Boden Österreichs zu sichern und Österreich die Freiheit wiederzugeben. Am 17. August 1945 heiratete der Witwer Emma Seidel (* 9. März 1895), die Tochter der Politikerin Amalie Seidel. Nach seinem Tod im Februar 1950 wurde er schließlich in einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof bestattet.

Ehrungen

Am 6. September 1929 verlieh der Gemeinderat Karl Seitz anlässlich seines 60. Geburtstages den Titel Ehrenbürger der Stadt Wien. 1946 wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Sozialistischen Partei Österreichs ernannt.

Eine große städtische Wohnhausanlage in Wien-Floridsdorf, errichtet während seiner Amtszeit als Bürgermeister, wurde 1951 nach dem Politiker benannt: der Karl-Seitz-Hof, wo auch ein von Gustinus Ambrosi geschaffenes Denkmal aufgestellt wurde. Der Platz davor trägt seit Februar 1998 den Namen Karl-Seitz-Platz. Ein Denkmal im Rathauspark enthüllte man bereits am 28. April 1962.

Werke (Auswahl)

  • Herr Dr. Lueger in der Klemme. Die erste Schuldebatte im neuen Parlament. Reden der Abgeordneten Seitz, Lueger und Schreiter. Wien: Volksbuchhandlung Ignaz Brand 1901
  • Volksschule oder Pfaffenschule? Rede des Reichsraths-Abgeordneten Karl Seitz. Wien: Wiener Volksbuchhandlung Ignaz Brand 1902
  • Krieg und Absolutismus. Friede und Recht. Zwei Parlamentsreden von Seitz und Renner, in der Budgetdebatte des österreichischen Abgeordnetenhauses vom 14. und 16. Juni 1917. Wien: Wiener Volksbuchhandlung 1917
  • Arbeiter oder Soldaten? Rede des Reichsratsabgeordneten Karl Seitz (Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 6. November 1917). Wien: Wiener Volksbuchhandlung Ignaz Brand 1917
  • Die Schmach von Genf und die Republik. Reden der Abgeordneten Renner und Seitz in der Sitzung des Nationalrates am 12. Oktober 1922
  • Sichert die österreichische Demokratie! Rede des Abg. Seitz in der 11. Sitzung des Nationalrates am 20. März 1946. Wien: Sozialistische Partei Österreichs o. J. [1946]

Nachlass

  • Wiener Stadt- und Landesarchiv. Vgl. dazu: Wolfgang Mayer: Nachlässe. Wien: Eigenverlag 1988 (Wiener Stadt und Landesarchiv, Reihe A, Serie 3, Heft 2), S. 24-25
  • Teilnachlass im Verein für Geschichte der Arbeiter/innenbewegung: Bearbeitung 2006, Karton 1−3, Mappen 1−12. Inhalt: Korrespondenz, persönliche Dokumente, Zeitungsausschnitte, Notizen, Fotos u. a.

Quellen

  • Wienbibliothek im Rathaus, Tagblattarchiv: Seitz, Karl. 14 Bände [Sign.: TP-044228]

Literatur

  • Andreas Pittler: Karl Seitz 1869−1950. Wien: Gerold 2012 (Edition Wiener Bürgermeister)
  • Harald D. Gröller: Karl Seitz 1869−1950. Ein Leben an Bruchlinien. Wien: Schmid 2005
  • Harald D. Gröller: Karl Seitz. Diplomarbeit Univ. Graz. Graz 2002
  • Wolfgang Maderthaner: Seitz Karl. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815−1950 (ÖBL). Band 12. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2002, S. 146-147
  • Wolfgang Maderthaner [et al.]: Karl Seitz. Bürgermeister des Roten Wien. Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung. Dokumentation 1/2000
  • Rudolf Spitzer: Karl Seitz. Waisenknabe − Staatspräsident − Bürgermeister von Wien. Zum 125. Geburtstag. Wien: Deuticke 1994 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 25)
  • Hanns Jäger-Sunstenau: Die Ehrenbürger und Bürger ehrenhalber der Stadt Wien. Wien: Deuticke 1992 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 23), S. 68-69
  • Isabella Ackerl / Friedrich Weissensteiner: Österreichisches Personenlexikon. Wien: Ueberreuter 1992, S. 446-447
  • Kurt Stimmer [Hg.]: Die Arbeiter von Wien. Ein sozialdemokratischer Stadtführer. Wien [u. a.]: Jugend und Volk 1988, S. 368-370
  • Walter Kleindel: Das große Buch der Österreicher. 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild. Namen, Daten, Fakten. Wien: Kremayr & Scheriau 1987, S. 496
  • Stella Klein-Löw: Menschen um mich. Porträts in Worten. Wien / München: Jugend und Volk 1982, S. 82-89
  • Rudolf Neck: Karl Seitz. In: Friedrich Weissensteiner [Hg.]: Die österreichischen Bundespräsidenten. Leben und Werk. Wien: Österreichischer Bundesverlag 1982, S. 24-44
  • Gerda Irene Wondratsch: Karl Seitz als Schulpolitiker. Die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg. Diss. Univ. Wien. Wien 1978
  • Alfred Magaziner: Karl Seitz, der meistgegrüßte Wiener. In: Alfred Magaziner: Die Wegbereiter. Aus der Geschichte der Arbeiterbewegung. Wien: Volksbuchverlag 1975, S. 124-127
  • Rudolf Neck: Karl Seitz und seine Mitarbeiter. In: Walter Pollak [Hg.]: Tausend Jahre Österreich. Eine biographische Chronik. Band 3: Der Parlamentarismus und die beiden Republiken. Wien: Jugend und Volk 1974, S. 274-291
  • Felix Czeike: Wien und seine Bürgermeister. Sieben Jahrhunderte Wiener Stadtgeschichte. Wien [u. a.]: Jugend und Volk 1974, S. 384-390
  • Bruno Sokoll: Seitz Karl. In: Jean Maitron / Georges Haupt [Hg.]: Dictionnaire biographique du mouvement ouvrier international. Band 1: Autriche. Paris: Éditions Ouvrières 1971, S. 286-287
  • Anton Tesarek: Karl Seitz. In: Norbert Leser [Hg.]: Werk und Widerhall. Große Gestalten des österreichischen Sozialismus. Wien: Wiener Volksbuchhandlung 1964, S. 381-389
  • Jacques Hannak: Männer und Taten. Zur Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung. Wien: Wiener Volksbuchhandlung 1963, S. 33-36
  • Felix Czeike: Karl Seitz (1869−1950). In: Österreich in Geschichte und Literatur 6 (1962), Folge 4, S. 151-166
  • Felix Czeike: Wirtschafts- und Sozialpolitik der Gemeinde Wien in der Ersten Republik (1919−1934). Wien: Jugend und Volk, I. Teil 1958, II. Teil 1959
  • Julius Deutsch: Karl Seitz (1869−1950). In: Neue Österreichische Biographie ab 1815. Band 12. Wien [u. a.]: Amalthea 1957, S. 128-139
  • Anton Tesarek [Red.]: Unser Seitz. Zu seinem achtzigsten Geburtstag. Beitrag zu einer Biographie. Wien: Wiener Volksbuchhandlung 1949
  • Franz Blaha: Mann des Volkes, Mann der Herzen. Eine Bilderschrift. Wien: Blaha 1945
  • Karl Renner: Der Partei- und Staatsmann Karl Seitz. In: Dem Vorkämpfer der Freiheit unseres Volkes Karl Seitz zu seinem 60. Geburtstag. Der Sozialdemokrat. Monatsschrift der Organisation Wien 11 (1929), Heft September

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