Karl Lueger

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Karl Lueger (Offizeilles Foto mit Bürgermeisterkette und Widmung)
Personenname Lueger, Karl
Abweichende Namensform
Titel Dr. iur.
Geschlecht männlich
GND 118729578
Geburtsdatum 24.10.1844
Geburtsort Wieden
Sterbedatum 10.03.1910
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum
Friedhof Zentralfriedhof
Grabstelle Lueger-Gedächtniskirche, Bürgermeistergruft;
Ehrengrab
Beruf Rechtsanwalt, Politiker
Parteizugehörigkeit Christlichsoziale Partei
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass Wienbibliothek im Rathaus / Handschriftensammlung
Verkehrsfläche Dr.-Karl-Lueger-Platz, Dr.-Karl-Lueger-Ring (1), Dr.‐Karl‐Lueger‐Brücke
Denkmal Luegerbrunnen, Luegerherme
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  22.11.2017 durch WIEN1\lanm08jan
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Bildname Karllueger.jpg
Bildunterschrift  Karl Lueger (Offizeilles Foto mit Bürgermeisterkette und Widmung)
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus, Handschriftensammlung, H.I.N. 218970
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
FunktionFunktion vonFunktion bis
Abgeordneter zum Niederösterreichischen Landtag18901910
Bürgermeister der Stadt Wien8 April 189710 März 1910
Gemeinderat der Stadt Wien18751876
Gemeinderat der Stadt Wien18781910
Abgeordneter zum Reichsrat18851910
AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Ehrenbürger der Stadt WIen3 Juli 1900
Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Geburtsadresse4Karlsplatz3
Sterbeadresse1Lichtenfelsgasse2

Es wurde noch keine Familie zu dieser Person erfasst! Es wurden noch keine Beziehungen zu dieser Person erfasst!

Lueger Karl, * 24. Oktober 1844 Wieden (4, Karlsplatz 13; Gedenktafel), † 10. März 1910 Wien 1, Lichtenfelsgasse 2, (Neues) Rathaus (Zentralfriedhof [zunächst Grab 34F/4/20, dann Ehrengrab Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche], Bürgermeistergruft unter der Kirche), Rechtsanwalt, Bürgermeister, Sohn des Saaldieners der Technischen Hochschule Leopold Lueger (* 11. November 1806 Neustadtl/Donau, † 28. Oktober 1866 Wien [Matzleinsdorfer Katholischer Friedhof]) und dessen Gattin Juliana Schuhmayer (* 26. Jänner 1812 Wien, † 6. Dezember 1888 Wien 3, Marokkanergasse 3 [Zentralfriedhof, Grab 34F/4/20], wohin die Familie nach dem Tod des Vaters aus 5, Franzensgasse 58 übersiedelt war).

Biographie

Karl Lueger besuchte als Externist die für Schüler seiner sozialen Herkunft sonst kaum zugängliche Theresianische Akademie, wo er 1862 mit Auszeichnung maturierte. Anschließend nahm er an der Universität Wien das Studium der Rechtswissenschaften auf, das er 1870 mit der Promotion zum Dr. iuris abschloss. Bereits 1867 war er als Advokaturkonzipient in eine Rechtsanwaltskanzlei eingetreten; um die Jahreswende 1873/1874 legte er die schriftliche bzw. mündliche Advokatenprüfung ab. Wenig später, im März 1874, eröffnete Lueger in der Inneren Stadt eine eigene Kanzlei.

Politisch interessiert, engagierte sich der junge Jurist zunächst im “Deutsch-Demokratischen Verein“ im Bezirk Landstraße, schloss sich aber 1872 dem “Liberalen Bürgerklub“ an, wo Franz Khunn zu seinem ersten Förderer wurde. Er erkannte das politische Talent Luegers und forcierte dessen Kandidatur bei Nachwahlen zum Gemeinderat im Frühjahr 1875. Dieser wandte sich aber – gemeinsam mit dem aus einer jüdischen Familie stammenden Gemeinderat Ignaz Mandl – rasch zum Kritiker des autokratischen Regimes von Bürgermeister Cajetan Felder. Nach einer Niederlage auf Bezirksebene legte er sein Gemeinderatsmandat im Herbst 1876 zurück, sammelte unter dem Schlagwort der Korruptionsbekämpfung die kleinbürgerlichen Schichten seines Wahlbezirks und gelangte im März 1878 als Vertreter der “Wirtschafts- und Fortschrittspartei“ wieder in den Gemeinderat, dem er nun bis zu seinem Tode angehörte. Mit anderen demokratischen Gegnern des liberalen Stadtregimes gründete er die inhaltlich recht heterogenen “Vereinigten Linken“, die er 1880 bis 1882 auch leitete und die unter anderem für ein einheitliches Wahlrecht aller Steuerzahler eintraten.

Die Wahlreform 1885, die besonders weiteren kleinbürgerlichen Gruppen das Wahlrecht einräumte (Herabsetzung der Bedingung für die Ausübung des Wahlrechts auf eine direkte Steuerleistung von fünf Gulden jährlich) begünstigte Luegers Aufstieg. Ein tief greifender Strukturwandel, die wachsende Abhängigkeit vom liberalisierten Markt und (oft jüdischen) Kaufleuten sowie die Billigkonkurrenz der von (oft jüdischen) Hausierern vertriebenen Fabrikwaren verunsicherten die Kleingewerbetreibenden und bildeten einen idealen Nährboden für antisemitisch verbrämte Kapitalismuskritik. Der rhetorisch gewandte Advokat konnte sich sukzessive zum unumstrittenen Wortführer dieser Bevölkerungsgruppe machen, um deren Anliegen sich bislang niemand angenommen hatte, und passte sein politisches Vokabular dabei zunehmend antisemitischen Klischees an. Dass Lueger, wie zahlreiche Quellen belegen, selbst kein überzeugter Antisemit war und diesen "nur" taktisch sowie im wirtschaftlichen Kontext instrumentalisierte, darf nicht zu einer relativierenden Bewertung seiner antisemitischen Politik führen. Der Gebrauch der Wiener Umgangssprache verhalf ihm zu zusätzlicher Popularität bei seinen Wählern.

Ab dem Frühsommer 1885 hatte er mit Hilfe antiliberaler Gruppen auch ein Reichsratsmandat. Im April 1886 schlossen sich die im Wiener Gemeinderat vertretenen Antisemiten und Demokraten zu einem neuen Klub zusammen, den “Demokratischen Linken“, die als erste Keimzelle späterer Bürgermeister-Mehrheiten angesehen werden kann. Erst als Lueger mit dem christlichen Sozialreformer Karl Freiherr von Vogelsang und dessen Kreis in Verbindung trat, denen ein in der politischen Praxis erfahrener Wortführer ebenso fehlte wie Lueger eine seine heterogene Anhängerschaft abgrenzende Ideologie, wurde er Organisator der ersten großen politischen Massenbewegung und Gründer der Christlichsozialen Partei. Nach dem endgültigen Bruch mit dem radikalen Deutschnationalen Schönerer entstanden Ende der 1880er Jahre aus dem Konglomerat von Antisemiten, gemäßigten Deutschnationalen und Reformkatholiken das lose Bündnis der “Vereinigten Christen“, die politischen Plattform Karl Luegers. Indem er die katholische Sozialreform und wirtschaftlich motivierten Antisemitismus mit seinen ursprünglichen demokratisch-sozialen Zielsetzungen vereinigte, gewann er nicht nur das kleinbürgerlich-demokratische Wählerreservoir, sondern auch katholisch-konservative Schichten. Einen entscheidenden inhaltlichen Impuls übte die Sozialenzyklika “Rerum novarum“ (1891) aus.

Im Oktober 1890 zog Lueger auch als Abgeordneter in den Niederösterreichischen Landtag ein. Seiner Persönlichkeit gelang es, die tief sitzenden Gegensätze zwischen Stadt- und Landbevölkerung auszugleichen, indem er sich je nach Bedarf als “Kind der Stadt“ bzw. als “Spross aus niederösterreichischem Bauerntum“ präsentierte. Sein wichtigstes Ziel war aber die Eroberung des Bürgermeisteramtes. Im Herbst 1895 war die Christlichsoziale Partei soweit angewachsen, dass sie bei den Gemeinderatswahlen eine Zweidrittel-Mehrheit eroberte und Lueger am 29. Oktober 1895 zum ersten Mal zum Bürgermeister gewählt wurde. Damit begann ein Tauziehen, das mit gemeinderätlichen Bestellungen und kaiserlichen Ablehnungen die folgenden Monate überschattete. Seine Gegner stellten den Politiker wegen seiner verbalen Ausfälle gegen das Judentum, Vertreter der staatlichen Autorität und die ungarische Reichshälfte als einen Störenfried (“impetuoses und exzessives Auftreten“) hin, dem man die Amtsgeschäfte nicht anvertrauen dürfe. Nach mehreren Wahl-Anläufen und einer interimistischen Lösung in Person seines Parteigängers Josef Strobachs erhielt Lueger nach seiner fünften Wahl zum Bürgermeister am 16. April 1897 schließlich die kaiserliche Bestätigung und wurde am 20. April vereidigt.

Ein wesentlicher Schwerpunkt der nun folgenden 13jährigen Amtszeit galt dem Kampf gegen das “Großkapital“. Er suchte durch die Kommunalisierung der wichtigsten Versorgungsleistungen die Stadt Wiens von in- und ausländischen monopolartigen Gesellschaften unabhängig zu machen. Schon 1896 hatte der Gemeinderat (noch unter Luegers “Platzhalter“ Strobach) den Vertrag mit der englischen Gaswerk-Gesellschaft aufgelöst und es wurde mit dem Bau eines eigenen Gaswerks in Simmering begonnen. Bereits 1899 konnten die inneren Bezirke von städtischen Unternehmungen versorgt werden, 1911 war die Umstellung mit der Inbetriebnahme des Werks Leopoldau komplett abgeschlossen. Die Kommunalisierung der Elektrizitätswerke begann mit der Errichtung je eines Werks für die öffentliche Beleuchtung sowie die Versorgung der privaten Haushalte und für die Straßenbahn ab 1900 und konnte mit der Übernahme der privaten Gesellschaften von 1907 bis 1914 vollendet werden.

In engem Zusammenhang mit der Elektrifizierung der Stadt stand die Übernahme der Straßenbahn, die 1900 bis 1902 von der Stadt erworben und schrittweise auf elektrischen Betrieb umgestellt wurde. 1907 kommunalisierte die Stadt die Dampftramway-Gesellschaft und 1908 den Stellwagenbetrieb mit einem Liniennetz von rund 39 Kilometern. Erste Pläne gab es auch zur Errichtung einer U-Bahn. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwies sich eine neue, über die Donau gerichtete Stadterweiterung als sinnvoll. Nachdem bereits 1900 aus dem nördlichen Teil der Leopoldstadt der 20. Bezirk geschaffen wurde, wurden Anfang 1905 die Donaugemeinden Floridsdorf, Jedlesee, Groß-Jedlersdorf, Strebersdorf (teilweise), Stammersdorf (teilweise), Leopoldau, Stadlau und Aspern als 21. Bezirk eingemeindet. Die Fläche der Stadt erhöhte sich um rund 50 Prozent auf 273 Quadratkilometer; die Einwohnerzahl stieg auf über 2 Millionen.

In der Sozialpolitik distanzierten sich Lueger und die Christlichsozialen im Sinne der katholischen Soziallehre von der bisher dominierenden Anschauung des Liberalismus, dass jede(r) nur für sich selbst verantwortlich wäre. So richtete die Stadt Wien 1898 nach dem Vorbild deutscher Städte ein städtisches Arbeitsvermittlungsamt ein. Mit dieser Maßnahme wurden die Vermittlung vereinheitlicht und Doppelgleisigkeiten verhindert. Der 1899 geschaffene Zentral-Armenkataster erfasste alle von der Armenpflege betroffenen Personen und sollte öffentliche und private Hilfe besser miteinander verbinden. Als ständiger Ausschuss zur Förderung der Armenpflege konstituierte sich 1901 der Zentralrat für das Armenwesen. Ein städtisches Waisenhaus löste das bisherige Asyl für verlassene Kinder ab. In Bad Hall, San Pelagio und Sulzbach-Ischl wurden Kinderheilstätten eingerichtet. 1904 wurde das Versorgungsheim Lainz – damals das größte und modernste seiner Art – eingeweiht.

Auf dem Gebiet der Gesundheitspflege wurde die Zahl der öffentlichen Brausebäder deutlich erhöht; die Besucherzahl verdreifachte sich zwischen 1896 und 1910. Die Errichtung von Strombädern schloss sich an. Der Spitalsnot versuchte die Stadtverwaltung durch die Errichtung des “Jubiläumsspitals“ (Grundsteinlegung 1908) beim Lainzer Tiergarten, den Bau neuer Kliniken im 9. Bezirk und eine Modernisierung des Sanitäts- und Rettungswesens in den Griff zu bekommen.

1905 wurde die Schaffung eines Wald- und Wiesengürtels, der selbst einer 4 Millionen-Stadt noch genügen und ungesunde Wohnverhältnisse bei steigender Bevölkerungsdichte vermeiden sollte, beschlossen. Im Zuge dieser Aktion erwarb die Gemeinde Wien Grünflächen im Ausmaß des 6. Bezirks. Auch eine Reihe innerstädtischer Grünanlagen wurde errichtet. Der immense Wasserbedarf, vor allem durch die Eingemeindung der Vororte wenige Jahre zuvor, führte zum Bau der zweiten Wiener Hochquellenwasserleitung. 1899 im Gemeinderat beschlossen, wurde sie 1910 in Betrieb genommen.

Der Wohnungsnot begegnete die christlichsoziale Stadtverwaltung nur mit punktuellen Maßnahmen: Um Vermieter und Wohnung Suchende effizienter zueinander bringen zu können, führte der Gemeinderat 1901 einen städtischen Wohnungsnachweis ein, zunächst probeweise auf zwei Bezirke beschränkt, ab 1902 für alle Bezirke. Eine ähnliche Anlaufstelle wurde 1902 auch für die Vermietung von Sommerwohnungen in Niederösterreich eingerichtet. Eine nachhaltige Lösung der Wohnungsnot wurde erst in der Ersten Republik erzielt.

Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Schulwesen gewidmet: 1908 wurde die 100. Schule, die von der christlichsozialen Stadtregierung errichtet worden war, feierlich eröffnet. Auf kulturellem Gebiet wurde die Errichtung eines städtischen Museums auf dem Karlsplatz beschlossen – ein Projekt, das nach vielen Neukonzeptionen erst 1959 Realität wurde. Schneller ging es mit dem “Kaiser-Jubiläums-Theater“ (heute als “Volksoper“ bekannt), das auf städtischem Baugrund 1898 eröffnet wurde. Die ebenfalls auf städtischem Pachtgrund erbaute “Wiener Urania“ nahm ihren Betrieb 1910 auf.

1905 übernahm die Stadt die mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfende Genossenschaft “Wiener Brauhaus“ mit einer Anlage in Rannersdorf bei Schwechat. 1907 wurden das städtische Leichenbestattungs-Unternehmen mit dem Ziel, auch armen Bürgern ein würdiges Begräbnis zu sichern, gegründet, 1899 der Rathauskeller als städtische Unternehmung eröffnet. Der schon bestehende Zentralfriedhof musste nach Süden und Osten erweitert werden; zugleich wurde die “[Luegerkirche|Lueger-Gedächtniskirche“ errichtet. Mit der Errichtung der “Städtischen Kaiser Franz Josefs-Jubiläums-Lebens- und Rentenversicherungsanstalt“ (Beschluss 1898) und der Gründung der “[[Zentralsparkasse der Gemeinde Wien (Institut)|Zentralsparkasse“ (Beschluss 1905) dehnte die Stadt Wien ihre wirtschaftliche Tätigkeit in weite Bereiche des täglichen Lebens aus.

Die umfangreichen Projekte finanzierte die Stadtverwaltung über Anleihen; so nahm sie 1898 60 Millionen Kronen für die Errichtung eines städtischen Gaswerks, 1900 30 Millionen Kronen für die Kommunalisierung der Elektrizitätswerke, 1902 285 Millionen Kronen für die Kommunalisierung der Straßenbahn, den Bau der 2. Hochquellenleitung und weitere kleinere Projekte sowie 1908 weitere 360 Millionen Kronen an Schulden auf.

So nachhaltig Luegers Wirken für die Wiener Kommunalpolitik war, so wenig kümmerte er sich um die Organisation seiner Partei. Die erfolgreiche Personalisierung der Politik ließen Strukturen entbehrlich erscheinen. Die einigende Klammer des Konglomerats an verschiedenen Gruppen, Vereinen und Vorfeldorganisationen war einzig und allein der charismatische Bürgermeister, was sich besonders nach dessen Tod negativ auf den Zusammenhalt der Christlichsozialen auswirkte.

Innenpolitisch wurde der Kampf gegen den Liberalismus von Auseinandersetzungen mit der aufstrebenden Sozialdemokratie und den radikalen deutschnationalen Strömungen abgelöst. Auch auf gesamtstaatliche Probleme – die Christlichsozialen stellten mit Einführung des allgemeinen und gleichen Männerwahlrechts 1907 und nach der Vereinigung mit den Katholisch-Konservativen die stärkste Fraktion im Abgeordnetenhaus des Reichsrats – nahm Lueger Einfluss. Neben der Wahlrechtsreform (die in Wien aus wahltaktischen Gründen nicht nachgebildet wurde) trat er für einen Bundesstaat mit nationalen Gliedstaaten ein und führte als Vertreter der Gesamtstaatsidee einen unablässigen Kampf gegen die ungarische Reichshälfte, was ihm wiederum besondere Sympathien bei den Rumänien eintrug.

Bedingt durch seinen rastlosen Arbeitsstil betrieb Lueger nachhaltigen Raubbau an seiner Gesundheit, die sich durch schweren Diabetes weiter verschlechterte und etwa ab 1906 zunehmend seine Amtsführung erschwerten. Nach schwerem Leiden starb er am 10. März 1910, fast völlig erblindet, und wurde am 14. März unter großer Beteiligung der Bevölkerung und des öffentlichen Lebens am Wiener Zentralfriedhof begraben. Nach der Fertigstellung der “Gedächtniskirche“ im Herbst des Jahres wurden seine Gebeine in deren Krypta überführt.

Es gibt wohl kaum einen Wiener Bürgermeister, dessen Anhänger und Gegner ein so unterschiedliches Bild von seiner Persönlichkeit entwarfen, wie dies bei Lueger der Fall ist. Glorifizierung auf der einen stand und steht oft pauschalisierende Ablehnung auf der anderen Seite gegenüber. Außer Zweifel steht, dass der “schöne Karl“ und “Herrgott von Wien“, wie ihn manche seiner Anhänger in grenzenloser Bewunderung nannten, eine in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche Persönlichkeit war. Volkstümlich und in weiten Kreisen der Bevölkerung außerordentlich populär, war er “der erste bürgerliche Politiker, der mit Massen rechnete, Massen bewegte, der die Wurzeln seiner Macht tief ins Erdreich senkte“ (Arbeiter-Zeitung, 11.03.1910).

Im Auftrag der Stadt Wien hat eine HistorikerInnen-Kommission die historische Bedeutung jener Persönlichkeiten, nach denen Wiener Straßen benannt sind, von 2011 bis 2013 untersucht sowie eine zeithistorische Kontextualisierung vorgenommen. Laut Abschlussbericht dieser Forschungsgruppe war die politische Rhetorik von Karl Lueger von aggressiver antijüdischer und deutschnationalistischer Polemik geprägt. Als maßgeblicher Politiker der damaligen Zeit verstärkte Lueger, der durchaus gute Kontakte zu Personen jüdischer Herkunft pflegte, die antisemitischen und diskriminierenden Tendenzen in der öffentlichen politischen Diskussion (etwa wenn er auf Grund der "Verjudung" der Wiener Universität einen Numerus clausus zugunsten von "Deutschösterreichern" forderte) und fungierte damit als Vorbild für nachfolgende Politiker.

Medaille von K. M. Schwerdtner (1907), Ölgemälde von Kasimir Pochwalsky (Bürgermeistergalerie; Rathaus, Roter Salon); Nachlass in der Wienbibliothek im Rathaus. Zahlreiche Auszeichnungen (unter anderem Ritterkreuz Franz-Joseph-Orden); Wirklicher Geheimrat (1908), Ehrenbürger der Stadt Wien (3. Juli 1900). Gedenktafel (5, Hamburgerstraße 9; Porträtrelief von Josef Tautenhayn; Lueger wohnte hier 1892-1897 mit seinen Schwestern Hildegard [* 17. September 1846, † 21. Mai 1938 Wien 6, Theobaldgasse 20] und Rosa [1849-1920] in einer Hofwohnung im zweiten Stock). Gedenktafel (14, Penzinger Straße 72; hier sprach Lueger am 18. Oktober 1909 zum letzten Mal in einer öffentlichen Versammlung [heute Bildungsheim Penzing]).

Dr.-Karl-Lueger-Platz, Dr.-Karl-Lueger-Ring, Dr.‐Karl‐Lueger‐Brücke, Luegerbrunnen, Luegerbüste, Luegerdenkmal (1), Luegereiche, Luegerherme, Luegerhof, Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche (Luegerkirche). Darüber hinaus wurden ihm auch zahl¬reiche kleinere Gedenkstätten (z.B. die „Luegereiche“ im Rathauspark), Büsten wie auch Werke der darstellenden Kunst (z.B. das "Lueger-Lied“, 1932) gewidmet.

Literatur

  • Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte. Begründet von Hellmuth Rössler und Günther Franz, bearbeitet von Karl Bosl [u.a.]. Band 2: I-R. München: A. Francke 1974
  • Neue österreichische Biographie. 1815 – 1918. Band 12. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1957
  • Österreichisches biographisches Lexikon 1815–1950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Wien/Graz: Böhlau 1954-lfd.
  • Walter Pollak [Hg.]: Tausend Jahre Österreich. Eine biographische Chronik. Band 3: Der Parlamentarismus und die modernen Republiken. Wien / München: Jugend & Volk 1974, S. 46 ff.
  • Gerhard Renner: Die Nachlässe in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Wien 1993
  • Leopold Tomola: Unser Bürgermeister Dr. Karl Lueger. Festschrift zu seinem 60. Geburtstage. Wien: Gerlach & Wiedling 1904
  • Franz Stauracz: Dr. Karl Lueger. Zehn Jahre Bürgermeister im Lichte der Tatsachen und nach dem Urteile seiner Zeitgenossen, zugleich ein Stück Zeitgeschichte. Wien [u.a.]: Braumüller 1907
  • Marianne Beskiba: Aus meinen Erinnerungen an Dr. Karl Lueger. Wien: Edhoffer 1911
  • Rudolf Kuppe: Karl Lueger und seine Zeit. Wien: Österreichische Volksschriften 1933
  • Rudolf Kuppe: Dr. Karl Lueger. Persönlichkeit und Wirken. Wien: Hollinek 1947
  • Kurt Skalnik: Dr. Karl Lueger. Der Mann zwischen den Zeiten. Wien [u.a.]: Herold 1954
  • Heinrich Schnee: Karl Lueger. Leben und Wirken eines großen Sozial- und Kommunalpolitikers. Umrisse einer politischen Biographie. Berlin: Duncker & Humblot 1960
  • John W. Boyer: Karl Lueger and the Viennese Jews. In: Leo Baeck Institute: Year-book 26 (1981)
  • John W. Boyer: Political radicalism in late imperial Vienna. Origins of the christian social movement. 1848 - 1897. Chicago, Ill. [u.a.]: University of Chicago Press 1981
  • John W. Boyer: Culture and political crisis in Vienna. Christian socialism in power 1897-1918. Chicago, Ill. [u.a.]: University of Chicago Press 1995
  • John W. Boyer: Karl Lueger (1844 - 1910). Christlichsoziale Politik als Beruf. Wien [u.a.]: Böhlau 2010 (Studien zu Politik und Verwaltung, 93)
  • Heilmut Andics: Luegerzeit. Das Schwarze Wien bis 1918. Wien [u.a.]: Jugend und Volk 1984
  • Johannes Hawlik: Der Bürgerkaiser. Karl Lueger und seine Zeit. Wien / München: Herold 1985 (mit Bibliographie)
  • Rudolf Spitzer: Des Bürgermeisters Lueger Lumpen und Steuerträger. Wien: Österreichischer Bundesverlag 1988
  • Reinhold Knoll: Zur Tradition der christlichsozialen Partei. Ihre Früh- und Entwicklungsgeschichte bis zu den Reichsratswahlen 1907. Wien / Graz [u.a.]: Böhlau 1973 (Studien zur Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie, 13), S. 263 f. u. Reg.
  • Erwin Heinzel: Lexikon historischer Ereignisse und Personen in Kunst, Literatur und Musik. Wien: Hollink 1956, S. 61 ff.
  • Felix Czeike: Liberale, christlichsoziale und sozialdemokratische Kommunalpolitik (1861-1934). Dargestellt am Beispiel der Gemeinde Wien. München: Oldenbourg 1962, S. 61 ff.
  • Felix Czeike: Wien und seine Bürgermeister. Sieben Jahrhunderte Wiener Stadtgeschichte. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1974, S. 357 ff., 363 ff.
  • Felix Czeike: Geschichte der Stadt Wien. Wien: Molden 1981, S. 245 ff.
  • Günther Berger: Die Persönlichkeit Dr. Karl Luegers und ihre Stellung zur Kunst [Manuskript]. Wien 1993
  • Günther Berger: Ein Leben für Wien - Bürgermeister Dr. Karl Lueger. In: Christliche Demokratie 11 (1994), Heft 3, S. 21-73
  • Handbuch der Stadt Wien. Band 98 (1983/84). Wien: Verlag für Jugend und Volk 1983, S. II/225
  • Hanns Jäger-Sunstenau: Die Ehrenbürger und Bürger ehrenhalber der Stadt Wien. Wien: Deuticke 1992 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 23), S. 65
  • Die Leopoldstadt. Ein Heimatbuch. Wien: Lehrer-Arbeitsgemeinschaft 1937, S. 280
  • Das Wiener Heimatbuch – Mariahilf. Hg. von der Arbeitsgemeinschaft des Mariahilfer Heimatmuseums. Wien: Austria Press 1963, S. 261, 378
  • Simmeringer Museumsblätter 22 (1986)
  • Penzinger Museumsblätter, Heft 49, S. 11 f.
  • Döbling. Eine Heimatkunde des 19. Wiener Bezirkes in drei Bänden. Hg. von Döblinger Lehrern. Wien: Selbstverlag der Arbeitsgemeinschaft "Heimatkunde Döbling" 1922, S. 116, 299
  • Wolfgang J. Bandion: Steinerne Zeugen des Glaubens. Die Heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien: Herold 1989, Register
  • Gerhardt Kapner: Freiplastik in Wien. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1970, S. 369 f.
  • Felix Czeike: XIV. Penzing. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1980 (Wiener Bezirkskulturführer, 14), S. 57 (Gedenktafel)
  • Tino Erben [Red.]: Traum und Wirklichkeit. Wien 1870 - 1930. Eigenverlag 1985 (Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 93), S. 148 ff.
  • Vor hundert Jahren. Wien 1879 als Beispiel für die Zeit des Historismus. Wien: Eigenverlag des Museums 1979 (Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 60), S. 43
  • Berichte und Mitteilungen des Altertums-Vereines zu Wien 40 (1907), S. XXXV
  • Hans Markl: Die Gedenktafeln Wiens. Wien: ABZ-Verlag 1949, S. 95, 105, 178
  • Hans Markl: Kennst du alle berühmten Gedenkstätten Wiens? Wien [u.a.]: Pechan 1959 (Perlenreihe, 1008), S. 63, 153, 166, 260
  • Hans Markl: Kennst du die berühmten letzten Ruhestätten auf den Wiener Friedhöfen? Band 1: Zentralfriedhof und Krematorium (Urnenhain). Wien: Pechan 1961, S. 125, 150
  • Rendezvous Wien. Vierteljahreszeitschrift für Freunde Wiens in aller Welt, 21.04.1988
  • Die Welt, 08.03.1985, S. 19
  • Zeit Magazin 14/1985, S. 34
  • Rathaus-Korrespondenz. Wien: Presse- und Informationsdienst, 11.03.1985
  • Peter Autengruber: Lexikon der Wiener Straßennamen. Bedeutung, Herkunft, frühere Bezeichnungen. Wien: Pichler Verlag 2014, 9. Auflage, S. 71
  • Peter Autengruber / Birgit Nemec / Oliver Rathkolb / Florian Wenninger: Umstrittene Wiener Straßennamen. Ein kritisches Lesebuch. Wien: Pichler Verlag 2014, S. 141–143
  • Peter Autengruber / Birgit Nemec / Oliver Rathkolb / Florian Wenninger: Forschungsprojektendbericht "Straßennamen Wiens seit 1860 als 'Politische Erinnerungsorte'". Wien 2013
  • Ernst Bruckmüller: Die Entwicklung der Christlichsozialen Partei bis zum Ersten Weltkrieg; in: Christliche Demokratie 9 (1991/19992), Heft 4, S. 343-368.
  • Christian Mertens: Richard Weiskirchner (1861-1926). Der unbekannte Wiener Bürgermeister. Wien: Verlag für Geschichte und Politik 2006.
  • Maren Seliger / Karl Ucakar: Wien. Politische Geschichte 1740-1934. Entwicklung und Bestimmungskräfte großstädtischer Politik. (Geschichte der Stadt Wien, 1). Teil 2: 1896-1934. Wien: Verlag für Jugend & Volk 1985
  • Wiener Kommunal-Kalender und Städtisches Jahrbuch. Wien 1875 ff.
  • Wienbibliothek im Rathaus / Tagblattarchiv, Personenmappe Karl Lueger [Sign: TP-031274]

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