Kapuzinerkirche

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Kapuzinerkirche
Art des Bauwerks Sakralbau
Jahr von 1622
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Kapuziner (Orden)
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  5.06.2017 durch DYN\krabina
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Bildname Kapuzinerkirche.jpg
Bildunterschrift  Kapuzinerkirche
Bildquelle WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 48110/2
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtTegetthoffstraße2

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Kapuzinerkirche (1, Neuer Markt; heilige Maria von den Engeln), mit angeschlossenem Kapuzinerkloster, gestiftet 1618 von Anna, der Gemahlin Kaisers Matthias'.

Die Kaupzinerkirche
Kapuzinerkirche
Der Neue Markt mit der Kapuzinerkirche

Geschichte der Kapuziner in Wien

Kaiser Matthias erwarb für die Kapuziner einen großen Grundkomplex zwischen dem Neuen Markt und der Spiegelgasse, zu dem auch der bereits recht verfallene Schaumburgerhof (1), damals kaiserlicher Hofstall, der Altenburger Hof und (ab 1635) der Seckauer Hof gehörten. Kaiser Matthias starb, ehe der Bau überhaupt begonnen wurde. Seit 1619 unterstehen die Kapuziner einem aus dem Kreis der Ordensmitglieder gewählten General.

Das alte Kapuzinerkloster in St. Ulrich wurde 1683 durch die Osmanen zerstört, jedoch 1684 über Initiative von Feldmarschall Graf von Serenyi in seiner heutigen Gestalt wiederaufgebaut. 1811 wurde es aufgelassen und die Gebäude von der niederösterreichischen Regierung den Mechitaristen übergeben, die das namengebende Hochaltarbild "Maria Schutz" aufstellten.

Am 20. Mai 1691 brannte das Kloster am Neuen Markt größtenteils ab, am 13. August 1699 starb dort Marco d'Aviano, der hier auch begraben ist (Bronzefigur von Hans Mauer, 1935, links vom Kircheneingang). Unter Joseph II. wurden ein Teil des inzwischen wieder aufgebauten Klosters und der größte Teil des Klostergartens zu Wohnhäusern verbaut. Während der französischen Besetzung 1809 diente es als Mehldepot.

An einem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Marmoraltar las Papst Pius VI. anlässlich seines Besuchs in Wien eine Messe (1782). Im Refektorium des Klosters befindet sich das Ölgemälde "Letztes Abendmahl" von Josef Führich (1842). Unter der Kirche befindet sich die zugleich mit der Kirche geweihte Kaisergruft (Kapuzinergruft), in der 138 Mitglieder des Hauses Österreich ruhen.

Äußeres

Am 8. September 1622 legte Ferdinand II. den Grundstein zur Kirche, die 1632 vollendet und am 8. September 1632 geweiht wurde. Diese erste Kirche hatte eine schlichte Fassade mit einem großen Kreuz, das fast die gesamte Wandfläche einnahm. Umgeben war es von den Emblemen des Ordens (Lanze, Rohr, Schwamm, Dornenkrone und andere Marterwerkzeuge). Um die Mitte des 18. Jahrhunderts erhielt die Giebelfront eine einfache Verzierung mit Schnörkelwerk und ein Gemälde mit der Darstellung des Engelsturzes. Als das Kloster 1842-1844 umgebaut wurde, wurde die Kirche mit flacher Blendarchitektur in romanisierenden Stil versehen, die wahrscheinlich nach einem Entwurf Paul Sprengers entstand. Anlässlich der Seligsprechung Marco d'Avianos wurde die Fassade der Kirche 1935/1936 erneut völlig neu gestaltet und in Anlehnung an alte Ansichten durch Professor Otto Wytrlik und Professor Ludwig Tremml rekonstruiert (Großes Terrakottakreuz, umgeben von Fresken von Rudolf Holzinger).

Inneres

Schlichter einschiffiger Saal mit Tonnengewölben und Stichkappen. Durch zwei zu beiden Seiten angefügte Kapellen entsteht eine kreuzartige Anlage, wie sie den Baugewohnheiten der Kapuziner entspricht. Der intarsierte Hochaltar, seitliche Altarbilder und die Bilder an den Triumphbogenaltären stammen vom Kapuzinerpater Norbert (Johann Baumgartner, † 1773). Ursprünglich gab es noch eine weitere Kapelle, die unter dem hinter dem Hochaltar liegenden Klosterchor lag. Sie war den Ordensheiligen Antonius und Bonaventura geweiht. Eine einst hier aufgestellte Marienstatue ("Heil der Kranken") steht heute im Klostergang gegenüber dem Eingang zur Sakristei. Bei der Leopoldinisch-karolinischen Grufterweiterung wurde die Kapelle in den Gruftraum miteinbezogen.

Kaiserkapelle

Links befindet sich die reicher ausgestattete "Kaiserkapelle", die als einziges Beispiel italienischer Hochrenaissance in Wien erhalten geblieben ist. Sie bildet einen quadratischen Raum mit Marmoraltar ("Mariä, Trösterin der Betrübten") aus dem Jahr 1751 und Holzstatuen der Habsburger Matthias, Ferdinand II., III. und IV. in den Ecknischen (17. Jahrhundert). Das Gnadenbild, das von einem Kapuzinerpater nach Wien gebracht worden war, war ursprünglich am Hauptaltar aufgestellt. Die dekorative Ausstattung der Kapelle erfolgte im Jahr 1692 (am 7. Juli 1692 wurde von der Hofkammer ein Rest von 50 Gulden für die "Ausputzung" bezahlt). Der Altar erhielt sehr viele Lampen- und Messstiftungen sowie Widmungen.

Rechte Kapelle

Der Marmoraltar der rechten Seitenkapelle stammt von Johann Lukas von Hildebrandt (1712; figurale Darstellung "Schmerzhafte Maria" von Peter [?] Strudel und Matthias Steinl). Ursprünglich war dieser im karolinischen Gruftraum aufgestellt, für den er auch geschaffen worden war. Als unter Kaiser Joseph II. die Gruft vermauert wurde, übertrug man den Altar in diese Kapelle. Nach Josephs Tod sollte der Altar wieder in die Gruft zurückgebracht werden, was jedoch unterblieb, da das Grabmal für Kaiser Leopold II., das nun in die Kapelle kommen sollte, so groß war, dass es hier nicht genügend Platz fand. Unter dem Altar war eine Begräbnisstätte für Ordensbrüder, in der auch der Barockmaler Donato Felice d'Allio beigesetzt wurde. Vor dem Altar befindet sich die Grabplatte Marco d'Avianos und links ein Denkmal d'Avianos von Michael Rieser (1891).

Kriegerdenkmäler

Wie eng die Verbindung zwischen der k.k. Armee und der Kapuzinerkirche war, zeigen die zahlreichen als Wandreliefs ausgeführten Votivdenkmäler, die von manchen Truppenteilen ihren im Ersten Weltkrieg gefallen Kameraden gewidmet wurden. Sie befinden sich sowohl im Hauptschiff als auch in den Seitenkapellen.

  • Dampierre-Kürassiere und Montecuccoli-Dragoner
  • Dragoner-Regiment Kaiser Franz Nr. 1
  • Dragoner-Regiment Nr. 6
  • Dragoner-Regiment Herzog von Lothringen Nr. 7
  • Ulanen-Regiment Nr. 1
  • Ulanen-Regiment Schwarzenberg Nr. 2
  • Ulanen-Regiment Kaiser Nr. 4
  • Ulanen-Regiment Alexander II. Kaiser von Russland Nr. 11
  • Ulanen-Regiment Nr. 13
  • Reitendes Artillerie-Regiment Nr. 4
  • 12. Infanterietruppen-Division

Literatur

  • Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer. Band 3/1: Wien. 1.-12. Bezirk. Salzburg: Residenz-Verlag 1990, S. 25 f.
  • Alt-Wien. Monatsschrift für Wiener Art und Sprache. Wien: Raimann & Godina 6 (1897), S. 181 ff., S. 208 ff.
  • Wolfgang J. Bandion: Steinerne Zeugen des Glaubens. Die Heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien: Herold 1989, S. 68 ff.
  • Felix Czeike: Der Neue Markt. Wien [u.a.]: Zsolnay 1970 (Wiener Geschichtsbücher, 4), S. 91 ff.
  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien: Jugend und Volk, Ed. Wien, Dachs-Verlag 1993, S. 122 f.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 154 ff.
  • Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 1: Wien. Wien: Hollinek 1955, S. 17 ff.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 6, 1. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 151-156
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 177 ff.
  • Alfred Missong: Heiliges Wien. Ein Führer durch Wiens Kirchen und Kapellen. Wien: Wiener Dom-Verlag ³1970, S. 72 ff.
  • Gabriele Praschl-Bichler: Wien speziell. Architektur des Barock. Wo finde ich Schlösser, Palais, Öffentliche Profanbauten, Kirchen, Klöster, Bürgerhäuser, Denkmäler, Brunnen, Museen, Sammlungen in Wien. Wien: Christian Brandstätter Verlag 1990, S. 28
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 28 f.
  • Alfred Schnerich: Wiens Kirchen und Kapellen in kunst- und kulturgeschichtlicher Darstellung. Zürich / Wien: Amalthea 1921 (Amalthea-Bücherei, 24), S. 58 ff.
  • Rolf M. Urrisk-Obertyński: Wien - 2000 Jahre Garnisonsstadt, Band 3 Innere Stadt, Weishaupt-Verlag, Graz 2012, S. 342 ff.