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Kapuzinergruft

Aus Wien Geschichte Wiki
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Die kaiserliche Gruft im Kapuzinerkloster.
Art des Bauwerks Sonstiges
Jahr von 1622
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Kapuziner (Orden)
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  5.06.2017 durch DYN\krabina
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Bildname Kapuzinergruft.jpg
Bildunterschrift  Die kaiserliche Gruft im Kapuzinerkloster.
Bildquelle Wilhelm Kisch: Wien. Wien: Gottlieb 1883
Bildrechte
BezirkStraßeHausnummer
1Tegetthoffstraße2

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Kapuzinergruft.

Kaiser Matthias ordnete, anlässlich der Stiftung der Kapuzinerkirche durch seine Gattin Anna, die Erbauung einer Gruft an, die 1622 von Ferdinand II. begonnen und in der Folge mehrfach erweitert wurde. Die zugehörige Kapelle wurde 1632 zu Ehren Maria Himmelfahrt geweiht. 1633 überführte man als erste die Leichname des Kaisers Matthias und der Kaiserin Anna aus dem Königinnenkloster in die Gruft. 1748 wurde neben der bisherigen Habsburgergruft eine neue für das Haus Habsburg-Lothringen errichtet. Unter Joseph II. wurde 1787 der vom Kloster in die Gruft führende Zugang vermauert. In der Kirche ließ er den Zugang mit trocken verlegten Ziegelsteinen verschließen, sodass er im Todesfall leicht geöffnet werden konnte. Ab Leopold II. blieben die Zugänge zur Gruft wieder offen. Napoleon besuchte am 5. Oktober 1809 abends die Kapuzinergruft bei Fackelschein. 1824 wurde bei einem Erweiterungsbau entdeckt, dass sich die Gruft an der Stelle einer altrömischen Begräbnisstätte befindet. Im Jahr 1845 wurde eine Gasbeleuchtung eingebaut, 1909 elektrisches Licht installiert. Gleichzeitig wurde der Zugang vom Kloster weiß verkachelt.

Im einzelnen besteht die Kapuzinergruft aus folgenden Teilen:

  • Engelsgruft (1622-1632 unter der Kaiserkapelle angelegt; "Gründergruft"): Kahle, fenster- und schmucklose Gruft mit Tonnengewölbe. Sie ist durch ein barockes Abschlussgitter von der Leopoldinischen Gruft getrennt. Dieser Gruftraum war nur für die beiden Gründer bestimmt (Kaiser Matthias und seine Gemahlin Anna). Matthias' Nachfolger Ferdinand II. wurde 1637 in einem prächtigen Mausoleum in Graz bestattet. Erst sein Sohn, Ferdinand III. bestimmte den Ausbau der Anlage zur Familiengruft. Da er aber noch vor Beginn der Bauarbeiten verstarb, wurde er in einem Sarg beigesetzt, der quer über den flachen Särgen von Matthias und Anna aufgestellt wurde.
  • Leopoldinische Gruft (1657, erweitert 1701): Nachdem Ferdinand III. verstorben war, begannen unter Leopold I. sofort die Arbeiten an der Grufterweiterung, die aber bald zu klein war. Daher wurde die Leopoldinische Gruft 1701 erweitert. Es handelt sich dabei um einen durch vier mächtige Pfeiler in drei Schiffe geteilten Raum mit Kreuzgewölben, der sich unter der Kirche befindet. Durch zwei moderne Fenster fällt etwas Licht in diese Gruft.
  • Karolinische Gruft (1720; Särge für Leopold I. und Joseph I. nach Entwurf von Johann Lukas von Hildebrandt, für Karl VI. von Balthasar Ferdinand Moll mit trauernder Austria von Johann Nikolaus Moll): Unter Joseph I. und seinem Nachfolger Karl VI. wurde die Gruftanlage auf die gesamte Grundfläche von Kirche und Betchor ausgedehnt. Hier wurde der von Peter Strudel geschaffene Pietà-Altar aufgestellt, der 1787 in die Kaiserkapelle übertragen wurde. Karl VI. ließ 1727 auch eine neue Stiege an der Nordseite der Gruft anlegen. Ein neu geschaffenes schmiedeeisernes Gitter, das sich beiderseits der Särge über die ganze Gruft entlang zog, sollte diese vor Beschädigung und Beraubung schützen.
  • Maria-Theresianische Gruft (1753/1754; Zentrum der Anlage, errichtet nach Entwurf von Jean Nicolas de Ville d'Issey; Doppelsarkophag aus Zinn für Franz Stephan von Lothringen und Maria Theresia von B. F. Moll, 1753; einfacher Kupfersarg für Joseph II.; 15 bemerkenswert Rokokosärge von B. F. Moll): Unter Maria Theresia wurde die Gruft am meisten verändert. Neben der Anlage eines großen Mausoleums für ihre engere Familie wurden viele Särge ihrer Vorfahren nun einheitlich ausgeschmückt.
  • Franzensgruft (1824, Entwurf von Johann Amann; Kupfersarg für Franz I. von Pietro Nobile): Unter Franz I. wurde die Gruft neuerlich erweitert. Hier wird bereits der Stil des Klassizimus sichtbar.
  • Ferdinands- und Toskanagruft (1840-1842, beide von Johann Höhne errichtet): Die Ferdinandsgruft liegt nördlich der Franzensgruft. Im Westen befindet sich die korridorartige Toskanagruft, die sowohl an die Franzens-, als auch an die Ferdinandsgruft anschließt.
  • Franz-Josephs-Gruft (1908/1909, Entwurf von Caje Peresic; undatierter Sarkophage für Franz Joseph I., Kaiserin Elisabeth und Kronprinz Rudolf): Diese Gruft wurde in den beiden Räumen östlich der Franzens- und Ferdinandsgruft angelegt.
  • Neuer Gruftraum (1959/1960, Entwurf von Karl Schwanzer).
  • Gruftkapelle.

In der Kapuzinergrüft befinden sich 138 Metallsärge (anfangs aus Zinn, ab 1790 aus Kupfer). Die letzte Beisetzung (Kaiserin-Witwe Zita, † 14. März 1989 in Zizers, Schweiz) erfolgte am 1. April 1989. Mit wenigen Ausnahmen sind den in der Kapuzinergruft beigesetzten Leichen Herz und Eingeweide entfernt, um die Körper möglichst lange unversehrt zu erhalten. Die Herzen wurden in der Augustinerkirche in silbernen Bechern (sogenannte Herzgrüftel) und die Eingeweide in der Herzogsgruft in St. Stephan beigesetzt.

Die Beisetzungen folgten über Jahrhunderte demselben Ritual: Zuerst wurden die Leichen der Mitglieder des Kaiserhauses in einen Holzsarg gebettet, der mit zwei Vorhängeschlössern versehen war. Nach der Einsegnung trugen Kapuziner den Sarg in die Gruft und stellten ihn dort auf eine schwarz verhangene Bühne. Nach Öffnung des Sarges fragte der Obersthofmeister den Guardian des Klosters, ob er den Toten kenne. Nach Bejahung wurde der Sarg wieder geschlossen und mit den zwei Schlössern versperrt, wobei einen Schlüssel der Obersthofmeister und den anderen der Guardian erhielt. Nach Fertigstellung des metallenen Übersarges wurde der hölzerne im Beisein von Hofbeamten in jenen gebettet, wobei bestimmte Gebete gesprochen wurden.


Literatur

  • Magdalena Hawlik-van de Water: Die Kapuzinergruft. Begräbnisstätte der Habsburger in Wien. 1987
  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien: Jugend und Volk, Ed. Wien, Dachs-Verlag 1993, S. 123
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 115
  • Urban Roubal: Die Kaisergruft bei den P. P. Kapuzinern in Wien. 1933
  • Erika Tietze-Conrat: Die Kapuzinergruft in Wien. In: Österreichische Kunstbücher, Band 30
  • Karl Ginhart: Die Kaisergruft bei den Kapuzinern in Wien. In: Österreichische Kunstdenkmäler 3 (1920)
  • P. Eberhard Kusin: Die Kaisergruft bei den PP. Kapuzinern in Wien. 1949
  • Grimschitz: Hildebrandt. S. 59 f., S. 73 f.
  • Grimschitz: Hildebrandts Prunksarkophage in der Kapuzinergruft. In: Kirchenkunst 3 (1931)
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 29
  • Alfred Missong: Heiliges Wien. Ein Führer durch Wiens Kirchen und Kapellen. Wien: Wiener Dom-Verlag ³1970, S. 75 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 154 ff.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 6, 1. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 147-168