Kaiserliche Schatzkammer

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Art der Organisation Sonstiges
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Kaiserliche Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums, (1, Hofburg, Schweizerhof). Die besondere Bedeutung der kaiserlichen Schatzkammer liegt im immensen materiellen und ideellen Reichtum ihrer Bestände. Sie ist eine der größten Sammlungen mit herausragenden Zeugnissen zur Geschichte des Abendlandes. Im Zentrum stehen die Insignien, Gewänder und Reliquien des Heiligen Römischen Reiches (darunter die Reichskrone) sowie die Insignien des Kaisertums Österreich (siehe auch Österreichische Kaiserkrone und Bocskay-Krone), Erinnerungsstücke an Napoleon I. und der Schatz des Ordens vom Goldenen Vlies.

Schon im 14. Jahrhundert bewahrten die Habsburger ihren Familienschatz in der Hofburg sorgfältig auf. Eine Urkunde von 1337 informiert darüber, dass damals der gesamte Schatz der Habsburger in der Sakristei der Hofburgkapelle verwahrt wurde. Vermutlich auf Betreiben Kaiser Rudolfs II., einer der größten Sammlerpersönlichkeiten des Hauses Habsburg, wurde im Nordwesten der Hofburg ein eigener Trakt, das sogenannte "Kunsthaus", errichtet. Ab dem 16. Jahrhundert verwahrte man die Schätze im Nordost-Trakt der Burg (Schweizertrakt), von dem heute noch ein Teil in der barocken Umgestaltung von 1747 in Verwendung ist. Nicht alles wurde jedoch dorthin verlagert: Ein Grundstock an Monstranzen und Kelchen, Messgewändern und allerlei Kirchensilber blieb in der Sakristei zurück und in der direkten Obhut des Burgpfarrers. Als besondere Kostbarkeit wurden eine Achatschale aus dem 4. Jahrhundert und ein 1540 aus Polen erworbener Narwalzahn ("Einhorn") angesehen. Aus Plänen von 1640/1641 wird erkennbar, dass es zur Regierungszeit Kaiser Ferdinands II. bereits einen weltlichen und einen geistlichen Teil der Schatzkammer gab, die räumlich aneinander anschlossen waren.

1612 wurden die Bestände um Teile der Kunstkammer Rudolfs II. in Prag bereichert. 1738 adaptierte man neue Gewölbe. Das älteste erhaltene, aus dem Jahr 1758 stammende Inventar der Geistlichen Schatzkammer listet an die 500 Objekte auf, die in neun Kästen untergebracht waren, die in Kaiser Karls VI Auftrag gefertigt wurden. Kostbar mit Juwelen besetzte Reliquiare und Monstranzen sowie emailgeschmückte Hausaltärchen zogen innerhalb des geistlichen Hausschatzes der Habsburger die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Während der Regierungszeit Maria Theresias konnten die Gegenstände in einer öffentlichen Schausammlung besichtigt werden. Bis zu sieben Personen durften sich die hohe Eintrittsgebühr von 25 Gulden teilen.

1782 verfügte Joseph II. die Trennung in eine Geistliche Schatzkammer und Weltliche Schatzkammer. Die Geistliche Schatzkammer umfasste wertvolle Hausaltäre, Ornate, Kruzifixe, Gebetbücher und Reliquien vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Sie kam in die Obhut des Hofburgpfarrers, wodurch die Sammlung für die Öffentlichkeit unzugänglich wurde. In der Folge vereinigte dieser den Objektbestand der Geistlichen Schatzkammer mit der Ausstattung der einzelnen Hofkapellen. Dieser Geistliche Schatz wurde nun wieder in der Sakristei der Hofburgkapelle untergebracht und blieb dort für die Öffentlichkeit bis zum Ende der Monarchie verschlossen. Nach 1918 wurde im Zuge der Reorganisation der ehemals kaiserlichen Sammlungen die Geistliche Schatzkammer an das Kunsthistorische Museum angeschlossen und administrativ mit der Weltlichen Schatzkammer verbunden.

Nach Josephs II. Verfügung von 1782 war der Oberstkämmerer für die Weltliche Schatzkammer zuständig. 1794 erhielt sie durch die aus Brüssel vor den Franzosen in Sicherheit gebrachten Bestände des Ordens vom Goldenen Vlies und 1800 durch die aus Nürnberg und Aachen abtransportierten Kleinodien des Heiligen Römischen Reichs (unter anderem die Reichskrone aus dem 10./11. Jahrhundert) bedeutenden Zuwachs. Im 19. Jahrhundert wurde der Bestand in seiner ursprünglichen Vielfalt aufgelöst und auf die verschiedenen kaiserlichen Museensammlungen aufgeteilt. In der Schatzkammer blieben nur jene Objekte zurück, die auf besonders unmittelbare Weise die historische Bedeutung der Familie Habsburg vor Augen führen. Nach der Eröffnung des Kunsthistorischen Museums 1891 wurde die Weltliche Schatzkammer diesem organisatorisch eingegliedert, blieb jedoch in der Hofburg.

1918 wurde die Geistliche Schatzkammer mit der Weltlichen Schatzkammer vereint, jedoch unter Wahrung des gesonderten Bestands. Im selben Jahr nahmen die Habsburger ihren Privatschmuck ins Exil mit, dafür wurde 1921 der 1618 gestiftete Schatz des Kapuzinerklosters erworben. Von 1938 bis 1954 waren Weltliche und Geistliche Schatzkammer geschlossen. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wurde die Geistliche Schatzkammer in den Räumen der ehemaligen Wohnung des Burgpfarrers aufgestellt. Einer dieser Räume, die 1891 sogenannte "Alte Geistliche Schatzkammer", wird heute für Sonderausstellungen der Schatzkammer genutzt. Die Insignien des Heiligen Römischen Reichs wurden 1938 nach Nürnberg gebracht und kehrten erst 1946 mit Hilfe der US-Amerikaner nach Wien zurück. Seit 1954 ist die Geistliche Schatzkammer in jenen historischen Räumlichkeiten aufgestellt, die bis zum Ende der Monarchie die Weltliche Schatzkammer beherbergt haben. Der fünfte und letzte Raum der Geistlichen Schatzkammer kam anlässlich der Erweiterung und des Umbaus beider Schatzkammern hinzu, die 1986 mit der Neueröffnung ihren Abschluss fanden. Von 1983 bis 1987 wurden im Südosteck des Schweizertrakts (unter der Burgkapelle) neue Räume für die Schatzkammer adaptiert und mit modernen sicherheitstechnischen Instrumentarien ausgestattet, die Eröffnung fand am 21. Mai 1987 statt. Während der Bauzeit wurden die bedeutendsten Exponate im Kunsthistorischen Museum gezeigt. Nach dem Brand der Redoutensäle (26./27. November 1992) musste die Schatzkammer geschlossen werden, weil die Sicherheitszentrale durch Löschwasser Schaden erlitten hatte. Die Wiedereröffnung erfolgte am 11. März 1993.

Leitende Personen

  • Fritz Fischer, Direktor der Kunstkammer und Schatzkammer (seit 2017)

Literatur

Links