Kaiserkonferenz von Carnuntum 308

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Porphyrgruppe der Tetrarchen in Venedig.
Art des Ereignisses Streit um Thronfolge
Datum von 308
Datum bis 308
Objektbezug Römische Kaiserzeit, Antike, Römer, Carnuntum
Quelle
Letzte Änderung am  18.04.2018 durch WIEN1\lanm08mic
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Bildname Tetrarchen.jpg
Bildunterschrift  Porphyrgruppe der Tetrarchen in Venedig.
Bildquelle Christian Michlits
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Diokletian kommt an die Macht

Als Kaiser Diokletian im Jahr 284 n. Chr. an die Macht kam, war die politische Lage Roms sehr instabil. Trotz der Erfolge Aurelians kriselte es an mehreren Fronten und die Legionen neigten dazu, erfolgreiche Feldherren zu Kaisern ausrufen zu lassen. So kam es häufig zu Usurpationen und Soldatenkaisern, die den leiblichen Nachkommen verstorbener Regenten den Thron streitig machten. Diokletian selbst war so ein Kaiser, der seine Position dem Heer zu verdanken hat, und Rivalen wie Aper oder den legitimen Kaiser Carinus ausschaltete. Um die Macht zu festigen und Stabilität in die Herrschaft zu bringen, führte Diokletian ein neues System ein, die Tetrarchie.

Einführung der Tetrarchie

Tetrarchie (von griechisch τετρα = vier und αρχη = Herrschaft). Wie der Name sagt, handelt es sich bei der Tetrarchie um ein Vier-Herrscher-System. Es sah vier Kaiser vor, wobei zwei Seniorenkaiser mit dem Titel Augustus jeweils zwei Juniorkaiser mit dem Titel Caesar beigestellt bekamen. Nach zehn Jahren sollten die Caesares den abdankenden Augusti nachfolgen und selbst jeweils einen neuen Caesar bestimmen. Entscheidend sollte nicht die leibliche Abstammung, sondern die militärische Qualifikation sein. Das Reich wurde administrativ in eine West- und Osthälfte unterteilt, die jeweils von einem Augustus-Caesar-Gespann regiert wurde.

Konflikte

Bereits unmittelbar nach der Abdankung Diokletians 305 fing sein neues Herrschaftssystem zu bröckeln an. Die neuen Augusti konnten ihre Macht nie voll etablieren und bereits 306 starb einer der neuen Seniorkaiser, Constantius Chlorus. Unmittelbar nach dessen Tod riefen seine Truppen seinen ältesten Sohn, Konstantin, zum neuen Augustus aus. Das System der Tetrarchie hätte jedoch vorgesehen, dass Severus, der Caesar von Constantius, ihm nachfolgt.

Der zweite Augustus, Galerius, erkannte Konstantin als Kaiser an, jedoch nur in der Rolle eines Caesaren. Konstantin akzeptierte die Degradierung, propagierte aber auf Münzen seine leibliche Abstimmung von Constantius Chlorus. Der Sohn von Diokletians ebenfalls zurückgetretenen Mitaugustus Maximian, Maxentius, ließ sich nun im Oktober 306 vom Senat und Volk von Rom zum Princeps ausrufen. Ihm verweigerte Galerius die Anerkennung. Maximian stellte sich wenig überraschend auf die Seite seines Sohnes und als Severus versuchte, Italien Maxentius zu entreißen, wurde er verhaftet und später hingerichtet. Der mit Diokletian zurückgetretene Maximian erhob nun abermals Anspruch auf den Titel Augustus und schloss sich mit Konstantin zusammen, den er mit seiner Tochter Fausta verheiratete und ebenfalls in den Rang eines Augustus hob. Maxentius blieb auf der Strecke und lehnte den von seinem Vater geforderten Rücktritt ab.

Die Situation im Jahre 308 n. Chr. vor der Konferenz in Carnuntum

Somit gab es 308 n. Chr. sechs Männer, die um die Herrschaft im Römischen Reich stritten:

  • Galerius, der als Augustus im Osten regierte.
  • Maximinus Daia, der Caesar des Galerius.
  • Maximian, der Mitaugustus von Diokletian, der aus dem Ruhestand zurückkehrte.
  • Maxentius, der leibliche Sohn Maximians, der von keiner Seite anerkannt wurde, sich aber in Italien bislang allen Entmachtungsversuchen erwehrte.
  • Konstantin, der Sohn des Constantius Chlorus, der von den Truppen zum Kaiser ausgerufen worden war und der mit der Tochter des Maximians verheiratet war.
  • Licinus, der Kandidat des Galerius für die Nachfolge des Severus als legitimer Augustus des Westens.

Kaiserkonferenz von Carnuntum

In dieser schwierigen Situation wurde der Urheber des tatrarchischen Systems, Diokletian, um die Schlichtung gebeten und zum Konsul ernannt. Es kam zu einem Treffen auf heute österreichischem Boden, in Carnuntum in der Provinz Pannonien.

Die Resultate der Konferenz waren:

  • Galerius blieb Augustus im Osten und Maximinus Daia der entsprechende Caesar.
  • Diokletian weigerte sich erfolgreich, selbst neuerlich Augustus zu werden.
  • Maximian wurde abermals zur Abdankung bewegt.
  • Konstantin bleibt Caesar und nicht Augustus.
  • Licinius wird Augustus des Westens als Nachfolger des Severus.
  • Maxentius wurde nach wie vor nicht anerkannt.

Der für Pannonien zuständige Kaiser war somit Licinius. Theoretisch erstreckte sich ein Herrschaftsgebiet auch über Italien und Africa, jedoch wurden diese Gebiete nach wie vor von Maxentius kontrolliert.

Nachwirkung

Im Westen kämpfte nun Licinius gegen die äußeren Feinde des Reiches, während sich Konstantin die Gegner der in Carnuntum festgelegten Ordnung vorging. Zunächst wandte er sich gegen Maximian, der sich 310 zum dritten Mal zum Augustus machte. Maximian verschanzte sich in Massillia (Marseille), jedoch öffneten seine Soldaten die Tore und Maximian, Konstantins Schwiegervater, wurde bald darauf erhängt aufgefunden. Konstantin betone nun mehr die Legitimation durch seinen Vater als durch die Ehe mit Maximians Tochter. In der folgenden Konfrontation mit seinem Schwager Maxentius, verlor dieser bei der Milvischen Brücke 312 Schlacht und Leben.

Galerius war in der Zwischenzeit 311 verstorben. Maximinus Daia folgte ihm als Augustus nach, ernannte jedoch keinen Caesaren. Licinius heiratete Konstantins Schwester und erkannte seinen Schwager als Augustus an. Licinius und Maximinus Daia lagen im Streit; Letzterer verstarb im Juli 313.

In weiterer Folge zerstritten sich auch Konstantin und Licinius. Konstantin ging 324 als Sieger hervor. Diokletians Tetrarchie war Geschichte; die Idee der Reichsteilung wurde 395 jedoch wieder umgesetzt.