Kagran

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Art des Objekts Ort
Jahr von
Jahr bis
Name seit
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung de Chagaran, Chagran, Kchaggran, Khagran
Benannt nach
Bezirk 21, 22,
Lage
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  8.02.2017 durch WIEN1\lanm08wei
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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Kagran (21, seit 1938: 22), selbständige Ortsgemeinde (altes Marchfelddorf, Linsenangerdorf [noch heute erkennbar]), deren Pfarrkirche außerhalb des Orts auf einem Hügel lag. Das Dorf wird urkundlich um 1200 de Chagaran, 1340 Chagran, 1411 Kchaggran und 1533 Khagran genannt; die Nennung eines Dietpoldus de Chagre (erste Hälfte des 12. Jahrhunderts) bezieht sich nicht auf Kagran. Der in der Literatur als Namensdeutung angegebene Zusammenhang mit "Rain" lässt sich wissenschaftlich nicht untermauern. 1243 tauschte Konrad von Hintperg (Himberg) seine dortigen Grundstücke gegen das Dorf Kagran ein (Ebersdorf).

1630 verwüstete ein Großbrand das Dorf, ab Mitte 17. Jahrhundert ist ein Freihof bekannt (22, Kagraner Platz 33), 1674 kam Kagran ans Stift Klosterneuburg, 1683 brandschatzten die Osmanen den Ort, 1713 wurde er von der Pestepidemie heimgesucht und 1730 neuerlich durch Feuer verwüstet. Kagran war seinerzeit wegen seiner Gänse- und Entenzucht berühmt; bis 1904 gab es einen großen Dorfteich (heute zugeschüttet). Auf dem Kagraner Platz befinden sich noch einige alte Bauernhäuser mit Giebelfronten. 1886 wurde die Dampftramway Floridsdorf-Groß-Enzersdorf eröffnet, die in Kagran ein Stationsgebäude besaß (22, Kagraner Platz 53; gehört zum Bezirksmuseum Donaustadt), 1899 die elektrische Straßenbahn hierher verlängert.

Kagran kam am 10. Jänner 1905 mit anderen Orten jenseits der Donau als 21. Bezirk Floridsdorf zu Wien 1910 erfolgte der Anschluss an die zweite Hochquellenleitung, 1911 der Bau der Erzherzog-Carl-Kaserne, 1912 die Elektrifizierung des Orts und 1922 jene der Dampftramway. Am 15. Oktober 1938 kam Kagran großteils an den neugeschaffenen 22. Bezirk Groß-Enzersdorf (seit 1. September 1954 Donaustadt).

Heute ist Kagran Sitz des Bezirksvorstehers des 22. Bezirks, des Magistratischen Bezirksamts 22 (Schrödingerplatz 1) und des Bezirksmuseums Donaustadt. Außerhalb des ehemaligen Ortskerns entstanden ausgedehnte Wohnhausanlagen und Siedlungen (1962 Errichtung einer Montagebaufabrik) sowie das Donauzentrum.

Eipeldauer-Briefe ("Briefe eines Eipeldauers an seinen Herrn Vettern in Kakran").

Häuser

  • 1258: 38
  • 1590: 46
  • 1713: 45
  • 1751: 53
  • 1755: 50
  • 1771: 52
  • 1784: 52
  • 1787: 54
  • 1794: 57
  • 1819: 62
  • 1822: 64
  • 1830: 65
  • 1851: 65
  • 1869: 72
  • 1880: 128
  • 1890: 188
  • 1900: 329

Einwohner

  • 1784: 490
  • 1786: 486
  • 1794: 517
  • 1819: 534
  • 1830: 461
  • 1846: 433
  • 1869: 554
  • 1880: 1.144
  • 1890: 1.692
  • 1900: 4.156
  • 1910: 6.677

Bürgermeister

Quellen

Literatur

  • Edith Müllbauer: XXII. Donaustadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1985 (Wiener Bezirkskulturführer, 22), S. 29 ff.
  • Elisabeth Schuster: Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen. Band 2: Ortsnamen F bis M. Wien: Verein für Landeskunde von Niederösterreich 1990 (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), S. 344 f.
  • Gebiets- und Namensänderungen der Stadtgemeinden Österreichs seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Hg. von Wilhelm Rausch. Bearb. durch Hermann Rafetseder. Linz: Landesverlag 1989 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 2), S. 321
  • Ferdinand Opll: Erstnennung von Siedlungsnamen im Wiener Raum. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1981 (Kommentare zum Historischen Atlas von Wien, 2), S. 36 f.
  • Adalbert Klaar: Die Siedlungsformen Wiens. Wien: Zsolnay 1971, S. 120
  • Topographie von Niederösterreich. Band 4. Wien: Verlag des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich 1877-1929, S. 515 ff.
  • Topographie von Niederösterreich. Band 5. Wien: Verlag des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich 1877-1929, S. 4 f.
  • Fritz Eheim / Max Weltin: Berichtigungen und Ergänzungen zu den niederösterreichischen Betreffen in den Registern des "Babenberger-Urkundenbuches". In: Unsere Heimat. Zeitschrift für Landeskunde von Niederösterreich 45 (1974), S. 167 (Dietpoldus)
  • Klaus Lohrmann: Die Besitzgeschichte des Wiener Raums vom Ausgang des 11. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 35 (1979), S. 72 (Purchmari)
  • Unser schönes Floridsdorf. Blätter des Floridsdorfer Heimatmuseums 8 (1974), S. 51 ff. (Chronik), 60 (Dorfrichter), 62 ff. (Reise nach Kagran vor 75 Jahren)
  • Unser schönes Floridsdorf. Blätter des Floridsdorfer Heimatmuseums 9 (1975), S. 3 ("Colonie an den Kaisermühlen")
  • Robert Messner: Die Leopoldstadt im Vormärz. Historisch-topographische Darstellung der nordöstlichen Vorstädte und Vororte Wiens auf Grund der Katastralvermessung. Wien: Verband der Wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs 1962 (Topographie von Alt-Wien, 1), S. 89 ff., 174 f.
  • Der 21. Wiener Gemeindebezirk, S. 45 ff.
  • Ferdinand Lettmayer [Hg.]: Wien um die Mitte des XX. Jahrhunderts - ein Querschnitt durch Landschaft, Geschichte, soziale und technische Einrichtungen, wirtschaftliche und politische Stellung und durch das kulturelle Leben. Wien: 1958, S. 97
  • Österreichische Kunsttopographie. Hg. vom Bundesdenkmalamt. Horn: Berger 1889 - lfd.
  • Hans Tietze: Die Denkmale der Stadt Wien (XI. - XXI. Bezirk). Wien: Schroll 1908 (Österreichische Kunsttopographie, 2), S. 493 ff.
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 194
  • Dietmar Steiner: Architektur in Wien. 300 sehenswerte Bauten. Wien: Magistrat 1984, S. 108
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 4: Profane Topographie nach den 21 Bezirken (2. - 21. Bezirk). Wien: Jugend & Volk 1958, S. 464

Bevölkerungsgeschichte