Kärntner Straße 38

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1874
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Zum goldenen Pfau, Zum fliegenden Rössel, Zum Meerrössel
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Heinrich Ferstel, Karl Köchlin
Prominente Bewohner Johann Zizius, Fanny Elßler, Nikolaus Lenau
Quelle Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  25.01.2017 durch DYN\krabina
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BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtKärntner Straße38
Innere StadtPhilharmonikerstraße2

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt103918211862
Stadt106717701795
Stadt103818211862
Stadt106617701795
Stadt103718211862
Stadt106517701795
Stadt110217951821
Stadt110117951821
Stadt110017951821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Kärntner Straße 38 (Konskriptionsnummern 1037, 1038 und 1039), Philharmonikerstraße 2.

Vorgängergebäude

Haus Stadt 1037

Haus Stadt 1037 lag zur Gänze in der Sattlergasse (heute Philharmonikerstraße) und wird bereits 1372 urkundlich erwähnt. Damals muss es sich um ein größeres, ziegelgedecktes Gebäude gehandelt haben, das mit dem Nachbarhaus Stadt 1038 einen Komplex bildete. Zum Haus gehörte auch eine Presse und ein Hof. Im 15. Jahrhundert scheinen die beiden Gebäude voneinander getrennt worden zu sein. Haus Stadt 1037 war nun ein einfacher Stadel, der mit "gemeyer vmbfangen" war und der Stadt gehörte. Diese verkaufte das Objekt im Jahr 1542 dem Bürgerspital, das es bis 1701 besaß. 1713 wurde der Stadel abgetragen und durch ein Haus ersetzt. Am 15. Juli 1762 wurde dieses von der "k.k. Obersten Theatralhofdirektion" erworben, der es mehr als ein Jahrhundert gehörte. 1873 kaufte es der Wiener Bauverein, unter dem es noch im selben Jahr abgebrochen wurde.

Haus Stadt 1038 "Zum fliegenden Rössel"

Dieses Haus stand an der Ecke Kärntner Straße/Sattlergasse. Seine erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1459. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stand es im Mittelpunkt einer Auseinandersetzung, weil die zweite Frau des verstorbenen Besitzers, die es von diesem 1606 geerbt hatte, bereits einen Kaufvertrag mit dem Nachbarn abgeschlossen hatte, wogegen ihr Stiefsohn Beschwerde einlegte, da er als Käufer des Hauses seines Vaters zu bevorzugen sei. Letztendlich wurde entschieden, dass der Sohn das Gebäude um denselben Betrag kaufen durfte, der mit dem Nachbarn ausverhandelt worden war. Er wurde 1630 als Eigentümer im Grundbuch vermerkt, veräußerte es aber noch im selben Jahr. Ab dem 17. Jahrhundert trug es den Namen "Zum fliegenden Rössel" (laut Anton Behsel) oder "Zum Meerrössel" (laut Franz de Ponty). Spätestens ab 1714 war das Haus mit dem Recht auf Bierausschank versehen.

Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts befand sich im ersten Stock dieses Hauses der Probesalon des Hofoperntheaters. Darüber lag die Wohnung von Professor Johann Zizius, der hier viel besuchte musikalische Soireen veranstaltete. 1831 mietete Friedrich von Gentz eine Wohnung für die Familie Elßler. Deren Tochter, die bekannte Tänzerin Fanny Elßler wohnte dort mindestens bis zum 25. September 1832, die Mutter, Therese, starb am 28. August 1832 in diesem Haus.

Ab 1875 gehörte das Haus der Stadt Wien, die es ein Jahr später an Gustav Ritter von Leon verkaufte.

Haus Stadt 1039 "Zum goldenen Pfau"

Dieses Gebäude, das den Namen "Zum goldenen Pfau" trug, bildete das Eckhaus zur nicht mehr existierenden Komödiengasse (1) und wird 1434 erstmals urkundlich erwähnt. Zwischen 1489 und 1554 fehlen jegliche Daten zu diesem Objekt. Am 28. Juli 1741 starb hier Antonio Vivaldi. Spätestens ab dem 18. Jahrhundert war mit dem Gebäude das Recht auf den Betrieb einer Gastwirtschaft und auf Weinausschank verbunden. Unter dem Wirt Franz Riedl (1724-1793) war das hier untergebrachte "Komödienbierhaus", das sich in unmittelbarer Nähe des Kärntnertortheaters befand, sehr beliebt. Die Gastwirtschaft wurde viel von Schauspielern besucht, die auf der Suche nach einem Engagement waren. In den Eipeldauer-Briefen heißt es: "Dort finden sich auch d'Impressari ausn Provinzstadtln ein und suchen sich von der Theaterwaar aus, was's brauchen können. Da wird aber vorher in Vorhaus die Probroll gspielt, und da tritt der eine als Hamlet, und ein andre als Octavia auf, und ein andrer lasst sein Stimm als Hausmaster im neuen Sunntagkind hörn, und wenn's dann in der Probroll bstehn, so wird bey einer Mass Bier der Contrakt geschlossn, und drauf fahrt der Impressari mit sein Hamlet und seiner Octavia aufn Laterwagn wieder ham." Später wurde die Kommödiantenherberge "Zum ewigen Licht" und "Zum lustigen Bruder" genannt und in die Dreihufeisengasse in den sogenannten Jesuitenhof verlegt, wo sie den Beinamen "Das Loch" erhielt. Nach 1866 wurde das Haus an Gustav Ritter von Leon verkauft.


Heutiges Haus

Das heutige Haus entstand im Jahr 1874 (laut anderen Angaben nach 1876, da in diesem Jahr Haus Stadt 1038 noch als eigenständiges Objekt im Stadturbar verzeichnet wurde) anstelle der drei alten Gebäude für Gustav Ritter von Leon. Es wurde nach Plänen von Heinrich Ferstel und Karl Köchlin errichtet. In diesem Gebäude wurde das amerikanische "Information Center" untergebracht, in dessen Lesesaal Tageszeitungen und Zeitschriften in englischer Sprache aus allen Wissensgebieten auflagen. Auch Schweizer Tageszeitungen konnten hier frei gelesen werden. In der angegliederten Leihbibliothek stand umfangreiches Material an Werken amerikanischer Schriftsteller zur Verfügung.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Haus Stadt 1038:

  • Gastwirtschaft

Haus Stadt 1039:

  • Gastwirtschaft


Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 6, 1. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 105-112