Kärntner Straße 16

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1896
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Zum Chinesen, Zum Chineser, Geisenhofsches Haus, Hoföbstlerisches Haus, Zum blauen Hirsch
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Carl Hofmeier
Prominente Bewohner Joseph Haydn
Quelle Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtNeuer Markt2
Innere StadtKärntner Straße16

frühere Adressierung

 BezirkStraßeHausnummerJahr vonJahr bis
Kärntner Straße 16Innere StadtKärntner Straße22
Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt104818211862
Stadt107717701795
Stadt111117951821
Stadt104718211862
Stadt107617701795
Stadt111017951821
Stadt105118211862
Stadt110117701795
Stadt111617951821
Stadt105218211862
Stadt110217701795
Stadt110017701795
Stadt111417951821
Stadt105018211862
Stadt107817701795
Stadt111217951821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Kärntner Straße 16 (vorher 22; Konskriptionsnummern 1047, 1048, 1050, 1051 und 1052) , Neuer Markt 2.

Vorgängergebäude

Hier standen ursprünglich mehrere Gebäude:

Haus Stadt 1047

1449 überließ der Besitzer des in der Kärntner Straße liegenden Hauses Stadt 1048 einen Teil dieses Gebäudes seinem Sohn. Aus diesem Teil entstand das Haus Stadt 1047, das dem Bürgerspital grunddienstbar war. 1487 überließ es seine Besitzerin dem Bürgerspital, das sich im Gegensatz dazu verpflichten musste, ihr lebenslang "Wartung, Essen, Trinken und Herberg" zu geben. In den nächsten mehr als 200 Jahren vermietete das Spital das Haus, das es bis zum 2. März 1697 besaß. Am 8. August 1837 erwarb es Josepha Pigl.

Haus Stadt 1048 "Zum Chinesen"

Haus Stadt 1048 war ebenfalls dem Bürgerspital grunddienstbar. Seine erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1441. Acht Jahre später wurde ein Teil des Hauses abgetrennt, der nun das Haus Stadt 1047 bildete. Bei einem Verkauf (des verkleinerten Hauses) im Jahr 1508 wurden 130 Pfund Wiener Pfennig bezahlt, 1562 jedoch 800 Pfund Wiener Pfennig! Für das späte 18. Jahrhundert ist hier das Bierhaus "Zum Chinesen" belegt (laut Franz de Ponty führte das Haus schon 1684 den Schildnamen "Zum Chineser"). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbten die "Armen und die Wohltätigkeitsanstalt" Anteile an dem Gebäude, die daraufhin versteigert wurden. 1837 erwarb Josepha Pigl, für die ihr Vater 1833 die angesprochenen Anteile ersteigert hatte, auch den Rest des Hauses.

Haus Stadt 1050

Dieses Gebäude reichte von der Kärntner Straße bis zum Neuen Markt und bestand ursprünglich aus zwei Häusern:

Haus A

Die Front von Haus A lag an der Kärntner Straße. Urkundlich erstmals erwähnt wird es im Jahr 1438. Am 12. August 1507 überließ seine damalige Besitzerin, eine zweifache Witwe, das Gebäude und ihr gesamtes Gut ihrem Vetter "in Anbetracht der Freundschaft und Guttat", die er ihr "gute zeit her in ihren krangkhaiten und anligunden nöten" bewiesen hat. Er solle ihr aber "lebenlang herberig in seinem haus und darzu erbere pfruend essen und tringkhen und alle andre notdurft geben und seinerzeit erberlich zu der erden bestatten und begeen lassen, sowie auch ir geschafft und letzten willen ausrichten und volstreckhen." Im Jahr 1512 wurde es um 140 Pfund Wiener Pfennig verkauft. Als es 1527 erneut den Besitzer wechselte, wurden nur mehr 73 Pfund dafür bezahlt, im Jahr 1557 wieder 450 Pfund und im Jahr 1566 sogar 1100 Pfund! 1799 wurde es von Josef Pigl erworben, der es seiner Tochter Josepha vererbte.

Haus B "Geisenhofsches Haus"

Dieses Gebäude tritt erst im 16. Jahrhundert urkundlich in Erscheinung. Zu dieser Zeit kam es zu einem gerichtlichen Streit, da der Eigentümer verstorben war und sowohl sein Schwiegersohn als auch der neue Ehemann seiner Witwe Besitzansprüche stellten, wobei es letzterem gerichtlich zugesprochen wurde. Seine Erben wiederum verkauften es an denn seinerzeitigen Prozessgegner und dessen Frau. 1621 erwarben es der kaiserliche Hoftischler und Bildhauer Hanns Frech, der 1632 den ursprünglichen Altar in der linken Seitenkapelle der Kapuzinerkirche schuf, und seine Gattin Barbara. Ab dem 12. August 1685 gehörte es dem Goldschlager Hanns Georg Geisenhof, nach dem es im lokalen Schrifttum "Geisenhofsches Haus" genannt wird. Zu dieser Zeit fiel das am Neuen Markt liegende Gebäude vor allem durch seine langen Quergitterfenster und die weit in den Platz reichenden Regenrinnen auf. 1804 erwarb es Josef Pigl, der bereits das Haus A besaß.

Haus Stadt 1051

Anstelle des Hauses Stadt 1051 standen ursprünglich zwei Gebäude:

Haus A "Zu den sieben Schwaben"

Die erste urkundliche Erwähnung dieses Hauses stammt aus dem Jahr 1443. An der Wende zum 16. Jahrhundert kam es zu einem Streit zwischen Geschwistern, die das Gebäude gemeinsam geerbt hatten. Dieser konnte jedoch durch einen Vertrag beigelegt werden, der die Zahlung einer Ablöse regelte. Um 1600 gehörte das Haus für einige Jahre den Besitzen von Haus Stadt 1050 B (späteres "Geisenhofsches Haus"). In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts trug es den Namen "Zu den sieben Schwaben". Es handelte sich damals um ein schmales zweistöckiges Gebäude mit hohem Spitzdach und weiten Aufzugtüren.

Haus B

Haus B war dem Augustinerkloster grunddienstbar und wird 1487 erstmals urkundlich erwähnt. 1637 wurde das Haus nach ordentlicher Schätzung um 800 Gulden verkauft. Als es der Käufer nur zwei Jahre später wieder veräußerte, konnte er einen Betrag von 1300 Gulden erzielen! 1679 gehörte es einem Witwer und seinen vier Kindern, wobei bis auf die älteste Tochter alle in diesem Jahr an der "stark grassierten Contagion" (Pest) starben.

"Hoföbstlerisches Haus"

Ab 1753 gehörten die Häuser A und B dem Hoföbstler Georg Pichler, der sie zu einem verbauen ließ, das den Namen "Hoföbstlerisches Haus" trug. Hier wohnte gegen Ende dieses Jahrhunderts Joseph Haydn. In einer Konzertanzeige vom 18. Dezember 1795 heißt es: "Die Eintrittszettel sind bei dem Herrn Kapellmeister Haydn in seiner Wohnung am Neuen Markt in dem Hoföbstlerischen Hause im dritten Stock zu allen Stunden zu haben." Hier komponierte Haydn auch die Kaiserhymne, die am 12. Februar 1795 am Burgtheater zum ersten Mal in der Öffentlichkeit erklang. Am 9. Oktober 1838 kaufte Josepha Pigl dieses Haus.

Neubau zwischen 1839 und 1849

Nachdem alle oben genannten Gebäude Josepha Pigl gehörte, ließ sie diese zwischen 1839 und 1849 demolieren und durch einen Neubau ersetzen. Nach 1862 wurde es von der "Wiener Vorortebank" erworben, die ihren Namen 1873 in "Wiener Report- und Creditbank" änderte und das Gebäude 1874 an den regierenden Fürsten Johann II. von und zu Liechtenstein verkaufte.

Haus Stadt 1052 "Zum blauen Hirsch"

1421 wird dieses am Neuen Markt gelegene und an der Rückseite an das Haus Stadt 1047 grenzende Gebäude, das dem Bürgerspital grunddienstbar war, erstmals urkundlich erwähnt. 1489 wurde es wegen versessenem Burgrecht dem Kaplan einer Messstiftung zugesprochen, der es um dieses Burgrecht dem Bürgerspital verkaufte. Noch im Hofquartierbuch des Jahres 1566 wird es als Zuhaus des Spitalskellers angeführt. Am 23. September 1578 verkaufte es das Bürgerspital, danach blieb das Haus in Privatbesitz. Spätestens ab der Mitte des 17. Jahrhunderts trug es den Schildnamen "Zum blauen Hirsch". Die Angabe von Karl August Schimmer, dass der Name erst ab 1700 belegt sei, ist genauso falsch wie die Beschreibung als Dreifrontenhaus und Keller des Bürgerspitals (Verwechslung mit dem Nachbarhaus Stadt 1046 [ Kärntner Straße 18 ]). 1784 suchte der Bestandbierwirt Mathias Kapfner vom "blauen Hirsch" um eine Genehmigung an, eine Art Bretterverschlag mit Fenstern unter den Dach anbringen zu dürfen, um hier Gäste bedienen zu können. Dies wurde jedoch mit Dekret vom 8. Juli dieses Jahres abgelehnt. Im Jahr 1852 wurde das Haus vom "Mittel der bürgerlichen Wein- und Gastwirte Wiens" (Genossenschaft der Gastwirte) angekauft. Obwohl das Gebäude 1875 verkauft wurde, blieb dessen Sitz bis 1892 in diesem Haus.


Heutiges Haus

1896/1897 wurde anstelle des zwischen 1839 und 1849 entstandenen Gebäudes sowie des Hauses Stadt 1052 ein Neubau errichtet (Grundfläche: 600 Quadratmeter). Die Pläne stammten von Karl Hofmeier. Ursprünglich sollte es ein Wohnhaus werden, doch entschied man sich während der Bauarbeiten, hier das Hotel Meißl & Schadn unterzubringen. Die Fassade an der Kärntner Straße wurde mit fünf Mosaikbildern verziert, die die fünf Weltteile darstellen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zu starken Schäden am Gebäude. Am 12. März 1945 erlitt es einen schweren Bombentreffer an der linken Ecke an der Kärntner Straße. Daraufhin stürzte der größte Teil der an der Kärntner Straße stehenden Fassade bis zum zweiten Stockwerk ein. Als am 11. April im ersten Stockwerk des Nachbarhauses Neuer Markt 1 ein Brand ausbrach, brannte auch das hier besprochene Gebäude so stark, dass nur noch die am 12. März unbeschädigt gebliebenen Mauern stehen blieben. Die Ursache für den Brand konnte nicht geklärt werden, er dürfte aber bei Plünderungen entstanden sein. Die Fassade an der Kärntner Straße mit den Mosaikbildern blieb einschließlich des zweiten Stockwerks soweit erhalten, dass sie ausgebessert werden konnte. Der Rest des Hauses wurde als Zins- beziehungsweise Bürohaus wiederaufgebaut. Im Erdgeschoss wurden sowohl in der Kärntner Straße als auch auf dem Neuen Markt elegante Geschäftslokale eingerichtet. Am 25. April 1955 wurde das Gebäude von der "Warenzentrale der österreichischen Verbände landwirtschaftlicher Genossenschaften 'Wöv', registrierte Genossenschaft mbH." erworben.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Haus Stadt 1048:

Heutiges Haus:


Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 6, 1. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 30-41