Juridicum

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1974
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Ernst Hiesmayr
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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BezirkStraßeHausnummer
1Heßgasse2
1Helferstorferstraße9-15
1Hohenstaufengasse11-13
1Schottenbastei10-16

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt12617951821
Stadt130317701795
Stadt12218211862
Stadt129817701795
Stadt13217951821
Stadt12717951821
Stadt130417701795
Stadt12318211862
Stadt129917701795
Stadt13317951821
Stadt11818211862
Stadt12817951821
Stadt12418211862
Stadt130017701795
Stadt11918211862
Stadt124017951821
Stadt12917951821
Stadt12518211862
Stadt130117701795
Stadt12018211862
Stadt129617701795
Stadt13017951821
Stadt12618211862
Stadt130217701795
Stadt12118211862
Stadt129717701795
Stadt13117951821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Juridicum (1, Heßgasse 2, Helferstorferstraße 9-15, Hohenstaufengasse 11-13, Schottenbastei 10-16).

Ungefähr hier befanden sich viele kleine Basteihäuser (Stadt 118-126; für Problematik der Lokalisierung dieser Gebäude siehe Schottenbastei). Diese wurden zwischen 3. November 1868 und 4. Juli 1869 abgebrochen und durch gründerzeitliche Neubauten ersetzt, die zusammen einen Wohnblock bildeten.

Basteihäuser

Haus Stadt 118

Dieses Soldatenhäuschen befand sich im Bereich des späteren Hauses Schottenbastei 10. Es bestand aus einer Stube, Küche und Boden und gehörte zum Haus Stadt 617 (Graben 28). Die erste urkundliche Nennung stammt aus 1755. Im Jahr 1868 erwarb es der Stadterweiterungsfonds und ließ es abbrechen.

Haus Stadt 119

Auch dieses Gebäude, das ebenfalls aus einer Stube, Küche und Boden bestand, befand sich ungefähr auf der Parzelle des späteren Hauses Schottenbastei 10. 1699 (im Grundbuch erst 1712 eingetragen) wird es zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Es gehörte zum Haus Stadt 705 (Fleischmarkt 13). Im Jahr 1865 kam ein Drittel des Hauses in den Besitz der "Brunner Bräuhausverwaltung". Der Stadterweiterungsfonds erwarb des gesamte Gebäude 1868 und ließ es abtragen.

Haus Stadt 120

Dieses Haus lag bereits auf der Grundfläche der späteren Häuser Schottenbastei 12 und Helferstorferstraße 11-13 und bestand wie die meisten Basteihäuser nur aus einer Stube, Küche und Boden. Es gehörte zum am Kienmarkt liegenden Haus Stadt 497, das Teil des Dreifaltigkeitshofes war. 1868 wurde es vom Stadterweiterungsfonds angekauft und kurz darauf demoliert.

Haus Stadt 121

Das Haus Stadt 121 wurde 1675 anstelle eines früheren Soldatenhäuschens erbaut und stand ebenfalls im Bereich der späteren Häuser Schottenbastei 12 und Helferstorferstraße 11-13. Auf einer Wand befand sich folgende Inschrift: "Diesses Quartier-Hauss hab ich Marcus Hauer, des aussern Raths undt Eyssen-Handler anstatt dess in meinem Hauss bey dem gulden Einhorn gehabten Soldaten-Quartiers alhero erbauen lassen in dem Monath Septembri 1675". Später wurde die Inschrift wie folgt ergänzt: "Neu aufgebaut von mir C. Müllner, B. Schuhmacher Meister 1775". Das Gebäude war mit dem Haus Stadt 637 A (siehe Rotenturmstraße 11) besitzrechtlich verbunden. 1868/1869 erfolgte der Abbruch im Aufrag des Stadterweiterungsfonds, der das Haus 1868 erworben hatte.

Haus Stadt 122

Dieses Gebäude lag im Bereich der beiden späteren Häuser Schottenbastei 14 und Helferstorferstraße 11-13 und bestand aus einer Stube, Küche und Boden. Es gehörte zum Haus Stadt 223 (Tiefer Graben 34). Erstmals erwähnt wird es 1727. Im Jahr 1868 kam es in den Besitz des Stadterweiterungsfonds, der es abreissen ließ.

Haus Stadt 123 "Zum goldenen Hirsch"

Auch dieses Gebäude befand sich im Bereich der beiden späteren Häuser Schottenbastei 14 und Helferstorferstraße 11-13 und bestand aus einer Stube, Küche und Boden. Es führte den Schildnamen "Zum goldenen Hirsch" und war mit dem Haus Stadt 392 (Wipplingerstraße 1) besitzrechtlich verbunden. 1701 wurde es erstmals ins Grundbuch eingetragen, es wurde jedoch im Zusammenhang mit einer Vererbung des Hauses Stadt 392 bereits 1697 erwähnt. 1868 kaufte es der Stadterweiterungsfonds, unter dem es demoliert wurde.

Haus Stadt 124 "Zum Maroccaner"

Dieses Gebäude befand sich bereits im Bereich der späteren Häuser Schottenbastei 16 und Helferstorferstraße 15 und bestand aus einer Stube, Küche und Boden. Es gehörte zu einem Haus in der Roßau und führte den Schildnamen "Zum Maroccaner" (siehe auch "Zum Marokkaner"). Ab 1830 hatte es stets die selben Eigentümer wie das Haus Stadt 123 und wurde 1868/1869 abgetragen.

Haus Stadt 125

Im Bereich der späteren Häuser Schottenbastei 16 und Helferstorferstraße 15 befand sich auch dieses Gebäude, das aus einer Stube, einer Küche, einem Boden und einer Holzhütte bestand. Im Jahr 1706 verkaufte ein ehemaliger Musketier und Fleischhacker das Gebäude samt der dazugehörenden Fleischbank beim Schottentor einem anderen Musketier und Fleischhacker, was im Regimentsschultheißenbuch vermerkt wurde. Als es 1726 erneut ein Musketier und Fleischhacker erwarb, wurde die Bedingung gestellt, dass es ohne Zustimmung der "hohen Generalität" weder aufgestockt oder erweitert noch unterkellert werden dürfe. Nachdem der Besitz in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts teilweise in bis zu fünf Teile zersplittert war, wurde es 1869 vom Stadterweiterungsfonds angekauft. Der Abbruch fand noch im selben Jahr statt.

Haus Stadt 126

Das Haus Stadt 126 lag auf einem Grundstück, auf dem vormals ein alter Pulverturm gestanden hatte, der in die Stadtmauer eingebaut war und den Namen Judenturm führte. Er befand sich wahrscheinlich im Bereich der beiden gründerzeitlichen Häuser Schottenbastei 16 und Helferstorferstraße 15 (siehe Judenturm). 1775 wurde der Turm dem Maurerpolier Paul Hang verkauft, der ihn 1776 abtragen und auf seiner Grundfläche ein aus Stube, Kammer und Küche bestehendes Soldatenhaus errichten ließ. 1869 wurde es vom Stadterweiterungsfonds angekauft und abgerissen.


Gründerzeitliche Häuser

Schottenbastei 10 / Helferstorferstraße 9 / Heßgasse 2

Dieses Haus wurde im Jahr 1873 erbaut und gehörte 1875 der "Allgemeinen Österreichischen Baugesellschaft". 1885 stand es im Besitz der "Österreichischen Eskomtegesellschaft", danach sind die Besitzverhältnisse bis 1925 unklar, da die betreffenden Grundbücher beim Brand des Jusitzpalastes verloren gingen. Am 3. Oktober 1941 ging das Haus in das Eigentum der "Semperit Gummiwerke A.G." über. Im Jahr 1948 wurde dieser Verkauf durch ein Rückstellungsverfahren annulliert.

Schottenbastei 12

Erbaut wurde dieses Gebäude im Jahr 1873. 1875 stand es im Besitz der "Allgemeinen Österreichischen Baugesellschaft", die es 1885 an eine Privatperson verkaufte. Am 27. April 1938 ging es im Auftrag der geheimen Staatspolizei in den Besitz des Landes Österreich über und wurde durch das Ostmarkgesetz am 10. Juni 1939 der Reichsfinanzverwaltung des Deutschen Reiches überschrieben. Durch einen Bescheid der Finanzlandesdirektion Wien wurde es nach dem Krieg den Besitznachfolgern des ehemaligen Eigentümers zurückgegeben und am 23. Februar 1950 der "Österreichisch-Amerikanischen Gummiwerke A.G." (vormals "Semperit Gummiwerke A.G.") verkauft.

Schottenbastei 14

Wie das Nachbargebäude wurde auch dieses Haus 1873 erbaut. 1875 gehörte es der "Allgemeinen Österreichischen Baugesellschaft", die es 1885 an eine Privatperson verkaufte. Nach mehreren Besitzerwechseln erwarb es 1949 die "Semperit Gummiwerke A.G.". Nach dem Krieg kam es zu einem Rückstellungsverfahren.

Kriegsschäden

Am 21. Februar schlug eine Bombe im Bereich des Gehsteiges an der Trennlinie der beiden Häuser Schottenbastei 14 und 16 ein. Dabei wurde die Straße auf einer Länge von 15 Metern fast zur Gänze aufgerissen. Vor allem im Erdgeschoss und in den Kellern der beiden Häuser kam es zu schweren Beschädigungen, wobei selbst der Zwischenboden des zweiten Stockes noch durchschlagen wurde.

Schottenbastei 16

Das 1873 erbaute Gebäude stand 1875 im Besitz der "Allgemeinen Österreichischen Baugesellschaft", die es an die Familie Königswarter 1885 verkaufte. Am 17. Juli 1950 wurde es an die "Österreichisch-Amerikanischen Gummiwerke A.G." (vormals "Semperit Gummiwerke A.G.") verkauft.

Helferstorferstraße 11-13

Dieses Gebäude wurde 1873 erbaut und befand sich hinter den Häusern Schottenbastei 12 und 14. 1875 gehörte es der "Allgemeinen Österreichischen Baugesellschaft", die es 1885 an eine Privatperson verkaufte. Am 21. Dezember 1921 wurde es von der Firma "Chemosan A.G." erworben, die 1928 in "Chemosan-Union & Fritz Petzoldt A.G." und 1936 in "Chemosan Union A.G." umbenannt wurde. Am 16. Dezember 1941 wurde das Gebäude von der "Semperit Gummiwerke A.G." angekauft.

Helferstorferstraße 15 / Hohenstauffengasse 11

Das 1875 erbaute Gebäude lag hinter dem Haus Schottenbastei 16 und gehörte der "Allgemeinen Österreichischen Baugesellschaft", von der es 1885 in den Bestz der Familie Königswarter kam, die bereits das Haus Schottenbastei 16 besaß. Am 17. Juli 1950 kaufte es die "Österreichisch-Amerikanische Gummiwerke A.G." (vormals "Semperit Gummiwerke A.G.")


Juridicum

Nach einem 1968 gefassten Grundsatzbeschluss wurde das Gebäude im Auftrag der Republik Österreich für die rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien 1974-1984 nach Plänen von Ernst Hiesmayr anstelle der gründerzeitlichen Häuser inmitten der Schutzzone des ersten Bezirks errichtet. Das Juridicum gehört zu den architektonisch und konstruktiv anspruchsvollen österreichischen Universitätsneubauten. Die Konstruktion der Abhängung aller Geschosse brachte den Gewinn einer stützenfreien, räumlich großzügigen Erdgeschosszone. Sie besteht aus vier paarweise errichteten Stahlbetonkernen (mit je einem Treppenhaus) und vier Stahlfachwerken, die zu einem Raumtragwerk verbunden sind, an dem die Gebäudebereiche über stählerne Hängesäulen aufgehängt sind.


Literatur

  • Harald Sterk: Bauen in Wien. Das letzte Jahrzehnt 1976 bis 1986. Wien: Herold 1986, S. 124
  • Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer. Band 3/1: Wien. 1.-12. Bezirk. Salzburg: Residenz-Verlag 1990, S. 35 f.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 1. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 27-33 (Basteihäuser) und 44-46 (Gründerzeithäuser)