Jugendstil

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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Jugendstil, kunsthistorischer Stilrichtung.

Um die Jahrhundertwende nahm Wien erstmals eine Avantgarde-Stellung in der Baukunst ein und leistete einen wesentlichen Beitrag zur Entstehung der "Modernen Architektur". Auslösendes Moment war die zweite Stadterweiterung (1890/1892), die infolge des raschen Wachstums eine außerordentliche rege private Bautätigkeit erforderte; ein großer Teil der vorgründerzeitlichen Häuser wurde durch wesentlich höhere, "ökonomischere" Bauten ersetzt, außerdem wurden zwischen Linienwall und Vorortgrenzen große Baulandflächen neu erschlossen. In den späten 90er Jahren wurde die Stilrichtung des Historismus durch Einflüsse des in Westeuropa aufkommenden Jugendstils (Art nouveau) in Frage gestellt, der durch elegantes, kurvig geschwungenes Linienspiel und weiche Formgebungen charakterisiert ist, mit der Tradition völlig brach und eine ganzheitliche Erneuerung der bildenden Künste auslöste. 1897 wurde die Secession gegründet (der unter anderem Otto Wagner und Josef Maria Olbrich angehörten). Beim Stadtbahnbau fand erstmals der neue Stil Anwendung, Miethäuser an der Linken Wienzeile folgten. Nach dem Abgang Olbrichs (1899) gingen die interessantesten Aufträge an Josef Hoffmann, unter dem ab 1901 eine Wende im Wiener Kunstschaffen vollzogen und die Geltung Wiens als Geburtsstätte der Moderne begründet wurde (Ablösung der dynamischen Schlingformen durch einen puristischen Stil mit der Dominanz auf das geometrische und tektonische Gerüst, wodurch ein Höchstmaß an Vereinfachungen erreicht wurde). Zu einem wesentlichen Protagonisten entwickelte sich Adolf Loos. 1903 wurde die Wiener Werkstätte gegründet. Um 1910 kam es wieder zu einer Zunahme der dekorativen Elemente, bei der das Ornament im Sinne des folgenden Art Déco die Fläche selbst zu schmücken beginnt und Inspirationen aus dem Biedermeierstil geholt werden. Neben den künstlerisch führenden Architekten, die reinen Jugendstil bauten, gab es zahlreiche andere, die historistische und secessionistische Elemente (nicht zuletzt beeinflusst durch die Aufgabenstellung) miteinander kombinierten (Vermischung mit Elementen des rustikalen Heimatstils bei Villen, mit solchen des Klassizismus bei repräsentativen oder offiziellen Bauten [Staatsgebäude, Banken], gemäßigter "Baumeister-Jugenstil" in den Vororten). Einflüsse der sich entwickelnden Bautechnologie sind unverkennbar (Betonständerkonstruktionen und anderes).


Literatur

  • Andreas Lehne: Jugendstil in Wien. Ein Architekturführer. Wien: J & V, Edition Wien 1989; (Grundlage für das Stichwort)
  • Andreas Lehne: Jugendstil in Wien. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1985 (Wiener Bezirkskulturführer, 31)
  • Andreas Lehne / Tamás Pinter: Jugendstil in Wien und Budapest. Wien: J & V Edition 1990
  • Elisabeth Koller-Glück / Manfred Schmucker: Unbekannter Jugenstil in Wien. Glasfenster. 1983
  • Giovanni Fanelli: Wiener Jugenstil. Die Druckgraphik. Frankfurt 1992
  • Christian Brandstätter: Stadtchronik Wien. 2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Wien [u.a.]: Brandstätter 1986, S. 370