Judenstadt (1)

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Art des Objekts Sonstiges
Jahr von
Jahr bis 1421
Name seit
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Bezirk 1
Lage
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke Schulhof
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Judenstadt (1), "unter den Juden".

Bereits 1204 bestand in der heutigen Seitenstettengasse (Nummer 2) eine "schola ludeorum" (Synagoge). Vier angrenzende Grundstücke hatten dem 1196 ermordeten Juden Schlom, Münzmeister Herzogs Friedrichs I., gehört.

Eine eigentliche Judenstadt entstand vermutlich erst in den 80er Jahren des 13. Jahrhunderts, nachdem die Burg in das neue Gebäude beim Widmertor verlegt worden war und nachdem die Juden, die in der Scheffstraße wohnten, wegzogen. Die Judenstadt war nur über die Judengassen zugänglich. Diese konnten mit Toren abgesperrt werden, oder waren durch Mauern abgeschlossen. Durch eine Mauer abgeschlossen waren die Schwertgasse, das Schiltergässlein und die Parisergasse. Mittelpunkt war der Judenplatz, der sogenannte Schulhof der Juden, der (wie die dortige Synagoge) erstmals 1294 erwähnt wird. Hier befanden sich auch das Judenspital und wahrscheinlich mehrere Lehrhäuser (an denen bedeutende Rabbiner, wie Abraham Klausner, wirkten, die viele auswärtige Schüler nach Wien zogen).

Die Judenstadt erstreckte sich auf einem Raum, der durch die heutige Straßenzüge Stoß im Himmel, Schwertgasse, Färbergasse, Drahtgasse, Schulhof, Kurrentgasse, Kleeblattgasse, Schultergasse und Jordangasse begrenzt war. Am Anfang des 15. Jahrhunderts warf die Wiener Bevölkerung jüdischen Geldverleihern vor, Zinswucher zu betreiben. Dazu wurden Juden der Hostienschändung bezichtigt. Albrecht V. gab am 23. Mai 1420 Befehl, alle Juden gefangen zu nehmen und ihr Vermögen zu beschlagnahmen. Die Wiener Geserah begann. Nach der Vertreibung und Verbrennung der Juden wurden die Häuser nach 1421 von Albrecht V. verschenkt beziehungsweise verkauft, die Synagoge wurde demoliert. Die Mauer um die Judenstadt herum wurde abgebrochen. Der Platz wurde als Verkaufsplatz von Holzwaren verwendet.

Literatur

  • Alfred Francis Pribram (Hg.): Urkunden und Akten der Juden in Wien. 2 Bände. Wien [u.a.]: Braumüller 1918
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 1: Geschichte, historische Hilfswissenschaften, Festungswerke und Kriegswesen, Rechtswesen, Kulturgeschichte, Sittengeschichte. Wien: Touristik-Verlag 1947, S. 244 ff.
  • Hans Tietze: Die Juden Wiens. Geschichte-Wirtschaft-Kultur. Leipzig/Wien: Tal 1933; Neudruck 1987
  • Ignaz Schwarz: Das Wiener Getto, seine Häuser und seine Bewohner. Wien [u.a.]: Braumüller 1909
  • Ignaz Schwarz: Geschichte der Juden in Wien. In: Geschichte der Stadt Wien. Hg. vom Altertumsverein zu Wien 5, S. l ff.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 2. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 385-390
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 2. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 438-440
  • Rudolf Geyer, Leopold Sailer: Urkunden aus Wiener Grundbüchern zur Geschichte der Wiener Juden im Mittelalter. Wien: Jugend und Volk 1931