Jakobiner

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Art der Organisation Verein
Datum von 1791
Datum bis 1794
Benannt nach
Prominente Personen Franz von Hebenstreit, Ignaz Joseph Martinovics, Martin Joseph Prandstätter, Andreas Riedel, Johann Nikolaus Franz Xaver Bartholomäus Hackel, Alois Blumauer
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Jakobiner (Jakobinerverschwörung, Jakobinerprozess).

1) Bezeichnung des wichtigsten politischen Klubs der Französischen Revolution, benannt nach dem Zusammenkunftsort im ehemaligen Dominikanerkloster St. Jakob in Paris; nach Abspaltung eines gemäßigten Flügels (Girondisten, benannt nach dem Departement Gironde) 1791 erlangten die Jakobiner (nunmehr radikale Republikaner) im Nationalkonvent (dem 1792-1795 bestehenden französische Parlament) maßgeblich Einfluss (Schrekkensherrschaft, Massenhinrichtungen politischer Gegner). Nach dem Sturz Robespierres wurden die Jakobiner 1794 verboten und ihr Klub geschlossen.

2) Im weiteren Sinn internationale Bezeichnung für konsequente Verfechter der Grundsätze der Französischen Revolution (Gleichheit aller Staatsbürger, Einrichtung einer Volksvertretung, Abschaffung der Klöster und Verstaatlichung des Kirchenguts). Im Heiligen Römischen Reich breiteten sich diese Grundsätze während des Kriegs mit Frankreich (1792-1797) aus; in Mainz kam es 1792/1793 zu einem jakobinischen Regime unter Georg Forster. In den habsburgischen Territorien gab es ab 1793 in verschiedenen Städten Österreichs und Ungarns geheime Zirkel. In Wien kam es 1794 zur Aufdeckung der „Jakobinerverschwörung"; 1794/1795 wurden in Wien und Ofen (Buda) Prozesse abgehalten (in Wien gab es 36 Angeklagte, durchwegs aus gehobenen Schichten), die mit Hinrichtungen (unter anderem Franz von Hebenstreit und Ignaz Joseph Martinovics, 1795) beziehungsweise schweren Kerkerstrafen (unter andrem Martin Joseph Prandstätter, Andreas Riedel und Johann Hackel) endeten; auch Alois Blumauer wurde in Untersuchung gezogen, entging aber einer Verurteilung. Als Lockspitzel gegen die Wiener Jakobiner hatte der Buchdrucker und Verleger Joseph Vinzenz Degen fungiert. Dass der Prozess nicht von einem Sondergericht ohne Berufungsmöglichkeit, sondern von einem ordentlichen Gericht geführt wurde, ist der Unbeugsamkeit des Präsidenten der Obersten Justizstelle, Karl Anton von Martini, zu danken. In der Literatur werden Verfahren und Strafen unterschiedlich bewertet; erwiesen ist, dass neben echten Revolutionären (wie beispielsweise Hebenstreit, der Kontakte zur franzosischen Regierung aufgenommen und wahrscheinlich auch das „Eipeldauerlied", ein radikales Zirkular in Versen, verfasst hatte) auch vergleichsweise harmlose Personen (wie Hackel) verurteilt wurden.

Literatur

  • Denis Silagi: Jakobiner in der Habsburger-Monarchie. In: Wiener historische Studien. 6 (1962)
  • Helmut Reinalter (Hg.): Jakobiner in Mitteleuropa. Innsbruck 1977
  • Katalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. Wien 15, S. 73
  • Verzeichnis der Angeklagten im Jakobiner-Prozess. Katalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 161, S. 96, S. 35 f.;
  • Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit auch in Österreich? Katalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. 124 (1989)
  • Alois Löw: Zur Geschichte des Wiener Jakobiner-Prozesses. In: Monatsblatt der Heraldischen Gesellschaft "Adler" 7 (1903-1905), S. 166 ff.
  • Helmuth Größing: Zur Geschichte der Wiener Jakobiner 1794/1795. In: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien. 30 (1975), S. 150 ff.
  • Peter Csendes [Hg.]: Österreich 1790-1848. Kriege gegen Frankreich, Wiener Kongreß, Ära Metternich, Zeit des Biedermeier, Revolution von 1848. Das Tagebuch einer Epoche. Wien: Brandstätter 1987, S. 36
  • Christian Brandstätter: Stadtchronik Wien. 2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Wien [u.a.]: Brandstätter 1986, S. 183
  • Siegfried Weyr: Die Wiener. Zuagraste und Leut’ vom Grund. Wien [u.a.]: Zsolnay 1971, S. 100 ff.