Hygiene

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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Hygiene. Mit seinen Schriften über die „Medizinische Polizei" inaugurierte der medizinische Kliniker Johann Peter Frank an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert das spätere medizinische Unterrichtsfach Hygiene. Ab 1804 wurde diese Disziplin durch die neue vom kaiserlichen Protomedicus entworfene Studienordnung an der Universität Wien als „Staatsarzneikunde" gemeinsam mit der Gerichtsmedizin gelehrt. „Hygiene" hieß allerdings schon 1784 die Gesundheitslehre, die der kaiserliche Protochirurgus Giovanni Alessandro Brambilla an der medizinisch-chirurgischen Josephs-Akademie (Josephinum) eingeführt hatte. Die tatsächliche Betreuung der Stadt Wien, die vom „morbus Viennensis" (der Tuberkulose) verfolgt war und in der immer wieder epidemieartig Typhus und Cholera (beispielsweise 1831 und 1854) ausbrachen, übernahm Mitte des 19. Jahrhunderts die „Gesellschaft der Ärzte". Sie wünschte bereits 1852 eine Trennung der Fächer Hygiene und Gerichtsmedizin. Der Bau der (ersten) Hochquellenleitung (1869-1873) nach zehnjähriger Debatte war zu einem guten Teil der Geschichte der Ärzte zu verdanken. 1875 wurde an der Universität Wien die Lehrkanzel für Hygiene geschaffen und mit dem Militärhygieniker Josef Nowak (1814-1886) besetzt. Es ist kein Zufall, dass gerade dieses Fach aus der medizinisch-chirurgischen Militärakademie Josephs II. hervorging (in deren Ehrenhof noch heute die 1787 von Johann Martin Fischer geschaffene Statue der Hygieia steht Hygieiabrunnen), denn die hauptsächlich Sorge der Militärärzte galt immer der „Conservation des Mannes". Kenntnisse der Chemie, Mikrobiologie, experimentellen Physiologie und Pathologie sowie der Immunologie mussten dem jeweiligen Fachvertreter der Hygiene zur Verfügung stehen. Zeitlich und auch fachlich parallel wirkten Ende des 19. Jahrhunderts. der Militärhygieniker Florian von Kratschmer-Forstberg und Max von Gruber, der die Lehrkanzel an der Universität Wien 1887-1902 (als ausserordenlicher, ab 1892 als ordentlicher Professor) führte, allerdings 1902 (als es ihm nicht gelungen war, den Neubau seines Instituts durchzusetzen) einem Ruf an die Universität München folgte (Zweitnachfolger des Fachbegreichs im deutschen Sprachraum, Max von Pettenkofer). Zu Grubers Wiener Schülern zählten der Nobelpreisträger Karl Landsteiner und der Begründer der Lehre von der Allergie, Clemens von Pirquet. 1903 wurde die Hygiene als obligates Prüfungsfach in die neue Studienordnung an der Wiener Universität aufgenommen. Unter dem Gruber-Schüler Arthur Schattenfroh (1905-1923) wurde 1908 das neue Hygienische Institut, eröffnet. Ihm folgten 1924-1937 Roland Graßberger, 1937-1945 Max Eugling, 1945-1951 Marius Kaiser und 1951-1959 Richard Bieling. Hans Moritsch (1924-1965), der 1962-1965 als Ordinarius für Hygiene in Wien wirkte, starb als Opfer einer beruflich erworbenen schweren Infektion. Entsprechend der vor allem in den letzten 50 Jahren erfolgten Auffächerung der medizinischen Spezialdisziplinen in weitere Untergruppen sind aus dem ehemaligen Mutterfach Hygiene folgende selbständige Institute an der Universität Wien hervorgegangen: Hygiene, Umwelthygiene, Virologie, spezifische Prophylaxe, Tropenmedizin und Sozialmedizin.

Literatur

  • Erna Lesky: Die Wiener medizinische Schule im 19. Jahrhundert. Wien [u.a.]: Böhlau 1965 (Studien zur Geschichte der Universität Wien, 6), S. 589 ff.
  • Erna Lesky: Von der Staatsarzneikunde zur Hygiene. In: Wiener klinische Wochenschrift. Wien / New York: Springer 1959 (71), Heft 10, S. 168 ff.
  • Erna Lesky: 100 Jahre Hygiene in Österreich. In: Zentralblatt für Bakteriologie, Mikrobiologie und Hygiene, Abteilung l. Original-Band 164. 1977, S. 413 ff.
  • Helmut Wyklicky: 175 Jahre Hygiene in Österreich. In:Zentralblatt für Bakteriologie, Mikrobiologie und Hygiene, Abteilung l. Original-Band 172. 1981, S. 441 ff.
  • Helmut Wyklicky: 175 Jahre Hygiene in Österreich. In: Briefmarken-Abhandlung, 08.05.1980, abgebildet die Hygieia Klimts
  • L. Breitenecker: Die Bedeutung J. P. Franks für die Entwicklung der Hygiene in Österreich. In: Wiener klinische Wochenschrift. Wien / New York: Springer 1959 (71), S. 165 ff.
  • H. Reichel: Die Entwicklung der Hygiene als Lehrfach. In: Wiener klinische Wochenschrift. Wien / New York: Springer 1933 (46), S. 738 ff.