Kaiserspital

Aus Wien Geschichte Wiki
(Weitergeleitet von Hofspital)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ballhausplatz - Demolierung des Kaiserspitaltraktes der kaiserlich - königlichen Hofburg, 1903
Art der Organisation Anstalt
Datum von 1551
Datum bis 1782
Benannt nach
Prominente Personen
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  27.09.2017 durch DYN\krabina
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname HMW 028827 00003.jpg
Bildunterschrift  Ballhausplatz - Demolierung des Kaiserspitaltraktes der kaiserlich - königlichen Hofburg, 1903
Bildquelle HMW 28827/3, Foto: A. Stauda
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

Es wurden noch keine Adressen zu dieser Organisation erfasst!

frühere Adressierung

BezirkStraßeHausnummerDatum vonDatum bis
1Schauflergasse815511758
1Ballhausplatz315511758
1Minoritenplatz915511758
3Rennweg1-517581782
Es wurden noch keine Bezeichnungen zu dieser Organisation erfasst!

Kaiserspital (auch ehemaliges Hofspital).

Stadt (1, Schauflergasse 8, Ballhausplatz 3 [Bruno-Kreisky-Gasse 2], Minoritenplatz 9). Während das Bürgerspital als Alters- und Pflegeheim beziehungsweise Krankenhaus für die bürgerliche Bevölkerung diente, wurden berufsunfähige Hofbedienstete beiderlei Geschlechts in dem 1339 in der Vorstadt vor dem Widmertor gegründeten Martinspital versorgt, das anlässlich der Türkenbelagerung 1529 zerstört wurde. Als Ersatz diente das Spital „Zur heiligen Barmherzigkeit", das Diego de Serrava (Sarava), Erzieher der Pagen Ferdinands I., 1537 auf einem von ihm gekauften Grundstück in der Schauflergasse für je zwölf Männer und Frauen errichten ließ. Nach Serravas Tod (1545) stellte König Ferdinand die um 36 Pflegestellen vermehrte Stiftung unter landesfürstlicher Patronanz, erließ 1551 eine Anstaltsordnung und veranlasste nach Zukauf angrenzender Grundstücke die Erweiterung um zwei Trakte samt Nebengebäuden (1551-1558); für den Gottesdienst wurde 1554 die bisher zum Minoritenkloster gehörende Katharinenkapelle bestimmt (anstelle der von Serrava eingerichteten Kapelle des Leidens Christi). Zur wirtschaftlichen Ausstattung gehörten die von der 1545 verstorbenen Königin Anna hinterlassene Herrschaft Wolkersdorf (Niederösterreich) und ab 1564 die Güter des einstigen Martinspitals. Zu dieser Zeit konnte das Kaiserspital 80 Pfründner(innen), 40 Kranke und 20 Waisenkinder aufnehmen. 1583 wurde der Osttrakt an das neugegründete Hofkammerarchiv vermietet. Auf einer ab 1578 zum Kaiserspital gehörenden Parzelle entstand 1717-1719 das Haus der Staatskanzlei (1, Ballhausplatz 2; Bundeskanzleramt). 1758 übersiedelte das Kaiserspital nach 3, Rennweg 1-5, im selben Jahr brach man vom bisherigen Spitalskomplex den Trakt an der Schauflergasse ab und gab die Katharinenkapelle zunächst den Minoriten zurück; sie wurde 1774 der italienischen Kongregation überlassen und 1784 profaniert. Das Hofkammerarchiv, ab 1777 in den Osttrakt verlegt, blieb dort bis 1848; im selben Jahr erhielt auch das 1746 im Spitalshof errichteten Ballhaus eine andere Bestimmung. 1892 demolierte man den Osttrakt; bis 1903 brach man auch die restlichen Teile des einst. Kaiserspitals ab. Das Areal blieb nun viele Jahrzehnte unverbaut; erst 1983/1984 entstand hier ein vom Bundeskanzleramt verwendetes Amtsgebäude.

Vorstadt Landstraße: Das Kaiserspital bestand in seiner neuen Unterkunft am Rennweg 1758-1782; die zugehörige Kirche „Zum heiligen Kreuz" war 1755-1763 erbaut worden. 1782 wurde das Kaiserspital aufgehoben; im Gebäude war 1782-1791 die galizische Leibgarde untergebracht (Gardekirche), 1893 wurde es demoliert. Die Kirche wurde 1897 dem polnischen Orden der Resurrektionisten übergeben. Der Fonds des Kaiserspitals, in dem sein Vermögen zusammengefasst war, diente der Versorgung Armer und Kranker und bestand bis 1926.


Quellen


Literatur

  • Giovanni Salvadori: Die Minoritenkirche und ihre älteste Umgebung. 1894, S. 237 ff.
  • Alfred May: Kapitelkapelle und alter Chor des ehemaligen Wiener Minoritenklosters. In: Wiener Schriften. Hg. vom Amt für Kultur, Schulverwaltung der Stadt Wien. Band 5. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1957, S. 13 ff.
  • Ernst Nowotny: Geschichte des Wiener Hofspitals. In: Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich 23 (1978)
  • Adam Wandruszka: Der Ballhausplatz. Wien [u.a.]: Zsolnay 1984 (Wiener Geschichtsbücher, 33)
  • Alphons Lhotsky: Die Baugeschichte der Museen und der neuen Burg. Wien: F. Berger 1941 (Festschrift des Kunsthistorischen Museums zur Feier des fünfzigjährigen Bestandes, 1), Register
  • Karl Weiß: Geschichte der öffentlichen Anstalten ... für die Armenversorgung in Wien. 1867, S. 101 ff, S. 248
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 368 f.
  • Ricarda Oettinger: Österreichische Kunsttopographie (archivarische Vorarbeiten 3. Bezirk), S. 56 f.