Hofburg

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Burgplatz und die Hofburg.
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1275
Jahr bis
Andere Bezeichnung Burg
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  4.06.2017 durch DYN\krabina
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname Purg.jpg
Bildunterschrift  Der Burgplatz und die Hofburg.
Bildquelle Wilhelm Kisch: Wien. Wien: Gottlieb 1883
Bildrechte
BezirkStraßeHausnummer
1Michaelerplatz27

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Derzeit wurden noch keine Konskriptionsnummer zu diesem Bauwerk erfasst!
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Der Bau der Burg wurde entsprechend einer schriftlichen Überlieferung, die sich auf das Jahr 1275 bezog, dem Böhmenkönig Ottokar II. Premysl zugeschrieben. Funde eines spätromanischen Fensters, das aus den 1230er bis 1240er Jahren stammt, sowie die Werksteinrahmung der ehemaligen Außenseite, sprechen für einen Baubeginn weit vor Ottokar. Die neue Burg wurde an der Stadtmauer neben dem Widmertor errichtet, als Vorbild dienten staufische Kastellburgen. Der Vierkantbau, der direkt an der Stadtmauer lag, besaß an jeder Ecke einen wehrhaften Turm sowie zwei Tore, an drei Seiten einen breiten Burggraben (an der Südseite befand sich die Stadtmauer) und eine Vormauer. Im Trakt des Schweizerhofes befindet sich noch der Kern dieses ursprünglichen Baues. Möglicherweise steht der Baubeginn mit dem Aufenthalt Kaiser Friedrichs II. in Wien und der vorübergehenden Absetzung des Babenbergerherzogs Friedrich II. des Streitbaren in Zusammenhang. Auf alle Fälle bot die neue Burg ihrem Herrn ein größeres Maß an Sicherheit als der Herzogshof. Doch dürfte der Bau zunächst nicht weit voran geschritten, sondern erst dann von Ottokar II. weitgehend vollendet worden sein. Die älteste in der Hofburg ausgestellte Urkunde stammt jedenfalls von König Rudolf I. von Habsburg vom 14. Februar 1279. Der alte Herzogshof wurde als Residenz zugunsten der Hofburg bald aufgegeben. 1296 wird erstmals die Burgkapelle erwähnt. Der heutige Platz In der Burg diente als Turnierplatz. Veränderungen ergaben sich 1444-1447 unter Friedrich III. (der von Wiener Bürgern 1462 in der Burg belagert wurde), durch den Neubau der Burgkapelle (1447-1449) und die Anlage von zwei Gartenanlagen mit unterschiedichem Niveau (für deren Erweiterung Friedrich 1460 Nachbarhäuser und einen Teil des Augustinerfriedhofs erworben hatte und die 1533-1536 erneuert wurden). Als Matthias Corvinus 1485-1490 Wien besetzte, residierte er in der Hofburg (Schweizerhof; nicht, wie häufig behauptet wird, im Hasenhaus); die Gärten ließ er im Renaissancestil umgestalten (Springbrunnen und Terrassen, von Bonfini als "hängende Gärten" bezeichnet); an der Stelle der heutigen Österreichischen Nationalbibliothek wurde der Wehrgang der Stadtmauer zu einer Aussichtsterrasse ("Altane", noch auf dem Wolmuetplan von 1547 eingezeichnet) erweitert. Nach der Ersten Türkenbelagerung (1529) kam es unter Ferdinand I. (parallel zum Bau der die mittelalterlichen Ringmauer ersetzenden Renaissancebefestigungen mit ihren gewaltigen Basteien) zur Umgestaltung der Hofburg im Stil der Renaissance (1534-1566), wodurch sie ihren mittelalterlichen Charakter verlor. Da das Widmertor nach der Erbauung der Burgbastei seine Funktion verlor, musste es 1553-1559 einem dem Mauerverlauf folgenden sechsachsigen Wohntrakt (mit einem Durchgang, heute Durchfahrt zum Heldenplatz) weichen, der ein Jahrhundert später in die Konzeption des Leopoldinischen Trakts einbezogen wurde. Der untere Garten (im Bereich des heutigen Josefsplatzes gelegen) wurde gegen die Hochstraße 1550-1553 durch den (älteren) Augustinergang abgeschlossen (nach dessen Abtragung 1767 im Zuge des Baus der Seitenflügel der Hofbibliothek Umwandlung in den Bibliotheks-[Josefs-]Platz).

Die Hofburg als Teil der Stadtbefestigung. Auschnitt aus einem Plan von August Hirschvogel 1547.
Die Horburg neben St. Michael und Augustinerkirche im Jahr 1556.

Die im Mittelalter in der Verlängerung des Kohlmarkts zum Widmertor verlaufende Häuserzeile wurde im 16. Jahrhundert beseitigt, sodass Raum für eine Neugestaltung gewonnen wurde. Neben der jenseits der Hochstraße erbauten Stallburg (1559-1569) entstand (anstelle des älteren Cillierhofs, der ab 1458 als landesfürstliches Zeughaus gedient hatte) die Amalienburg (1575-1611), außerdem das Renaissancetor in die alte Burg (Schweizertor, 1552). Im 17. Jahrhundert errichtete Ferdinand II.) 1630 anstelle von drei Häusern ein Amtsgebäude (an dessen Stelle 1723-1730 der Reichskanzleitrakt errichtet wurde, der im 19. Jahrhundert das Franz-Joseph-Appartement aufnahm), und Leopold I. verband kurz nach seinem Regierungsantritt den an die Stelle des Widmertors getretenen Wohnbau mit der Amalienburg durch einen langgestreckten vierstöckigen Trakt im Stil des Frühbarock, der nach seinem Bauherrn Leopoldinischer Trakt bezeichnet wird (er brannte bereits 1668 ab und musste erneuert werden; später Maria-Theresien- beziehungsweise Joseph-II.-Appartement, heute Sitz des Bundespräsidenten und der Präsidentschaftskanzlei). Mit seiner Errichtung begann die Erneuerung und Zusammenfassung der bestehenden Bauteile im Geiste des Barock. Die größten Erweiterungen erfuhr die Hofburg nach der abgeschlagenen Zweiten Türkenbelagerung (1683) in der Blütezeit des Hoch- umd Spätbarock des 18. Jahrhunderts. Unter Karl VI. wurden von Joseph Emanuel Fischer von Erlach, nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach die Hofbibliothek (Österreichische Nationalbibliothek) und der Reichskanzleitrakt (benannt nach dem hier residierenden Reichshofrat) errichtet sowie die Winterreitschule nach eigenen Entwürfen. Diese Neubauten sind allerdings nur Einzelbauten weiterreichender Projekte einer einheitlichen Umgestaltung der Hofburg; die bereits ausgearbeiteten Pläne Fischers für einen Verbindungstrakt zwischen dieser und dem Reichskanzleitrakt am Michaelerplatz wurden erst Ende des 19. Jahrhunderts wieder aufgegriffen und aufgrund seiner Planung realisiert (Michaelertrakt mit der Michaelerkuppel).



Unter Maria Theresia wurde das frühere Ballhaus am Michaelerplatz 1756 in das (vor dem Torso des dort errichteten Hofburgtrakts gelegene) Hofburgtheater (Altes Burgtheater) umgewandelt und das neue Ballhaus errichtet (Ballhausplatz). Ein eben erst erbautes Opernhaus musste damals jenem Trakt des Josefsplatzes weichen, der die Redoutensäle enthält; außerdem wurde mit dem Bau des gegenüberliegenden Flügels am Josefsplatz begonnen (durch den die Fassade der Augustinerkirche verbaut wurde), und der Leopoldinische Trakt erhielt sein heutiges Aussehen. Joseph II. setzte die von seiner Mutter begonnenen Arbeiten fort; unter ihm wurde der die naturhistorischen Sammlungen enthaltende Trakt am Josefsplatz vollendet und der Burggraben an der östlichen Seite zugeschüttet, wodurch der enge Hof hinter der Burgkapelle entstand; vom Ballhausplatz wurde durch Demolierung eines Privathauses eine bequeme Passage zur Burg geschaffen. Unter Franz I. kam es 1805/1806 südlich des Schweizertrakts zu einem klassizistischen Zubau (Rittersaaltrakt mit Zeremonien-, Ritter- und Marmorsaal; heute Kongresszentrum). Nach der Sprengung des knapp an die Burg heranreichenden Spaniers (Burgbastei) durch die abziehenden Franzosen (1809) ließ Erzherzog Johann als Chef der Geniedirektion die vor der Burg gelegenen Festungswerke völlig beseitigen, das alte Burgtor demolieren, südlich der Burg den Kaisergarten (Burggarten) und den Volksgarten anlegen sowie das Äußere Burgtor errichten. Zu einer erheblichen baulichen Ausgestaltung und Veränderung der Hofburg kam es während der Regierungszeit Franz Josephs I. In Konkurrenz zu den prächtigen Ringstraßenbauten entwickelte auch der Hof ein gesteigertes Repräsentationsbedürfnis, welches in einer großzügigen Umgestaltung und Erweiterung ihren baulichen und symbolischen Ausdruck fand. Die Idee des von Gottfried Semper und Carl Hasenauer entworfenen Plans, war der Bau eines von der Antike und Barockarchitektur inspirierten Kaiserforum (1871-1923), welches die neu erbauten Hofmuseen miteinschloss, vom Konzept einer "idealen" Residenz ausging, vollständig jedoch nie verwirklicht wurde. Nach Abbruch des alten Burgtheaters 1888 wurde unter der Leitung von Ferdinand Kirschner 1889-1893 der Bau des Michaelertrakts mit seiner konkaven Fassade und bekrönenden Kuppel ("Michaelerkuppel") sowie der Bau des südlichen Flügels der Neuen Burg durchgeführt. Die Neugestaltung nahm vor allem auf den hohen Öffentlichkeitsgrad des Baus in einem nun stark erweiterten Stadtraum Bezug, wobei dem "Zeremonialraum" bei Audienzen und Empfängen eine nicht zu unterschätzende imperiale Bedeutung zukam. Auch die Restaurierung und Musealisierung der vom Thronfolger Franz Ferdinand besonders geschätzten "Alten Burg" wurde im späten 19. und dann im 20. Jahrhundert auf der Basis kunsthistorischer Forschungen vorangetrieben. Die politische Bedeutung der Hofburg lag in ihrer Funktion als Sitz des "Hofes", einer hierarchisch streng abgestuften Hofgesellschaft mit der kaiserlichen Familie an der Spitze und den Inhabern der verschiedensten Hofchargen. Der Hofbetrieb stand unter der Leitung und Verantwortung des Obersthofmeisters.

Kunsthistorische Bauphasen

Der ausgedehnte, unregelmäßige Gebäudekomplex der Hofburg entstand zwischen dem 13. und 20. Jahrhundert in acht Bauphasen:

Erste Bauphase: Epoche der Gotik (Schweizerhof, 13. Jahrhundert, im 15. Jahrhundert in seinem südwestlichen Flügel umgestaltet). Von den gotischen Bauten sichtbar ist nur die (1296 erwähnte, 1447-1449 vergrößerte) Burgkapelle erhalten.

Zweite Bauphase: Epoche der Renaissance (Errichtung der noch völlig freistehenden Stallburg; erbaut 1559-1569).

Dritte Bauphase: Renaissance (Errichtung der ebenfalls noch völlig freistehenden Amalienburg; erbaut 1575-1611), an deren Stelle sich der Cillierhof befunden hatte. Diese drei Gebäude bildeten den Grundstock für den weiteren Ausbau der Hofburg.

Vierte Bauphase: Bau des Leopoldinischen Trakts (Frühbarock; erbaut 1660-1668), der den Schweizertrakt (an den Erzherzog Ferdinand bereits 1553-1559 einen Trakt mit sechs Fensterachsen hatte anbauen lassen) mit der Amalienburg verband.

Fünfte Bauphase: Spätbarocke Umgestaltung mit Errichtung des Reichskanzleitrakts, der Hofbibliothek (Österreichische Nationalbibliothek) und des Reitschultrakts (Redoutensäle) unter Karl VI. und Maria Theresia.

Sechste Bauphase: Bau des Zeremoniensaals im Stil des Klassizismus (erbaut 1805/1806; heute Kongresszentrum).

Siebente Bauphase: Neobarocker Michaelertrakt als Abschluss im nördlichen Burgbereich (Realisierung einer Planung J. E. Fischers von Erlach durch Ferdinand Kirschner, erbaut 1889-1893 nach Abbruch des alten Burgtheaters bei gleichzeitiger Neugestaltung des Michaelerplatzes).

Achte Bauphase: Bau der Neuen Burg im Stil des Historismus (1881-1913).

Plätze

Sie spiegeln die kunsthistorischen Bauphasen wider: der Schweizerhof die gotische, der Josefsplatz die barocke, der Heldenplatz und der Michaelerplatz die historistische Bauphase (soweit es die Hofburg betrifft), wogegen es dem Platz In der Burg vorbehalten bleibt, von Bauwerken verschiedener Perioden umrahmt zu sein: dem auf die Gotik zurückgehenden Schweizertrakt, dem Renaissancebau der Amalienburg, dem frühbarocken Leopoldinischen Trakt, dem hochbarocken Reichskanzleitrakt und der in der historistischen Ära nachempfundenen barocken Michaelerkuppel.

Sammlungen

Geistliche und Weltliche Schatzkammer (Schweizertrakt), Kaiserappartements (Reichskanzleitrakt), Elisabethappartement (Amalienburg), Sammlungen des Kunsthistorischen Museums (Waffensammlung, Sammlung alter Musikinstrumente und Ephesosmuseum) und Weltmuseum (Neue Burg), Österreichische Nationalbibliothek (Neue Burg [Lesesäle] mit Corps-de-Logis-Trakt [Bildarchiv, Porträtsammlung], Hofbibliothek [Prunksaal und Sammlungen]) und Augustinertrakt [Sammlungen]), Neue Galerie (Stallburg), ehemalige Hoftafel- und Silberkammer und Internationales Esperanto-Museum (Michaelertrakt).

Denkmäler


Literatur

  • Werner Telesko (Hg.), Die Wiener Hofburg 1835-1918. Der Ausbau der Residenz vom Vormärz bis zum Ende des "Kaiserforums". Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2012
  • Moriz Dreger: Baugeschichte der k. k. Hofburg in Wien bis zum 19. Jahrhundert. In: Österreichische Kunsttopographie. Hg. vom Bundesdenkmalamt. Horn: Berger 14 (1914)
  • Harry Kühnel: Die Hofburg. Wien [u.a.]: Zsolnay 1971 (Wiener Geschichtsbücher, 5)
  • Alfred Sitte: Zur Baugeschichte der kaiserlichen Hofburg in Wien. In: Berichte und Mitteilungen des Altertums-Vereines zu Wien. Wien: Gerold 42 (1909)
  • Alphons Lhotsky: Die Baugeschichte der Museen und der neuen Burg. Wien: F. Berger 1941 (Festschrift des Kunsthistorischen Museums zur Feier des fünfzigjährigen Bestandes, 1)
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 45 ff.
  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 70 ff.
  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien: Jugend und Volk, Ed. Wien, Dachs-Verlag 1993, S. 84 ff.
  • Gabriele Praschl-Bichler: Wien speziell. Architektur des Barock. Wo finde ich Schlösser, Palais, Öffentliche Profanbauten, Kirchen, Klöster, Bürgerhäuser, Denkmäler, Brunnen, Museen, Sammlungen in Wien. Wien: Christian Brandstätter Verlag 1990, S. 18 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 356 ff.
  • Karl Janecek: Lateinische Inschriften an Bauwerken und Denkmälern Wiens. Horn: Berger in Komm. 1956, S. 19 ff.
  • Thomas Zacharias: Joseph Emanuel Fischer von Erlach. Wien [u.a.]: Herold 1960, S. 60 ff. (Die Neugestaltung d. kaiserl. Hofburg in Wien)
  • Renate Wagner-Rieger: Pläne zur Neugestaltung der Wiener Hofburg unter Maria Theresia. In: Österreich im Europa der Aufklärung 1 (1985), S. 653 ff.
  • Alphons Lhotsky: Führer durch die Burg zu Wien. Band 1: Gebäude. Wien: Verl. d. Vereines d. Museumsfreunde 1939
  • Forschungsergebnisse zur Geschichte der Wiener Hofburg. Band 3: Harry Kühnel: Die landesfürstlichen Baumeister der Wiener Hofburg von 1494 bis 1569 [Sonderabdr. aus: Anzeiger der Phil.-Hist. Klasse der Österr. Akademie der Wissenschaften Band 24,1959]. Wien: Rohrer 1960 (Mitteilungen der Kommission für Burgenforschung, 10), S. S. 297-325
  • Harry Kühnel: Die Hofburg zu Wien. Graz [u.a.]: Böhlau 1964
  • Wien, Hofburg. In: Geschichte der bildenden Kunst in Österreich [in sechs Bänden]. Band 2: Günter Brucher [Hg.]: Gotik. München [u.a.]: Prestel 2000, S. 214 f.
  • Bernhard A. Macek / Renate Holzschuh-Hofer: Die Wiener Hofburg. Die unbekannten Seiten der Kaiserresidenz. Wien: Sutton-Verlag 2014 (Archivbilder)