Hieronymuskloster

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Art des Bauwerks Sakralbau
Jahr von
Jahr bis
Andere Bezeichnung Franziskanerkloster, Franziskanerkirche
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  23.01.2017 durch DYN\krabina
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BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtWeihburggasse19
Innere StadtSingerstraße26-26A
Innere StadtFranziskanerplatz4

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt96917951821
Stadt94517701795
Stadt91318211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Hieronymuskloster (1, Franziskanerplatz 4, Singerstraße 26-26A, Weihburggasse 19; Konskriptionsnummer 913; heute Franziskanerkloster mit Franziskanerkirche).

Hier entstand ab 1384 das "Haus der bekehrten Frauen" (auch "Büßerinnenhaus"), eine aus Spenden errichtete Anstalt, in welcher ehemalige Prostituierte Gelegenheit zur Resozialisierung und Rückkehr ins bürgerliche Leben erhielten. Sie lebten in klosterähnlicher Gemeinschaft unter der Leitung einer "Meisterin", die wirtschaftliche Aufsicht oblag vier periodisch gewählten "Verwesern" aus der Bürgerschaft. Die Insassinnen durften, wenn sie heirateten, aus der Anstalt ausscheiden, ihr Vorleben durfte ihnen aber bei schwerer Strafe nicht vorgehalten werden. Die zugehörige Kirche "Zum heiligen Hieronymus" wurde 1387 vollendet. Viele Schenkungen kamen der Anstalt zugute. So wurde beispielsweise 1437 das Haus des Hanns Newnhawser neben dem Lilienfelder Haus in der Singerstraße durch Simon Pötl und dessen Gattin Magdalene "zu einer ewigen wohnung der bekehrten frawn" gekauft und mit dem Büßerinnenkloster vereinigt. Durch zahlreiche Unterstützungen konnte 1476 auch das Gotteshaus erweitert werden. Zu den größten Förderen zählte der Bürgermeister Konrad Hölzler (der Jüngere) († 1478), der den Büßerinnen unter vielem anderen seine Häuser in der Landskrongasse (Stadt 548; 1, Landskrongasse 1-3; siehe Generali-Bürohaus) und in der Weihburggasse (Stadt 919; 1, Weihburggasse 14) samt Garten vermachte. Im 15. Jahrhundert wurde das Büßerinnenkloster umgebaut.

Bis zur Reformation erfreute sich das Kloster regen Zuspruchs. 1525 begann durch die Zerstörung beim großen Stadtbrand der Niedergang (Bau nur notdürftig renoviert). Die Lebensform verwilderte, viele Büßerinnen entsprangen, 1543 wurden anlässlich einer Klostervisitation nur noch acht Frauen vorgefunden. Die Meisterin Juliane Kleeberger wurde, da sie Orgien geduldet und mitveranstaltet hatte, in Untersuchung gezogen und starb im Bußhaus. Die Skandale mehrten sich.

1571 war keine Nonne mehr im Haus, weshalb man 1572 hier die städtische Jungfrauenzuchtschule (Waisenhaus) unterbrachte (den Plan, das Kloster in eine Schule umzuwandeln, gab es schon seit 1569). Nachdem diese 1589 nach St. Niklas (Nikolaikloster) in der Singerstraße übersiedelt war, wurde das ganze Haus (nebst der 1387 geweihten Kapelle "Zum heiligen Hieronymus" und dem kleinen Gebäude für die Geistlichen) den Franziskanern übergeben (siehe Franziskanerkirche und Franziskanerkloster).

Ausführlichere Beschreibung im Artikel Büßerinnenkloster zu St. Hieronymus.


Literatur

  • Richard Perger / Walther Brauneis: Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster Wiens. Wien [u.a.]: Zsolnay 1977 (Wiener Geschichtsbücher, 19/20), S. 230 ff.
  • Anneliese Stoklaska: Zur Entstehung der ältesten Wiener Frauenklöster. Diss. Univ. Wien. Wien 1984, S. 104 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 144
  • Ferdinand Just: Regesten zur Geschichte der Büßerinnenklöster in Wien. In: Wiener Diözesanblatt (1887), S. 209 ff.
  • Johannes Evangelist Schlager / Wilhelm Kohler: Wiener-Skizzen aus dem Mittelalter, Neue Folge 2. Wien: Gerlach & Wiedling 1842, S. 279 ff.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 5, 1. Teil. Wien ²1955 (Manuskript im WStLA), S. 71-78