Hertha Firnberg

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Personenname Firnberg, Hertha
Abweichende Namensform
Titel Dr. phil.
Geschlecht weiblich
GND 11869104X
Geburtsdatum 18.09.1909
Geburtsort Wien
Sterbedatum 14.02.1994
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum 24.02.1994
Friedhof Zentralfriedhof
Grabstelle Gruppe 14C, Nummer 1B
Ehrengrab ja
Beruf Wissenschaftlerin, Politikerin
Parteizugehörigkeit Sozialistische Partei Österreichs
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche Hertha-Firnberg-Straße, Firnbergplatz
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  16.02.2016 durch WIEN1\lanm09was
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FunktionFunktion vonFunktion bis
Abgeordnete zum Nationalrat19 Oktober 197018 Mai 1983
Bundesministerin für Wissenschaft und Forschung26 Juli 197024 Mai 1983
Mitglied der österreichischen Delegation zur Parlamentarischen Versammlung des Europarates19591970
Bundesfrauenvorsitzende der SPÖ19661981
Mitglied des Bundesrates26 Juni 195916 Oktober 1963
Abgeordnete zum Nationalrat16 Oktober 196324 Juni 1970
AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um das Land Wien1 April 197518 September 1975
Ehrenbürgerin von Wien24 September 197914 Dezember 1979
Förderungspreis der Stadt Wien1955
Goldene Ehrennadel der Alma Mater Rudolfina14 März 1980
Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich20 Dezember 1969
Fridtjof Nansen-Ring in Gold4 Februar 1972
Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich19 Dezember 197420 Dezember 1974
Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Sterbeadresse14Heinrich-Collin-Straße30

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Firnberg Hertha, * 18. September 1909 Wien, † 14. Februar 1994 Wien, Wissenschaftlerin, Politikerin.

Biographie

Hertha Firnberg wurde als Tochter des Gemeindearztes Josef Firnberg geboren. Sie besuchte die Bundeserziehungsanstalt Wien-Hernals und zeigte früh ihr politisches Interesse. Bereits 1926 trat sie den Sozialistischen Mittelschülern und 1928 der Sozialdemokratischen Partei bei. Nach der Matura studierte sie Rechtswissenschaften, wechselte dann aber zum Studium der Wirtschafts- und Sozialgeschichte über und erwarb 1936 mit einer Dissertation über "Lohnarbeiter und freie Lohnarbeit im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit" an der Universität Wien den Grad "Dr. phil.".

Zwischen 1941 und 1945 war Hertha Firnberg in einem Modeverlag tätig und wurde 1946 Assistentin und Bibliothekarin am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien. Von 1948 bis 1969 leitete sie die Abteilung Statistik der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Niederösterreich, zugleich war sie Leiterin der Studienbibliothek der niederösterreichischen Arbeiterkammer. Für eine Reihe soziologischer Untersuchungen, die während dieses Zeitraumes entstanden, erhielt Firnberg 1955 den Förderungspreis der Stadt Wien und 1959 den Theodor Körner-Preis.

1959 wurde Hertha Firnberg vom Wiener Landtag in den Bundesrat und 1963 von der SPÖ in den Nationalrat entsandt, dem sie mit einer kurzen Unterbrechung bis 1983 angehörte. Zwischen 1966 und 1981 war sie Vorsitzende des Bundesfrauenkomitees der SPÖ, ab 1967 eine der stellvertretenden Parteivorsitzenden. Im Gegensatz zu ihren Nachfolgerinnen lehnte sie ein eigenes Frauenministerium und Quotenregelungen ab. Weiters gehörte sie der österreichischen Delegation zur Beratenden Versammlung des Europarates an und war zwischen 1967 und 1970 stellvertretende Vorsitzende der Bevölkerungs-, Flüchtlings- und Sozialkommission dieses Gremiums. In den 1960er Jahren oblag Hertha Firnberg die Koordination der am "Humanprogramm" der SPÖ mitarbeitenden Experten.

Mit dem Amtsantritt der SPÖ-Regierung im April 1970 wurde Hertha Firnberg zur Ministerin ohne Portefeuille ernannt und nach der Teilung des bisherigen Bundesministeriums für Unterricht am 26. Juli 1970 als Bundesministerin für Wissenschaft und Forschung angelobt. Mit der Übernahme des Wissenschaftsressorts, das sie bis zum 24. Mai 1983, also fast 13 Jahre lang, innehaben sollte, hat Hertha Firnberg eine umfassende Tätigkeit entfaltet, in der sie ihr Fachwissen und ihr politisches Geschick unter Beweis stellen konnte. Das Universitäts-Organisationsgesetz 1975 bezeichnete alle der wissenschaftlichen Lehre verpflichteten Hochschulen als Universitäten und wertete die Institute als kleinste selbständige organisatorische Einheiten auf. Am folgenreichsten und umstrittensten war die Demokratisierung der universitären Entscheidungsprozesse (Drittelparität von Professoren, akademischem "Mittelbau" und Studenten in den Gremien), um durch verstärkte Transparenz Engagement und Initiative der Universitätsangehörigen zu fördern. Weitere Gesetze, die unter Firnberg beschlossen wurden, sind die Novelle zum Denkmalschutzgesetz 1978, das Forschungsorganisationsgesetz 1981 sowie das Kunsthochschul-Studiengesetz 1983. Während ihrer Ministerschaft wurde sowohl die Errichtung neuer Museen (etwa Museum moderner Kunst im Palais Liechtenstein) als auch die Errichtung der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft initiiert.

Seit 1999 vergibt der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung jährlich fünf dreijährige Hertha Firnberg-Stipendien für Nachwuchswissenschaftler. Im Gedenken an die Politikern wurde in Wien-Favoriten 2001 die Hertha-Firnberg-Straße und 2010 in Wien-Donaustadt der Firnbergplatz nach ihr benannt.

Literatur

  • Who is who in Österreich. 7. Auflage. Zug: Who is who - Verlag für Personalenzyklopädien 1987, S. 275
  • Hanns Jäger-Sunstenau: Die Ehrenbürger und Bürger ehrenhalber der Stadt Wien. Wien: Deuticke 1992 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 23), S. 76
  • Heinz Fischer: Von Kreisky respektiert, von den Professorenen gefürchtet. In: Salzburger Nachrichten, 16.02.1994
  • Nachrufe in Tageszeitungen (beispielsweise Salzburger Nachrichten, 15.09.1994)
  • Marlen Schahinger: Hertha Firnberg. Eine Biographie. Wien: Mandelbaum 2009
  • Wienbibliothek im Rathaus/Tagblattarchiv: Hertha Firnberg. 16 Bände [Sign.: TP-012457]
  • Wienbibliothek im Rathaus/Sammlung Josef Treitl: Hertha Firnberg [Sign.: JT-318]

Links