Herrengasse 7

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1811
Jahr bis
Andere Bezeichnung Innenministerium
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Giacomo Quarenghi, Alois Pichl
Prominente Bewohner
Quelle Paul Harrer: Wien, seine Häuser, Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  24.08.2017 durch WIEN1\lanm08mic
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BezirkStraßeHausnummer
1Herrengasse7

frühere Adressierung

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Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Innere Stadt1917701795
Innere Stadt3517951821
Innere Stadt2718211862
Innere Stadt2017701795
Innere Stadt3617951821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Herrengasse 7 (Konskriptionsnummer 27).

Ursprünglich standen hier zwei Häuser deren Eigentümer 1453 Hanns von Pellendorf war. Um 1455 kamen die Häuser an die Herren von Dietrichstein. 1530 wies König Ferdinand I. an dafür zu sorgen, dass das Gässchen, das hinten aus des Freiherrn von Dietrichstein Behausung längs des zum Minoritenklosters gehörigen Garten geht, so viel erweitert werde, dass man es mit einem Wagen bequem befahren könne. Zu solch einem Umbau kam es aber nicht.

1552 die Familien Dietrichstein und Hollerstock als Besitzer nachzuweisen.

Beide Häuser waren zwischen 1566 und 1664 in eines zusammengeschlossen. Der Hoefnagel-Plan (1609) zeigt vier Giebelhäuser (drei Trakte im Hof noch erhalten). Später wurden sie aber wieder getrennt.

1678 nahm Fürst Dietrichstein einen Umbau vor; da ein Gemach für die Fürstin und eine Kapelle über die Mauer hinausragten, fühlte sich der Nachbar, Graf Mollard, beeinträchtigt. Der Suttinger-Plan (1684) zeigt nur noch ein Haus, der Huber-Plan (1769/74) einen einheitlichen dreigeschossigen Komplex mit zwei Höfen („Dietrichsteinpalais"). Ende 17. Jahrhundert finden wir schließlich die Familie Dietrichstein als Eigentümer. Die Häuser blieben in der Dietrichsteinschen Familie bis 1810.

1811 erwarb das Haus Beatrix, Erzherzogin von Österreich, Prinzessin von Este. Sie war die Gemahlin des Erzherzogs Ferdinand und Mutter der dritten Gemahlin des Kaisers Franz II. (I.) Maria Ludovica. Sie ließ anstelle der beiden Häuser den gegenwärtigen Palast (2 Stock, Grund 4820 m2) von den Architekten Giacomo Quarenghi und Alois Pichl im Renaissancestil errichten.

Nach Maria Beatrix' Tod (1829) ging der Palast in den Besitz ihres Sohns Erzherzog Franz über, ab 1814 als Franz IV. Herzog von Modena (es diente ein Jahrzehnt dem Prinzen Wasa und der Prinzessin Amalia von Schweden sowie einem Graf Harrach als Wohnung) und 1842 durch Kauf in den des Staats gelangte.

Die Regierung verlegte nach dem Ankaufe des Gebäudes verschiedene Ämter (Direktion der Staatseisenbahnen, später Sitz des Ministerratspräsidiums, der Polizei- und Zensurhofstelle, der Reichskanzlei, des Landesverteidigungsministeriums, des Rechnungsdepartements und andere) dorthin, sowie im Hoftrakt die Druckerei der Wiener Zeitung unter, und schließlich wurde es Sitz des k.k. Ministerratspräsidiums. Auch heute noch ist das Gebäude Eigentum des österreichischen Bundesschatzes.

1920-1923 hatten hier die vereinigten Ministerien für Inneres und Unterricht ihren Sitz; später gehörte das Modenapalais zum Bundeskanzleramt; schließlich wurde es dem Innenministerium überlassen (ebenso in der Zweiten Republik nach Abschluss des Wiederaufbaus [1944 Zerstörung des linken Trakts durch Bomben]); 1938 befand sich hier das Hauptquartier eines deutschen Generals der Ordnungspolizei.

Literatur

  • Wilhelm Engelmann: Die Modenapaläste auf der Landstraße und in der Herrengasse, in: Monatsblatt des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1919-1938. Band 1, 1919, S. 14 ff.
  • Rupert Feuchtmüller: Die Herrengasse. Wien [u.a.]: Zsolnay 1982 (Wiener Geschichtsbücher, 28), 52 ff.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 7, Wien ²1957 (Manuskript im WStLA), S. 99-100