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Herrengasse 13

Aus Wien Geschichte Wiki
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1., Minoritenplatz 7, um 1940
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1837
Jahr bis
Andere Bezeichnung Ehem. NÖ Landhaus
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Alois Pichl
Prominente Bewohner
Quelle Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  4.06.2017 durch DYN\krabina
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Bildname Minoritenplatz7.jpg
Bildunterschrift  1., Minoritenplatz 7, um 1940
Bildquelle WStLA, Fotosammlung Stadtplanung, Reiffenstein
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Landhausgasse1
1Minoritenplatz7
1Herrengasse13
1Leopold-Figl-Gasse6

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Innere Stadt3018211862
Innere Stadt2317701795
Innere Stadt3917951821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Herrengasse 13, identisch mit Leopold-Figl-Gasse 6 und Landhausgasse 1 und Minoritenplatz 7 (Konskriptionsnummer 30).

Das Haus war 1502 ein dem Grafen von Liechtenstein gehöriges Haus. Die Herren von Rogendorf errichteten zu Beginn des 16. Jahrhunderts hier ihr erstes Landhaus. Cuspinian bezeichnete das neue umgestaltete Gebäude 1528 als das nach der Burg schönste Gebäude Wiens.

1586 fand der Bau durch Dombaumeister Hanns Saphoy seinen Abschluss. Am Portal des Gebäudes befanden sich zwei Reiter. Der eine trägt den alten österreichischen Schild, der andere das rudolfinische Wappen mit den fünf Adlern. Das Steinbild soll an die so sehnlich herbeigewünschte Einigung der katholischen und der protestantischen Landstände erinnern.

Die Religionskonzession vom 18. August 1568 gewährte nämlich nur den adeligen Ständen freie Religionsausübung, und dies bloß in ihren Schlössern, Häusern und Gebieten auf dem Land. Städte und Märkte waren von dieser Begünstigung ausgeschlossen.

Ein weiterer Beweis wie feindselig sich beide Parteien gegenüberstanden bot die sogenannte Religionstür des Landhauses, die zum Ratsaal führte. Sie verfügte über einen doppelten Eingang, d.h. sie konnte von beiden Seiten geöffnet werden. Dies deshalb, da sich die katholischen und protestantischen Ständemitglieder sträubten, den Ratsaal durch die gleiche Tür zu betreten.

Der letzte Umbau des Landhauses fand 1837/44 statt.

1., Minoritenplatz 7, um 1940

Der große Sitzungssaal des Landhauses ist ein Bau der Renaissance, das vornehmste Werk von Hanns Saphoy aus dem Jahr 1577. Der Saal war wiederholt Schauplatz großer Feste. So fand dort unter anderem die Vermählung von Kaiser Ferdinand III. mit Maria Anna von Spanien statt. Im Jahr 1823 spielte dort zudem der elfjährige Franz Liszt.

Im Erdgeschoss befand sich eine Kapelle, die den Lutheranern überlassen wurde. Stillschweigend wurde dort die Abhaltung von Predigten gestattet. Erst 1620 wurde die Betstube geschlossen und in eine katholische Kapelle umgewandelt, als welche sie bis 1659 bestand.

1759 wurde sie renoviert und zur öffentlichen Kapelle erhoben.

1674 erfuhr das Landhaus durch Erbauung des rechten Flügels die letzte Erweiterung. In dieser Form bestand es bis zu dessen Umbau in den Jahren 1837 bis 1844.

Die Einbeziehung der alten Prachträume des alten Landhauses in den Neubau war in bautechnischer Beziehung mit ziemlichen Schwierigkeiten verbunden. Von den alten Räumen blieben allerdings erhalten: der Sitzungssaal, der Bibliothekssaal, der Prälaten- Herren- und Rittersaal sowie die an die Bibliothek anstoßende Vorhalle. Das Altarbild „Mariä Opferung“ ist neu und nach einem Karton von Schnorr von Carolsfeld als Glasgemälde von Karl Geyling ausgeführt.

1844 war der Bau vollendet. Der Palast umfasst ein Areal von 4287 m2.

Wenige Jahre nach seiner Fertigstellung sollte das neue Landhaus zum Ausgangspunkt der großen Bewegung werden, die eine Umwälzung in den staatlichen und Gemeindeverhältnissen, aber auch eine Änderung in den gesellschaftlichen Zuständen hatte. In den historisch denkwürdigen Märztagen des Jahres 1848 war das Landhaus Mittelpunkt stürmischer Ereignisse. Als am 13. März dort die Stände über drei Adressen berieten, hatte es zunächst noch nicht den Anschein, dass es zu Ausschreitungen kommen würde. Als sich aber nach und nach die Zahl der Kommenden vermehrte, die sich in den Hofraum des Landhauses drängten, bemächtigte sich der Menge eine wachsende Unruhe. Ein Ungar namens Dr. med. Ad. Fischof, schwang sich auf die Schultern seiner Nebenstehenden und entwickelte in einer mit stürmischem Beifall aufgenommen Rede, was dem Volk Not tue und was es begehren müsse.

Vor der Mittagsstunde fielen die ersten Schüsse vor dem Landhaus, die in der dichtgedrängten Volksmenge ihre Opfer forderten (sog. Märztage).

Vom nächsten Haus trennt uns die Landhausgasse.

Archäologie

1837 wurde ein Teil des Hauses zwecks Umbau demoliert. Dabei stieß man bei Erdaushebungen auf mehrere römische und mittelalterliche Silber- und Kupfermünzen, darunter zwei höchst seltene niederösterreichisch-ständische Rechenpfennige vom Jahr 1557 und 1567.

Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 7, Wien ²1957 (Manuskript im WStLA), S. 104-109