Hasenhaus

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1343
Jahr bis 1897
Andere Bezeichnung Waldnerhaus, im Fischhof, Dreilöwenhaus
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Wandmalereien Triumph der Hasen über ihre Feinde und dergleichen
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner Matthias Corvinus, Thomas Bakacs, Sigismund I. (Polen), Johannes Stabius, Wenzel Parler
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtKärntner Straße8-10
Innere StadtSeilergasse5-7

frühere Adressierung

 BezirkStraßeHausnummerJahr vonJahr bis
HasenhausInnere StadtKärntner Straße14
HasenhausInnere StadtSeilergasse9
Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt107318211862
Stadt113917951821
Stadt108217701795
Das Hasenhaus auf dem Lechnerplan (1887)

Hasenhaus (1, Kärntner Straße, an der Stelle der Häuser Nummer 8 und 10 beziehungsweise Seilergasse sowie 5 und 7 des Kärntner Durchgangs).

Im Fischhof

Die Hausgeschichte lässt sich bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts zurückverfolgen. 1343 gehörte das Gebäude der Familie Gösswein. Zwischen 1368 und 1386 wird es mehrfach "im Fischhof" ("Curia piscium", "pey dem Vischof", "domus que dicitur Vischof") genannt. Woher sich dieser Name ableitet, ist unklar. Die örtliche Lage macht einen Fischverkauf bei diesem Haus äußerst unwahrscheinlich (der älteste bekannte Fischmarkt befand sich in der Nähe des Hohen Marktes [siehe Fischhof], später wurde er direkt auf den Hohen Markt verlegt). Eine Benennung nach seinem Besitzer Andre Vischel kommt nicht in Frage, da der Name schon fast zwei Jahrzehnte früher in Erscheinung tritt.


Waldnerhaus

1446 erwarb der Ratsherr und Kaufmann Christian Wissinger das Haus, ab 1482 gehörte es dem Kanzler Friedrichs III. und Maximilians I., Hanns Waldner, nach dem es eine Zeit lang auch "Waldnerhaus" genannt wurde. Des Hochverrats bezichtigt, verübte Waldner 1502 Selbstmord, worauf das Haus als landesfürstlicher Besitz eingezogen wurde. Einer äußerst fragwürdigen Überlieferung zufolge soll 1485 König Matthias Corvinus das Haus beschlagnahmt und als Residenz eingerichtet haben. Dem widerspricht, dass er alle Urkunden in der Burg ausgestellt hat und Antonio Bonfini über deren Ausgestaltung durch den König berichtet. Außerdem hätte ein Privathaus auch nicht die notwendige persönliche Sicherheit bieten können. Man geht heute wissenschaftlich davon aus, dass Matthias in der Burg residiert hat, im Hasenhaus jedoch vielleicht ein Teil seines Hofstaates untergebracht war.


Hasenhaus

1508-1525

1508 wird das Haus als "heimgefallen" bezeichnet. Am 2. Jänner 1509 erhielt über kaiserlichen Auftrag der landesfürstlichen Hasenbannmeister ("Haspelmeister"; siehe Haspelamt) Friedrich Jäger den hinteren Teil an der Seilergasse , der vordere habe jedoch als kaiserliches Absteigequartier frei und versperrt zu bleiben. Außerdem wurde ihm aufgetragen, das Haus bemalen zu lassen, nämlich mit "jäger, pawen, hasen, hunt und ander tier, so Friedrich Jäger obgemelt zu verwarn hat; auch ain panket von hasen und hunden, die miteinander tanzen, singen und ander spill treiben, und daz si di fuchs und luchs todten, zerschratten und in ander weg kochen und verpanketieren, und ein pfeifer dabei, der inen zu tanz spill; damit des Waldners namen durch solch seltzam gemäll vergessen und furan das Hasplhaus genant werde."

Das mächtige Haus mit einem Mehreckerker und hohen, niederdeutsch anmutenden Fenstern sowie den neuen Wandmalereien (Triumph der Hasen über ihre Feinde und dergleichen) wurde von drei Giebeln mit Schopfwalmen und Rundluken gekrönt. Im Hintertrakt des nunmehr "Hasenhaus" genannten Gebäudes brachte der Kaiser das Haspelamt unter. 1515 erregte das Haus große Aufmerksamkeit und Bewunderung durch die fremden Fürstlichkeiten, die zur Doppelhochzeit im Hause Habsburg nach Wien gekommen waren. König Sigismund von Polen sowie der Primas von Ungarn, Thomas Bakacs von Erdöd fanden im Hasenhaus Quartier. 1521 überließ Erzherzog Ferdinand dem Historiagraphen Johannes Stabius eine Wohnung im Hasenhaus.

1525-1749

Während des großen Stadtbrands 1525 wurde das Haus vernichtet, die Ruine von Kaiser Ferdinand noch im selben Jahr dem Vizehofkanzler Leonhard von Harrach verliehen, der sie wiederaufbauen und die Wandmalereien erneuern ließ. Haus und Fresken haben das Haspelamt 200 Jahre überdauert. Es handelte sich um ein einzigartiges Beispiel der Wiener Renaissance: der Wandschmuck ist in einer originalgetreuen Abbildungen Salomon Kleiners erhalten geblieben. Die durch zahlreiche Glasfenster auffällige Fassade des Hauses war komplett bemalt.

1546 versuchte die Stadt aufgrund eines bis ins 14. Jahrhundert zurückreichenden Auszuges aus ihrem Grundbuch nachzuweisen, dass das Hasenhaus zu jenen 67 Realitäten der Inneren Stadt gehöre, die fälschlicherweise als von Abgaben befreite Herrenhäuser gälten, in Wahrheit aber Bürgerhäuser wären. Somit müssten Steuern an die Stadt bezahlt werden. Die Verhandlungen mit den Landständen über diese Forderungen zogen sich über längere Zeit hin und wurden am 12. Jänner 1552 durch einen Vergleich beendet. Da diese es Hanns Prockh als Bürgerhaus verkauft hatten, wurde es der Stadt von den drei anderen Ständen (Prälaten, Herren und Ritter) "aus freundlichem guten Willen und keiner Gerechtigkeit" überlassen (Besitzer blieb Hanns Prockh).

Laut einem Hofraitbuch aus der Zeit Maximilians II. war hier vom 13. August bis zum 14. Dezember 1564 die französische und venezianische Botschaft untergebracht. 1608 und 1609 wurden osmanische Gesandtschaften hier einquartiert, für die die Stadt einen Stall für acht Pferde errichten ließ.

Im 18. Jahrhundert verschuldeten sich die Besitzer des Hauses stark. Alleine in den Jahren 1706 bis 1735 wurde ein Schuldenstand von 83.290 Pfund Wiener Pfennig angehäuft, wobei der Großteil des Geldes aus dem kirchlichen Bereich kam (Wiener erzbischöfliche Chur: 8000 Pfund; Jesuiten: 10.000 Pfund; Mannagettasche Stiftung: 12.000 Pfund; Berthold von Dietmayr [Abt des Stiftes Melk]: fast 40.000 Gulden). Da die Schulden nicht bezahlt werden konnten, wurde das Hasenhaus 1749 versteigert.


Neubau 1749

1749 wurde das Gebäude vom neuen Besitzer Joseph de France († 27. Februar 1761) abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt, der auf einer Grundfläche von 1456 Quadratmetern stand. Im Nachbarhaus befand sich das Einkehrwirtshaus "Zu den drei Hasen", mit dem es oft verwechselt wird. Im neuen Gebäude etablierte sich 1750 Josef Augusti, ein Wasserbrenner, mit einem Kaffeehaus. Er verkaufte es 1780 an Philipp Wiest, der das Schild "Zu den drei Löwen" wählte (Dreilöwenhaus) und sich durch seine "Gesundheitsschokolade" einen Namen machte. Später führte er das "deutsche Frühstück" ein, das "nur aus deutschen Erzeugnissen - Wein und Eiern - bestand" und das auch in den Eipeldauer-Briefen erwähnt wird.

1897 (nach anderen Angaben 1898) wurde das Gebäude abgebrochen, nachdem es mehrfach den Besitzer (darunter Österreichische Wechslerbank [1873-1874] und Real-Creditbank [1874-1876]) gewechselt hatte. Zwischen den neuen Häusern Kärntner Straße 8 und Kärntner Straße 10 entstand der Kärntner Durchgang (mit der Kärntner Bar von Adolf Loos).


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre


Literatur

  • Felix Czeike: Die Kärntner Straße. Wien [u.a.]: Zsolnay 1975 (Wiener Geschichtsbücher, 16), S. 42 ff.
  • Margarete Wagner: Das Hasenhaus in der Kärntner Straße - Schauplatz der Festnahme dreier Wiedertäufer? In: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 47,1992, S. 53 ff.
  • J. E. Schlager: Das Hasenhaus in der Kärntnerstraße als vermeintliche Residenz des König Matthias Corvinus. In: Wiener Zeitung, 09. 09. 1847, S. 3-4
  • J. E. Schlager: Das Hasenhaus in der Kärntnerstraße als vermeintliche Residenz des König Matthias Corvinus. [Vortsetzung]. In: Wiener Zeitung, 10. 09. 1847, S. 3-4
  • Albert Ilg: Das Hasenhaus in Wien. In: Monatsblatt des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1919-1938. Band 5,1889, S. 34 ff.
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 523
  • Gustav Gugitz: Das Wiener Kaffeehaus. Ein Stück Kultur- und Lokalgeschichte. Wien: Dt. Verlag für Jugend und Volk 1940, S. 51
  • Emmerich Siegris: Alte Wiener Hauszeichen und Ladenschilder. Wien: Burgverlag 1924, S. 20 f., S. 78
  • Neues Wiener Tagblatt. Wien, 25. 11. 1897 (Demolierung)
  • Eugen Meßner: Die Innere Stadt Wien. Ein Beitrag zur Heimatkunde des I. Wiener Gemeindebezirkes. Wien: Österreichische Staatsdruckerei 1928, S. 78 f.
  • Richard Kurt Donin: Das Bürgerhaus der Renaissance in Niederdonau. Wien-Leipzig: Kühne 1944, S. 86
  • Hans Tietze: Wien. Leipzig: Seemann ³1928, S. 114-115
  • Gustav Gugitz: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien. Wien: Hollinek 1952 (Österreichische Heimat, 17), S. 120 f.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 350
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 6, 1. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 12-17