Grete Wiesenthal

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Grete Wiesenthal in Donauwalzer von Johann Strauss, 1908
Personenname Wiesenthal, Grete
Abweichende Namensform
Titel
Geschlecht weiblich
GND
Geburtsdatum 09.12.1885
Geburtsort Wien
Sterbedatum 22.06.1970
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum 26.06.1970
Friedhof Zentralfriedhof, Grab 55A, Nummer 13
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Tänzerin, Choreographin
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche Wiesenthalgasse
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  28.11.2016 durch DYN\krabina
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname Wienbibliothek-ausstellung2016-donau-so-blau-grete-wiesenthal.jpg
Bildunterschrift  Grete Wiesenthal in Donauwalzer von Johann Strauss, 1908
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

Es wurden noch keine Funktionen zu dieser Person erfasst!

Es wurden noch keine Auszeichnungen zu dieser Person erfasst!

Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
3Modenapark6
NameVerwandtschaftsgrad
Erwin Lang1. Gatte
Nils Silverskjöld2. Gatte

Es wurden noch keine Beziehungen zu dieser Person erfasst!

Wiesenthal Grete, * 9. Dezember 1885 Wien, † 22. Juni 1970 Wien (Zentralfriedhof, Grab 55A, Nummer 13 [Grabwidmung ehrenhalber]), Tänzerin, Choreographin, erster Gatte (1910; Scheidung) Erwin Lang, Maler, zweiter Gatte (1923; Scheidung) Nils Silverskjöld, Arzt.

Trat 1895 in die Ballettschule der Hofoper ein und wurde hier konsequent für das klassische Ballett geschult. 1902, als sie bereits eine wichtige Ensemblestütze war, wurde ihr Talent von Gustav Mahler entdeckt. Trotz ihrer Erfolge verließ sie wegen einer Auseinandersetzung mit dem Ballettmeister die Hofoper und machte sich mit ihren Schwestern Elsa und Bertha selbständig (äußerst erfolgreiches Debüt mit unkonventionellen Tänzen, die frei von Schablonen und Regeln waren, im Kabarett "Fledermaus" am 14. Jänner 1908 vor einem prominenten Publikum, unter dem sich Altenberg, Hofmannsthal, Klimt und Kolo Moser befanden).

Nachdem die Schwestern einige Wochen vor ausverkauftem Haus aufgetreten waren, folgten sie einer Einladung von Max Reinhardt nach Berlin; Gastspielreisen nach Russland, Ungarn und Prag schlossen sich an. Nach einer durch die Geburt eines Kindes erzwungenen Unterbrechung trat Wiesenthal als Solistin auf; auch die Solokarriere verlief erfolgreich. Hofmannsthal schrieb für sie "Amor und Psyche" und "Das fremde Mädchen", für Reinhardt arbeitete sie als Choreographin, und 1913 begann sie eine neue Karriere beim Stummfilm.

1917 gründete Wiesenthal auf der Hohen Warte eine Tanzschule, begann aber auch gelegentlich mit Partnern (Toni Birkmeyer, Willy Fränzl) aufzutreten. 1920 debütierte sie als Schauspielerin (Phantasie in Raimunds "Die gefesselte Phantasie"), 1921/1922 unternahm sie eine Europa-Tournee (auf der sie ihren zweiten Gatten kennenlernte, mit dem sie zurückgezogen in Stockholm lebte).

1926 kehrte Wiesenthal nach Wien zurück und eröffnete hier mit Birkmeyer wieder ihre Tanzschule; sie übernahm Arbeiten für Reinhardt (1928 Choreographie der "Fledermaus"). Zu einem Triumph gestaltete sich die Einladung der Staatsoper, "Der Taugenichts in Wien" zu inszenieren (1929). Ab 1934 hatte Wiesenthal einen Lehrauftrag an der Akademie für Musik und darstellende Kunst. 1938 zog sie sich von der Bühne, aber auch privat, völlig zurück; ihre Wohnung (3, Modenapark 6) wurde zum Refugium für Verfolgte und Regimegegner.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie nochmals aktiv und arbeitete bis 1951 als Professorin in an der Akademie für Musik und darstellende Kunst sowie bis 1959 als Choreographin bei den Salzburger Festspielen.

Autobiographie "Iffi, Roman einer Tänzerin" (1951).

Wiesenthalgasse.


Literatur

  • Hans Giebisch / Gustav Gugitz: Bio-Bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien: Hollinek 1963
  • Neue österreichische Biographie ab 1815. Große Österreicher. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1957-1987. Band 19, 1977
  • Robert Teichl: Österreicher der Gegenwart. Lexikon schöpferischer und schaffender Zeitgenossen. Wien: Verlag der Österr. Staatsdruckerei 1951
  • Richard Bamberger [Hg.]: Österreich-Lexikon in zwei Bänden. Wien: Verlags-Gemeinschaft Österreich-Lexikon 1995
  • Isabella Ackerl / Friedrich Weissensteiner: Österreichisches Personenlexikon [der Ersten und Zweiten Republik]. Wien: Ueberreuter 1992
  • Otto Schneider: Der Gesellschafts-, Volks- und Kunsttanz von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien: Hollinek 1985
  • Lebendige Stadt. Almanach. Wien: Amt für Kultur, Volksbildung und Schulverwaltung der Stadt Wien 1954-1963. Band 10,1963
  • Oskar Maurus Fontana: Die Wiesenthal tanzt. In: Paul Zsolnay [Hg.]: Wiener Cocktail. Wien [u.a.]: Zsolnay 1960, S. 446 f.
  • Alfred Kerr: Die Schwestern Wiesenthal. In: Paul Zsolnay [Hg.]: Wiener Cocktail. Wien [u.a.]: Zsolnay 1960, S.444f.
  • Franz Hadamowsky / Alexander Witeschnik: Jubiläumsausstellung 100 Jahre Wiener Oper am Ring. In sämtlichen Redoutensälen der Hofburg 17. Mai bis 28. September 1969. Wien: Aktionskomitee 100 Jahr-Feier der Wiener Staatsoper 1969, S. 179
  • Reingard Witzmann: Die neue Körpersprache - Grete Wiesenthal und ihr Tanz. 18. Mai 1985 - 23. Februar 1986 [Hermesvilla]. Wien: Eigenverlag 1985 (Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 94)
  • Marcel Prawy: Geschichte und Geschichten der Wiener Staatsoper. Wien [u.a.]: Molden 1969, S. 151, S. 212
  • Milan Dubrovic: Veruntreute Geschichte. Die Wiener Salons und Literatencafés. Wien [u.a.]: Zsolnay 1985, S. 178 ff.
  • Robert S. Budig / Gertrude Enderle-Burcel / Peter Enderle: Ehrengräber am Wiener Zentralfriedhof. Wien: Compress Verlag 1995, S. 158
  • Wochenpresse, 05.11.1985, S. 50 f.
  • Wien aktuell 4 (1985), S. 26 f.
  • Die Bühne. Österreichs Theater- und Kulturmagazin Mai (1985), S. 10 f.
  • Wiener Zeitung, 25.06.1970