Grabenhof

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Innenansicht des Selb'schen Hauses (Konskriptionsnummer 1133)
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1873
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Arkadenhaus, Selb'sches Haus
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Otto Thienemann, Otto Wagner
Prominente Bewohner Karoline Pichler
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser, Wolfgang Wirsig: Wiener Hofnamen
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Bildname Selbsches Haus.jpg
Bildunterschrift  Innenansicht des Selb'schen Hauses (Konskriptionsnummer 1133)
Bildquelle Wilhelm Kisch: Wien. Wien: Gottlieb 1883
Bildrechte
BezirkStraßeHausnummer
1Graben14-15
1Habsburgergasse1
1Bräunerstraße2

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt120117951821
Stadt113418211862
Stadt116217701795
Stadt120017951821
Stadt113318211862
Stadt116317701795
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Graben 14-15; (Konskriptionsnummern Stadt 1133; Stadt 1134)

Graben 14-15 füllt den Raum zwischen Bräunerstraße und Habsburgergasse aus. Der spätere Grabenhof wurde von 1873 bis 1876 von Otto Thienemann und Otto Wagner erbaut, der Bau wirkt durch seine roten Säulen auffällig. Baumeister A. Dietrich, Terracotten aus der Wienerberger Fabrik.

Freiherr von Selb'sches Haus

Das Haus Stadt 1133 reicht in seiner Geschichte bis auf die Zeit des Herzogs Albrecht II. des Lahmen (1339-1358) zurück. Es gehörte damals Dietrich dem Urbetsch, nach dessen Tode es im Wege der Erbteilung unter den beiden Söhnen Chunrat und Jan durch das Los dem Ersteren zufiel. Auf des Herzogs Rat kaufte es dessen Kanzler Meister Heinrich, Dechant von Enns, während es der Herzog selbst in seinen Schutz nahm. Herzog Rudolf IV. erneuerte am 30. September 1358, bald nach seinem Regierungsantritt diesen Schutz über das Haus. Am 27. März 1359 verkaufte Meister Heinrich mit Einwilligung des Schottenabtes Clemens als Grundherrn das Haus, vom dem man jährlich dem Schottenkloster zwei Pfund Grundrecht diente, um 175 Pfund Wiener Pfennig dem Heinrich von Hackenberg, Hofmeisters Rudolf IV. Bald danach sollte es als wichtiges Tauschobjekt dienen. Als sich nämlich Rudolf IV. entschloss, bei St. Stephan eine Propstei zu errichten, benötigte er für den Probst und die Chorherren entsprechende Räumlichkeiten. Dafür schien ihm der Zwettlhof am Stephansfreithof außerordentlich gut gelegen und er bewog deshalb den Abt Otto von Zwettl, ihm den Hof abzutreten. Er bot ihm dafür ein gleichwertiges Objekt an, eben dieses Haus am Graben, ließ beide Objekte schätzen und der Wiener Bürgermeister Haunolt der Schuchler und etliche Ratsgeschworenen stellten dabei am 1. Mai 1361 einen Kaufschilling von 500 Pfund Wiener Pfennig fest. Es scheint, dass hier die Schätzungskommission aus Willfährigkeit dem Herzog gegenüber zwei im Wert stark unterschiedliche Objekte einfach gleichwertig werden lies. Abt Otto konnte sich schwer dem herzoglichen Wunsche entgegenstellen und willigte, wohl jedenfalls mit gemischten Gefühlen in diesen für ihn zweifellos unvorteilhaften Tausch ein. Es zeigte sich denn auch sehr bald, das das Haus am Graben den Zwecken des Klosters nicht entsprach. Am 3. April 1362 bestätigte daher der Herzog "in Anbetracht der Willfährigkeit" welche das Kloster Zwettl durch die Abtretung des Zwettlhofes am Stephansfreithofe gegen ihn bewiesen hat, dem Kloster den Ankauf des Hauses Stadt 590 (Bauernmarkt 2) und der Margaretenkapelle in der Münzerstraße (siehe auch Margaretenhof) von Andre dem Cherner und dessen Frau Katharina denen dafür das Haus am Graben in das Eigentum übergeben wurde.

1488 gelangte es über den Kaufweg an Christoph von Liechtenstein von Nikolsburg, Landmarschall in Österreich.

Das Arkadenhaus am Graben

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, jedenfalls aber erst nach 1566 wurde an Stelle des bisher ein Stock hohen Hauses ein drei Stock hoher, schöner Renaissancebau errichtet, der zu den interessantesten und schönsten Bauten jener Zeit gehörte, unter den Namen "Arkadenhaus am Graben" bekannt ist und vielfach abgebildet wurde.

Rundbogige Arkaden im Hofe und eine schöne, bis in das dritte Stockwerk reichende Schneckenstiege erregten noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Bewunderung jedes Fremden.

1662 kam es nach mehrmaligem Besitzerwechsel an Johann Joachim Grafen und Herrn von Sinzendorf, Freiherrn auf Ernstbrunn, Herrn zu Rogendorf in Pöggstall, Martinsberg, Loiben, Weisseneck und Zelking, des heiligen römischen Reiches Erbschatzmeister, reichs- königlicher Majestät wirklicher geheimer Rat, Kämmerer und geheimer Obersthofkanzler, Erbschenk in Österreich ob der Enns. Ein Jahrzehnt später verkaufte dieser es dem Bürgermeister und Rat der Stadt Wien, von dem es im Jahr 1673 der wirkliche Hofkammerrat und Dekan der juridischen Fakultät Dr. Johann Gabriel von Selb, Herr der Herrschaften Wischenau und Wildperg, erwarb. 1792 gelangte das Haus (infolge einer Versteigerung) in den Besitze des in josefinischer Zeit sehr bekannten Buchhändlers Johann Goerg Ritter von Mössle (diesem wurde nach einem magistratischen Dekret vom 14. April 1807 das Bürgerrecht auf seine Buchhandlung verliehen). Spezialität dieser Buchhandlung war der Verlag von Pikanterien und Erotica. 1871 wurde es von der Wiener Baugesellschaft angekauft. 1873 war es gemeinsamer Besitz der ersten österreichsichen Militärbaugesellschaft, des Wiener Bauvereines und der Allgemeinen Realitätengesellschaft. Bald darauf erfolgte der Abbruch des Gebäudes, nachdem noch im selben Jahr Bauverein und Realitätengesellschaft ausgefallen waren.

Wissenswertes über das Arkadenhaus am Graben

Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts wohnte in dem Hause der kunstsinnige Regierungsrat, Hoftheatersekretär und Schriftsteller Dr. Josef von Sonnleithner, der bei der Gründung der Gesellschaft der Musikfreunde im Jahr 1814 die Patenstelle vertrat, nachdem er sich um das Zustandekommen dieser Gesellschaft unvergessene Verdienste erworben hatte und ihm so ein Ehrenplatz in der Wiener Musikgeschichte gebührt. Er unterhielt auch eine bedeutende Gemäldesammlung, in der Hauptsache aus Bildnissen der vorzüglichsten Tonkünstler bestehend.

In den rückwärtigen ebenerdigen Räumen des Hauses befanden sich im 16. und 17. Jahrhundert die Arrestlokale des Stadtgerichtes. Später dienten diese Räume als Magazine der bekannten Musikalienhandlung Diabelli beziehungsweise Spina.

Vom Balkon des ersten Stockwerkes fand am 11. August 1804 feierlich die Verlesung des Pragmatkalpatentes statt, das die Annahme des Titels eines Erbkaisers von Österreich durch Franz I. verkündete. Bis dahin war er als römischer deutscher Kaiser Franz II. gewesen. Diese Verlesung erfolgte allerdings nicht nur von hier aus, sondern auch von anderen Punkten der Stadt.

Haus Stadt 1134

Die erste bekannte Erwähnung nennt uns als Eigentümer des ehemals hier getandenen Haus Dietrich (II) Urbetsch, der als Bürgermeister Münzmeister und Stadtrichter in Urkunden dieser Zeit häufig aufscheint und 1348 letztmals erwähnt wird. Nach 1406 tritt eine Zweiteilung des Hauses ein:

Haus A

Nachdem es 1444 erstmals nach der Teilung übergeben wurde erlangte es nach vielfachem Besitzerwechsel 1620 der Rat und Regent der niederösterreichischen Lande, Dr. Martin Haffner. Durch Erwerbung des Nachbarhauses B im Jahr 1636 kam es erneut zum Zusammenschluss der beiden Häuser A und B (siehe auch Haffnersches Haus).

Haus B

Das Haus B bildete eine Ecke zur Habsburgergasse (vormals Preinersteinerstraße) und enthielt die 1445 erstmals erwähnte Kapelle der Heiligen Barbara. Nach 1463 ging das Haus an den Goldschmied Hanns Auerhaimer unter dem erstmals der Schildname des Hauses "Zum Guldein Koph" (zum goldenen Kopf oder Knopf) erwähnt wird, wohl in Anspielung an das Gewerbe des Hauseigentümers. Im Jahre 1626 kaufte es der römisch-kaiserliche Majestäts Registrator bei der niederösterreichischen Hofkanzlei Johann Liebenberger von Liebenberger, der Vater des späteren Bürgereisters Johann Andreas von Liebenberg im Türkenjahr 1683. Nach dessen Tod kaufte es Haffner zurück, wodurch es zur dauernden Vereinigung der Häuser A und B kam. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die im Haus befindliche Kapelle zur heiligen Barbara renoviert. In diesem Haus wohnte eine Zeitlang die Schriftstellerin Karoline Pichler.

Schon seit dem Jahre 1748 befand sich im Haus ein Kaffeehaus, das sich dort mehr als hundert Jahr hielt und dessen Ruf weit über die Grenzen der Stadt, ja selbst des Landes hinausging (siehe unten).

Als Kaiser Josef II. 1782 die Auflassung aller Privatkapellen verfügte, traf auch die Barbarakapelle dieses Schicksal.

1873 erwarb die erste österreichische Militär- Baugesellschaft gemeinsam mit dem Wiener Bauverein und der Allgemeinen Realitätengesellschaft das Haus, doch wurde noch im gleichen Jahr die Löschung der beiden letztgenannten durchführt. Die nun alleinige Eigentümerin, die Erste Österreichische Militär-Baugesellschaft lies die beiden Häuser Stadt 1133 und 1134 niederreißen und an deren Stelle den Grabenhof aufführen.

Das Kaffeehaus Taroni im Haus Stadt 1134

Das Café Taroni wurde 1748-1777 von Johann Jakob Tarone (Taroni) betrieben. Er erhielt das Recht, Tische und Stühle vor dem Lokal auf der Straße aufzustellen und durfte ab 1754 auch ein Zelt mit "Erfrischungswasser" errichten ("Limonadezelt"), zu dem auch Frauen Zutritt hatten. Er wurde damit zum Begründer der "Sommerkaffeehäuser" (auch "Gifthütten" genannt) und gilt als Erfinder der "Schanigärten". Ab 1772 betrieb er ein "Refriskadenzelt" auf der Wasserkunstbastei.

Ein gotisches Portal schmückte den Eingang. Horschelt, damals der berühmteste Billardspieler, kam zuweilen hierher, wenn er Geld brauchte, um die Partie zu hundert Gulden zu spielen, die er auch regelmäßig gewann.

1848 war das Kaffeehaus der Hauptsitz aller "Gutgesinnten" oder "Schwarzgelben", verlor dann aber immer mehr an Bedeutung um mit dem Umbau der alten Grabenhäuser für immer zu verschwinden.

Mehr dazu siehe: Café Taroni


Der Grabenhof

Nachdem beide Häuser Stadt 1133 und 1134 niedergerissen worden waren, wurde der heutige Grabenhof gebaut, dem ab diesem Zeitpunkt die beiden Adressen Graben 14 und 15 zugewiesen wurden. Der Kostenaufwand betrug 380.000 Gulden. Der Grabenhof wurde von 1873 bis 1876 nach Plänen von Otto Thienemann und Otto Wagner erbaut.

Obwohl vorerst beide Hälften einem Besitzer gehörten wurden diese 1915 in späterer Erbfolge geteilt. Das Haus Graben 14 wurde am 6. April 1938 beschlagnahmt und in das Eigentum des Landes Österreich dann in der Durchführung des Ostmarkgesetzes vom Jahr 1941 in jenes des deutschen Reiches, Reichsfinanzverwaltung übergeben. Aufgrund des Bescheides der Finanzlandesdirektion von Niederösterreich erfolgte am 8. Jänner 1947 erneut die Einverleibung des Eigentumsrechtes zu je 1/5 an Privatpersonen. Haus Graben 15 war und blieb im Privatbesitz.

Kriegsschäden am Grabenhof

Der Grabenhof hatte bereits bei dem Bombenangriff vom 10. September 1944 stark gelitten, bei welcher Gelegenheit die beiden obersten Stockwerke des westlichen Gebäudeflügels buchstäblich wegrasiert wurden. Die Kampfhandlungen zwischen dem 8. und dem 11. April 1945 richteten weitere Zerstörungen an. Ein Granattreffer schlug eine Bresche vorne in der Mitte des Hauses, ein zweiter beschädigte die Hofseite. Durch eine provisorische Ziegelverschallung wurde der Gefahr weiterer Witterungsschäden rechtzeitig vorgebeugt.

Heute zeigt der Grabenhof wieder sein früheres Aussehen.

Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Arkadenhaus:

  • Buchhandlung des Johann Georg Ritter von Mössle (um 1807; Spezialität dieser Buchhandlung war der Verlag von Pikanterien und Erotica).

Haus Stadt 1134:

  • Café Taroni (Eissalon) (später "Zum Jüngling")
  • Modesalon

Literatur

  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 56 f.
  • Felix Czeike: Der Graben. Wien [u.a.]: Zsolnay 1972 (Wiener Geschichtsbücher, 10), S. 113
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 345
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 1, 1. Teil. Wien ²1951 (Manuskript im WStLA), S. 69-76
  • Margarete Girardi: Wiener Höfe einst und jetzt. Wien: Müller 1947 (Beiträge zur Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte der Stadt Wien, 4), S. 88 ff.
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 128 ff.
  • Hans Pemmer: Der Graben und seine Bewohner. In: Jahrbuch des Vereines für Geschichte der Stadt Wien 14 (1956), S. 121
  • Wien 1848-1888. Denkschrift zum 2. December 1888. 2 Bände. Wien: Konegen in Comm. 1888, S. 318