Grabenbrunnen

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Art des Bauwerks Sonstiges
Jahr von 1455
Jahr bis
Andere Bezeichnung Löwenbrunnen, Josefsbrunnen, Leopoldsbrunnen
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Graben
Einlagezahl
Architekt Joseph Frühwirth, Johann Martin Fischer
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtGraben

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Grabenbrunnen (1, Graben).

Der erste Röhrbrunnen ("Der Löwenbrunnen“)

Die erste Spur eines Röhrbrunnens auf dem Graben geht auf das Jahr 1455 zurück. Aus den städtischen Aufschreibungen ist zu entnehmen, dass die Tagwerker vom 24. Februar bis 24 Dezember und die Steinmetze vom 2. März bis 24. Dezember 1455 daran arbeiteten und das Material aus dem Steinbruch zu Guntramsdorf (Eichkogel), Mannersdorf und Sievering entnommen wurde. Die Arbeiten wurden am 29. Dezember fortgesetzt und am 4. September 1456 beendet. Die städtischen Rechnungsbücher zeigen Ausgaben für einen damals entweder neu errichteten oder nur erneuerten Brunnen, dessen Wasser in Röhren vom Garten der Hofburg hergeleitet wurde.

Das steinerne Brunnenhaus ist von der Bildsäule des heiligen Florian bekrönt. Die Florianstatue gibt einen Hinweis auf den Zweck des Brunnens: sein Wasser sollte für Löschzwecke verfügbar sein (so bestimmte es die Feuerordnung 1458). Die Ausgaben von etwa 500 Pfund Pfennig in den Jahren 1455/1456 wurden vor allem für die in Kupfer und Messing ausgeführten Rohre und das Brunnenhaus verwendet. Die Bildsäule schuf Meister Hanns, der Steinmetz. Vier Löwenköpfe (Lebenköpphen), die wohl als Wasserspeier dienten wurden vom Meister Augustin Rathschmied (Ratsmid) geschaffen. Möglicherweise ist Meister Hanns mit dem Vollender des Stephansturmes in Wien, Hanns Puxbaum (Puchsbaum), identisch. Obwohl dieser bereits zuvor (1454) gestorben war, ist es möglich, dass das Werk zu dieser Zeit bereits vollendet war, während seine Aufstellung erst zwei Jahre später erfolgte. Von den Löwenköpfen erhielt der Brunnen den Namen "Löwenbrunn". Er scheint die Mitte des damaligen Platzes eingenommen zu haben und stand an der Westseite des Grabens (vor dem Haus "Zum goldenen Hirschen").


Der zweite Grabenbrunnen

Der zweite Brunnen (am Ostende des Grabens) dürfte erst 1561 errichtet worden sein. Man leitete damals das Wasser vom Kärntnertor teils auf den Neuen Markt, teils auf den Graben (auf dem sich zur selben Zeit Fleischbänke befanden). Von hier nahm als Abfluss die Möring ihren Ausgang. Eine Eintragung in der Kammeramtsrechnung 1614 über Zahlungen für eine Arbeit des Bildhauers Gianelli an den beiden Röhrenbrunnen am Graben beweist die Existenz der zwei Brunnen. Im Zuge der Vorarbeiten für die Feuerordnung von 1639 äußerte die niederösterreichische Regierung unter anderem den Wunsch, beim "Goldenen Hirschen" einen neuen Röhrenbrunnen zu errichten. Am Graben hatten sich "die Tragger und Aufleger" zum Feuerlöschdienst einzufinden. 1648 wurden beide Grabenbrunnen repariert. 1651 zierte den westlichen Brunnen ein Jupiterstandbild. Auf dem östlichen befand sich (entgegen Angaben in der Literatur) keine Figur (den Aufbau kann man am ehesten mit einer gotischen Fiale vergleichen). Die Kammeramtsrechnungen erwähnen 1651 den Bildhauer Johann Jakob Pockh, den Steinmetz Premb und 1653 den Hofmaler Stephan Simpeckh, der das (damals angebrachte) Gitter eines der beiden Grabenbrunnen vergoldete.

Der sogenannte Leopoldsbrunnen (Josefsbrunnen)

Anlässlich seines Gelöbinsses und der dadurch bedingten Aufstellung der Pestsäule 1679 auf dem Graben wünschte der Kaiser Leopold I., dass die beiden Röhrbrunnen beiderseits der Säule mit Bildnissen des heiligen Josef und des heiligen Leopold geziert und die schadhaft gewordenen Brunnen ganz neu hergestellt werden sollten, wofür dem Steinmetzen Ambrosi Ferkh für dessen Arbeit 150 Gulden angewiesen wurden. Die weltlichen Symbole auf den Grabenbrunnen sollten durch "Werke der Frömmigkeit" ersetzt werden. Den Auftrag erhielt der Bildhauer Joseph Frühwirth. Die beiden Heiligenfiguren (heiliger Leopold, heiliger Josef) wurden 1680 aufgestellt. 1681 waren die neuen Heiligenskulpturen, von einem stark verschnörkelten Eisengitter umfangenen Brunnen fertig gestellt. In der Mitte, oberhalb des Quellbeckens des östlichen Brunnens stand auf einem mit vier Delfinen geziertem Postament die Statue des heiligen Leopold, auf einem gleichen Postament des westlichen Brunnens die Statue des heiligen Josef. 1730 wurde aufgrund einer Anordnung des Kaisers Karls VI. erwogen, durch Lorenzo Mattielli neue Brunnenfiguren anfertigen zu lassen, doch kam man (nach Anfertigung von Modellen) 1733 von diesem Plan wieder ab. Die danach vorgenommenen Veränderungen an den Grabenbrunnen waren allerdings nicht unerheblich.
Nach den beiden Skulpturen führten die Brunnen die Bezeichnung Leopolds- beziehungsweise Josefsbrunnen.

1804 ersetzte man die bereits verwitterten Statuen Frühwirths durch Bleifiguren von Johann Martin Fischer. Der Vorschlag der Akademiedirektoren Hetzendorf von Hohenberg und Füger, diesmal die jüdischen Könige David und Salomon darzustellen, wurde vom Kaiser abgelehnt. Die beiden Plastiken erheben sich auf mit Bleireliefs gezierten Steinsockeln. der Nach Restaurierung der Bassins wurden die Figuren am 8. Dezember 1804 enthüllt.

Die Darstellungen auf dem Josefsbrunnen

Der Josefsbrunnen zeigt vorne den Traum des Heiligen, auf der Rückseite die Flucht nach Ägypten. Die Hauptfiguren stellen den Heiligen in antiker Gewandung dar, sich zu einem Knaben herabneigend, der eine Rolle, den Stammbaum Josefs, hält. Der Sockel des Leopoldsbrunnens zeigt vorne im Relief die Auffindung des Schleiers der Markgräfin, auf der Rückseite des Sockels die Grundsteinlegung Klosterneuburgs. Der heilige Leopold ist in der Rüstung mit Krone dargestellt, eine Fahne haltend, neben ihm ein Knabe mit der Zeichnung der Klosterneuburger Kirche. Der alte Leopoldsbrunnen befindet sich jetzt im Hof des Schottenstiftes.


Der Wasserauslauf erfolgt bei beiden Brunnen aus je zwei seitlich angebrachten Löwenköpfen in Medaillons in das achteckige Steinbecken.


Literatur

  • Felix Czeike: Der Graben. Wien [u.a.]: Zsolnay 1972 (Wiener Geschichtsbücher, 10), S. 96 ff.
  • Gerhardt Kapner: Freiplastik in Wien. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1970, S. 462, 465
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 46
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 1. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 167 – 169