Graben 26

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1., Petersplatz 3, Goldschmiedgasse 9, um 1940
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  4.06.2017 durch DYN\krabina
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Bildname Petersplatz3.jpg
Bildunterschrift  1., Petersplatz 3, Goldschmiedgasse 9, um 1940
Bildquelle WStLA, Fotosammlung Stadtplanung, Reiffenstein
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Graben26

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Innere Stadt61318211862
Innere Stadt55117701795
Innere Stadt61118211862
Innere Stadt58717701795
Innere Stadt65317951821
Innere Stadt65517951821
Innere Stadt61218211862
Innere Stadt61418211862
Innere Stadt58617701795
Innere Stadt53017701795
Innere Stadt65417951821
Innere Stadt65217951821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Graben 26: Unter dieser Adresse werden die alten Konstkriptionsnummern 612, 613, 614 und 611 zusammengefasst, obwohl an Stelle der beiden Ersten zum größten Teil der Straßengrund der Jungferngasse getreten ist.

Haus Stadt 612 ("Zum Heiligen Geist")

Das Gebäude befand sich an der Ecke des Petersplatzes. 1434 wird es durch Vererbung erstmals erwähnt. Da das Haus 1556 um 550 Pfund Wiener Pfennig verkauft wurde und es kurz darauf wegen großer Verschuldung des Besitzers um 1100 Pfund(!) Wiener Pfennig von der Stadt weiterverkauft wurde, liegt es nahe, dass die Verdoppelung des Wertes, auf einen Umbau oder eine besondere Ausgestaltung des Hauses zurückzuführen sei. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel wurde das Haus 1785 an den Wirt Anton Zahlbruckner verkauft, der hier ebenerdig und im ersten Stock ein Bierhaus unterhielt, das wohl schon unter seinen Vorgängern bestand, unter ihm allerdings sehr beliebt war. Der Zuspruch erklärt sich hauptsächlich aus dem Umstande, dass zu jener Zeit das Pfeifenrauchen an öffentlichen Orten verboten war und das Rauchen auf der Straße als Polizeidelikt geahndet wurde. Zigarren gab es damals noch nicht. Deshalb war das Bierhaus die einzige Zufluchtsstätte der Freunde des Tabakgenusses, umso mehr als die Hausfrauen das Rauchen daheim nicht gerne sahen. In der Wirtsstube wurden kurze Bauernpfeifen geraucht, während man im Extrazimmer die vornehmen holländischen Tonpfeifen benützte.

So wurde denn das "Schneckenhaus", das sich in Anlehnung an den Schildnamen des Hauses so benannte (nach dem auf dem St. Petersfreithof befindlichen Schneckenmarkt), zu einem besonders beliebten Treffpunkt der Raucher. In Gerolds Fremdenführer während der Weltausstellung in Wien 1873 ist "die Schnecke" als Restaurant zweiten Ranges erwähnt. 1876 wurde das Haus Stadt 612 abgerissen. Während des Abbruchs verschwand spurlos ein schön gearbeitetes Steinbild, dass die Mutter Gottes mit dem in ihrem Schoße ruhenden Heiland zeigte und sich ursprünglich oberhalb des Haustores befunden hatte.

Haus Stadt 613

Haus Stadt 613 befand sich an der Ecke des Grabens und bestand ursprünglich aus zwei Häusern (A und B).

Haus A

1376 durch Kauf erstmals erwähnt. Bereits vom 12. Mai 1414 ist eine Urkunde erhalten, die näheren Aufschluss über die räumliche Ausstattung des Hauses gibt. Sie lautet: "Johann der Scharfenberger und Hanns der Musterer, baide des rats der stat Wienn, teilen nach rat der zwei werichmann, Meister Ulrich Warnhofer, des Steinmetzten und des Meisters Herman, des Zimmermanns, auf Verlangen der Töcher des verstorbenen Peter Melber, nämlich Preid, Hannsen des Meltragers Witwe einerseits, Maarethe, Niclas des Chremsers Gemahlin und Magarethe, Ulrich des Hasuers Gemahlin anderseits, dessen Haus auf dem Graben an aim tail zenechst des Zergadmer Haus und an dem andern tail in das gessel, genannt das Luckel (=Jungferngasse) stossent, so dass Preida die werichstat oder die melstat n dem graben zenechst dem Zergadmer und die grewsskesstel in dem gang bei der stiege, alsverr es verslagen ist, die kamer ob der stuben und das Kamerl under dem dach darob erhält, der do stost an sand Petersfreithof, die melstast vor der Tür daselbs gegen en sand Peter mitsambt dem grewss kestelein in demselben tail ob dem hintern keller, die stuben halbe mit dem venster an dem Zergadmer und die kamer ob der kembnat gegen der stuben. Gemeinsam sind: die vordere und hintere Tür, der Gang datwischen, das Dach, der Herd vor der Stuben. Nötige Ausbesserungen nehmen beide Teile auf gemeinsame Kosten vor.“

1688 wird für beide Häuser A und B nur mehr ein Besitzer genannt, bereits im Suttingerplan (1684) scheinen beide bereits als ein Haus auf (zu diesem Zeitpunkt scheinen sie allerdings im Grundbuch noch getrennt auf).

1876 erfolgte der Abbruch beider Häuser.

Haus B

1414 scheint erstmals ein Besitzer des Hauses B Stadt 613 auf. Nach mehrfachem Besitzerwechsel wurde es zusammen mit Haus A abgebrochen.

Haus Stadt 614

Ehemals bestand auch dieses Haus aus zwei getrennten Häusern (A und B). Die ersten Besitzer sind aus dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts bekannt.

Haus A

Haus A war zu Beginn ebenfalls geteilt, die bereits 1496 wieder vereint wurden. 1613 erwarb der Besitzer Heinrich Mayenzweig und dessen Frau Anna das Nachbarhaus B und liesen es mit dem Haus A verbauen.

Haus B

1443 wird bereist durch die Geweranschreibung der Besitzer des Gebäudes genannt. Nach mehrmnaligen Besitzerwechsel kam es unter anderem in den Besitz des Apothekers Augustin Holdt. Nach mehrmaligem Bestizerwechsel sowie Hausteilungen und Wiederzusammenführungen erfolgte im Jahr 1876 der Abbruch des Hauses.

Haus Stadt 611

Haus Stadt 611 umfasste ursprünglich ebenfalls zwei Häuser. Der erste Besitzer wird 1387 genannt. Nach vielfachem Besitzerwechsel wurde es gleichzeitig mit den Häusern Nummer 612 und 614 abgebrochen.

Der Neubau Graben 26

1., Petersplatz 3, um 1940

Von dem hierdurch freigewordenen Areal wurde zwecks Verbreiterung der Passage zum Peterspatz ein nicht unbedeutendes Stück abgetrennt und auf der restlichen Fläche das gegenwärtige Haus Graben Nummer 26 erbaut.

Der Neubau kam in den Besitz der Ersten österreichischen Sparkasse. 1920 erwarb das Haus Oskar Grünbaum. Nach dessen Tod kam es am 22. Februar 1937 mit einem Schätzwert von 854.083 Schillingen 74 Groschen zur öffentlichen Versteigerung. Erwerber war die Allgemeine Versicherung A.G. Viktoria in Berlin.

Kriegsschäden

Durch eine vor dem Haus niedergegange Bombe am 10. September 1944 wurden durch Sprengwirkung größere Beschädigungen der Fassade (Erdgeschoß und untere Stockwerke) hervorgerufen. Am meisten litt das Papiergeschäft Max Weidler, dessen Portal Einrichtung und Warenlager fast gänzlich zerstört wurden.

Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Haus Stadt 612:

Graben 26:

  • Papierwarengeschäft Max Weidler

Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 1. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 120-130