Graben 20

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1., Graben 20; Tuchlauben 1, um 1940
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1857
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Jakob mit den Engeln ringend, Das Auge Gottes, Nadlerhaus, Zum goldenen Lamm, Körbelmacherhaus, Zum Sieb
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Ferdinand Fellner
Prominente Bewohner Marx Treytz-Sauerwein
Quelle Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  22.01.2017 durch DYN\krabina
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Bildname Graben20.jpg
Bildunterschrift  1., Graben 20; Tuchlauben 1, um 1940
Bildquelle WStLA, Fotosammlung Stadtplanung, Reiffenstein
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtNaglergasse1
Innere StadtGraben20

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt17517701795
Stadt17317701795
Stadt30517951821
Stadt30317951821
Stadt17617701795
Stadt17417701795
Stadt17217701795
Stadt30617951821
Stadt30417951821
Stadt30217951821
Stadt28418211862
Stadt28318211862
Stadt28218211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Graben 20 (Konskriptionsnummern Stadt 282-284), Naglergasse 1.

Das Haus Graben 20 bildet eine Ecke zur Naglergasse und trägt dort die Adresse Naglergasse 1.

1., Graben 20, um 1940
1., Naglergasse 1; Graben 20, um 1940

Haus Stadt 282

Dieses Haus bestand ursprünglich aus zwei kleinen Häusern, die ehemals die Nummern Stadt 172 und 173 trugen.

Haus Stadt 172

Im Jahre 1452 erstmals erwähnt. Ab 1461 ist die Besitzabfolge dieselbe wie im Haus Stadt 171, das heißt Marx Treitzsaurwein erwarb es und hinterließ es seiner Schwester, deren Mann und Kinder. 1559 kaufte es der Zaumstricker (Zaumstricker hatten die von einheimischen oder fremden Meistern kunstvoll gearbeiteten Schmuckgegenstände oder auch gestrickte Bänder an Riemenzeug zu applizieren) Valentin Khrauss. 1764 erwarb es phil. und med. Dr. Maximilian Locher, der beide Häuser Stadt 172 und Stadt 173 in eines verbauen lies.

Haus Stadt 173

1387 wird erstmals ein Besitzer des Hauses erwähnt. Nach vielfachem Besitzerwechsel gelangte es 1759 gemeinsam mit dem Nachbarhaus Stadt 282 in den Besitz des phil. und med. Dr. Maximilian Lochner, der beide Häuser 1764 zu einem verbauen ließ.

Das Eckhaus in der Naglergasse (unter den Nadlern) hatte als Hausschild ein Wandgemälde: "Jakob mit den Engeln ringend", das andere zwischen dem zweiten und dritten Stockwerk ein Basisrelief "Das Auge Gottes" nach welchem das Haus benannt worden war.

1857 erwarb das Gebäude Johann Liebig unter dem es im Jahr 1859 abgebrochen wurde, um abermals einem Neubau Platz zu machen, in dem auch die Häuser Stadt 282 und 284 aufgingen.

Das alte Haus war im lokalen Schrifttum als das Nadlerhaus bekannt. Es führte diesen Namen, weil hier in der anschließenden Gasse die "Nadler" ihr Gewerbe ausübten, die schon seit 1378 ihre eigene Zunftordnung hatten. Die Nadler waren Schmiede, welche die verschiedenen Gattungen von Nadeln erzeugten. Aus "Nadler" entstand die Naglergasse.

Haus Stadt 283

Das Haus Stadt 283 bestand ursprünglich aus drei kleineren Häusern und lag bereits ganz in der Naglergasse. Bei der ersten öffentlichen Häusernummerierung führten die genannten Häuser die Nummern Stadt 365, 366 und 367.

Haus Stadt 365

1447 wird erstmals der Verkauf des Hauses und dessen Besitzer erwähnt. Nach vielfachem Besitzerwechsel erwarb es 1698 der "Preumeister" des Armenhauses von St. Marx, Stephan Hierneiss und dessen Frau Anna Sophie, unter denen das Haus mit dem Haus Stadt 366 zu einem Objekt zusammengeschlossen wurde.

Haus Stadt 366

Im Jahre 1442 erstmals als Hinterlassenschaft erwähnt. Nach häufigem Besitzerwechsel gelangte es 1698 an Stephan Hierneiss, der als Eigentümer beider Häuser Stadt 365 und 366 diese in eines verbauen ließ.

Die vereinten Häuser Stadt 365 und 366

In dem 1698 vereinten Haus unterhielt Stephan Hirneiss die Gastwirtschaft "Zum güldenen Lämbl" (Zum goldenen Lamm), das in der Lokalgeschichte Wiens durch den sogenannten Lakaientumult vom 18. August 1703 bekannt wurde. In diesem Haus wohnte auch der römisch kaiserliche Majestätsrat und Leibmedicus Johann Baptist von Garelli, Vater des berühmten Pius Nikolaus von Garelli. Teilweise durch Verkauf und Vererbung von Hausanteilen wurde in den nächsten zwanzig Jahren das Haus sehr stark zersplittert und einzelne Hausanteile aufgelöst. Erst am 14. Juli 1794 gelangte es käuflich an den Gastwirt und Äußeren Rat Franz Geringer, der am 19. November 1802 auch das Nachbarhaus Stadt 367 erwarb.

Haus Stadt 367

Im Jahre 1441 erstmals durch Verkauf erwähnt. Nach vielen vorhergegangen Besitzern erwarb es im Jahr 1610 der Körbelmacher Simon Däser und dessen Frau Maria, nach dem es das Körbelmacherhaus genannt wurde. Von ihm leitet sich auch der Name der Körblergasse ab. Nach zahlreicher Besitzabfolge erwarb es am 19. November 1892 der Gastwirt Franz Geringer und dessen Frau, die bereits 1749 das Nachbarhaus gekauft hatten, womit der Zusammenschluss der ehemaligen drei Häuser Stadt 365, 366 und 367 zu einem gegeben war.

Danach gelangte der gesamte Besitz am 15. Juni 1835 in das Eigentum des kaiserlich königlichen Rates, Schlosshauptmann, Historien- und Porträtmaler sowie Direktor der kaiserlichen Gemäldegalerie Belvedere Johann Peter Krafft.

1859 wurde das Haus niedergerissen.

Haus Stadt 284

Haus Stadt 284 befand sich noch ein Stückchen weiter in der Naglergasse mit dem Hausschild "Zum Sieb". Vorher war es unter dem Namen als "Niclas Reichlingn Stiffthaus" (sic!) bekannt und gehörte zur Stiftsmesse auf St. Barbara Altar der St. Michelpfarrkirche. Nachdem aber das Haus baufällig geworden und "nit Verödung khumt", wurde die Bewilligung des Verkaufes zu gunsten dieser Messe gestattet und nach erfolgter Schätzung das Haus im Jahr 1549 um 300 Pfund Wiener Pfennig von dem Schlosser Andre Stierl erworben. Nach seinem Tode erlangte das Haus eine wesentliche Wertsteigerung (500 Pfund Wiener Pfennig) wohl deswegen, weil es Stierl als baufälliges Objekt erworben hatte, das große Herstellungskosten, wenn nicht gar einen Neubau erfordert hatte. Nach vielfachem Besitzerwechsel erwarb es 1857 Johann Liebig, der es 1859 samt den Häusern Stadt 282 und 283 niederreißen lies und an deren Stelle das gegenwärtige Haus Graben 20 beziehungsweise Naglergasse 1 erbaut wurde.

Der Neubau

Das gegenwärtige Haus wurde 1852 erbaut, 1874 kam es in den Besitz des Majors Otto Freiherr von Liebig. Danach erwarb es 1924 die British Naubiah Investment ltd. (limited company), 1939 die Österreichische Realitäten A.G. Deren Firmenwortlaut 1940 in "Universale Hoch und Tiefbau A.G." geändert wurde.

In dem Haus ist auch die österreichische Lichtbildstelle untergebracht die aus der im Jahr 1919 gegründeten staatlichen Lichtbildstelle hervorgegangen ist. Sie stellt Papierkopien und Diapositive her, welche als Propagandamittel den Reichtum Österreichs an Naturschönheiten und Kunstwerken überall bekannt machen soll. Sie steht mit allen Stellen, die Propaganda betreiben in engem Kontakt ist aber auch im Dienst der Wissenschaft tätig. Die Lichtbildstelle verfügt über ein ausreichendes Fotografisches Material für den Unterricht und die Volksbildung wobei sämtliche Wissensgebiete vertrieben sind.

Auch die Allgemeine Rentenanstalt, die aus der im Jahr 1824 gegründeten Allgemeinen Versorgungsanstalt hervorgegangen ist hatte in dem Haus ihre Büros.

Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Haus Stadt 172:

  • Zaumstrickerei des Valentin Khraus

Haus Stadt 173:

Haus Stadt 366:

Neubau Graben 20:

  • Österreichische Lichtbildstelle
  • Allegemeine Rentenanstalt

Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 1. Teil. Wien ²1951 (Manuskript im WStLA), S. 88-97