Gerichtsmedizin

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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Gerichtsmedizin. Die Gerichtsmedizin ist als selbständiges Fach an der medizinischen Fakultät der Universität Wien aus der Staatsarzneikunde hervorgegangen, in der sie mit der Hygiene verbunden war. Johann Peter Frank gilt als Schöpfer des Lehrfachs Gerichtsmedizin.

1804 wurde die neue Lehrkanzel mit Ferdinand Bernhard Vietz besetzt, 1808 folgte die Universität Prag mit Johann Josef Bernt, der 1813 nach Wien berufen wurde und bestrebt war, ein eigenes Institut zu schaffen und dafür eine Unterrichtsanstalt mit Seziersaal und Amphitheater errichtete. Auf Bernt folgte Jakob Kolletschka, der in der medizinischen Historiographie immer wieder als Freund von Ignaz Semmelweis genannt wird, weil Semmelweis selbst seine Entdeckung der Ursachen des Kindbettfiebers mit dem tragischen Schicksal Kolletschkas in Verbindung gebracht hatte; dieser war beim Sezieren verletzt worden, entwickelte eine aufsteigende septische Infektion mit „Leichengift" und bot bei der Obduktion einen ähnlichen Befund wie die an Kindbettfieber verstorbenen Wöchnerinnen). Nach Kolletschkas Tod führte Anton Dlauhy das Institut; er wurde allerdings durch die dominierende Persönlichkeit des Pathologen Carl von Rokitansky häufig dazu veranlasst, diesem auch die gerichtsmedizinischen Obduktionen zu überlassen. Erst Eduard Hofmann, der 1875 nach Wien berufen wurde, entfaltete eine weltweit anerkannte Forschungstätigkeit in seinem Fach; in seine Dienstzeit fiel auch der Ringtheaterbrand (8. Dezember 1881), dessen 386 Opfer der Gerichtsmedizin vielfach neue Erkenntnisse brachten.

Nach Hofmanns Tod (1896) wurde die Lehrkanzel zunächst vom Pathologen Alexander Kolisko suppliert und dann mit Albin Haberda definitiv besetzt. Ihm folgte Fritz Reuter, der noch ein Schüler Hofmanns war; er wurde 1938 abgesetzt, erhielt jedoch 1945 die Ordinariatswürde zurück. Sein Nachfolger wurde Walther Schwarzacher, dem Leopold Breitenecker folgte; durch dessen Initiative konnte bald der Instituts-Neubau realisiert und den modernen Arbeits- und Forschungserfordernissen entsprechend ausgestattet werden.

Literatur

  • Erna Lesky: Die Wiener medizinische Schule im 19. Jahrhundert. Wien [u.a.]: Böhlau 1965 (Studien zur Geschichte der Universität Wien, 6), S. 109 ff., 282 ff., 605 ff.
  • Albin Haberda: Geschichte der Wiener Lehrkanzel für gerichtliche Medizin. In: Beiträge zur gerichtlichen Medizin 1 (1911)
  • Fritz Reuter: Geschichte der Wiener Lehrkanzel für gerichtliche Medizin 1804-1954. In: Beiträge zur gerichtlichen Medizin 19 (1954), Supplement
  • Leopold Breitenecker: 160 Jahre Lehrkanzel für gerichtliche Medizin in Wien. In: Österreichische Hochschulzeitung. Magazin für Wissenschaft und Wirtschaft 16 (1964), Heft 13