Friedrich Torberg

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Personenname Torberg, Friedrich
Abweichende Namensform Kantor, Friedrich Ephraim
Titel Prof.
Geschlecht männlich
GND
Geburtsdatum 16.09.1908
Geburtsort Wien
Sterbedatum 10.11.1979
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum 19.11.1979
Friedhof Zentralfriedhof
Grabstelle Gruppe 6 , Reihe 0, Nummer 3
Ehrengrab ja
Beruf Schriftsteller, Journalist, Kritiker, Übersetzer, Herausgeber
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass Wienbibliothek im Rathaus / Handschriftensammlung
Verkehrsfläche Torberggasse
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  26.01.2018 durch DYN\rabus
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AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Richard-Meister-Medaille15 November 1974
Julius-Reich-Preis1933
Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst29 April 197614 September 1976
Preis der Stadt Wien für Publizistik16 Mai 1966
Österreichischer Staatspreis für Literatur1979
Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst11 September 1968
Wasserballmeister mit Hagibor Prag1928
Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland28 November 1968
Ehrenmedaille in Gold24 Januar 1974
Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Geburtsadresse9Porzellangasse7a
NameVerwandtschaftsgrad
Marietta TorbergGattin

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Friedrich Torberg, * 16. September 1908 Wien, † 10. November 1979 Wien, Schriftsteller, Journalist, Kritiker.

Biographie

Friedrich Ephraim Kantor wurde am 16. September 1908 in Wien als zweites von drei Kindern des Fabriksdirektors Alfred Kantor und seiner Frau Therese geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Wien, wo er das Wasa-Gymnasiums besuchte. 1921 übersiedelte die Familie nach Prag, wo Torberg das Deutsche Staatsrealgymnasium besucht. 1924 wurde er Staatsbürger der Tschechoslowakei, weil sein Vater für die ČSR votiert hatte. Im Juli 1927 scheiterte er beim ersten Versuch, die Matura abzulegen. Selten dürfte ein durchgefallener Maturant aber derart aufsehenerregend vom Scheitern profitiert haben wie Torberg, denn im Jahr der Wiederholung beginnt er mit der Niederschrift seines Romans "Der Schüler Gerber hat absolviert" (1930). Der Titel wurde zum Bestseller und ist noch heute ein Klassiker seines Genres. Noch vor Erscheinen des Romans, den sein Förderer Max Brod an den Verlag von Paul Zsolnay vermittelt hat, publizierte er erste literarische Texte im "Prager Tagblatt" unter dem Pseudonym Torberg, das sich aus den Namensbestandteilen seiner Eltern zusammensetzt (die Mutter war eine geborene Berg).

Seine literarische Karriere machte nach der Verleihung des Literaturpreises der Julius-Reich-Stiftung 1933 für seinen Roman "... und glauben, es wäre die Liebe" (1932) weitere Fortschritte, doch die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland warf seine Schatten voraus. Im November 1933 sorgte sein Vortrag "Blamage des Geistes" für Aufsehen, in dem er zahlreiche zwar emigrierte, aber doch in Deutschland vorerst noch verlegte Autoren wie René Schickele, Thomas Mann oder Stefan Zweig bezichtigte, vom Regime zu profitieren. Wohl auch aufgrund dieser Exponierung kam es zur Trennung vom Zsolnay-Verlag. Sein Roman "Die Mannschaft", ein Buch, mit dem sich der Wasserballer Torberg nach dem Ende seiner Karriere als erfolgreicher Sportler (er hatte als Kapitän 1928 die Meisterschaft mit Hakoah Prag gefeiert) gewissermaßen ein literarisches Denkmal setzte, erscheint bereits bei Julius Kittl in Mährisch-Ostrau und Leipzig. Das Buch wurde im Deutschen Reich vor dem Hintergrund der Olympischen Spiele in Berlin wohlwollend besprochen, was seine Kritik an den namhaften Kollegen, deren Bücher noch in Deutschland lieferbar waren, in ein wenig schmeichelhaftes Licht rückte. Trotzdem wurden Torbergs literarische Werke von den deutschen Zensurbehörden bald auf die "Liste 1 des schädlichen und unerwünschten Schrifttums" gesetzt. Zudem fand sich sein Name auf einer "Liste der deutschfeindlich tätigen Journalisten und Schriftsteller", erstellt vom Reichssicherheitshauptamt.

Emigration

Im Juni 1938 emigrierte Torberg nach Zürich. Die Schweiz musste er am 1. Juni 1939 verlassen, Torberg ging nach Paris. In Frankreich schloss er sich nach Ausbruch des Zweiter Weltkrieg der tschechischen Exilarmee an, wurde jedoch nicht in Kampfhandlungen verwickelt. Knapp vor den deutschen Truppen gelang es Torberg, über Spanien nach Portugal zu entkommen. Dort bekam er mit Hilfe einer US-Hilfsorganisation, des Emergency Rescue Committee, ein Visum für die USA. Als einer von "Ten Outstanding Anti-Nazi Writers" gelangte Torberg im Oktober 1940 nach Hollywood, wo er einen Vertrag bei den Warner Brothers auf ein Jahr erhielt. Seine Zeit in der Traumfabrik war mehr als frustrierend, nur ein Projekt aus seiner Feder wurde realisiert − der Film "A voice in the wind", der 1944 immerhin eine Oscarnominierung erhielt.

Im Sommer desselben Jahres übersiedelte Torberg nach New York. Zwar war an der Westküste 1943 die Novelle "Mein ist die Rache" erschienen, doch Erfolg hatte dieser wohl beste Text Torbergs nicht. In New York entstand der Roman "Hier bin ich, mein Vater" (1948), der immerhin einen Achtungserfolg verzeichnen konnte. 1945 heiratete er in New York die aus Wien stammenden Marietta Bellak. Trauzeugin war Alma Mahler-Werfel. Im selben Jahr nahm Torberg auch die US-Staatsbürgerschaft an.

Rückkehr nach Wien

1951 kehrte Torberg wieder nach Wien zurück, wo er zunächst als freier Publizist für den "Wiener Kurier" und für den Sender "[[ Rot-Weiß-Rot-Sendergruppe|Rot-Weiß-Rot" arbeitet. 1954 wurde Torberg Herausgeber der kulturpolitischen Zeitschrift "FORVM", eine Funktion, die er bis 1965 bekleidete. Das Periodikum ist bis heute umstritten, da es seine Inhalte ganz in den Dienst des Kalten Kriegs stellte. Trotzdem fand das "FORVM" weit über die Grenzen Österreichs hinaus Anerkennung.

Im Zeichen des Kalten Kriegs stand lange Jahre auch Torbergs Tätigkeit als einflussreicher Theaterkritiker (1964 "PPP. Pamphlete, Parodien, Post-Scripta", 1966−1967 "Das fünfte Rad am Thespiskarren" in zwei Bänden). Immerhin galt er als einer der wesentlichen Initiatoren des sogenannten Brecht-Boykotts: Zwischen 1956 und 1962 wurden keine Stücke Bertolt Brechts an Österreichs Bühnen gezeigt. Torberg wurde jedoch nicht nur als Verhinderer, sondern auch als erfolgreicher Literaturvermittler tätig. Dafür stehen die Herausgabe der Werke von Fritz von Herzmanovsky-Orlando (1958 bis 1963) und die kongenialen Übertragungen der Satiren von Ephraim Kishon, dessen Werk Torberg im deutschsprachigen Raum nicht nur durchgesetzt, sondern ganz wesentlich durch seine Übersetzungsleistung geprägt hatte.

Der eigene Erfolg als Literat ließ jedoch jahrzehntelang auf sich warten. Der 1950 erschienene Roman "Die zweite Begegnung" (über die Zeit nach dem kommunistischen Staatsstreich in Prag 1948) fand wenig Beachtung, sein als "Comeback" geplantes Romanporträt "Süßkind von Trimberg" (1972) wurde kein Erfolg, vor allem wegen eines katastrophalen Verrisses von Marcel Reich-Ranicki in "Die Zeit". Einen nicht erwarteten Bestseller landete Torberg dann jedoch 1975 mit dem Anekdotenband "Die Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes", der 1978 mit "Die Erben der Tante Jolesch" sogar noch eine Fortsetzung fand.

Am 10. November 1979 erlag Friedrich Torberg im Krankenhaus Lainz einem Gefäßleiden. Er wurde in einem Ehrengrab der Gemeinde Wien beigesetzt. Den weitaus größten Teil seines Nachlasses vermachte er der Stadt Wien. Dieser Briefnachlass – in etwa 100.000 Blatt – wird heute von der Wienbibliothek im Rathaus verwaltet. Der Bestand ist für die Geistesgeschichte Wiens von eminenter Bedeutung und repräsentiert darüber hinaus einen nicht unbeträchtlichen materiellen Wert. Die literarische Hinterlassenschaft und wichtige Lebensdokumente liegen hingegen in der Handschriftensammlung der Österreichische NationalbibliothekÖsterreichischen Nationalbibliothek.

Anlässlich des 100. Geburtstags von Friedrich Torberg initiierten die Wienbibliothek im Rathaus und das Jüdische Museum Wien eine große biographische Ausstellung, die am 16. September 2008 eröffnet wurde. An Torberg erinnert auch eine im 9. Bezirk angebrachte Gedenktafel.

Literarisches Werk

  • Friedrich Torberg: "Kaffeehaus ist überall" (1982, posthum erschienen)
  • Friedrich Torberg: "Die Erben der Tante Jolesch" (1978)
  • Friedrich Torberg: "Die Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlands in Anekdoten" (1975)
  • Friedrich Torberg: "Süßkind vom Trimberg" (1972)
  • Friedrich Torberg: "Golems Wiederkehr" (1968)
  • Friedrich Torberg: "Das fünfte Rad am Thespiskarren" (1966)
  • Friedrich Torberg: "Pamphlete, Parodien, Postscripta" (1964)
  • Friedrich Torberg: "Lebenslied" (1958)
  • Friedrich Torberg: "Nichts leichter als das" (1956)
  • Friedrich Torberg: "Die zweite Begegnung" (1950)
  • Friedrich Torberg: "Hier bin ich, mein Vater" (1948)
  • Friedrich Torberg: "Mein ist die Rache" (1943)
  • Friedrich Torberg: "Abschied" (1937)
  • Friedrich Torberg: "Die Mannschaft" (1935)
  • Friedrich Torberg: "... und glauben, es wäre Liebe" (1932)
  • Friedrich Torberg: "Der Schüler Gerber" (1930)
  • Friedrich Torberg: "Der ewige Refrain" (1929, Gedichtband)

Literatur

  • Marcel Atze, Marcus G. Patka [Hgg.]: Die Gefahren der Vielseitigkeit. Friedrich Torberg 1908−1979. Wien: Holzhausen 2008.
  • Marlene Dietrich / Friedrich Torberg: Schreib. Nein, schreib nicht. Briefwechsel 1946 bis 1979. Hg. von Marcel Atze. Wien: Synema 2008
  • Friedrich Torberg: Mein ist die Rache. Novelle. Mit einem Nachwort und einer Zeittafel hg. von Marcel Atze. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag 2008
  • Richard Bamberger [Hg.]: Österreich-Lexikon in zwei Bänden. Wien: Verlags-Gemeinschaft Österreich-Lexikon 1995
  • Gerhard Renner: Die Nachlässe in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Wien 1993
  • Dieter Schmutzer: Wienerisch g'redt. Geschichte der Wiener Mundartdichtung. Wien: Der Apfel 1993, S. 368 f.
  • Patricia Steines: Hunderttausend Steine. Grabstellen großer Österreicher jüdischer Konfession auf dem Wiener Zentralfriedhof, Tor I und Tor IV. Wien: Falter-Verlag 1993, S. 205 f.
  • Isabella Ackerl / Friedrich Weissensteiner: Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik, Wien: Ueberreuter 1992
  • Murray G. Hall / Gerhard Renner: Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Autoren. Wien [ u.a.]: Böhlau 1992 (Literatur in der Geschichte, Geschichte in der Literatur, 23)
  • Peter Ernst: Wiener Literaturgedenkstätten. Hg. von Felix Czeike. Wien: J & V-Edition Wien-Verlag 1990
  • Frank Tichy: Friedrich Thorberg. Ein Leben aus der Welt von einst. Salzburg: Otto Müller Verlag 1990
  • David Axmann [Hg.]: Und Lächeln ist das Erbteil meines Stammes. Erinnerungen an Friedrich Thorberg. Wien 1988
  • Sylvia Patsch [Hg.]: Österreichische Schriftsteller im Exil. Texte. Wien: Brandstätter 1986, S. 302 f.
  • Harry Zohn: "... ich bin ein Sohn der deutschen Sprache nur ...". Jüdisches Erbe in der österreichischen Literatur. Darstellungen und Dokumentation. Wien [u.a.]: Amalthea 1986, S. 174 ff.
  • Milan Dubrovic: Veruntreute Geschichte. Die Wiener Salons und Literatencafés. Wien [u.a.]: Zsolnay 1985
  • Annemarie Hinker: Der Erzähler Friedrich Torberg. Diss. Univ. Graz. Graz 1985
  • Thomas Trabitsch: Friedrich Torberg als Theaterkritiker. Diss. Univ. Wien. Wien 1983
  • Die Vertreibung des Geistigen aus Österreich. Zur Kulturpolitik des Nationalsozialismus. [Zusammenstellung der Ausstellung: Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. Katalog: Gabriele Koller ... Für den Inhalt verantwortlich: Oswald Oberhuber]. Wien: Zentralsparkasse 1982, S. 63
  • Joseph P. Strelka: Friedrich Torberg. In: Deutsche Exilliteratur seit 1933, 1 (1976), S. 616 ff.
  • Harry Zohn: Österreichische Juden in der Literatur. Ein bio-bibliographisches Lexikon. Tel Aviv: Olamenu 1969 (Schriftenreihe des Zwi Perez Chajes Instituts, 1)
  • Hans Giebisch / Gustav Gugitz: Bio-Bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien: Hollinek 1963
  • Lebendige Stadt. Almanach. Wien: Amt für Kultur, Volksbildung und Schulverwaltung der Stadt Wien 1954−1963. Band 10, 1963
  • Österreichisches biographisches Lexikon 1815−1950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Wien / Graz: Böhlau 1954−lfd.
  • Robert Teichl: Österreicher der Gegenwart. Lexikon schöpferischer und schaffender Zeitgenossen. Wien: Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei 1951
  • Neue österreichische Biographie. 1815−1918. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1923−1935. Band 1,1923, S. 21, S. 80 ff.

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