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Friederike Mayröcker

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Personenname Mayröcker, Friederike
Abweichende Namensform
Titel Dr. h. c.
Geschlecht weiblich
GND 118732404
Geburtsdatum 20.12.1924
Geburtsort Wien
Sterbedatum
Sterbeort
Begräbnisdatum
Friedhof
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Schriftstellerin
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche
Denkmal
Quelle Gedenktage
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AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Großer Österreichische Staatspreis für Literatur3 Juni 1982
Ehrenbürgerin der Stadt Wien20143 Juni 2015
Ehrenring der Stadt Wien24 November 200416 Dezember 2004
Preis der Stadt Wien für Literatur15 September 1976
Ehrendoktorat der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck11 November 2015
Georg-Büchner-Preis2001
Wiener Ehrenmedaille in Gold25 Juni 19857 November 1985
Österreichischer Buchpreis2016
Literaturpreis der Stadt Bremen2011
Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien16 November 199924 Februar 2000
Anton Wildgans Preis14 April 1982
Günter-Eich-Preis2017
Niederösterreichischer Kulturpreis2013
Österreichischer Würdigungspreis für Literatur4 März 1974
Georg Trakl Preis3 Februar 1977
Buchpreis der Wiener Wirtschaft2014
Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst3 Februar 1987

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Friederike Mayröcker, 20. Dezember 1924 in Wien. Schriftstellerin

Biographie

Friederike Mayröcker wurde am 20. Dezember 1924 in Wien geboren, wo sie nach privater Volksschule, Hauptschule und Kaufmännischer Wirtschaftsschule die Lehramtsprüfung in Englisch ablegte. 1950 holte sie extern die Matura nach. Von 1946 an war Mayröcker als Englischlehrerin an Wiener Knaben- und Mädchenhauptschulen tätig, im Jahr 1969 ließ sie sich zugunsten einer Karriere als freie Schriftstellerin vom Lehrberuf beurlauben. Seit 1977 lebt sie in Frühpension.

Erste literarische Arbeiten entstanden bereits 1939, zu Veröffentlichungen kam es erst nach 1945, als Otto Basil seine 1938 von den Nationalsozialisten verbotene Zeitschrift „Der Plan“ wiederbegründete und jungen Talenten eine Chance gab. So wurde die Einschätzung „Gut wie Mayröcker“ bald zu einem Prädikat, das bei der literarischen Avantgarde im Nachkriegswien keiner weiteren Erläuterung bedurfte. Mayröckers Gedichte finden sich in namhaften Anthologien wie „Die Sammlung“, „Stimmen der Gegenwart“, „Wien von A bis Z“, „Weg und Bekenntnis“, „Ernstes kleines Lesebuch“ sowie „Geliebtes Land“. Ihre erste selbständige Publikation erschien 1956 unter dem Titel „Larifari“ im Rahmen der Reihe „Neue Dichtung aus Österreich“. Dieser Erstling steht prototypisch für Mayröckers Stil des Experiments mit der Sprache. Seit 1954 lebte sie in einer kongenialen künstlerischen Partnerschaft mit Ernst Jandl, die erst mit dessen Tod im Jahr 2000 endete.

Bis heute hat die enorm produktive Autorin mehr als 80 Buchveröffentlichungen vorgelegt, wobei vor allem ihre Vielseitigkeit erstaunlich ist. Die vom Surrealismus geprägten Gedichte (auch in: „Ausgewählte Gedichte 1944-1978“, 1979) und Prosastücke der Frühzeit werden in den 1960er Jahren von experimentellen Hörspielen abgelöst. Das gemeinsam mit Ernst Jandl verfasste Hörspiel „Fünf Mann Menschen“ erhielt die höchste Auszeichnung, die es im deutschen Sprachraum für solche Werke gibt, nämlich den Hörspielpreis der Kriegsblinden (1969). Mayröckers Werke für das Radio sind in den Bänden „Drei Hörspiele“ (1975), „Schwarmgesang“ (1979) und „Bocca della verita“ (1981) versammelt. 1991 wurde „Nada. Nichts“ bei den Wiener Festwochen uraufgeführt. Mit ihrer vielfach ausgezeichneten Ly¬rik („Gute Nacht, guten Morgen. Gedichte 1978-1981“, 1982; „Winterglück. Gedichte 1982-1985“, 1986; „Das besessene Alter. Gedichte 1986-1991“, 1992; „Notizen auf einem Kamel. Gedichte 1991-1996“, 1996) und ihren Prosabänden („Die Abschiede“, 1980; „Reise durch die Nacht“, 1984; „mein Herz mein Zimmer mein Name“, 1988; „Stilleben“, 1991; „Lection“, 1994; „brütt oder Die seufzenden Gärten“, 1998) folgt sie eigenständig den keineswegs leicht zu gehenden Pfad zwischen Avantgarde und literarischer Konvention.

Besondere Erwähnung verdient Mayröckers intensive Beziehung zu ihren Träumen, die ihr – gewissermaßen als Rohmaterial und frei nach dem Diktum „Erzählen heißt Träume referie-ren“ – seit Ende der 1960er Jahre neue literarische Möglichkeiten erschlossen („Minimons¬ters Traumlexikon“, 1968; „je ein umwölkter Gipfel“, 1973; „Fast ein Frühling des Markus M.“, 1976; „rot ist unten“, 1977). In einem Interview äußerte sie auf die Frage, ob sie auch den kuriosen Titel ihres Bandes „dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif“ (2009) geträumt habe, folgendes: „Nicht nur Titel! Ich muß diese Traumpassagen allerdings sofort aufschrei-ben. Es kostet mich große Überwindung, das Licht anzumachen und mir Notizen zu machen, aber wenn ich es nicht tue, kann ich mich am nächsten Morgen an nichts mehr erinnern. Manchmal kann ich dann nicht mehr einschlafen. Früher waren viele meiner Texte Traum-texte. Heute ist das Träumen nicht mehr so wichtig, aber es kommt noch vor – nicht jede Nacht, aber doch immer wieder.“

Nach ihrem 1975 erfolgten Wechsel zum Suhrkamp-Verlag, wo sie bis heute verlegt wird, eroberte sich die Autorin eine Leserschaft, die, betrachtet man den experimentellen und deshalb nicht immer leicht zugänglichen Charakter ihrer Literatur, eine beachtliche Breite erreicht hat. Dies gilt auch für die Kinderbuchautorin Mayröcker, die ihre Texte bisweilen mit eigenen Zeichnungen versah („Sinclair Sofokles der Babysaurier“, 1971; „Meine Träume ein Flügelkleid“, 1974; „Pegas das Pferd“, 1980; „Ich, der Rabe und der Mond“, 1981; „Zittergaul“, 1989). „Alle meine Kinderbücher“, heißt es in einem Interview, „habe ich für Kinder von Freunden geschrieben“.

Ein Buch, das viele LeserInnen von Friederike Mayröcker besonders berührte, war der Titel „Und ich schüttelte einen Liebling“ (2005), den sie dem verstorbenen Ernst Jandl widmete Ihrem „Requiem für Ernst Jandl“ (2001), unmittelbar nach dem Tod des langjährigen Lebens- und Schaffenspartners geschrieben, verdanke sie sogar ihr Leben: „Ich habe mir nicht gedacht, dass ich ohne ihn weiterleben könnte. Bald sind es zehn Jahre, dass er tot ist. Der große Schmerz ist nicht mehr da. Aber die große Sehnsucht, ihn noch einmal zu sprechen, ihn noch einmal zu sehen.“

2016 erhielt sie als erste Autorin den neu geschaffenen Österreichischen Buchpreis für "fleurs".

Die Anzahl literaturwissenschaftlicher Arbeiten, die sich mit der Interpretation und Entschlüs-selung von Mayröckers Texten beschäftigen, ist inzwischen kaum mehr überschaubar. 2009 wurden Autorin und Werk unter dem Titel „Das Schreiben und das Schweigen“ von der Dokumentarfilmerin Carmen Tartarotti porträtiert. Der Vorlass Mayröckers befindet sich in der Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus.

Literatur

  • Hermann Korte (Hrsg.): Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (KLG). Begründet von Heinz Ludwig Arnold. edition text + kritik. München 2012
  • Christine Dobretsberger: Die Kunst, mit anderen Augen zu sehen. Interview mit Friederike Mayröcker und Bodo Hell. In: Wiener Zeitung, 20.6.2009
  • Heike Prillmann: Die Droge Dichtung – Hölle, Höhle oder Himmel. Interview mit Friederike Mayröcker. In: Die Welt, 15.7.2001
  • Iris Radisch: Die Welt ist so reich. Interview mit Friederike Mayröcker. In: Die Zeit, 16.12.2004
  • Klaus Kastberger: Ich lebe ich schreibe. In: Die Presse, 13.12.2014, Beilage Spectrum, S. V
  • Bettina Steiner: Canetti hat den Tod auch so gehaßt. Interview mit Friederike Mayröcker. In: Die Presse (Wien), 7.11.2009
  • Kurier, 17.12.2014, S. 25
  • [www.suhrkamp.de/autoren/friederike_mayroecker_3170.html Suhrkamp / Autoren: Friederike Mayröcker] [Stand: 09.11.2016]
  • Ehrendoktorat an Friederike Mayröcker [Stand: 09.11.2016]
  • Österreichischer Buchpreis 2016 [Stand: 09.11.2016]

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