Freyung 8-9

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1434
Jahr bis
Andere Bezeichnung Zum goldenen Strauß, Zum roten Mann, Bei der schmerzhaften Mutter
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Ernst Gotthilf von Miskolczy, Alexander Neumann
Prominente Bewohner Peter Concorz
Quelle Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  4.06.2017 durch DYN\krabina
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BezirkStraßeHausnummer
1Freyung8-9
1Tiefer Graben1-5
1Renngasse2

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt16717951821
Stadt16018211862
Stadt37417701795
Stadt16317951821
Stadt15618211862
Stadt37317701795
Stadt16417951821
Stadt15718211862
Stadt37217701795
Stadt16517951821
Stadt15818211862
Stadt37117701795
Stadt16617951821
Stadt15918211862
Stadt37017701795
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Freyung 8-9 (Konskriptionsnummern 156-160), Tiefer Graben 1-5, Renngasse 2.

Vorgängerbauten

Haus Stadt 156

Die erste urkundliche Nennung dieses Hauses stammt aus dem Jahr 1437. Aus einem Dokument des Jahres 1557 geht hervor, dass sich im Haus ein Geschäft befand. Im Jahr 1842 wurde das Gebäude umgebaut und im Jahr 1914 von der "Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe" erworben.

Haus Stadt 157 "Zum goldenen Strauß"

Dieses Haus lag an der Ecke Freyung/Tiefer Graben und trug den Schildnamen "Zum goldenen Strauß". Erstmals urkundlich erwähnt wird es im Jahr 1434. Am 21. Juli 1630 kaufte es der kaiserliche Kammerbildhauer Peter Concorz (Chonchartz), der unter anderem am Neubau der Schottenkirche in den Jahren 1638-1648 beteiligt war. Nach dem Totenregister der Stadt Wien starb er hier am 20. April 1658 als "königlicher Baumeister, Bauschreiber und Hausbesitzer auf der Schottenfreyung".

Schuhknechtrevolte 1721

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts befand sich im Haus ein "Schenk- und Gasthaus" ("Zum goldenen Strauß"), von dem aus 1721 die Schuhknechtrevolte ihren Ausgang nahm, bei der die Schuhknechte gegen ihre Zunft revoltierten. Sie mussten nämlich in von der Zunft verwalteten Gesellenherbergen einkehren und konnten nur mit dem sogenannten "Abschiedszettel" (wurde bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses vom Schustermeister ausgestellt) eine neue Arbeit als Schusterknecht finden. Bereits 1715 war es zu einem allgemeinen Streik und ernsten Unruhen gekommen. Es wurden freie Herbergswahl, Abschaffung der "Abschiedszettel", Mitsprache in der "Gesellenlade", die durch ihre Beiträge finanziert wurde, und mehr Lohn gefordert. Die Regierung schlug sich auf die Seite der Meister und reagierte mit strengen Strafen. In den folgenden Jahren spitzte sich die Situation immer mehr zu. Nun wurde auch das Recht gefordert, die Arbeitgeber frei wählen zu dürfen und nicht von der Zunft einem Meister zugeteilt zu werden, da das bisherige System zu einer heillosen Protektionswirtschaft geführt hatte. Ab Oktober 1721 mieden die Schusterknechte die offiziellen Herbergen und quartierten sich in verschiedenen privaten Herbergen ein, von denen der "goldene Strauß" die größte war. Am 21. Oktober 1721 erließ die Regierung ein Dekret, das die Strafen gegen die Schusterknechte weiter verschärfte. Dadurch kam es in ganz Wien sowie in den Vorstädten zum Aufstand. Nach Angriffen auf Schusterwerkstätten und Plünderungen wurde die Rumorwache angewiesen, von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. Es gab Tote und Verletzte, und nun traten auch noch die Spannungen zwischen Rumorwache und Stadtguardia offen zu Tage, was zu gegenseitigen Behinderungen und sogar Verhaftungen führte. Als die Aufständischen den Rumorhauptmann und seine Truppe mit Steinen und Schusswaffen angriffen, verweigerte ihnen die Stadtguardia den Rückzug durch das Burgtor, während man die Angreifer passieren ließ. In der Folge wurde am 8. November 1722 der Befehl erteilt, die Stadtguardia aufzulösen, der jedoch erst zwanzig Jahre später umgesetzt wurde.

Mit der Hinrichtung zweier Redelsführer, bei der die Schusterknechte anwesend sein mussten, konnte der Aufstand beendet werden. Viele Schusterknechte verließen daraufhin Wien, der Rest kehrte wieder in die Werkstätten zurück. Die privaten Herbergen wurden aufgelöst, wobei der "goldene Strauß" namentlich genannt wurde, jedoch wurde die Verwaltung der offiziellen Herbergen nun von den Behörden beaufsichtigt. Alle anderen Beschränkungen wurden aufgehoben.

Im Jahr 1775 wurde das Haus vom Kammerjuwelier Joseph Friedrich Schwab erworben, dessen Enkelin den Bankier Friedrich van der Nüll heiratete. Er hinterließ das Haus 1780 seinen Söhnen Philipp und Ignaz. Letzterer richtete hier sein Großhandlungshaus ein. Nach dem Verlust von sieben Schiffsladungen Indigo musste die Firma 1818 alle Zahlungen einstellen, dieses Haus war jedoch schon 1811 verkauft worden. 1845 wurde das Gebäude umgebaut und 1856 von der drei Jahre zuvor gegründeten "Niederösterreichischen Eskomptegesellschaft" erworben. Diese ließ es 1871 abbrechen und ein neues Bankgebäude errichten, das 1914 an die "Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe" verkauft wurde.

Haus Stadt 158 "Zum roten Mann (Mandel)" / "Bei der schmerzhaften Mutter"

An der Ecke Freyung/Tiefer Graben stand das Haus "Zum roten Mann". Für die Zeit um 1700 gibt Werner Arnold von Steinhausen den Namen "Bei der schmerzhaften Mutter" an, der sich jedoch nie durchsetzen konnte. Es wird 1436 erstmals urkundlich erwähnt. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts befand sich hier eine Kellerschank, die vor allem von Künstlern und Scholaren besucht wurde. Der Legende nach soll sich hier Dr. Faust während eines Wienaufenthalts mit Augustin Hirschvogel und Bonifaz Wolmuet getroffen haben. Hirschvogel soll dabei die Gestalt des Teufels an die Wand gemalt haben, die Dr. Faust durch Magie belebte. Als alle erschraken, soll Dr. Faust gerufen haben: "Man soll den Teufel nicht an die Wand malen!". Das sei der Ursprung dieses Sprichworts. Das Zusammentreffen dieser drei Personen kann wohl ausgeschlossen werden, da der historische Dr. Faust bereits im Jahr 1539 gestorben sein soll, Hirschvogel und Wolmuet aber erst ab Mitte der 1540er Jahre in Wien ansässig waren. Der Schildname "Zum roten Mann" beziehungsweise "Zum roten Mandel" könnte aber auf diese Legende zurückgehen.

An der Hauswand war ein lebensgroßes Gemälde eines Mannes mit roten Haaren und in scharlachroter Kleidung angebracht. Wann und von wem es geschaffen wurde, ist jedoch unklar. Wilhelm Maximilian Kisch gibt an, dass es 1690 gemalt wurde, da zu dieser Zeit ein Scharfrichter im Besitz des Hauses gewesen sei und damit eine abschreckende Wirkung erzielen wollte. Den Urkunden zufolge gehörte das Haus zu dieser Zeit jedoch einer Frau. Bei einem Umbau im Jahr 1836 wurde das Gemälde entfernt. Später wurde das Gebäude von der "Niederösterreichischen Eskomptegesellschaft" erworben, die es 1914 an die "Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe" verkaufte.

Haus Stadt 159 / Tiefer Graben 3

Dieses Gebäude lag am Tiefen Graben und war der Burgkapelle dienstbar. Daher wurde es in deren Grundbuch geführt, wodurch bis 1620 nur sehr wenige Daten vorliegen. 1528 wird es erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1645 erwarb es der kaiserliche Hofbedienstete und Ziegelbrenner Johann Thury (siehe Thury [Vorstadt]). Nachdem es im Jahr 1879 umgebaut worden war, wurde es zwischen 1885 und 1904 an die "Niederösterreichische Eskomptegesellschaft" verkauft, von der es in den Besitz der "Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe" überging.

Haus Stadt 160 / Tiefer Graben 5

Auch dieses Haus lag am Tiefen Graben und war der Burgkapelle dienstbar. Die erste urkundliche Nennung stammt aus dem Jahr 1563. Es wurde 1826 umgebaut und in den 1910er Jahren an die "Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe" verkauft.

Neubau 1916-1921

Nachdem die "Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe" zwischen 1912 und 1914 alle oben genannten Gebäude erwerben konnte, ließ sie diese niederreißen und 1916 durch einen Neubau nach Plänen von Ernst Gotthilf von Miskolczy und Alexander Neumann ersetzen, der 1921 fertiggestellt werden konnte. Das Gebäude wurde durch eine Brücke über den Tiefen Graben mit dem Haupthaus der "Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe" (1, Am Hof 6) verbunden. Nach dem Niedergang der Bank im Jahr 1937 kam das Haus in den Besitz der "Österreichischen Versicherungs A.G.", die 1939 bis 1946 in "Deutscher Ring, österreichische Lebenversicherungs A.G. (der deutschen Arbeiterfront)" hieß.

Kriegsschäden

Am 10. September 1944 erlitt das Haus einen Bombentreffer. Dabei wurden das Dach und die Küche im dritten Stockwerk (an der Freyung) durchschlagen. Durch die Druckwelle stürzte das Glasdach des Kassensaales ein. Auch am 12. März 1945 wurde das Gebäude von einer Bombe getroffen, wobei eine Nebenstiege einstürzte und angrenzende Bauteile beschädigt beziehungsweise zerstört wurden. Dabei kamen auch sechs Menschen ums Leben.

Seit August 2012 ist der Verfassungsgerichtshof in diesem Gebäude untergebracht.

Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Haus Stadt 156:

Haus Stadt 157:

Haus Stadt 158:

Neubau 1916-1921:

  • Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe
  • Österreichischen Versicherungs A.G. (zwischen 1939 und 1946 "Deutscher Ring, österreichische Lebenversicherungs A.G. [der deutschen Arbeiterfront]")

Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 1. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 164-176
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 4. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 725