Figarohaus

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Wiener Symphoniker und den Wiener Männergesangsverein vor dem Figarohaus (1936)
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1349
Jahr bis
Andere Bezeichnung Camesinahaus
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner Wolfgang Amadeus Mozart, Alberto Camesina
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  22.01.2017 durch DYN\krabina
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Bildname Figarohaus.jpg
Bildunterschrift  Wiener Symphoniker und den Wiener Männergesangsverein vor dem Figarohaus (1936)
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus, Tagblattarchiv: Fotosammlung, TF-007297
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtDomgasse5
Innere StadtSchulerstraße8

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt85318211862
Stadt90317951821
Stadt84617701795
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Figarohaus (1, Domgasse 5, Schulerstraße 8 [Gedenktafel]; auch Camesinahaus; Konskriptionsnummer 853).

1349 wird erstmals ein Haus auf diesem Grundstück urkundlich erwähnt. 1434 wurde es Teil einer größeren Messstiftung aus dem Jahr 1412, die ein heute nicht mehr lokalisierbares Gebäude abstieß und dieses als Ersatz erwarb. Als die Stiftung 1486 ein neuer Kaplan übernahm, wurde auch der Innenraum samt Einrichtung beschrieben: "ain pett, strosak und sponpet, grün gemalt, mit einem halben himmel, ain fursidel, ain gemalten furhang. In der chamer bei der stuben: ain truhen, ain tisch mit ainer dekch, ain essichvassel zu ainem emer. In der chamer mit der eisnain tür: ain sponpet mit ainem halben himmel, ain strossachk, petsidel und furhang, ain sidelpank, ain leibstuel, ain tisch in derselben chamer und ain truhen, ain chuppfreinmörser mit ainem stessel, ain stantner zu zehen echter, ain messein han zu ainer hampoting, ain messnein leuchter, so in der stuben hangt, ain zimersag, ain mardhaken, ain teufs messein pekch, ain hobel. In der hindern stuben: ain schaibligen tisch. In der chamer bei der vordern haustür: ain sponpett, ain truhen, zwo gross almar, ain zusamgelegten tisch, ain gutes petpuch mit ainem roten irich überzogen, das peleiben sol pei der stifft, ain grüen damaschkein casell mit aim chreucz und dy endt an dem chreucz mit perl gehefft mitsambt den pilden unden sand Maria Magdalen. In der obern chamer: ain niders sponpett mit ainem halben himel. In der chamer bei der hindern tür: ain meltruhen, ain chär, darinn man wascht, ain lidrein mass, zwai ler aichenen vässel per XI urnae, zwai vassel per VI urnae, dreu vassel per IIII urnae und zwai viertaillschaff, ain goldwag zu Gumpolczkirchen pei dem Redler zwo poting, ain feurzeug."

In den Jahren 1566 und 1683 wird es als zweistöckig beschrieben. Da es sehr baufällig war, wurde es am 21. August 1716 von der Stiftung verkauft und noch im selben Jahr umgebaut. 1719 erwarb es der Hofstukkateur Alberto Camesina von seiner Schwiegermutter. Nach dem Totenregister der Stadt Wien starben am 4. April 1725 sein achtjähriges Kind und am 17. September 1731 seine Frau M. Elisabeth im Alter von 36 Jahren. In der Folge blieb es im Besitz der Herren von Camesina, bis es laut Harrer (Paul Harrer: Wien, seine Häuser) 1799 beziehungsweise laut Czeike (Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien) 1806 Johann Baptist Ritter von Lampi erwarb. Wohl in Anerkennug seiner Verdienste wurde das Haus durch das Hofkanzleidekret vom 25. Jänner 1816 von der Hofquartiergeldsteuer befreit. Danach gehörte es seinen Söhnen Johann Baptist Ritter von Lampi (der Jüngere) und Franz Ritter von Lampi, die es bis 1837 besaßen. In der erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wechselte es sehr häufig die Besitzer. Zu dieser Zeit befand sich im Haus eine Gastwirtschaft mit Mozartstüberl. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude nur leicht beschädigt (Glas- und Splitterschäden).


Mozartwohnung

Am 29. September 1784 zog Wolfgang Amadeus Mozart in eine repräsentative Wohnung im ersten Stock des Hauses, in der er bis zum 24. April 1787 mit seiner Gattin Konstanze wohnte. Er schrieb in dieser Zeit neben einer Reihe bedeutender Spätwerke wahrscheinlich auch seine Oper "Die Hochzeit des Figaro". Karl Kobald gibt in seinem Werk "Alt-Wiener Musikstätten" jedoch an, dass hier "Der Schauspieldirektor" entstanden sei, Mozart den Figaro aber in der Zeit schrieb, als er im Ellerbachschen Haus (Graben 17) wohnte.

1785 war Leopold Mozart hier zu Gast. In einem Brief an seine Tochter Marianne von Berchtold schrieb er am 14. Februar 1785, "dass Dein Bruder ein schönes Quartier mit aller zum Haus gehörigen Auszierung hat, mögt Ihr daraus schliessen, dass er 460 Gulden Hauszins zahlt." Im selben Brief erwähnt er auch den Besuch Joseph Haydns: "Am Samstag abends war Herr Joseph Haydn und die zwei Barone Tindi [Tinti] bei uns. Es wurden die neuen Quartette gemacht, aber nur die drei neuen, die er zu den andern drei, die wir haben, gemacht hat. Sie sind zwar ein bischen leichter, aber vortrefflich komponiert. Herr Haydn sagte mir: Ich sage Ihnen vor Gott, als ein ehrlicher mann, Ihr Sohn ist der größte Komponist, den ich von Person und dem Namen nach kenne. Er hat Geschmack und überdies die größte Kompositionswissenschaft." 1787 besuchte auch Ludwig van Beethoven Mozart in dieser Wohnung.

Im Jahr 1906 ließ der Wiener Männergesang-Verein eine Gedenktafel anbringen. Die Wohnung ist zu einer vom Wien Museum betreuten Gedenkstätte ausgestaltet (erste Anregung 1928, Realisierung 1941 anlässlich des 150. Todestags in Form eines Miniaturmuseums, 1956 anlässlich des 200. Geburtstags Restaurierung des Arbeitszimmers Mozarts durch Ernst und Hilde Werner). Es handelt sich um die einzige in Wien erhaltene Mozartwohnung.


Architektur

Das heutige Haus wurde laut Czeike im 17. Jahrhundert erbaut. Es besitzt eine hübsche Fassade mit den für das späte 17. Jahrhundert charakteristischen Putzfeldern, die ein Rastersystem bilden.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

  • Gastwirtschaft
Schulerstraße 8, Deckenfresko im "Mozart-Zimmer", um 1905


Literatur

  • Helmut Kretschmer: Wiener Musikergedenkstätten. Wien: Jugend & Volk ²1990, S. 78 ff.
  • Renate Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien: Hollinek 1957 (Österreichische Heimat, 20), S. 77
  • Ruediger Engerth: Hier hat Mozart gespielt. Salzburg: SN-Verl. 1968, S. 80 ff., S. 89, S. 100, S. 105
  • Mozarts Wohnung in der Schulerstraße 1784-1787. Wien: Historisches Museum der Stadt Wien 1965
  • Emmerich Siegris: Alte Wiener Hauszeichen und Ladenschilder. Wien: Burgverlag 1924, S. 77
  • Hans Markl: Kennst du alle berühmten Gedenkstätten Wiens? Wien [u.a.]: Pechan 1959, S. 76
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 4, 3. Teil. Wien ²1955 (Manuskript im WStLA), S. 578-582