Ferdinand I. (Heiliges Römisches Reich)

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Personenname Ferdinand I. (Heiliges Römisches Reich)
Abweichende Namensform Ferdinand I. von Habsburg
Titel Kaiser, König
Geschlecht männlich
GND 118532502
Geburtsdatum 10.03.1503
Geburtsort Alcalá de Henares, Spanien
Sterbedatum 25.07.1564
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum
Friedhof St.-Veits-Dom, Prag
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Regent
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis Wiener Fürstentag
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
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NameVerwandtschaftsgrad
Maximilian I.Großvater

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Ferdinand I., * 10. März 1503 Alcalá de Henares, Spanien, † 25. Juli 1564 Wien (Begräbnisstätte St.-Veits-Dom, Prag), römisch-deutscher Kaiser (1556-1564; Krönung 24. März 1558), König von Böhmen (Wahl 22. Oktober 1526, Krönung 24. Februar 1527 in Prag), König von Ungarn (Wahl 16. Dezember 1526 in Pressburg [Pozsony], Krönung 3. November 1527 in Stuhlweißenburg [Székesfehérvár]), Gattin (1521, aufgrund der Erbverträge von 1515, Wiener Fürstentag) Anna, Tochter des Jagiellonen Wladislaw V. von Böhmen und Ungarn und Schwester des ungarischen Königs Ludwig II.; Sohn Philipps des Schönen und Johanna der Wahnsinnigen, Enkel Maximilians I., Bruder Karls V.

In Spanien erzogen, musste er nach dem Tod seines Großvaters Ferdinand II. von Aragon (1516), dessen Testament keine spezielle Regelung für die Stellung seines Enkels enthielt, über Drängen seines Bruders Karl Spanien verlassen und fand in seiner Tante Margarete in den Niederlanden einen neuen Mentor. Nach zähen Verhandlungen überließ ihm Karl (nicht zuletzt über Drängen der Ungarn, die auf eine entsprechende Ausstattung für den künftigen Schwager ihres Königs Ludwig II. Wert legten) aufgrund des am 21. April 1521 zu Worms abgeschlossenen Teilungsvertrags die österreichische Erblande, dazu 1522 Tirol und die Vorlande.

Zu diesem Zeitpunkt war (seit der Wahl am 27. September 1520) Dr. Martin Siebenbürger, der Führer der ständischen Opposition, Bürgermeister von Wien. Mit Ferdinand I. erhielt Wien einen Herrscher, dessen strenge katholische Erziehung auf der Durchsetzung unbeschränkter fürstlicher Macht basierte, und einen Landesherrn, der von Anfang an gesonnen war, gegen die "Aufrührer" energisch vorzugehen und ihnen unverzüglich den Prozess zu machen. Von den Niederlanden kommend, ging Ferdinand I. (ohne Wien zu betreten) im Juni 1522 nach Wiener Neustadt, setzte dort einen Gerichtshof ein und zitierte alle am Aufstand Beteiligten, darunter auch den Wiener Bürgermeister Gabriel Gutrater und die Genannten, für den 8. Juli dorthin. Kurz darauf fällte das "Wiener Neustädter Blutgericht" (wie es genannt wird) das Urteil: sechs "Rädelsführer", unter ihnen die ehemaligen Bürgermeister Martin Siebenbürger, Hans Rinner und Friedrich Piesch, wurden am 11. August 1522 auf dem Wiener Neustädter Marktplatz hingerichtet (Erinnerungsmal in der heutigen Straßenpflasterung). Am 13. August wurden die Privilegien und Gewohnheitsrechte der Genannten, am 4. Oktober 1522 auch die der Münzer-Hausgenossenschaft, welche das Symbol der wirtschaftlichen Macht Wiens gewesen waren, aufgehoben. Am 12. März 1526 erließ Ferdinand I. eine "Stadtordnung"; sie wird (wenngleich ihr Inhalt in der historischen Beurteilung oft überschätzt und als Zäsur überbewertet wird) im allgemeinen als das Ende des "Wiener Mittelalters" bezeichnet. Zwölf "behauste" Bürger bildeten den Stadtrat (Inneren Rat), zwölf das Gremium der Stadtgerichtsbeisitzer und 76 den Äußeren Rat, der sich aus der gesamten Bürgerschaft ergänzte.

Im selben Jahr fielen aufgrund der Erbverträge von 1515 nach der Schlacht bei Mohács gegen die Osmanen (29. August 1526), in der Ferdinands Schwager Ludwig II. gefallen war, Böhmen und Ungarn an Österreich; in Ungarn erhielt Ferdinand I. in Jan Zápolya, dem Kandidaten der national-ungarischen Partei, einen gefährlichen Gegenkandidaten, außerdem löste die Erbfolge einen Vorstoß der Osmanen nach Mitteleuropa aus (Erste Türkenbelagerung), die letztlich (da eine Rückeroberung Ofens 1540/1541 misslang und die Osmanen 1542 Gran [Esztergom], den Sitz des Primas, und 1543 Stuhlweißenburg [Székesfehérvár], die Krönungsstadt, überrannten) zu einer jahrzehntelangen Dreiteilung Ungarns führte. 1527 kam es im Gefolge der Sicherung des jagiellonischen Erbes zum Abschluss des Aufbaus der politisch-administrativen Organisation der Erblande (Einsetzung von Geheimem Rat, Hofrat und Hofkammer mit dem durchführenden Organ der Hofkanzlei, 1527); 1556 wurde der Hofkriegsrat eingerichtet.

War Ferdinand I. anfangs im Schatten Karls gestanden, so erhielt seine Stellung nach seinem Anteil am Sieg von Pavia (1525) eine entscheidende Aufwertung; Karl setzte sich auch für ein römisches Königtum Ferdinands ein (Anerkennung 1534). Zu den wesentlichen, für Wien relevanten Ereignissen während der Regierungszeit Ferdinands gehören: der Stadtbrand 1525, der Beschluss zum Bau der Hernalser Wasserleitung (1526, vollendet 1565), die Erste Türkenbelagerung (1529, dazu der Rundplan von Niklas Meldeman), der Neubau der Renaissance-Befestigungsanlagen unter Leitung von Hermes Schallautzer (ab 1531) und der von demselben durchgeführte Bau des kaiserlichen Arsenals (1546), der Bau einer Trinkwasserleitung in die Hofburg (1550) und der Bau des "Schweizertors" (1552), die Umgestaltung der Stallburg für den aus Spanien gekommenen Erzherzog Maximilian (vor 1558); weiters die Erste Stadtgeschichte "Vienna Austrie" von Wolfgang Lazius (1546), der Lobspruch Wolfgang Schmeltzls (1547) und die trigonometrisch vermessenen Stadtpläne des Augustin Hirschvogel und des Bonifaz Wolmuet (beide 1547). Mit der Berufung des Petrus Canisius nach Wien trat 1552 die Gegenreformation in ein entscheidendes Stadium. 1561 wurde verfügt, dass die Wiener Bürgermeister in Hinkunft nur jeweils zwei aufeinanderfolgende Jahre im Amt bleiben dürften. Linzer Testament vom 17. September 1532 und Prager Testament vom 1. Juni 1543; Ferdinandeische Hausordnung.

Literatur

  • Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. von der Historischen Commission bei der königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bände. Leipzig: Duncker & Humblot 1875-1912
  • Matthias Bernath [Hg.]: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. 4 Bände. München: Oldenbourg 1974-1981
  • Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte. Begründet von Hellmuth Rössler und Günther Franz, bearbeitet von Karl Bosl [u.a.]. München: A. Francke 1973-1975
  • Brigitte Hamann [Hg.]: Die Habsburger. Ein biographisches Lexikon. Wien: Ueberreuter 1988
  • Neue deutsche Biographie. Hg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Berlin: Duncker & Humblot 1953 - lfd.
  • Gertrud Pfaundler: Tirol-Lexikon. Ein Nachschlagewerk über Menschen und Orte des Bundeslandes Tirol. Innsbruck: Rauchdruck 1983
  • Alphons Lhotsky: Das Zeitalter des Hauses Österreich. Die ersten Jahre der Regierung Ferdinands I. in Österreich (1520 - 1527). Wien / Graz [u.a.]: Böhlau 1971 (Veröffentlichungen der Kommission für die Geschichte Österreichs / Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse, 4)
  • Wolfgang Hilger: Ikonographie Kaiser Ferdinands I. (1503 - 1564). Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1969 (Veröffentlichungen der Kommission für die Geschichte Österreichs / Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse, 3)
  • Paula Sutter Fichtner: Ferdinand I. Wider Türken und Glaubensspaltung. Graz / Wien [u.a.]: Verlag Styria 1986
  • Renaissance in Österreich. Geschichte, Wissenschaft, Kunst. Hg. von der Kulturabteilung des Amtes der Niederösterreichischen Landesregierung. Horn: Berger 1974, S. 113
  • Berthold Sutter: Kaiser Ferdinand I. In: Ebenda, S. 290 ff., S. 350 ff.
  • Tibor Simányi: Er schuf das Reich. Ferdinand von Habsburg. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1987
  • Hugo Hantsch [Hg.]: Gestalter der Geschicke Österreichs. Innsbruck / Wien / München: Tyrolia-Verlag 1962 (Studien der Wiener Katholischen Akademie, 2), S. 127 ff.
  • Felix Czeike: Wien und seine Bürgermeister. Sieben Jahrhunderte Wiener Stadtgeschichte. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1974, S. 126 ff.
  • Helmuth Größing: Die Stadtordnung von 1526 und ihre Bedeutung für die Wiener Verfassungsgeschichte. Hausarbeit am Institut für Österreichische Geschichtsforschung. Wien 1968
  • Sigismund Bergmann: Die Religionspolitik und die kirchlichen Reformversuche Ferdinands I. Diss. Univ. Wien. Wien 1964
  • Karl F. Stock / Rudolf Heilinger / Marylène Stock: Personalbibliographien österreichischer Dichter und Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. Pullach bei München: Verlag Dokumentation 1972