Evangelische Kirche (1, Dorotheergasse 18)

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Art des Bauwerks Sakralbau
Jahr von
Jahr bis
Andere Bezeichnung Lutherische Stadtkirche der evangelischen Gemeinde Augsburger Bekenntnis
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Jakob Vivian
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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BezirkStraßeHausnummer
1Dorotheergasse18

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Innere Stadt134717701795
Innere Stadt117917951821
Innere Stadt111318211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Evangelische Kirche (1, Dorotheergasse 18; Lutherische Stadtkirche der evangelischen Gemeinde Augsburger Bekenntnis). Hier standen früher der Garten der Gräfin Khuen-Belassy, das Gräflich-Salm'sche und das Hofkirchnersche Haus. Aus beiden gestaltete Elisabeth, Tochter Maximilians II. und Witwe König Karls IX. von Frankreich, 1582/1583 das von ihr 1581 gestiftete Kloster der Clarissen, gewöhnlich Königinkloster genannt (Hofbaumeister Jakob Vivian), mit der Klosterkirche „Heilige Maria, Königin der Engel". Nach Aufhebung des Klosters durch Joseph II. (1782) wurden das Klostergebäude, die Kirche und der Garten versteigert. Einen Teil des Areals erwarb Graf Moriz Fries, der sich hier sein Palais errichten ließ (Fries'sches Palais, Pallavicinipalais [l1, Josefsplatz 5]). Die ehemalige Klosterkirche wurde 1783 zu einem Bethaus der evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnis umgestaltet und 1783 für den Protestantischen Gottesdienst eröffnet (Weihe 30. November 1783). Auch die Kirche der evangelischen Gemeinde Helvetisches Bekenntnis entstand auf dem Areal des aufgelassenen Klosters. Die ursprüngliche Chorwand der Kirche wurde 1876 im Zuge einer Umorientierung der Kirche durch Otto Thienemann zur Hauptfassade gestaltet. Eine größere Restaurierung und Neufassadierung wurde 1907 durch Ludwig Schöne vorgenommen (gleichzeitig Umorientierung des Kircheninneren und Errichtung eines Haupttors zur Straße). Die Kirche, ein kreuzförmiger Renaissancebau mit Tonnengewölbe und 3/8-Schluss, wurde 1945 beschädigt, die Fassade 1948 erneuert. Kanzel und Hochaltar (Altarbild „Kreuzigung Christi" von Franz Linder, Kopie nach van Dyck) stammen aus 1783, die Kanzel aus der Zeit um 1820, der Taufstein aus 1822, das geschnitzte Chorgestühl aus 1876. - In der Sakristei Reste eines gemalten Fensters mit Inschrift aus der Bauzeit (datiert 1583), im Hof Querschiff-Fassaden mit spitzbogigen Fenstern und runden Blenden, Grabsteine aus dem 16.- 18. Jahrhundert, in Wandnische eiserne Kanonenkugel (1809).

Gedenktafeln für den Schriftsteller und Pfarrer Alfred Formey (* 31. Juli 1844 Dessau, + 25. Juni 1901 Wien), der hier 1876-1901 als Seelsorger gewirkt hat, und für Kaspar Tauber (enthüllt 1924), den ersten Blutzeugen der Reformation in Österreich (enthauptet in Wien am 17. September 1524). Drei Marmortafeln (mit deutscher Kaiserkrone) sind die ursprünglichen Verschlussplatten der letzten Ruhestätten von Kaiser Matthias, seiner Gattin Anna Maria und von Ferdinand II., die vor ihrer Überführung in die Kapuzinergruft hier bestattet gewesen waren.

Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs im südlichen (linken) Chorgestühl und die des Zweiten Weltkriegs im nördlichen (rechten) Querschiff.

Literatur

  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 37
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 6, 2. Teil. Wien ²1957 (Manuskript im WStLA), S. 311
  • Grete Mecenseffy / Hermann Rassl: Die evangelischen Kirchen Wiens. Wien [u.a.]: Zsolnay 1980 (Wiener Geschichtsbücher, 24), S. 49 ff
  • Rolf M. Urrisk-Obertyński: Wien - 2000 Jahre Garnisonsstadt, Band 3 Innere Stadt, Weishaupt-Verlag, Graz 2012, S. 105