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Erste Türkenbelagerung (1529)

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Belagerung Wiens 1529 von Niclas Meldeman. Meldeman-Plan (1530)
Art des Ereignisses Besetzung
Datum von 27.09.1529
Datum bis 14.10.1529
Objektbezug
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  21.09.2017 durch WIEN1\lanm08son
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Bildname Meldemann.jpg
Bildunterschrift  Belagerung Wiens 1529 von Niclas Meldeman. Meldeman-Plan (1530)
Bildquelle WStLA, Historischer Atlas
Bildrechte

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Vorgeschichte

Am 29. August 1527 vernichtete ein türkisches Heer unter dem Befehl von Sultan Suleiman II. das ungarische Heer bei Mohács; König Ludwig II. aus dem Haus Jagiello fiel. Ein Teil der ungarischen Stände wählte am 11. November 1526 Johann Szapolyai, ein anderer Teil am 17. Dezember 1526 den Habsburger Erzherzog Ferdinand (I.) zum ungarischen König. Szapolyai wurde am 21. August 1527 bei Tokaj besiegt und verbündete sich daraufhin am 29. Februar 1528 mit den Türken, die ihm Hilfe gegen Ferdinand versprachen. Dessen Gegenmaßnahmen waren: Aufgebote aus seinen deutschen und böhmischen Erbländern, Bestellung Niklas Graf Salms zum obersten Feldhauptmann (31. März 1528), Bewilligung eines Truppenkontingents des Heiligen Römischen Reichs (unter Pfalzgraf Friedrich bei Rhein) auf dem Reichstag zu Speyer (März/April 1529); auch Spanien schickte ein Truppenkontingent.

Verlauf

Am 10. Mai 1529 brach das 150.000 Mann starke türkische Heer (davon 60.000 Mann Troß) unter dem Oberbefehl von Sultan Suleiman und Großwesir Ibrahim in Istanbul auf, eroberte am 17. Juli Belgrad und am 8. September Ofen, überschritt am 22. September die österreichische Grenze und erreichte mit der Vorhut am 23. September beim Niklaskloster die Vorstadt Landstraße.

Inzwischen hatte der Kriegsrat in Wien am 20. September die Zerstörung der Vorstädte beschlossen; viele Wiener flüchteten (darunter auch einige Ratsmitglieder), wogegen Bürgermeister Wolfgang Treu mit dem Rest des Rats in Wien ausharrte. Am 25./26. September trafen Großwesir und Sultan vor Wien ein (die Zeltstadt Suleimans entstand beim Neugebäude). Am 25. September gelangte im letzten Moment ein Teil der Reichstruppen unter Pfalzgraf Philipp (Neffe des Pfalzgrafen Friedrich) in die Stadt; der Rest blieb bei Krems stehen. Wiens Besatzung bestand aus 17.000 Mann (davon 12.000 aus Erbländern [einschließlich Spaniens], 5.000 aus dem Reich).

Am 27. September brannten türkische Schiffe die Donaubrücke nieder. Ihr Angriffziel war vor allem der Kärntner Turm, der von Eck von Reischach (Reischachstraße) verteidigt wurde. Außerdem konzentrierten sie sich auf die Beschießung der Stadt und auf die Sprengung von Minen aus vorgetriebenen unterirdischen Stollen. Der Versuch sich in den Donauauen festzusetzten scheiterte am Feuer der spanischen Hakenbüchsenschützen. Am 6. Oktober mißglückte ein Ausfall der Verteidiger, am 9., 12. und 14. Oktober (Verwundung Salms) scheiterten Sturmangriffe der Türken, die sich auf die notdürftig geschlossenen Breschen beiderseits des Kärntner Turms konzentrierten. Daraufhin begann am 14. Oktober der Abzug des türkischen Heers.[1]

Darstellung des türkischen Feldlagers durch Barthel Beham.

Nachwirkung

Die Abwehr der Belagerung erfolgte unter äußerst glücklichen Umständen wie dem Ausbruch einer Seuche im Belagerungsheer und widrigen Witterungsbedingungen. Die veraltete Ringmauer mit ihren donauseitigen Türmen, verstärkt durch Zwingermauern, Bollwerken und Erdwällen erwies sich für starken Artilleriebeschuss und geschickte Mineure als völlig unzureichend. Außerdem konnten schwere Geschütze der Verteidiger auf den Befestigungsanlagen nur sehr bedingt eingesetzt werden.[2] Sie wurde ab 1531 durch eine moderne Stadtbefestigung (Basteien) ersetzt; der angrenzende Teil des Vorstadtgeländes wurde Bauverbotszone (Glacis). Befestigungsanlagen und Glacis unterstanden nicht mehr der Stadt, sondern den landesfürstlichen Militärbehörden. Rundplan von Niklas Meldeman. Im Gegensatz zum vorher angespannten Verhältnis Kaiser Ferdinands I. zur Stadt Wien betrachtete er diese nunmehr als "Bollwerk der Christenheit", welches als solches großzügig ausgebaut wurde. Mediale Verbreitung fanden auch zahlreiche Türkendrucke [3] von denen 48 nachzuweisen sind.[4] Im Allgemeinen nahm die Erste Türkenbelagerung im kollektiven Gedächtnis der Stadt vergleichsweise wenig Raum ein, nicht zuletzt weil sich das Verhalten der Wiener Bürger von denen viele die Stadt fluchtartig verlassen hatten, wenig Raum für Heldenverehrung ließ. Lediglich Niklas Salm stieg im 19. Jahrhundert zum heldenhaften Verteidiger Wiens auf.[5] Breiteren Widerhall fand dank der Beteiligung spanischer Verbände die Erste Türkenbelagerung in der zeitgenössischen spanischen Literatur[6]und in Sagen und Legenden des osmanischen Kulturkreises.[7]

Literatur

  • Hans Bisanz: Wien 1529 - Vom Ereignis zum Mythos. In:Günter Düriegl [Red.]: Wien 1529 - die erste Türkenbelagerung. Wien: Böhlau 1979 (Katalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 62), S. 83-91.
  • Peter Csendes: Erinnerungen an Wiens Türkenjahre. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 29)
  • Günter Düriegl [Red.]: Wien 1529 - die erste Türkenbelagerung. Wien: Böhlau 1979 (Katalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 62)
  • Günter Düriegl: Die Rundansicht des Niklas Meldemann zur ersten Belagerung Wiens durch die Türken im Jahre 1529 - Interpretation und Deutung. In: Robert Waissenberger (Hg.): Studien 79/80 aus dem Historischen Museum der Stadt Wien. Wien/München 1980 (Wiener Schriften 44), S. 91-126.
  • Xavier Sellés Ferrando: Die erste Türkenbelagerung Wiens in der spanischen Literatur. In: Wolfram Krömer (Hg.): Spanien, Österreich und Iberoamerika. Innsbruck: Verlag des Instituts für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck 1993, S. 169-181.
  • Walter Hummelberger: Wiens erste Belagerung durch die Türken. In: Militärhistorische Schriftenreihe 33 (1976)
  • Heike Krause [u.a.]: Mauern um Wien. Die Stadtbefestigung von 1529 bis 1857. Wien: Phoibos Verlag 2014 (Wien Archäologisch, 6)
  • Ferdinand Opll: Die Wiener Türkenbelagerungen und das kollektive Gedächtnis der Stadt. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 64/65 (2008/09), S. 171-197.
  • Ferdinand Stöller: Soliman vor Wien. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 9/10 (1929/30), S. 11 ff.
  • Walter Sturminger: Bibliographie und Ikonographie der Türkenbelagerungen Wiens 1529 und 1683 (Veröffentlichungen der Kommision für neuere Geschichte Österreichs 41), Graz/Köln: Böhlau 1955
  • Karl Teply: Türkische Sagen und Legenden um die Kaiserstadt Wien. Graz-Wien-Köln: Böhlau Verlag 1980.
  • Zehn Berichte über die Wiener Türkenbelagerung des Jahres 1529. Viennensia. Nachdrucke aus der Wiener Stadt- und Landesbibliothek, hrsgg. v. Sylvia Mattl-Wurm, Walter Obermaier u. Andreas Weigl, Wien: Promedia 2005 (Nachdruck der Ausgaben Wien 1529-1532)


Einzelnachweise

  1. Günter Düriegl: Die Rundansicht des Niklas Meldemann zur ersten Belagerung Wiens durch die Türken im Jahre 1529 - Interpretation und Deutung. In: Robert Waissenberger (Hg.): Studien 79/80 aus dem Historischen Museum der Stadt Wien. Wien/München 1980 (Wiener Schriften 44), S. 121-123
  2. Heike Krause [u.a.]: Mauern um Wien. Die Stadtbefestigung von 1529 bis 1857. Wien: Phoibos Verlag 2014 (Wien Archäologisch, 6), S. 33
  3. Zehn Berichte über die Wiener Türkenbelagerung des Jahres 1529. Viennensia. Nachdrucke aus der Wiener Stadt- und Landesbibliothek, hrsgg. v. Sylvia Mattl-Wurm, Walter Obermaier u. Andreas Weigl, Wien 2005 (Nachdruck der Ausgaben Wien 1529-1532)
  4. Ferdinand Opll: Die Wiener Türkenbelagerungen und das kollektive Gedächtnis der Stadt. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 64/65 (2008/09), S. 176, 185
  5. Hans Bisanz: Wien 1529 - Vom Ereignis zum Mythos. In:Günter Düriegl [Red.]: Wien 1529 - die erste Türkenbelagerung. Wien: Böhlau 1979 (Katalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 62), S. 83-91.
  6. Xavier Sellés Ferrando: Die erste Türkenbelagerung Wiens in der spanischen Literatur. In: Wolfram Krömer (Hg.): Spanien, Österreich und Iberoamerika. Innsbruck: Verlag des Instituts für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck 1993, S. 169-181
  7. Karl Teply: Türkische Sagen und Legenden um die Kaiserstadt Wien. Graz-Wien-Köln: Böhlau Verlag 1980