Eligiuskapelle: Unterschied zwischen den Versionen

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Eligiuskapelle (1, Stephansdom), südwestliche Erdgeschoßkapelle an der Westfront des Doms (darüber befindet sich die [[Bartholomäuskapelle]]). Vermutlich von [[Rudolf IV.]] gestiftet, 1366 als bereits bestehend erwähnt. Der Blasius- und Eligiusaltar (nach dem sie benannt ist) ist seit 1368 (und noch 1779) nachweisbar (zu der 1366 von [[Albrecht III.]] angeordneten Aufstellung des zuvor auf der Empore befindlichen, von [[Friedrich dem Schönen]] gestifteten Leonhardsaltars kam es offenbar nicht). Erstmals 1390 kommt die Bezeichnung Herzogskapelle („Hertzogen chappelln", Urkunde vom 23. Februar), erstmals 1486 der Name Fürstenkapelle vor; davon ist die darüber befindliche, 1437 geweihte St.-Bartholomäus- und Georgskapelle (eine Stiftung Albrechts V. [1438/1439 auch römisch-deutscher König, daher 1438 „Königliche Kapelle"] zu unterscheiden. Die Bruderschaft der Goldschmiede, deren Schutzpatron der heilige Eligius war, ist 1520 als Verwalter einer Meßstiftung des Goldschmieds Thomas Gerhard, genannt Siebenbürger († 1472) nachweisbar (Stifter der Kapelle oder des Altars war sie jedoch nicht). Der marmorne Taufstein von 1481, der ursprünglich (so 1513 und 1548) inmitten des Doms vor dem Chor stand und 1639 in die [[Katharinenkapelle]] unter dem hohen Turm übertragen worden war, stand 1662-1780 in der Eligiuskapelle, die danach Taufkapelle benannt wurde (seit 1780 steht er wieder in der Katharinenkapelle). Auch als Kopulationskapelle (Kopulation = Trauung) kommt die Eligiuskapelle im 18. Jahrhundert vor. Eine in der Kapelle befindliche bemalte Muttergottesstatue ist entweder mit einer 1754 aus dem Nordchor (Frauenchor) des Doms hieher verbrachten Skulptur oder mit dem Kultbild „Hausmutter" gleichzusetzen, das 1784 aus dem [[Himmelpfortkloster]] in die Schatzkammer des Doms überführt wurde. Seit 1893 steht in der Kapelle ein gotischer Flügelaltar, der 1507 geweihte Valentinsaltar (zuvor in der oberen, nordwestlichen Kapelle, der Schatzkammerkapelle). Umstritten ist der ursprüngliche Standort eines einst fünf Fenster füllenden Glasgemäldezyklus von circa 1390, der Porträts von Habsburgern zeigt; er war 1779 in den Fenstern der Bartholomäuskapelle angebracht, um 1840 setzte man die Scheiben in die Hallen unter dem südlichen und nördlichen Hochturm ein, 1890 wurden sie dem Historischen Museum der Stadt Wien überlassen; vielleicht waren sie ursprünglich für die Eligiuskapelle (die ja ab 1390 „Herzogskapelle" war) bestimmt gewesen. Gegenwärtig dient die Eligiuskapelle der stillen Verehrung der auf dem Valentinsaltar ausgesetzten Eucharistie. ''(Richard Perger)''
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Eligiuskapelle (1, Stephansdom), südwestliche Erdgeschoßkapelle an der Westfront des Doms (darüber befindet sich die [[Bartholomäuskapelle]]). Vermutlich von [[Rudolf IV.]] gestiftet, 1366 als bereits bestehend erwähnt. Der Blasius- und Eligiusaltar (nach dem sie benannt ist) ist seit 1368 (und noch 1779) nachweisbar (zu der 1366 von [[Albrecht III. (Österreich)|Albrecht III.]] angeordneten Aufstellung des zuvor auf der Empore befindlichen, von [[Friedrich I. der Schöne|Friedrich dem Schönen]] gestifteten Leonhardsaltars kam es offenbar nicht). Erstmals 1390 kommt die Bezeichnung Herzogskapelle („Hertzogen chappelln", Urkunde vom 23. Februar), erstmals 1486 der Name Fürstenkapelle vor; davon ist die darüber befindliche, 1437 geweihte St.-Bartholomäus- und Georgskapelle (eine Stiftung Albrechts V. [1438/1439 auch römisch-deutscher König, daher 1438 „Königliche Kapelle"] zu unterscheiden. Die Bruderschaft der Goldschmiede, deren Schutzpatron der heilige Eligius war, ist 1520 als Verwalter einer Messstiftung des Goldschmieds Thomas Gerhard, genannt Siebenbürger († 1472) nachweisbar (Stifter der Kapelle oder des Altars war sie jedoch nicht). Der marmorne Taufstein von 1481, der ursprünglich (so 1513 und 1548) inmitten des Doms vor dem Chor stand und 1639 in die [[Katharinenkapelle]] unter dem hohen Turm übertragen worden war, stand 1662-1780 in der Eligiuskapelle, die danach Taufkapelle benannt wurde (seit 1780 steht er wieder in der Katharinenkapelle). Auch als Kopulationskapelle (Kopulation = Trauung) kommt die Eligiuskapelle im 18. Jahrhundert vor. Eine in der Kapelle befindliche bemalte Muttergottesstatue ist entweder mit einer 1754 aus dem Nordchor (Frauenchor) des Doms hieher verbrachten Skulptur oder mit dem Kultbild „Hausmutter" gleichzusetzen, das 1784 aus dem [[Himmelpfortkloster]] in die Schatzkammer des Doms überführt wurde. Seit 1893 steht in der Kapelle ein gotischer Flügelaltar, der 1507 geweihte Valentinsaltar (zuvor in der oberen, nordwestlichen Kapelle, der Schatzkammerkapelle). Umstritten ist der ursprüngliche Standort eines einst fünf Fenster füllenden Glasgemäldezyklus von circa 1390, der Porträts von Habsburgern zeigt. Er war 1779 in den Fenstern der Bartholomäuskapelle angebracht, um 1840 setzte man die Scheiben in die Hallen unter dem südlichen und nördlichen Hochturm ein, 1890 wurden sie dem Historischen Museum der Stadt Wien überlassen. Vielleicht waren sie ursprünglich für die Eligiuskapelle (die ja ab 1390 „Herzogskapelle" war) bestimmt gewesen. Gegenwärtig dient die Eligiuskapelle der stillen Verehrung der auf dem Valentinsaltar ausgesetzten Eucharistie.  
  
 
== Literatur ==
 
== Literatur ==

Aktuelle Version vom 20. Juni 2017, 15:05 Uhr

Art des Bauwerks Sakralbau
Jahr von 1366
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Herzogskapelle, Fürstenkapelle, Kopulationskapelle
Benannt nach Eligiusaltar
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  20.06.2017 durch WIEN1\lanm08sch
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
BezirkStraßeHausnummer
1Stephansplatz1

frühere Adressierung

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Derzeit wurden noch keine Konskriptionsnummer zu diesem Bauwerk erfasst!

Eligiuskapelle (1, Stephansdom), südwestliche Erdgeschoßkapelle an der Westfront des Doms (darüber befindet sich die Bartholomäuskapelle). Vermutlich von Rudolf IV. gestiftet, 1366 als bereits bestehend erwähnt. Der Blasius- und Eligiusaltar (nach dem sie benannt ist) ist seit 1368 (und noch 1779) nachweisbar (zu der 1366 von Albrecht III. angeordneten Aufstellung des zuvor auf der Empore befindlichen, von Friedrich dem Schönen gestifteten Leonhardsaltars kam es offenbar nicht). Erstmals 1390 kommt die Bezeichnung Herzogskapelle („Hertzogen chappelln", Urkunde vom 23. Februar), erstmals 1486 der Name Fürstenkapelle vor; davon ist die darüber befindliche, 1437 geweihte St.-Bartholomäus- und Georgskapelle (eine Stiftung Albrechts V. [1438/1439 auch römisch-deutscher König, daher 1438 „Königliche Kapelle"] zu unterscheiden. Die Bruderschaft der Goldschmiede, deren Schutzpatron der heilige Eligius war, ist 1520 als Verwalter einer Messstiftung des Goldschmieds Thomas Gerhard, genannt Siebenbürger († 1472) nachweisbar (Stifter der Kapelle oder des Altars war sie jedoch nicht). Der marmorne Taufstein von 1481, der ursprünglich (so 1513 und 1548) inmitten des Doms vor dem Chor stand und 1639 in die Katharinenkapelle unter dem hohen Turm übertragen worden war, stand 1662-1780 in der Eligiuskapelle, die danach Taufkapelle benannt wurde (seit 1780 steht er wieder in der Katharinenkapelle). Auch als Kopulationskapelle (Kopulation = Trauung) kommt die Eligiuskapelle im 18. Jahrhundert vor. Eine in der Kapelle befindliche bemalte Muttergottesstatue ist entweder mit einer 1754 aus dem Nordchor (Frauenchor) des Doms hieher verbrachten Skulptur oder mit dem Kultbild „Hausmutter" gleichzusetzen, das 1784 aus dem Himmelpfortkloster in die Schatzkammer des Doms überführt wurde. Seit 1893 steht in der Kapelle ein gotischer Flügelaltar, der 1507 geweihte Valentinsaltar (zuvor in der oberen, nordwestlichen Kapelle, der Schatzkammerkapelle). Umstritten ist der ursprüngliche Standort eines einst fünf Fenster füllenden Glasgemäldezyklus von circa 1390, der Porträts von Habsburgern zeigt. Er war 1779 in den Fenstern der Bartholomäuskapelle angebracht, um 1840 setzte man die Scheiben in die Hallen unter dem südlichen und nördlichen Hochturm ein, 1890 wurden sie dem Historischen Museum der Stadt Wien überlassen. Vielleicht waren sie ursprünglich für die Eligiuskapelle (die ja ab 1390 „Herzogskapelle" war) bestimmt gewesen. Gegenwärtig dient die Eligiuskapelle der stillen Verehrung der auf dem Valentinsaltar ausgesetzten Eucharistie.

Literatur

  • Hans Tietze: Geschichte und Beschreibung des St. Stephansdomes in Wien. Wien Schroll 1931 (Österreichische Kunsttopographie 23)
  • Hermann Göhler: Zur Geschichte der Eligiuskapelle des Wiener Stephansdomes. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich. Neue Folge 22. 1929, S. 532 ff.
  • Augustin Bartsch: Zur Lokalisierung der Herzogskapelle im Wiener Stephansdome. In: Wiener Geschichtsblätter. Band 4. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1949, S. 17 ff.
  • Ignaz Schlosser: Zur Frage der Glasgemälde der „Bartholomäuskapelle" in St. Stephan. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege. Hg. vom Österreichischen Bundesdenkmalamt. Band 3. Horn/Wien: Berger / Wien/München: Schroll 1939, S. 95 ff.
  • Rudolf Bachleitner: Der Wiener Dom. 1967, S. 17 f.
  • Feuchtmüller-Kodera: Wiener Stephansdom. 1978, S. 84 ff. und Register
  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 162