Eislauf

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Der Kupferstich aus Franz Gräffers "Kunst des Schlittschuhlaufens" illustriert die Grundlagen der Körperhaltung beim Eislaufen und des Anlegens des Schlittschuheisens sowie die Bewegungsabläufe beim geraden Lauf, Bogenlauf und Lauf in einer Schlangenlinie.
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildunterschrift]]  Der Kupferstich aus Franz Gräffers "Kunst des Schlittschuhlaufens" illustriert die Grundlagen der Körperhaltung beim Eislaufen und des Anlegens des Schlittschuheisens sowie die Bewegungsabläufe beim geraden Lauf, Bogenlauf und Lauf in einer Schlangenlinie.
Bildquelle Wienbibliothek, Druckschriftensammlung, A-8330
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
Das Eisparkett von unten gesehen. Skizze von Prof. Langl.

Eislauf. Vermutlich kam das Schlittschuhlaufen als Sport im 17. Jahrhundert in Frankreich auf. Die älteste Erwähnung in Wien fällt in die Zeit vor der Zweiten Türkenbelagerung: in Abraham a Sancta Claras Buch „Huy und Pfuy der Welt" (1680) sind auf Kupferstichen Eisläufer zu sehen. Zur Zeit Maria Theresias wurden auf Schlössern des Hochadels Eisfeste veranstaltet. Johann Peter Frank äußerte sich 1784 positiv über den Eislauf und bezeichnete ihn als eine dem Körper zuträgliche Bewegung. Der junge Goethe beschrieb in "Dichtung und Wahrheit" das Schlittschuhlaufen als "göttliches Vergnügen". Der Lustspieldichter Joachim Perinet erwähnt das "Schleiffen" 1788 in seinem Buch "Annehmlichkeiten in Wien". Als Örtlichkeiten, an denen man sich dieser Unterhaltung widmete, nennt er neben einem Herrschaftsgarten (wohl dem Belvedereteich) den Wienfluß und die Donau. Den Belvedereteich erwähnt auch Richter in seinen "Eipeldauer-Briefen" (1799).

Richtig in Mode kam der Eislauf mit der Eröffnung des Wiener Neustädter Kanalhafens (1803). Schon 1804 berichten die „Eipeldauer-Briefe" detailliert über den Eislauf am Kanal und im Kanalhafen vor dem Stubentor. Soweit im Stadtgraben Wasser gefror, gab es auch dort Schlittschuhläufer. Allmählich bemächtigten sich auch Künstler der neuen Unterhaltung: Opitz überliefert in einem Bild die Szenerie des Kanalbeckens, ein gewisser Werner komponierte ein darauf bezogenes Klavierstück. Später komponierte Emil Waldteufel den "Schlittschuhläufer" (opus 183). Der Buchhändler Franz Gräffer, selbst ein passionierter Eisläufer, erwog 1810 den Betrieb einer Schlittschuhlaufanstalt und schrieb 1827 (unter dem Pseudonym F. E. Farga) ein Buch über das Schlittschuhlaufen. Gräffers Gesuch wurde von der Polizeioberdirektion abgewiesen, weil die von ihm vorgeschlagene Anstalt "weder in politischen noch militärischen Bildungs-Ansichten Nutzen schaffen" könne und sich die Polizei nur "unnötiger Weise neue lästige Aufsicht" zuziehen würde. Während des Wiener Kongresses produzierten sich im Rahmen einer pompösen Schlittenfahrt nach Schönbrunn auf dem dortigen Schloßteich Eisläufer in nordischen Kostümen (1815).

Beliebte Eislaufplätze im Vormärz

Im Vormärz waren beliebte Örtlichkeiten der gestaute Wienfluß bei der Stubentorbrücke, der Stadtgraben, der Belvedereteich, die Praterauen und natürlich weiterhin der aufgelassene Wiener Neustädter Kanal. In der Ringstraßenzone folgten ab 1863 der damals angelegte Stadtparkteich sowie der gestaute Wienfluß. Eine größere private Eisbahn befand sich im Garten des Fürsten Schwarzenberg. Es folgten der Cottage-Eislaufverein (19), der Fünfhauser Eisplatz (15), der Hernalser Eisclub (17; Kunsteisbahn Engelmann) und das "Siebente Bezirks-Eis" (7, Neustiftgasse). War der Eislauf anfangs den Männern vorbehalten (die Damen ließen sich von ihren Kavalieren in Schaukelstühlen oder Schlitten über das Eis schieben), so findet man im Vormärz immer häufiger Frauen auf dem Eis (wie etwa die Berliner Sängerin Henriette Sonntag 1823-1825).

Wiener Eislauf-Vereine

Ab 1825 wurden die Schlittschuhe aus Knochen durch solche aus Holz (mit Metallschiene) verdrängt. 1850 kam der an den Schuh aufgeschraubte "amerikanische" Schlittschuh in Mode, 1865 der Halifax-Schlittschuh (der mittels einer Feder an Sohle und Absatz festgehalten wurde). In den 1860er Jahren formierten sich die Anhänger des Eislaufsports und gründeten 1867 einen Verein (Gründersitzung 3. Februar), dessen Proponenten an die Gemeinde Wien mit dem Ersuchen herantraten, dem Verein den Platz bei der Verbindungsbahn gegenüber der Markthalle mietweise zu überlassen. Der „Wiener Eislaufverein" wurde am 14. Juni 1867 von der Niederösterreichischen Statthalterei genehmigt, doch erst am 27. November 1867 kam der angestrebte Pachtvertrag zustande. Ein besonderes Ereignis war das Auftreten des berühmten Eistänzers Jackson Haines am 16. Jänner 1868, dessen Vorführung sogar der Kaiser beiwohnte (Haines hatte einen leichten Metallschlittschuh entwickelt).

Unter den Zuschauern befand sich auch der Wachstuchfabrikant Eduard Engelmann (der Ältere), und dies führte zur Gründung des Eislaufplatzes in Hernals beziehungweise zur Begründung der Eissportdynastie Engelmann, die 1892 bis 1936 17 Weltmeister, elf Europameister und vier Olympiasieger hervorbrachte (unter ihnen Österreichs erfolgreichsten Eiskunstläufer, Karl Schäfer, der mit Christa, der Tochter von Eduard Engelmann, verheiratet war). Die Engelmann-Arena, für die Engelmann 1871 einen Gewerbeschein erhielt, wurde bald über die Grenzen Wiens hinaus bekannt, vor allem durch ihre Freiluft-Kunstbahn. 1869 veranstaltete der Wiener Eislaufverein das erste Eisrennen, 1875 das erste Damenkunstlaufen. Korper, Diamantidi und Wirth schufen 1881 mit dem Buch "Spuren auf dem Eis" die systematische Grundlagen für den Eislauf. Nach der Regulierung des Wienflusses befand sich unterhalb der Stubentorbrücke ein selbsttätiges Stauwehr, welches im Winter das Flußbett in einen Eislaufplatz verwandelte. 1897 schlössen sich die Eislaufvereine zum Österreichischen Eislaufverband (mit Sitz in Wien) zusammen, der österreichische Meisterschaften im Kunstlaufen, Schnelläufen und (ab 1937) im Eistanzen veranstaltete. 1898 bis 1920 bestand der Augarten-Eislaufplatz (ein Privatunternehmen). Anfang des 20. Jahrhunderts wurde für den Besuch des Eislaufplatzes 19, Hohe Warte 8, geworben.

Eislaufplatz beim Margaretengürtel/Gaudenzdorfer Gürtel; im Hintergrund Stadtbahnbrücke (Otto-Wagner-Brücke) (22.1.1964)

Entwicklung nach dem Ersten Weltkrieg

Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden in der Leopoldstadt weitere Plätze (darunter 1935 der "Olympia-Eislaufplatz", angelegt vom Prater-Wirtschaftsverband, auf dem im Sommer Zirkusse gastieren). In den 1920er Jahren bemühte sich die Stadtverwaltung, für Kinder (neben Kinderfreibädern, Sport- und Spielplätzen) auch Eislaufplätze zu schaffen. Der Eiskunstlauf wurde durch die "Wiener Schule" international berühmt (Kunstlauffiguren nach dem System Korpers). Die Wiener Eiskunstläufer dominierten jahrzehntelang bei den Welt- und Europameisterschaften: Helene Engelmann und Alfred Berger gewannen 1922 und 1924 die WM im Paarlaufen und wurden 1924 auch Olympiasieger, Franz Kachler wurde 1923 zum dritten Mal Weltmeister, Herma Planck-Szábo gewann 1922 bis 1926 die Weltmeisterschaft der Damen, Willy Böckl 1925 bis 1928 jene der Herren. Karl Schäfer wurde 1930-1936 sechsmal Weltmeister, war 1932 und 1936 Olympiasieger und gewann achtmal den Europameisterschaft-Titel.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg errangen am 29. Jänner Eva Pawlik und am 30. Jänner 1949 Edi Rada Europameistertitel, 1967 wurde Emmerich Danzer vor Wolfgang Schwarz, 1968 Schwarz vor Danzer Eiskunstlauf-Weltmeister, 1972 Beatrix Schuba (* 15. April 1951 Wien) Olympiasiegerin im Eiskunstlauf und 1982 Claudia Kristofics-Binder Europameisterin. Siehe auch Eislaufplatz, Wiener Eisrevue, Eisring-Süd, Eduard Engelmann (der Jüngere), Kunsteisbahn Engelmann.

Literatur

  • Ingrid Wendl: Eis mit Stil. Eine Eisläuferin der Weltklasse – sie weiß, wovon sie spricht, wenn sie Wiener Eisgeschichte erzählt. Wien / München: Jugend & Volk 1979, S. 9 ff.
  • Gustav Gugitz: Eislauf in Alt-Wien. In: Emil Karl Blümml / Gustav Gugitz: Von Leuten und Zeiten im alten Wien. Wien: Gerlach und Wiedling 1922, S. 142 ff.
  • Gustav Gugitz: Eislauf in Alt-Wien. In: Wiener Zeitung, 29.11.1918
  • Joachim Perinet: Annehmlichkeiten in Wien. Heft 1. Wien: bey Lukas Hochenleitner 1788, S. 47 ff.
  • Franz Gräffer: Kleine Wiener Memoiren und Wiener Dosenstücke. In Auswahl hg. von Anton Schlossar unter Mitwirkung von Gustav Gugitz. Band 1. München: G. Müller 1918 (Denkwürdigkeiten aus Alt-Österreich, 13), S. 98 ff.
  • Renate Wagner-Rieger [Hg.]: Die Ringstraße. Bild einer Epoche. Die Erweiterung der Inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Joseph. Band 11. Wiesbaden: Steiner 1981, S. 251 ff.
  • Christian Brandstätter: Stadtchronik Wien. 2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Wien [u.a.]: Brandstätter 1986, Register
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 1: Geschichte, historische Hilfswissenschaften, Festungswerke und Kriegswesen, Rechtswesen, Kulturgeschichte, Sittengeschichte. Wien: Touristik-Verlag 1947, S. 495