Eisgrübel

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Petersplatz mit der "Peterswache".
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1453
Jahr bis
Andere Bezeichnung Großes Eisgrübel
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Eisverkäufer
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner Johann Nepomuk Ender
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  4.06.2017 durch DYN\krabina
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname Peterswache.jpg
Bildunterschrift  Der Petersplatz mit der "Peterswache".
Bildquelle Wilhelm Kisch: Wien. Wien: Gottlieb 1883
Bildrechte
BezirkStraßeHausnummer
1Petersplatz11

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Innere Stadt54719701975
Innere Stadt60818211862
Innere Stadt64819751821
Innere Stadt54619701975
Innere Stadt60618211862
Innere Stadt64619751821
Innere Stadt54419701975
Innere Stadt60518211862
Innere Stadt64519751821
Innere Stadt54319701975
Innere Stadt60718211862
Innere Stadt64719751821
Innere Stadt54519701975
Innere Stadt60918211862
Innere Stadt64919751821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Petersplatz 11 (Konskriptionsnummern 609, 608, 607, 606 und 605, "Großes Eisgrübel" im Gegensatz zum "kleinen Eisgrübel" [1, Petersplatz 9]; ursprünglich "auf dem St.-Peters-Freythof").

Das Eisgrübel

Auf der Grundfläche des heutigen Hauses befand sich einst ein ganzer Gebäudekomplex, welcher das sogenannte Eisgrübel umschloss. Dieses Stück Alt Wien das erst im Jahr 1896 verschwand, wurde so benannt, weil hier die Eisverkäufer, die das Eis in den Kellern der Umgebung konservierten, ihren Standplatz hatten. 1430 wurde das Eisgrübel erstmals erwähnt. Laut städtischer Vorschreibung aus dem Jahr 1500 stand an dieser Stelle eine Steinmetzhütte des Meisters Konrad Gessing, die später wieder verschwand.

1559 führte die Örtlichkeit in den Stadtgrundbüchern die Bezeichnung "unter den Eisnern", die später wieder verschwand. Eine Zeit lang fand hier auch der Verkauf von Töpferwaren statt. Nach Weiskerns Topographie findet sich 1701 der "Töpfermarkt am Eisgrübel" hier und ein Jahr später gesellten sich zu den Hafnern ein Porzellanhändler, der im Eisgrübel seinen Laden eröffnete, welcher aber bald mehr einer Kunsthandlung als einem Geschirrgeschäft entsprach. Er hielt sich dort durch fast 200 Jahre und erst als das Eisgrübel im Jahr 1895 demoliert wurde, übersiedelte das Geschäft (Firma Denk) auf den Graben 13, wo es das ehemalige Ladenschild vom Eisgrübel trägt.

Als 1688 die erste öffentliche Straßenbeleuchtung eingeführt worden war, hatte der Stadtölerer in diesem Gebäude seinen Sitz. Da die Lampen täglich mit frischem Talg gefüllt werden mussten geschah in der ersten Zeit beim Hahnenbeiß am Hof, seit 1693 beim Petersfreithof, wohin die Beauftragten der Hausbesitzer die Lampen bringen mussten.

Zur Zeit der großen Pest im Jahr 1679 wurden im Eisgrübel die Leichen aufgestapelt, wo sie dann auf Wagen zu laden und zu den Pestgruben gebracht wurden.

Der Grundriss des Suttingerplans von 1684 zeigt uns das Eisgrübel als eine nur im Osten und Norden von Häusern begrenzte, nach dem Petersplatz zu aber offene Flächen, erst nach dem Neubau der Peterskirche wurde dort an der Ecke der Goldschmiedgasse und zwischen dieser und dem silbernen Vogel (Haus Stadt 609) ein ebenerdiges Gebäude für die Rumorwache errichtet, das nun das Eisgrübel vom Petersplatz abschloss, aber zwischen der Wachstube und dem silbernen Vogel einen Zugang zum Petersplatz offen ließ. Auf dem Nagelplan von 1770 ist dies deutlich zu sehen.

Ursprünglich war die Rumorwache an den rückwärtigen Teil der alten Peterskirche angebaut, wie dies der Suttingerplan und die oben erwähnte Planskizze deutlich zeigt. Hier hatten zwei Fähnlein der Bürgerschaft ständigen Dienst. Später trat an deren Stelle die Stadtguardia. Diese Wachstube wird schon in der Stadtrechnung von 1602 erwähnt. Als man die alte Kirche niederriss, musste für die Unterbringung der Wachstube anderweitig gesorgt werden. Das Eisgrübel bot dafür Platz genug. Auf einem Teil des Grundes ein kleines Gebäude zu errichten das 150 Mann der Rumorwache Raum aufnehmen konnte. Es hatte zwei Seitenflügel und zeigte gegen den Petersplatz hin eine offene Ballustrade, dort zog die Wache täglich mittags mit Piken und Hellebarden auf. Gegen 1800 erfolgte der Aufbau einer neuen Wachstube. Auch dieses Gebäude war ebenerdig, von allen Seiten freistehend und hatte einen auf fünf Bögen ruhenden steinernen Laubengang. Im rückwärtigen Teil des Objektes befanden sich bis 1854 Pferdestallungen, die später seitens der Denk'schen Porzellanhandlung als Magazin genutzt wurde.


Die das Eisgrübel umsäumenden Häuser, die alle in das gegenwärtige Haus Petersplatz 11 aufgegangen sind, waren:

Haus Stadt 609

"Zum silbernen Vogel" beschildert, durch Abspaltung vom Haus Stadt 608 hervorgegangen. 1554 erstmals genannt. 1895 wurde Haus Stadt 609 abgebrochen.

Haus Stadt 608

Nach dem Tode des Besitzers von Haus Stadt 607 durch Abtrennung desselben Hauses entstanden. 1895 erfolgte der Abbruch des Hauses Stadt 608.

Haus Stadt 607

Mit dem Hausschild "Wo sich der Hahn im Spiegel schaut". Über die Herkunft des Namens ist nichts Sicheres bekannt. Ihn mit den Hahnenkämpfen in Verbindung zu bringen, die bis Beginn des 15. Jahrhunderts in Wien ein beliebtes Schauspiel boten, ist eine willkürliche Auslegung.

Ursprünglich befanden sich an Stelle dieses Hauses drei Häuser:

Haus A

Haus A war das größte unter den dreien, das auch das Stammhaus von den Häusern Stadt 608 und 609 war und wird 1377 erstmals genannt. Nach vielfachem Besitzerwechsel vermachte es Benedikt Khalch in seinem Testament vom Jahr 1570 den armen Leuten des kaiserlichen Hofspitals, im Bürgerspital und in jenem zu St. Marx. Die Spitalmeister und Väter dieser Spitäler verkauften es 1579 dem Mathes Schlab, unter dem die Häuser A, B und C in eines verbaut wurden. Weiter siehe unter Haus C.

Haus B

1387 erstmals genannt. Auch dieses Haus wurde, nach vielfachem Besitzerwechsel, an Benedikt Khalch verkauft, der es auf Grund seines Vermächtnisses an die unter Haus A bezeichneten Spitäler und in der Folge an Mathes Schlab gab.

Haus C

1450 erstmals genannt. 1597 wurden die Häuser A, B und C unter Mathes Schlab in eines Zusammengebaut. Nach mehrfachem Besitzerwechsel kaufte es am 14. Juni 1845 der kaiserlich königliche akademische Rat und Professor der Historienmalerei Johann Ender. In diesem Haus befand sich der nach seinen Stammgästen benannte Rauchfangkeller, von dem das Judenprogrom vom April 1700 seinen Ausgang nahm (siehe Freisingergasse 4).
Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts war in dem Haus das Speise des Anton Januschek, von dem es im Kommerzialschema der Stadt Wien vom Jahr 1780 heißt: "Anton Januschek gibt täglich um halber 1 Uhr vor 24 Kreuzer mit Ausnahme des Weins Tafel am Peter Stadt 545 (damalige Konskriptionsnummer)".

Haus Stadt 606

1406 erstmals erwähnt. 1450 kaufte es Laurenz Haiden, dieser war 1479 bis 1485 Bürgermeister von Wien. 1896 wurde das Haus abgebrochen.

Den einstigen Schildnamen des Hauses "zum Küss‘ den Pfennig" teilte es mit mehreren Häusern der Stadt. Die gemeinsame Abteilung könnte von einem Wiener Bürgergeschlecht herrühren, das im 15. Jahrhundert wiederholt genannt wird.

Haus Stadt 605

Das Haus Stadt 605 führte das Schild "Zum Eisgrübel" und bestand ursprünglich aus zwei Häusern. Haus (1470 erstmals erwähnt) und Haus B (1438 erstmals erwähnt), die aber bereits seit 1503 einen Besitzer hatten. 1895 wurde das Haus Stadt 605 abgebrochen. Hier wurde 1702 die heutige Glas- und Porzellanfirma Albin Denk begründet (heute 1, Graben 13).

Der Neubau am Petersplatz 11

1895/1896 wurden alle hier aufgeführten Häuser niedergerissen und mit ihnen verschwand das Eisgrübel. Der Platz wurde reguliert, die Goldschmiedgasse in gleichbleibender Breite vom Stephansplatz bis zum Petersplatz geführt und auf der freigewordenen Fläche zwischen Freisinger- und Goldschmiedgasse ein dreifrontiges mächtiges Zinnshaus aufgeführt. Das heutige Haus "Zum Eisgrübel" wurde 1895-1897 nach einem Entwurf von Emil Bressler durch Oskar Laske & Viktor Fiala für Albert Freiherr von Hardt errichtet.

Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Haus Stadt 607:

  • Rauchfangkeller
  • Speisehaus des Anton Januschek

Haus Stadt 605:

  • Glas- und Porzellanfirma Albin Denk begründet (heute 1, Graben 13)

Literatur

  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechanische Wiedergabe [der Ausgabe von 1883]). Band 1. Cosenza: Brenner 1967, S. 156 ff.
  • Neues Wiener Tagblatt. Wien, 24.10.1895 (Demolierung)
  • Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer. Band 3/1: Wien. 1.-12. Bezirk. Salzburg: Residenz-Verlag 1990, S. 49
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 451
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 1. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 202 – 217