Dreifaltigkeitssäule (1)

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Die Dreifaltigkeitssäule am Graben (1957)
Art des Bauwerks Denkmal
Jahr von 1680
Jahr bis
Andere Bezeichnung Pestsäule
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Heiligen Dreifaltigkeit, Pest
Einlagezahl
Architekt Joseph Frühwirth, Matthias Rauchmüller, Johann Bernhard Fischer von Erlach, Paul Strudel, Lodovico Ottavio Burnacini, Johann Ignaz Bendl, Tobias Kracker (der Ältere), Matthias Gunst
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  6.06.2017 durch WIEN1\lanm08jan
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Bildname Dreifaltigkeitssaeule1.jpg
Bildunterschrift  Die Dreifaltigkeitssäule am Graben (1957)
Bildquelle WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 57374/12
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Graben

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Dreifaltigkeitssäule (1, Graben, "Pestsäule"). Die Dreifaltigkeitssäule ist ein hervorragendes Beispiel der architektonischen Bildhauerei des Hochbarock.

Die Pestsäule - ihre Entstehung anlässlich der Pestepidemie 1679

Sie verdankt ihr Entstehen einem Gelübde, das Leopold I. anlässlich der Pestepidemie 1679 abgelegt hatte, und war ursprünglich nur aus Holz gefertigt.

Die von Joseph Frühwirth entworfene Säule trug am Sockel neun Engelsfiguren und war von einer Dreifaltigkeitsgruppe bekrönt. Am 17. Juni 1680 fand das bekannte "Dankfest" vor der Säule statt. Von einer provisorischen Kanzel predigte 1680 Pater Abraham a Sancta Clara.

"Noch im Juli", erzählte Abraham a Sancta Clara, "stand die Stadt in höchster Glorie, die Burg war vom Kaiser bewohnt, der Adel in unzähliger Menge anwesend, der russische und der polnische Botschafter hielten mit großer Pracht ihren Einzug und klingende Trompeten und allseits erschallende Musik aus den adeligen Palästen und Höfen machte solches Getöse, dass man davor gehalten, der Himmel habe ein Loch bekommen, wodurch die Freude metzenweis in die Wiener Stadt gefallen."
Doch wenige Tage darauf steigerten sich die Pestfälle in solchem Maß, dass sie große Bestürzung hervorriefen. Der Kaiser zog sich mit dem Hof am 9. August auf den Kahlenberg (heute: Leopoldsberg) zurück. Später verlegte er seine Residenz nach Prag. Ihm folgten der Adel, die Gesandten, die Räte und reicheren Bürger. Die Straßen der Stadt und die Vorstädte waren öd und verlassen. Handel und Gewerbe standen still und fast niemand getraute sich aus Furcht vor der Ansteckung aus dem Hause. Bis zum 28. September standen 300 Häuser leer und man zählte 21.000 Tote.

Über die Gesamtzahl der Pestopfer des Jahres 1679 und außerhalb der Stadt schwanken die Berichte zwischen 76.921 und 140.516, doch mag die zweite Ziffer zu hoch gegriffen sein.

Überall in den Straßen, den Häusern, außerhalb der Stadt in den Weingärten lagen Leichen, die rechtzeitig wegführten und zu bestatten, ein Ding der Unmöglichkeit war, da es allerorts an Arbeitskräften mangele. Der bürokratische Zopf, gegen den der berühmte Arzt dieser Zeit, Paul von Sorbait, vergeblich ankämpfte, machte das Übel noch ärger. "Oftmals" so schrieb er in einem Bericht vom 30. September 1679, "predigte ich vor tauben Ohren, besonders bei den Urhebern des bösen Rates, welcher lieber alle zugrunde richten wollten, als ihre Irrtümer einsehen und bessern."

Die Dreifaltigkeissäule - Ausführung und Programm

Die Dreifaltigkeitsgruppe, die sich auf der alten Holzsäule befand, kam vermutlich nach Zwölfaxing (Niederösterreich). 1682 erhielt Matthias Rauchmüller den Auftrag für eine Marmorsäule, zu der Leopold I. am 30. Juni 1687 den Grundstein legte und die am 29. Oktober 1693 (Dreifaltigkeitstag) geweiht wurde. 1687/1688 wurde der von Rauchmüller († 1686) begonnene Sockel von Johann Bernhard Fischer von Erlach verändert. Den Wolkenobelisk (der unter Leitung Paul Strudels von ihm selbst und anderen Bildhauern ausgeführt wurde) entwarf nach dem architektonischen Grundgedanken Fischers Lodovico Ottavio Burnacini. Die von Fischer begonnenen Reliefs am Sockel vollendete Johann Ignaz Bendl. Auf dem starken Sockel ruht ein in zwei Stockwerke geteilter Unterbau, über den sich eine aus Wolken aufsteigende dreiseitige Pyramide erhebt, die ihrerseits von der Heiligen Dreifaltigkeit (ausgeführt vom Augsburger Johann Kilian) bekrönt ist. An dieser Arbeit beteiligten sich die Bildhauer Joseph Frühwirth, Matthias Rauchmüller, Tobias Kracker und Matthias Gunst. Das komplizierte ikonographische Programm entwarf der Jesuit Pater Franciscus Menegatti (später Beichtvater Leopolds I.).

Die Höhe der Säule (21 Meter) entspricht fast genau der Höhe des Hochaltars des Stephansdomes, der nur 20 cm niedriger ist.

1., Graben mit Pestsäule, um 1940

Die Seitenflächen der Dreifaltigkeitssäule

An den Seitenflächen des Sockels befinden sich je sechs Reliefs mit folgenden Darstellungen: Schöpfung, Pest, Passahfest, Letztes Abendmahl, Sintflut, Pfingstwunder (unten); Himmelskugel mit Tierkreis und Gestirnen, Erdkugel mit vier Winden, Lamm Gottes mit Osterfahne, Cherubim mit Kelch, Hand Gottes mit Gesetzestafeln, geflügeltes flammendes Herz (oben). An den Stirnflächen des Unterbaus Wappen Österreichs, Ungarns und Böhmens. Vor der reliefgeschmückten Sockelzone an der Südseite Figurengruppe "Glaube besiegt die Pest" (von Paul Strudel), darüber betend Leopold I.

Programm

Die heilige Dreifaltigkeit, der die Säule geweiht ist, wird hier zur Analogie der Dreistaatlichkeit der habsburgischen Hausmacht gesetzt, eine Vorstellung, die in der Barockzeit immer wiederkehrt. Ihr Sinn ist: Der Dreipersönlichkeit Gottes entsprechen im Irdischen die drei Staatsgebilde Österrreich, Ungarn und Böhmen, die das Reich der Habsburger bildeten. In der Anordnung der Wappen wird das noch sinnfälliger zum Ausdruck gebracht. Dieser Gedanke von den Staaten, die ein Reichsganzes bilden, wiederholt sich immer wieder von der Kaiserkrone Rudolf II. bis zum prächtigen Doppelsarkophag der Kaiserin Maria Theresia und ihres Gemahls Franz von Lothringen. In dieser Säule vereinigt sich die Festlichkeit und Monumentalität in großartiger Weise und verschmelzen zum ersten Werk des Wiener Hochbarock.

Rezeption

Diese Dreifaltigkeitssäule war vorbildlich, und es entstanden weitere Säulen, zum Beispiel eine Dreifaltigkeitssäule im 7. Wiener Gemeindebezirk bei der Ulrichskirche 1713, im 8. Wiener Bezirk bei der Maria Treukirche, ebenfalls zu Beginn des 18. Jahrhunderts und im 9. Bezirk vor der Servitenkirche.

Sonstiges und Kurioses

Johann Basilius Küchelbecker erzählt als Augenzeuge, dass noch unter Karl VI. täglich bei der Dreifaltigkeitssäule Andachten abgehalten wurden und zur Sommerzeit um sieben Uhr immer eine Predigt unter zahlreichem Andrang stattfand.
Ein Kuriosum trug sich zu als auf Befehl des Kaisers Leopold I. dort ein Schilderhaus errichtet wurde und hier Tag und Nacht ein Posten stand. 1714 wurde das Schilderhaus durch einen Sturm umgeworfen, und da niemand die Kosten für die Wiederherstellung tragen wollte, hatte der damalige Kommandant schon den Auftrag gegeben, den Posten ganz einzuziehen, als das Vicedomamt sich endlich bereit erklärte die Summe aufzubringen, worauf der Posten wieder seines Amtes waltete. Dieses Schilderhaus ist sogar noch auf Schütz' Ansicht vom Graben aus dem Jahr 1781 wahrzunehmen.


Das Denkmal wurde wiederholt restauriert, zuletzt 1980/1981 (offizielle Übergabe 28. November 1981).

Literatur

  • Felix Czeike: Der Graben. In: Felix Czeike: Der Graben. Wien [u.a.]: Zsolnay 1972 (Wiener Geschichtsbücher, 10), S. 105 ff.
  • Gerhardt Kapner: Freiplastik in Wien. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1970, S. 140
  • Heinrich Srbik / Reinhold Lorenz: Die geschichtliche Stellung Wiens 1740-1918. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien (Geschichte der Stadt Wien, Neue Reihe, 7/1), S. 100 f.
  • Gerolf Coudenhove: Die Wiener Pestsäule. 1958
  • Die Wiener Pestsäule. In: Restauratorenblätter. Band 6. 1982
  • Tietze-Conrat: Die Pestsäule am Graben in Wien (Österreichische Kunstbücher 17)
  • Alois Mauser: Die Dreifaltigkeitssäule am Graben in Wien. In: Berichte und Mitteilungen des Altertums-Vereines zu Wien. Band 21. Wien: Gerold 1882, S. 82 ff.
  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 55
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 74 f.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 1. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 167 – 169