Dreifaltigkeitshof (1)

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1204
Jahr bis 1910
Andere Bezeichnung Lazenhof, Zur heiligen Dreifaltigkeit
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Dreifaltigkeitskapelle (1, Judengasse 10-12)
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser, Wolfgang Wirsig: Wiener Hofnamen
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BezirkStraßeHausnummer
1Bauernmarkt21
1Judengasse8
1Lazenhof2

frühere Adressierung

 BezirkStraßeHausnummerJahr vonJahr bis
Dreifaltigkeitshof (1)1Judengasse10-121910
Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt53217951821
Stadt49618211862
Stadt49717701795
Stadt49718211862
Stadt49617701795
Stadt49818211862
Stadt49817701795
Stadt53017951821
Stadt53117951821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Dreifaltigkeitshof (1, am alten Kienmarkt, ursprünglich Judengasse 8-12, Fleischmarkt, Bauernmarkt 21, Lazenhof 2; Konskriptionsnummer 496-498; heute führt hier eine Stiege zum Fleischmarkt hinunter).

Der 1204 erstmals erwähnte Hof (der bis 1910 hier stand) trug seinen Namen nach der Dreifaltigkeitskapelle. Der Hof wurde von Herzog Friedrich II. eingezogen, jedoch von Gertrud von Mödling 1247 Berthold dem Kämmerer geschenkt. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts war der Dreifaltigkeitshof ein stattliches Anwesen mit Nebengebäuden und Gärten, einer Presse, einem Backhaus, einem Weinkeller und zwei Brottischen.

Im Dreifaltigkeitshof nahm 1276 ein Brand seinen Ausgang, der den Kienmarkt und den Hohen Markt verheerend traf. Der neuerrichtete Hof wurde 1280 von Konrad von Tulln, der seit 1275 dessen Besitzer war, den Dominikanerinnen in Tulln geschenkt. 1295 wurde ein Teil (späterer Lazenhof) abgetrennt (Judengasse 8, Lazenhof 2, Fleischmarkt 2). In diesem Jahr verkauften die Nonnen den Dreifaltigkeitshof an dem späteren Bürgermeister Heinrich von der Neiße. Im 14. und 15. Jahrhundert findet man Angehörige der Patriziergeschlechter Zink, Chrannest, Reicholf und Galander sowie den Bürgermeister Jans am Kienmarkt unter den Besitzern des Hofs. Seit 1380 lässt sich der Gasthof "Zur Heiligen Dreifaltigkeit" im Dreifaltigkeitshof nachweisen.

Vor allem im 14. Jahrhundert wurde die Kapelle von der Wiener Bürgerschaft sehr verehrt, wodurch es zu vielen Stiftungen kam.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war der Hof bereits in sehr baufälligem Zustand. Beim Anfang des 18. Jahrhunderts erfolgten Um- beziehungsweise Neubau wurde das Grundstück geteilt und darauf die Häuser Stadt 496, 497 und 498 errichtet.

Haus Stadt 496

Dieses Gebäude, das zwischen den beiden anderen lag, war drei Stockwerke hoch und beherbegte den Gasthof "Zur Heiligen Dreifaltigkeit". Zu diesem Haus gehörte auch die Kapelle, die 1730 neu errichtet wurde. Sie wurde von zwölf Ordenspriestern verwaltet, wobei jeden Abend ein Mönch eine Predigt vor der Dreifaltigkeitssäule am Graben halten musste. Nach der Aufhebung der Kapelle durch Joseph II. (1782) wurde diese entweiht und umgebaut. Ein Teil der ehemaligen Kapelle wurde zur Erweiterung der Gastwirtschaft genutzt, im Rest wurden mehrere Privatwohnungen untergebracht. Aus einer Beschreibung aus dem Jahr 1908 geht hervor, dass die Gastwirtschaft düster und schmutzig war, wobei sich an der Fensterwand halb verloschene Bilder befanden und der Fußboden aus Sägespänen bestand.

An der Nordwand des Gebäudes waren Heiligenbilder in barocken, von Engeln getragenen steinernen Kartuschen angebracht. Im Jahr 1910 wurde das Haus abgebrochen, wobei wahrscheinlich auch die erwähnten Heiligenbilder zerstört wurden.

Haus Stadt 497

Das Haus Stadt 497 war mit vier Stockwerken das größte der drei Gebäude. Seltsamerweise fehlt es im Häuserkataster des Jahres 1885, obwohl es erst 1910 abgetragen wurde.

Haus Stadt 498

Dieses Haus wird als "der heiligen Dreifaltigkait Zuhaus" und "Freihaus" bezeichnet. Ab 1848 gehörte es den jeweiligen Besitzern des Hauses Stadt 496 und wurde gemeinsam mit den beiden anderen Häusern im Jahr 1910 niedergerissen.

Eine durch den Dreifaltigkeitshof verlaufende Stiege verband (über zwei Stockwerke gehend) die tiefergelegene Torgasse mit der höhergelegenen Judengasse. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts verkehrte von hier aus zweimal wöchentlich (Sonntag und Mittwoch) der Stellwagen nach Preßburg. Nach der Demolierung des Dreifaltigkeitshofes wurde 1911 der Fleischmarkt über dieses Areal verlängert.

Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

  • Gasthof "Zur Heiligen Dreifaltigkeit"

Literatur

  • H. Jaden: Der Dreifaltigkeitshof. In: Alt-Wien. Monatsschrift für Wiener Art und Sprache. Wien: Raimann & Godina 1897, S. 28 ff.
  • Margarete Girardi: Wiener Höfe einst und jetzt. Wien: Müller 1947 (Beiträge zur Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte der Stadt Wien, 4), S. 51 ff.
  • Hermine Cloete: Zwischen Gestern und Heute. 51911, S. 130 ff.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur, Wien ²1951 ff. (Manuskript im Wiener Stadt- und Landesarchiv), S. 51 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 227 f. (Dreifaltigkeitshofkapelle), 331 (Dreifaltigkeitshof und Gasthof)
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 3. Teil. Wien ²1951 (Manuskript im WStLA), S. 551-556